Grüner Baum vor einer modernen Hochhauskulisse

Klimawandel, Emissionen und Co.

Herausforderung Stadtbaum der Zukunft

Die Städte der Zukunft sollen grüner werden. Ein zentrales Element im urbanen Grün sind neben Hecken, Sträuchern, Blumen und Wiesen die Stadtbäume. Städteplaner und Gärtner stehen damit vor der Herausforderung, den perfekten Stadtbaum der Zukunft zu finden. Bereits jetzt fordern die Umweltbedingungen des Standortes Stadt die urbanen Bäume heraus. Mit dem Klimawandel kommt zukünftig eine neue Variable hinzu, die die Auswahl des passenden Stadtbaumes erschwert.

Urbanes Grün im Fokus

„Urbanes Grün macht unsere Städte attraktiver“, schreibt Bundesumweltministerin Dr. Barbara Hendricks im Grünbuch Stadtgrün 2015. Es steigert die Artenvielfalt in der Stadt und trägt zum Wohlbefinden der Menschen bei. Mit einer steigenden Anzahl von Stadtbewohner und zunehmenden ökologischen Bewusstsein sind grüne Stadtelemente immer wichtiger. Ein wichtiger Bestandteil des urbanes Grüns: Bäume.

Experten schätzen, dass in der Stadt München noch bis zu zwanzig Prozent mehr Grünflächen möglich sind. Trotz des bestehenden Bebauungsdrucks und der dichten Besiedelung. In vielen Konzepten für grünere Städte spielen Bäume eine wichtige Rolle. Stadtbäume wirken auf vielen Ebenen positiv auf den Lebensraum Stadt und seine Bewohner ein. Sie sind gut für Erholung und Gesundheit und viele Menschen finden Bäume ästhetisch. Auch für den Immissionsschutz, die Feinstaubminderung und das innerstädtische Mikroklima sind Bäume wichtig. Ebenso bieten sie als kleine oder große grüne Inseln in der Betonwüste Vögeln und Insekten einen Lebensraum und erhöhen die Biodiversität in der Stadt.

Vom Waldbaum zum Stadtbaum

Ein Baum, der an die spezifischen Bedingungen von Wald, Feld und Flur angepasst ist, ist nicht gleich ein Stadtbaum. Die Stadt hat ihr eigenes, oft wärmeres und trockeneres Klima. Durch geringe Baugruben, Nährstoffmangel oder falsche Böden ist das Wurzelwachstum beeinträchtigt. Ein verstärkter Trockenstress für den Baum die Folge. Darüber hinaus sind Stadtbäume verstärkten Urin- und Salzbelastungen, sowie Schäden an Wurzeln, Stamm und Krone ausgesetzt. Umso wichtiger ist die Auswahl einer standortgerechten Baumart und Sorte.

Durch den Klimawandel leiden die Bäume Zukunft noch stärker unter Trockenstress und mit dem globalen Handel wandern Schadinsekten um den ganzen Globus. Die Folgen sind heute bereits absehbar: Geschwächte Bäume die stark anfällig gegenüber heimischen und eingeschleppten Insekten, Pilzen, Viren oder Bakterien sind. Kranke und geschwächte Bäume erfüllen nicht die an sie gestellten ästhetischen Ansprüche. Durch absterbende Baumteile oder den Tod des Baumes bergen sie potentielle Gefahren. Als Vorläufer dieses Prozesses stehen beispielhaft die Kastanie und Esche.

Projekt Stadtgrün 2021

Doch welcher ist der richtige Stadtbaum, der noch in 30 oder 60 Jahren zum Standort passt und bis dahin nicht eingeht? Dieser schwierigen Frage widmen sich aktuell verschiedene Studien in Deutschland. Eine davon ist das Projekt „Stadtgrün 2021 – Neue Bäume braucht das Land“ der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG). Ziel ist es, das eingeschränkte Repertoire an heimischen Stadtbäumen zu erweitern. Im Fokus stehen spezielle Sorten und Baumarten aus der ganzen Welt. Die Kriterien die ein zukünftiger Stadtbaum erfüllen muss und welche die Forscher testen sind Trockenstresstoleranz, Frosthärte, Spätfrosthärte, natürlicher Lebensbereich, Standortansprüche, Krankheits- und Schädlingsanfälligkeit und Wuchsform.

