Baum des Jahres 2018

Die Esskastanie/Edelkastanie

Die Stiftung „Baum des Jahres“ ernennt die Esskastanie (Castanea sativa) zum Baum des Jahres 2018. Nicht nur kulinarisch, sondern auch forstlich und ästhetisch überrascht der Baum mit seiner Vielseitigkeit.

Die Esskastanie hat eine recht junge Geschichte in unseren Breiten. Sie gilt zwar nicht als heimische Baumart, gehört aber – zumindest in Südwestdeutschland – längst in die über Jahrtausende entstandene Kulturlandschaft.

Anne Köhler, Deutsche Baumkönigin 2018

Eine neue Baumart in Deutschland?

Die Edelkastanie ist mit einem Verbreitungsgebiet entlang der französichen Mittelmeerküste, über die Schweiz, Italien und Österreich bis in den Balkan und Kaukasus der Baum des Südens. Wann die ersten Esskastanien ihren Weg nach Deutschland fanden und wieviel der Mensch dazu beigetragen hat, ist nicht exakt zu bestimmen. Im Mittelmeer etablierten die Griechen den Baum und in der Bronzezeit wurde er in Südfrankreich kultiviert. Auch damals handelten die Menschen eruopaweit und es ist möglich, dass Esskastanien bis nach Germanien ihren Weg fanden. Die Römer brachten sie schließlich vor rund 2000 Jahren über die Alpen. Sie erkannten die günstigen Voraussetzungen und etablierten die Art entlang des Rheins, der Nahe, der Mosel und der Saar.

Schirmherr und Baumkönigin

Schirmherr für den Baum des Jahres 2018 ist der Baden-Württembergische Minister für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Peter Hauk.

Als neue Baumkönigin wird Anna Köhler 2018 bei Pflanzungen helfen und über die Esskastanie informieren.

Unser Retter im Klimawandel?

Noch heute fühlt sich die Edelkastanie in den warmen Weinanbaugebieten Süddeutschlands wohl. Nicht nur als Bauholz, sondern auch als Nahrungsmittel erlebt der Baum des Jahres 2018 in den letzten Jahren dort eine Wiedergeburt. Das frühere „Brot der Armen“ ist heute eine Delikatesse auf jedem Weihnachtsmarkt und erobert sich den Weg in die Gastronomie.

Obwohl die Esskastanie in Deutschland nicht heimisch ist, erträgt sie die klimatischen Bedingungen unserer Breiten sehr gut. Sie ist anpassungsfähig und wärmeresistent und damit ideal geeignet als Zukunftsbaumart im Klimawandel. Doch der Weg dahin ist lang. Bisher ist Castanea sativa eher ein Parkbaum, im Wald ist sie nicht vertreten. Forstleute forschen seit einigen Jahren, unter welchen Bedingungen die Edelkastanie in unseren Wäldern hochwertiges Holz für langlebige Bau- und Möbelholzprodukte liefert.

Baum des Jahres 2018: Die Esskastanie (Foto: A. Roloff)

Eine große Edelkastanie auf einem herbstlich gefärbten Feld

Foto: A. Roloff

Biologie der Edelkastanie

Die Edelkastanie gedeiht an warmen Standorten. Häufig steht sie als Parkgewächs oder Schattenspender in großen Gärten. Das Wurzelsystem ist kräftig ausgeprägt. Sie bildet eine Pfahlwurzel, die nicht tief in den Boden reicht. Junge Esskastanien weisen eine glatte, gräuliche Rinde auf, die im Alter tief zerfurcht und borkig wird. Die knapp 20 Zentimeter langen Blätter sind elliptisch geformt und mit einem feinen Stachelkranz bewehrt. Die Früchte finden in der Naturheilkunde Anwendung: Hildegard von Bingen empfahl die Früchte als Universalheilmittel, insbesondere aber gegen „Herzschmerz“, Gicht und Konzentrationsstörungen. Die heilsame Wirkung ist vermutlich auf den hohen Gehalt an Vitamin B und Phosphor zurückzuführen.

Kastanie ist nicht gleich Kastanie

Trotz des verwirrenden Namens und der ähnlichen Früchte hat die Edelkastanie nicht viel mit der Rosskastanie gemeinsam. Während die Rosskastanie – wie auch Ahornarten – zu den Seifenbaumgewächsen gehört, ist die Esskastanie mit Buchen und Eichen verwandt.

Armenspeiße und kulinarischer Hochgenuss

Die Esskastanie war nicht nur für den Weinbau wichtig, lange stand sie auf dem Speiseplan der armen Bevölkerung. Die fettarmen, stärkereichen und süßlichen Maronen blieben nach Missernten oft das lebensrettende Nahrungsmittel. Bereits eine Reichsgüterverordnung Karls des Großen empfiehlt, neben anderen Baumarten die Esskastanie in den königlichen Pfalzen anzubauen. In südlichen Regionen galt die Edelkastanie im 17. Jahrhundert fast als Volksnahrungsmittel. Botanisch betrachtet sind die Nüsse weniger fett als Walnuss oder Haselnuss, jedoch reich an Kohlenhydraten. Wohlhabende Bürger der Antike genossen sie – wie heute – eher als kulinarisches Beiwerk. Die Früchte holten sich die Menschen aus lockeren Beständen (Sleven) von Esskastanien.

Als Weizenalternative könnte die Esskastanie eine Renaissance erleben: Neben köstlicher Nascherei in der kalten Jahreszeit lassen sich die Früchte in getrockneter Form mahlen. Die Maronen haben einen Stärkeanteil von 43 Prozent. Brot und Gebäck aus Esskastanienmehl sind glutenfrei und erweiteren für Allergiker den Speisezettel.

Dicke Edelkastanien

Aus den ehemaligen Kulturen sind mittlerweile stattliche Bäume erwachsen, an denen wir uns heute erfreuen. Besonders am Ostrand des Pfälzerwaldes und am Westhang des Schwarzwaldes (Ortenaukreis) finden Baumfans zahlreiche imposante Exemplare des Baumes des Jahres 2018. Hier erreichen die Bäume Umfänge von bis zu neun Metern und Höhen von 33 Metern. Richtig dicke Exemplare der Edelkastanie wachsen in ihrem natürlichen Verbreitungsgebiet. Die Mächtigste unter ihnen steht in Italien und hat einen Umfang von 22,5 Metern. An den Osthängen des Ätnas soll bis ins vorige Jahrhundert noch ein Baum mit sagenhaften 61,5 Metern Umfang gestanden haben. Da der Baum heute aber nicht mehr existiert, lassen sich die Angaben nur schwer nachvollziehen.

Der Autor: Redaktion

Arten und Natur des Jahres 2018

Allee des JahresAhornallee bei Wernau
Pilz des JahresWiesen-Champignon
Heilpflanze des JahresIngwer
Arzneipflanze des JahresAndorn
Staude des JahresTaglilie
Orchidee des JahresTorfmoos-Knabenkraut
Vogel des JahresStar
Höhlentier des JahresSchwarzer Schnurfüßer

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