Allee aus Birken

Tag der Allee:

Geschichte, Nutzen und Pflege der Alleen

Alleen kennen wohl die meisten Menschen vom Auto fahren. Die Bäume bieten eine schöne Abwechslung auf langen Fahrten. Gerade im ländlichen Raum finden wir heute kleine und große, einseitige, beidseitige oder sogar doppelreihige Alleen. Ob uralt oder gerade frisch angelegt, Baumalleen erfüllen seit Jahrhunderten unterschiedliche Funktionen. Im Laufe der Zeit haben sich aber die Anforderungen an die Alleen verschoben.

Geschichte der Alleen

Alleen werden heute immer seltener, dabei waren Sie früher ein beliebtes Mittel im Wegebau. Die zu beiden Seiten der Straße gepflanzten Bäume boten den Reisenden viele Vorteile. Ihre Wurzeln sorgten auch bei nassem Wetter für ausreichend Bodenstabilität und die eng zusammenstehenden Kronen boten Schutz vor Regen und Wind. Im Sommer erhöhte der Schatten auf den Straßen die Ausdauer von Pferd und Mensch. Im Winter boten die Stämme Orientierungshilfe und vereinfachen die Wegfindung.

Später, im 19. Jahrhundert galten Alleen als Zeichen von Reichtum und Besitz. Die Zufahrt zu Herrschaftshäusern säumten mächtige Bäume und zeigten die Hoheitsgewalt des Menschen über die Natur. Viele in dieser Zeit gestaltete Parkanlagen enthielten Miniatur-Alleen mit unterschiedlichen Baumarten.

Definition

Nach Duden:

  • Eine Allee ist eine von hohen Bäumen dicht gesäumte Straße oder Parkweg.

Im Allgemeinen:

  • Im Allgemeinen ist eine Allee eine von beiden Seiten mit Bäumen begrenzte Straße oder Weg.

Zusatznutzen von Alleen

Die Vorteile der Alleen für Reisende und Anwohner gingen früher aber über ihre Vorzüge beim Wegebau hinaus. Die Bäume am Straßenrand hielten viele wertvolle Produkte bereit. Obstbäume als Alleebäume lieferten die sogenannte „Wegzehrung. Eichen und andere Kopfbäume waren Lieferant für Brennholz, Honig, Streu, Kork, Futter oder Harz. Grund genug, Alleen rund um das Heimatdorf zu pflanzen.

Pflege von Alleen

Die Pflege von Alleen ist eine Wissenschaft für sich. Früher hatten Straßenbäume andere Funktionen als heute. Gerade die Art und Weise, wie sich die Reisenden unter den Kronen fortbewegen, veränderte sich im Laufe der Zeit stark. Alleen, die früher Menschen und Pferde nutzten, beherbergen heute Autos und LKWs zwischen ihren Stämmen. Die erhöhte Geschwindigkeit bringt Probleme mit sich und erfordert eine regelmäßige Pflege.

Der Umgang mit Alleen früher

In den meisten Fällen pflegte Niemand die Alleebäume und nur herabfallende Äste und umstürzende Bäume wurden beseitigt. Eine Ausnahme sind Alleebäume, welche die umliegenden Bauern und Bewohnern für ihre Zwecke nutzten. Entsprechend radikal waren die Eingriffe. Alle paar Jahre schnitten sie die Kronen der Bäume bis an den Stamm heran ab, um Reisig und Brennholz zu erhalten. Im kommenden Frühjahr trieben die Bäume aus den Stämmen neu aus und bildeten neue Kronen. Es entstanden die „Kopfbäume“, die heute teilweise noch zu bewundern sind. Diese intensive Nutzung hinterließ Spuren. Einerseits sind die Bäume nicht höher, als es den Menschen gelang sie zu schneiden. Andererseits faulten die zahlreichen Schnittflächen mit der Zeit ein, was ihnen ein knorriges Aussehen mit vielen Höhlungen bescherte.

Die Zeit der Baumchirurgie

Der erste Schritt der heutigen „Baumpflege“ war die Baumchirurgie. Sie arbeitete vermehrt mit dem Stabilisieren von Höhlungen durch Eisenstangen, welche sie in das Holz schraubten. Auch das Ausschneiden von Wundrändern und verfüllen von Höhlungen mit Beton gehörte zur „Wundbehandlung“. Diese Methoden schädigten den Patienten mehr, als sie ihm halfen. Seit den 1980er Jahren löste die heutige Baumpflege die Baumchirurgie ab. Viele Relikte aus der Baumchirurgie lassen sich zum Beispiel an der Eichenallee in Seefeld nachvollziehen.