Der Stadtbaum der Zukunft

Der Stadtbaum der Zukunft ist an seinen Standort und die gewünschte Wirkungen angepasst, denn Bäume erzielen am gleichen Standort unterschiedliche Effekte. Eine Winter-Linde kühlt auch in Trockenphasen, erholt sich von der Trockenheit aber schlecht. Die Robinie schränkt rasch die Verdunstung ein, erholt sich dafür schneller. Der Standort hat ebenfalls einen Einfluss auf die Effekte des Baumes. Auf einem engen geschlossen Platz kühlen Bäume weniger, als auf einem offenen luftigen Platz.

Bei der Wahl der Arten gibt es Ansätze stärker auf ursprüngliche Arten zurückzugreifen, als auf hochgezüchtete Klone und Sorten. Die Forscher hoffen, dass diese Bäume weniger anfällig sind und das Risiko eines Ausfalls minimiert wird.

Auch der Boden, in dem die Bäume wurzeln, ist ein wichtiger Faktor für den Baum der Zukunft. Durch zunehmenden Trockenstress rücken feste Bewässerungssysteme in den Fokus. Mit einem cleveren Speichersystem ist eine Verbindung zum häufiger auftretenden Starkregen sinnvoll. Geeignete Baumsubstrate und abgestimmte Dünger verbessern die Bedingungen für den Baum. Mit Mykorrhiza-Präparaten liegen gerade im urbanen Raum positive Erfahrungen aus dem Bereich der Baumpflege vor, ohne dass diese bisher wissenschaftlich abgesichert sind.

Ökologie und Biodiversität

Für die urbane Biodiversität haben Bäume eine herausragende Bedeutung. Entscheidend für die Artenvielfalt in der Stadt ist neben der Anzahl der Bäume die Strukturvielfalt. Aktuell decken in deutschen Städten drei bis vier Baumarten die Hälfte und sechs bis zehn Baumarten vier Fünftel aller Straßenbäume ab. Ein Wert der auch aus Sicht der Risikostreuung nicht optimal ist. Fällt eine Art durch eine Krankheit oder einen Insektenbefall aus, sind die Folgen drastisch. Auch alte Bäume mit viel Totholz sind wichtig für die Biodiversität. Sie sind aber eine besondere Herausforderung für die Baumpflege und nicht an allen Standorten umsetzbar.

Ein weiterer Streitpunkt in der Diskussion um zukünftige Stadtbäume, ist die Frage des ökologischen Wertes neueingeführter Arten. Diese bergen immer die Gefahr sich zu einer invasiven Art zu entwickeln, die andere heimische Arten bedroht. An gebietsfremden Baumarten finden sich deutlich weniger einheimische Tierarten als an einheimischen Bäumen. An einem Ginkgo sind es knapp zehn Arten, während es an einer alten Eiche bis zu 500 sind. Dennoch nutzen Vögel nichteinheimische Baumarten nachgewiesen als Nahrungsquelle. Ein Stadtbaum der vielen Tierarten einen Lebensraum bietet, ist zudem nicht nur vorteilhaft. Durch die vielen Tierarten besteht ein erhöhtes Risiko für Schädlinge und Krankheiten.

Auswahl mit vielen Variablen

Welcher Baum wo genau gepflanzt wird, ist eine Entscheidung mit vielen Variablen. Der lange Lebenszyklus eines Baumes und die sich historisch gesehen schnell verändernde Umwelt machen die Auswahl immer schwierigerer. Umso wichtiger sind belastbare und ausführliche Studien über Bäume in der Stadt. Auch wenn im Einzelfall der heimische Baum vorzuziehen ist, ist eine Erweiterung des Baumartenspektrums für viele Experten unumgänglich. In der Zukunft gilt zudem noch viel mehr als heute: „Die Mischung macht’s“.

Abschließend sind ebenfalls ein gutes Management und eine bedarfsgerechte Pflege des Baumbestandes durch die Kommunen und Eigentümer notwendig. Dies erfordert gut geschultes Personal und entsprechende finanzielle Mittel.

Der Autor: Jan Böhm

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