Verschieden alte, mächtige oder knorrige Bäume

Abstimmung bis Ende Februar

European Tree of the Year 2018

Jedes Jahr im Februar haben Baumfreunde die Chance, den Europäischen Baum des Jahres zu bestimmen. 2018 stehen 13 Bäume aus verschiedenen Ländern zur Wahl. Ziel des Wettbewerbes „European Tree of the Year“ ist es, die besondere Bedeutung von Bäumen für das natürliche und kulturelle Erbe Europas hervorzuheben. Auch den hohen Wert von Bäumen für Ökosysteme vom Mittelmeer bis zum Polarkreis, vom Atlantik bis zu Ural möchten die Organisatoren verdeutlichen. Dabei geht es nicht um den schönsten Baum, sondern um Bäume mit Charakter und Geschichte. Bäume, die einen einzigartigen Bezug zum Leben der Menschen in ihrer Umgebung haben und in der natürlichen Gemeinschaft verwurzelt sind.

Logo European Tree of the Year 2018

Bäume der Hoffnung

Bäumen sind Zeugen vieler schöner Momente, aber auch tragischer Ereignisse. Sie trotzen den Elementen und bleiben oft in schweren Zeiten und Krisen standhaft. Diese Kraft und der Überlebenswille gibt den Menschen Hoffnung und Energie. Vier Bäume bei der Wahl zum „European Tree of the Year“ verkörpern diese Bedeutung von Bäumen für Menschen exemplarisch. Die 300 Jahre alte Edelkastanie (Baum des Jahres 2018 in Deutschland) von Zengővárkony in Ungarn überlebte Kriege, Brände und den Brandkrustenpilz. Eine Kleinblättrige Linde in Bioul, Belgien ist über 400 Jahre alt, überstand allerlei Angriffe und Bedrohungen und ist einer der herausragenden Bäume der Wallonie.

Zeuge vieler Veränderungen und eng mit der Vereidigung der Gemeinde Hel verbunden, ist die polnische Nominierung, die Schwarzpappel Helena. Im spanischen Cabeza Buey stehen sieben uralte Ulmen, die als Symbol der Hoffnung im Kampf gegen die Ulmenkrankheit gelten. Trotz der umgreifenden Krankheit ist bis heute noch keiner der 450 Jahre alten Bäume erkrankt.

Fotos: 1) E. Kutas 2) F. Beard 3) B. Fronteras 4) M. Dykta

Legenden und Symbole

Um einzigartige und uralte Bäume ranken sich regelmäßig Legenden oder sie stehen symbolisch für erstrebenswerte Tugenden. Ideale Kandidaten für den „European Tree of the Year“. Eine Fichte in der Nähe von Vilkyškiai/Litauen erinnert die Menschen mit ihren 18 Stämmen an einen Hexenbesen. Geht es nach der Legende, hat wahrscheinlich eine Hexe ihren Besen einst an der Stelle des heutigen Baumes vergessen. Gleich mehrere Legenden erzählen sich die Einwohner von Cajvana in Rumänien über einen 750-jährige Stiel-Eiche. Ein nationales Naturerbe-Denkmal ist in Belgorod eine fast 200-jährige Eiche. Viele sehen in ihr ein Symbol für Frieden, Freundschaft und Gesundheit und pilgern zu dem Baum im Süden Russlands.

Fotos: 1) E. Belgorodskaya 2) L. Balandis 3) N. Robu

Einzigartige Parkbäume

In vielen Stadtparken sind Bäume ein zentrales Element. Oft erfahren die Bäume hier eine intensive Pflege und stehen aus unterschiedlichen Gründen unter einem besonderen Fokus. Im tschechischen Kvasice erinnert eine 230-jährige Schwarznuss an den Gründer des Parks. Nur mit Hilfe von Baumpflegern blieb der Baum nach einer Überschwemmung erhalten. Eine riesige Platane, die im 15. Jahrhundert gepflanzt wurde, ist Dank liebevoller Pflege eine beliebte Touristenattraktion im kroatischen Dubrovnik. Der Baum ist heute über 500 Jahre alt und denkmalgeschützt. Im Herzen des Gilwell Parks von Epping steht eine Eiche, die als Synonym für das Pfadfindertum gilt. Der Gründer der Pfadfinderbewegung, Robert Baden-Powell, wählte den Baum für eine symbolische Botschaft an seine jungen Anhänger: Auch aus bescheidenen Anfängen können große Dinge erwachsen.

Fotos: 1) Woodlandtrust 3) M. Olbrzymek

Wert eines Baumes

Neben der kulturellen und ökologischen Bedeutung, sind Bäume auch ein wirtschaftlicher Faktor. Drei Riesenmammutbäume bei Bogoslov in Bulgarien sind ein wichtiger Teil der Historie der regionalen Forstwirtschaft. „Der Apfelbaum der nicht aufgibt“ ist ein Denkmal der Obstbauern. Schon 120 Jahre alt, trägt der Baum bei Bošáca in der Slowakei jedes Jahr reichlich saftige Äpfel. Bereits über 20-mal spendete die über 230 Jahre alte Korkeiche in Águas de Moura ihre wertvolle Rinde. Seit 1988 ist der Baum in Portugal ein „Tree of Public Interest“ und steht als größte Korkeiche der Welt im Guinness Buch der Rekorde.

Fotos: 1) M. Babarik 2) UNAC 3) Tourist Association Osogovo

Mitmachen und Abstimmen

Auf der Webseite des „Tree of the Year“ gibt es die vollständigen Geschichten hinter den 13 Bäumen. Bis Ende Februar läuft das Voting und jeder User kann für seine zwei Lieblingsbäume abstimmen. Der Baum mit den meisten Stimmen aus ganz Europa wird am 21. März, dem Tag des Waldes, zum Sieger der achten Ausgabe des Wettbewerbes gekürt. Trotz sicherlich vieler geschichtsträchtiger Bäume in einem der waldreichsten europäischen Ländern, steht ein Deutscher Baum 2018 aus organisatorischen Gründen nicht zur Wahl.

Der Autor: Jan Böhm

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