Großer Korkbaum

European Tree of the Year 2018

Europäischer Baum des Jahres 2018 – Whistler Cork Oak

Jedes Jahr wählen Baumfreunde aus ganz Europa den Europäischen Baum des Jahres. Am Tag des Waldes stand der Sieger fest: Die Whistler Korkeiche in Portugal. Ziel des Wettbewerbes „European Tree of the Year“ ist es, die besondere Bedeutung von Bäumen für das natürliche und kulturelle Erbe Europas hervorzuheben. Auch den hohen Wert von Bäumen für Ökosysteme vom Mittelmeer bis zum Polarkreis, vom Atlantik bis zu Ural möchten die Organisatoren verdeutlichen. Dabei geht es nicht um den schönsten Baum, sondern um Bäume mit Charakter und Geschichte. Bäume, die einen einzigartigen Bezug zum Leben der Menschen in ihrer Umgebung haben und in der natürlichen Gemeinschaft verwurzelt sind.

Logo European Tree of the Year 2018

Der Gewinner: Die Korkeiche in Alentejo

Seit 1988 ist der Baum in Portugal ein „Tree of Public Interest“ und steht als größte Korkeiche (Quercus suber) der Welt im Guinness Buch der Rekorde. Die „Whistler Cork Oak“ ist über 14 Metern hoch und hat einen Stammdurchmesser von vier Metern. Der 1783 gepflanzte Baum ist eine der ältesten kommerziell genutzten Korkeichen und lieferte bereits über 20-mal den wertvollen Rohstoff. Im typischen Rhythmus von neun Jahren erfolgt die Ernte des Korks. Dabei liefert der Baum teilweise riesige Mengen von bis zu 1200 Kilogramm – typisch sind für Korkbäume wenige hundert Kilogramm. Der Kork den diese eine Korkeiche dabei im Laufe ihres bisherigen Lebens produzierte, reicht für mehrere Millionen Flaschenkorken. Ihrem Namen verdankt die „Pfeifenkorkeiche“ den unzähligen Vögeln, die auf ihren Ästen sitzen und zwitschern und Pfeifen.

Die Zwölf anderen Kandidaten

2018 standen 13 Bäume aus verschiedenen Ländern zur Wahl. Auf zweiten Platz den zweiten Platz wählten die europäischen Baumfreunde die alten Ulmen in Cabeza Buey, auf den dritten Platz den ältesten Baum der Belgoroder Wälder in Russland.

Bäume der Hoffnung

Bäumen sind Zeugen vieler schöner Momente, aber auch tragischer Ereignisse. Sie trotzen den Elementen und bleiben oft in schweren Zeiten und Krisen standhaft. Diese Kraft und der Überlebenswille gibt den Menschen Hoffnung und Energie. Vier Bäume bei der Wahl zum „European Tree of the Year“ verkörpern diese Bedeutung von Bäumen für Menschen exemplarisch. Die 300 Jahre alte Edelkastanie (Baum des Jahres 2018 in Deutschland) von Zengővárkony in Ungarn überlebte Kriege, Brände und den Brandkrustenpilz. Eine Kleinblättrige Linde in Bioul, Belgien ist über 400 Jahre alt, überstand allerlei Angriffe und Bedrohungen und ist einer der herausragenden Bäume der Wallonie.

Zeuge vieler Veränderungen und eng mit der Vereidigung der Gemeinde Hel verbunden, ist die polnische Nominierung, die Schwarzpappel Helena. Im spanischen Cabeza Buey stehen sieben uralte Ulmen, die als Symbol der Hoffnung im Kampf gegen die Ulmenkrankheit gelten. Trotz der umgreifenden Krankheit ist bis heute noch keiner der 450 Jahre alten Bäume erkrankt.

Fotos: 1) E. Kutas 2) F. Beard 3) B. Fronteras 4) M. Dykta

Legenden und Symbole

Um einzigartige und uralte Bäume ranken sich regelmäßig Legenden oder sie stehen symbolisch für erstrebenswerte Tugenden. Ideale Kandidaten für den „European Tree of the Year“. Eine Fichte in der Nähe von Vilkyškiai/Litauen erinnert die Menschen mit ihren 18 Stämmen an einen Hexenbesen. Geht es nach der Legende, hat wahrscheinlich eine Hexe ihren Besen einst an der Stelle des heutigen Baumes vergessen. Gleich mehrere Legenden erzählen sich die Einwohner von Cajvana in Rumänien über einen 750-jährige Stiel-Eiche. Ein nationales Naturerbe-Denkmal ist in Belgorod eine fast 200-jährige Eiche. Viele sehen in ihr ein Symbol für Frieden, Freundschaft und Gesundheit und pilgern zu dem Baum im Süden Russlands.

Fotos: 1) E. Belgorodskaya 2) L. Balandis 3) N. Robu

Einzigartige Parkbäume

In vielen Stadtparken sind Bäume ein zentrales Element. Oft erfahren die Bäume hier eine intensive Pflege und stehen aus unterschiedlichen Gründen unter einem besonderen Fokus. Im tschechischen Kvasice erinnert eine 230-jährige Schwarznuss an den Gründer des Parks. Nur mit Hilfe von Baumpflegern blieb der Baum nach einer Überschwemmung erhalten. Eine riesige Platane, die im 15. Jahrhundert gepflanzt wurde, ist Dank liebevoller Pflege eine beliebte Touristenattraktion im kroatischen Dubrovnik. Der Baum ist heute über 500 Jahre alt und denkmalgeschützt. Im Herzen des Gilwell Parks von Epping steht eine Eiche, die als Synonym für das Pfadfindertum gilt. Der Gründer der Pfadfinderbewegung, Robert Baden-Powell, wählte den Baum für eine symbolische Botschaft an seine jungen Anhänger: Auch aus bescheidenen Anfängen können große Dinge erwachsen.

Fotos: 1) Woodlandtrust 3) M. Olbrzymek

Wert eines Baumes

Neben der kulturellen und ökologischen Bedeutung, sind Bäume auch ein wirtschaftlicher Faktor. Drei Riesenmammutbäume bei Bogoslov in Bulgarien sind ein wichtiger Teil der Historie der regionalen Forstwirtschaft. „Der Apfelbaum der nicht aufgibt“ ist ein Denkmal der Obstbauern. Schon 120 Jahre alt, trägt der Baum bei Bošáca in der Slowakei jedes Jahr reichlich saftige Äpfel.

Fotos: 1) M. Babarik 2) Tourist Association Osogovo

Und ein Baum aus Deutschland?

Trotz sicherlich vieler geschichtsträchtiger Bäume in einem der waldreichsten europäischen Ländern, stand ein Deutscher Baum 2018 aus organisatorischen Gründen nicht zur Wahl.

Der Autor: Jan Böhm

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