Holzstück der Esskastanie mit typischer Masserung

Baum des Jahres 2018

Das Holz der Esskastanie

Wenn es um die Verwendung und den Nutzen der Esskastanie geht, denken viele von uns zunächst nicht an ihr Holz. Zum Baumes des Jahres 2018 fallen uns vielmehr die leckeren Maronen ein, deren Duft auf vielen Weihnachtsmärkten verführerisch unsere Nasen umschmeichelt und die unseren Gaumen erfreuen. Dabei hat Esskastanienholz einige entscheidende Vorteile, aufgrund derer bereits die Römer den Baum in ihren Weinbaugebieten pflanzten und bewirtschafteten.

Hart, dauerhaft, widerstandsfähig

Das Holz der Esskastanie ist dem der Eiche ähnlich. Es ist hart, zäh und widerstandsfähig. Trotz seiner Härte ist es elastisch, splitterfrei und leicht zu spalten. Es lässt sich mit vielen Techniken wie Drechseln oder Schnitzen verarbeiten. Bei der Verarbeitung ist dennoch Vorsicht geboten, da das Holz schnell reißt. Möchten Sie Esskastanienholz verschrauben oder zur Befestigung nutzen, bohren Sie die Löcher besser vor.

Das Splintholz ist grau-weiß bis gelb-weiß, das Kernholz hellbraun. Es dunkelt jedoch nach und nimmt nach der Verarbeitung einen dunkelbraun-rötlichen Farbton an. Durch die großen und ringförmig angeordneten Poren sind die Jahrringe des Holzes leicht erkennbar.

Römische Rebpfähle

Dank ihrer Holzeigenschaften fand die Esskastanie den Weg über die Alpen. Die Römer, als bekennende Weintrinker, entdeckten früh die Vorteile des Holzes der südländischen Baumart. Das strapazierfähige und dauerhafte Holz ist durch seinen hohen Tanninanteil und die vielen vertyllten Gefäße im Freien unbehandelt lange witterungsbeständig. Zudem lässt sich die Esskastanie gut im Niederwaldbetrieb kultivieren. Damit lieferten die Bäume ausgezeichnete Stämmchen, die sich ohne viel Aufwand zu Rebpfählen verarbeiten ließen.

Zwar war die Edelkastanie bereits vor den Römern bis nach Deutschland und Nordeuropa über verschiedene Handelswege gekommen, jedoch verbreitete sie sich erst nachhaltig durch ihre Bedeutung für den römischen Weinbau. Gerade durch den Niederwaldbetrieb ist das Holz ebenso gut als Brennholz geeignet.

Niederwald

Der Niederwaldbetrieb schneidet die Bäume in forstlich kurzen Zeiträumen. Dafür eignen sich Bäume, die wie die Esskastanie aus dem Stock treiben. Das heißt, sie werden bodennah abgeschnitten, besitzen aber die Kraft aus der Schnittstelle neue Triebe auszutreiben. Die Schnitte erfolgen für Rebpfähle und Brennholz circa alle 8 bis 15 Jahre.

Das Holz der Esskastanie heute

Die Widerstandskraft des Holzes gegen Wasser und Fäulnis macht es interessant als unbehandelter, natürlicher Baustoff im Freien. Auch wenn es noch ein Nischenprodukt ist, gibt es heute auf den Markt Gartenmöbel, Fensterläden, Zaunspfähle oder Fassaden aus Esskastanienholz. Oft setzen Hersteller von Spielgeräten auf die Baumart und auch im Schiffsbau kommt sie zum Einsatz. In England gibt es Fassdauben und Whisky- und Olivenfässer aus dem Holz. Im Alpinraum schützt das Holz in Form von Lawinenwellen die Dörfer im Tal.

Da es in seinen Eigenschaften der Eiche ähnelt, ist es auch für Innenräume nutzbar. Das Holz ist atmungsaktiv, reagiert wenig auf Luftfeuchte und verzieht sich nur minimal. Das wenig schwindende Holz eignet sich für Parkett und andere Böden. Es ist vergleichsweise leicht zu pflegen und Tischler setzen es für den Bau von Massivholzmöbeln ein. Für Musikinstrumentenbauer ist es vor allem für Klaviere interessant.

Problematik Risse

Trotz seiner tollen Eigenschaften ist der Markt für Esskastanienholz klein. Die Preise sind sogar für schmaleres Holz besser, als für stärkeres Holz. Das Problem liegt in der hohen Gefahr von Kernrissen und Ringschäle bei älteren Esskastanien. Das Holz ist durch die Risse im inneren schwer nutzbar für Tischler und Schreiner. Durch die erhöhte Nachfrage nach Brennholz geht viel Kastanienholz in den Ofen. Für gutes Holz liegen die Preise auf dem Niveau der Eiche.

Blick in die Zukunft

Der anpassungsfähigen und wärmeresistenten Baumart sagen Experten eine wichtige Rolle im Klimawandel voraus. Ihr Anteil in den Wäldern könnte zunehmen und an waldbaulichen Konzepten, die dem Problem der Kernrisse und Ringschäle vorbeugen, wird bereits geforscht. Nach den Römern ist es damit nicht zu unrealistisch, dass das Holz der Esskastanie eine Renaissance erfährt.

Der Autor: Jan Böhm

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