Alleenpflege heute

Die moderne Baumpflege stützt sich auf die natürlichen Wuchsgesetze unserer Bäume, wobei sie die Verkehrssicherheit mit einbezieht. Durch die Vorschriften zum Lichtraumprofil an Straßen bezieht sich ein Großteil der Arbeit darauf, die Stämme alter Alleebäume aufzuasten. Oft entstehen hier große Wunden, da die Bäume davor ungehindert wuchsen und dicke Äste ausbildeten. Zusätzlich schwächen die nachträglich asphaltierten Fahrbahnen die Bäume. Bodenverdichtung, versiegelte Wurzelflächen, steigende Abgase und Streusalz setzen den Alleen zu. Die Baumpflege übernimmt die Aufgabe, gefährliches Totholz zu entfernen und jeden einzelnen Baum regelmäßig auf dessen Standsicherheit zu untersuchen.

Gleichzeitig rückt der Naturschutz immer stärker in den Fokus und ist bei der Pflege zu berücksichtigen. Alte Alleen sind hervorragende Habitate für Vögel und Käferarten. Oft stehen sie daher auch unter Naturschutz. Zwischen Verkehrssicherheit und Naturschutz besteht jedoch ein schmaler Grat. Die Schwerpunkte in der Pflege sind bei jeder Allee individuell durch den Baumpfleger festzulegen. Alte und abgestorbene Bäume bleiben oft als Totholz stehen und bekommen gleichzeitig einen jungen Nachbarn gepflanzt. Dieser soll später den Platz in der Allee einnehmen.

Alleen im 21. Jahrhundert

Die alten Funktionen der Alleen sind heutzutage nicht mehr gefragt. Der Wegweiser ist längst digital, die Wegzehrung nur selten notwendig und wenn, dann passt sie ins Handschufach. Der Bedarf an Kaminholz steigt zwar wieder, aber wird auf anderen Wegen bezogen. Wozu dann neue Alleen pflanzen?

Auch heute noch stellen die Bäume am Wegesrand zahlreiche Funktionen bereit. Sie produzieren Sauerstoff, filtern Abgase und Schadstoffe aus der Luft und sind Lebensraum für zahlreiche Tierarten.

Verlangsamung des Straßenverkehrs

Auch für den Autofahrer haben sie ihren Wert. Durch die Schattenspiele auf der Fahrbahn sind wir hinter dem Steuer aufmerksamer. Das grüne Blätterdach macht eine positive Stimmung und lässt uns langsamer fahren. Die Bäume halten Schneeverwehungen ab und befestigen durch das Wurzelwerk die Erde am Straßenrand. Gerade Hänge müssten ohne Bäume mechanisch stabilisiert werden. Baumalleen weisen frühzeitig auf Kurven und Kreuzungen hin und zeigen schon von weitem, wo eine Straße entlangläuft.

Zusätzlich dienen Bäume als Sichtschutz für Anwohner großer Straßen und verschönern die Landschaft. Als Trennelement zwischen Straße und Fuß- und Radweg dienen sie als zusätzlicher Schutz.

Tourismus an Deutschen Alleen

Ein weiterer Nutzen von Alleen ist in den letzten Jahren vermehrt hinzugekommen: Der Tourismus. Wie am Projekt „Deutsche Alleenstraße“ erkennbar, sind Alleen als kulturelle Überreste sehr beliebte Sehenswürdigkeiten. Sie werten schöne Städte auf und zeigen authentisch, wie Kulturlandschaften früher bewirtschaftet wurden. Die Organisation dahinter kümmert sich um den Erhalt alter Baumstraßen und legt Neupflanzungen an. Wer eine der zahlreichen Alleen in Deutschland besuchen möchte, informiert sich am besten bei den Alleen-Fans.

Allee des Jahres

Seit 2008 wird jährlich am 20. Oktober der „Tag der Allee“ begangen. An diesem Tag kürt eine Jury des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschlands (BUND) im Rahmen eines Fotowettbewerbes die „Allee des Jahres“. Im Jahr 2017 ist der Gewinner eine 1,5 Kilometer lange Ahorn Allee in Baden-Württemberg. Mit der Prämierung der „Allee des Jahres“ will der BUND auf die deutschlandweite Gefährdung von Alleebäumen, sowie auf die Bedrohung der biologischen Vielfalt aufmerksam machen.

Die Autorin: Marina Winkler

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