Dicker mehrstämmiger Stamm eines alten Baumes.

Das Geheimnis der Bäume

Warum werden Bäume so alt?

Bäume sind wahre Überlebenskünstler. Besonders ausdauernde Exemplare leben mehrere hunderte oder tausende Jahre. Und das an ein und derselben Stelle! Was fast unmöglich scheint, liegt am Aufbau der Bäume. Sie verteilen das Risiko auf Millionen Zellen und wehren sich erfolgreich gegen Angreifer. Spielen die äußeren Einflüsse mit, steht einem teilweise unglaublich langen Leben nichts im Wege.

Vom Samen bis zum Methusalem

Bäume altern wie alle Lebewesen. Sie keimen, wachsen und kümmern sich um Nachwuchs. Einen Großteil des Lebens verbringen sie in der Reifephase. Der Baum wächst kontinuierlich weiter und bildet einen dicken Stamm. Die Altersphase läutet sich durch die ersten Altersprobleme des Baumes ein. Wunden, die er über die Jahre hinweg erlitten hat, führen zu Pilzinfektionen und Fäulen. Die Vitalität nimmt ab und Äste brechen. Der Baum geht in die Zerfallsphase über. Die Krone bildet sich zurück und der Baum wird wieder kleiner, bis er eine Etage tiefer eine neue Krone bildet. In dieser Phase kann der Baum noch eine lange Zeit verweilen, bis Stürme, Pilze oder der Mensch sein Ende einläuten.

Differenzierte Zellen statt Organe

Der menschliche Körper besteht aus einzelnen Organen, die nur zusammen funktionieren. Sie alle brauchen Sauerstoff, und das kontinuierlich. Bekommt unser Gehirn nur kurze Zeit keinen Sauerstoff mehr, sterben wir. Bäume haben keine einzelnen Organe. Die lebenswichtigen Funktionen verteilen sich auf zahlreiche Zellen im Baum. Geht eine kaputt, wächst einen Neue nach.

Das Geheimnis der jungen Zellen

Menschen und Tiere altern als ganzes Individuum. Mit jeder Zellteilung verkürzt sich die DNA und alte Zellen teilen sich langsamer als junge. Die Wahrscheinlichkeit für Mutationen steigt und der Körper ist weniger leistungsfähig. Der Mensch stirbt irgendwann an Altersschwäche, wenn die Organe aufgeben.

Bäume haben einen anderen Lebenszyklus. Das liegt daran, dass nicht der gesamte Baumkörper lebt. Im Inneren des Stammes sterben die Zellen ab und sind fortan für den Wassertransport und als Lagerstätten für Bauminhaltstoffe zuständig. Die aktive Zellschicht des Baumes, das Kambium, liegt unter der Borke und ist Teil der Rinde. Es ist im Stamm, allen Ästen und den Wurzeln wie ein Mantel geschützt unter der Oberfläche vorborgen.

Das Kambium produziert fortlaufend neue, embryonale Zellen in beide Richtungen, die sich in die unterschiedlichen Gewebetypen differenzieren. Diesen Zellen ist das Alter des Baumes nicht anzumerken. Der Baum verjüngt sich selbst von innen nach außen. Manche Wissenschaftler gehen davon aus, dass der Baum potentiell unsterblich ist, wenn die äußeren Umstände es zulassen.

Der Umgang mit Verletzungen

Bäume haben einen großen Vorteil gegenüber Tieren. Sie können ihren Wunden und Verletzungen einfach davonwachsen. Eine große Wunde führt bei Tieren und Menschen und zu Blutverlust. Ist dieser nicht schnell gestoppt, stirbt der Betroffene. Bäume haben keinen Blutkreislauf. Eine Wunde am Baum führt zwar bei manchen Arten auch zum Austritt von Baumsäften, diese kommen jedoch aus isolierten wasserführenden Systemen Sie gefährden nicht den gesamten Organismus. Ein Baum “blutet“ nicht aus.

Ähnlich wie bei Tier und Mensch ist eine Baumwunde auch anfällig. Sie entzündet sich zwar nicht, doch sie ist eine Eintrittspforte für Bakterien und Pilze. Und hier liegt der große Unterschied: Der Baum ist nicht in der Lage, diese Wunde zu heilen! Er schottet aber die betroffenen, toten Zellen ab, damit die Schaderreger nicht bis in den gesunden Teil des Baumes vordringen. Erst dann folgt der nächste Schritt: Der Baum wächst um die Wunde herum, bis der Außenmantel wieder ganz ist. Dieser Vorgang heißt „Überwallen“ und sorgt dafür, dass das Kambium wieder geschlossen ist.

Ein Wettlauf um die Zeit

Bestimmte holzzersetzende Pilzarten sind für Bäume gefährlich. Sie dringen über Wunden ins Holz ein und zersetzen den Baum von innen. Das ist nicht weiter schlimm, da der Baum im Kernholz aus toten Zellen besteht. Mit der Zeit höhlt der Stamm aus und der Pilz dringt tiefer in die äußeren Holzschichten vor.

Gleichzeitig wächst der Baum über das Kambium in die Breite. Mit jeder sich neu bildenden Zellschicht stirbt die älteste, am weitesten innenliegende Zellschicht ab. Ob Pilz oder Baum die Oberhand behalten, hängt damit vorrangig davon ab, wer schneller ist. Solange der Baum genügend neue Zellsicht bildet, dass der verbleibende Stammholzring ausreicht, um den Baum standsicher zu halten, hat er nichts zu befürchten. Manche Bäume leben mit dieser Strategie hunderte von Jahren mit dem Pilz.

Je langsamer, desto älter

Neben den inneren Prozessen spielen die Umwelteinflüsse eine große Rolle im Leben der Bäume. Standortbedingungen beeinflussen ihre Wuchskraft. Man sollte meinen, ein schnell wachsender Baum mit idealen Bedingungen wird auch am ältesten. Tatsächlich werden jedoch solche Bäume uralt, die unter widrigen Bedingungen leben. Sie wachsen langsam, bilden enge und dünne Jahrringe und haben ein sehr hartes Holz. Das erschwert es Angreifern wie Pilzen oder Insekten, dem Baum zu schaden. Die kleinen Bäume sind zudem Stürmen weniger ausgesetzt und überleben mit weniger Nährstoffe. Sie überdauern damit schlechte Zeiten viel länger als ein großer Baum.

Diese Strategie findet sich auch im Wald wieder. Kleine Bäumchen wachsen im Schatten der großen Waldbäume. Das wenige Licht und die kargen Nährstoffe, die für sie übrig bleiben, sorgen dafür, dass die Bäume viele Jahrzehnte sehr langsam wachsen. Dünne Jahrringe und ein hartes Holz sind die Folge. Dieses Holz bildet später den innersten Teil des Stammes – ein widerstandsfähiger und bruchsicherer Kern ist die Folge.

Die Unterschiede der Baumarten

Nicht jede Baumart hat die gleichen Voraussetzungen. Je nach Überlebensstrategie altern Bäume unterschiedlich. Birken zum Beispiel sind Pionierbäume, die sich darauf spezialisierten, schnell neue Lebensräume zu erschließen. Sie werden maximal 150 Jahre alt andere waldbildende Baumarten lösen sie ab. Mit ihren besonders leichten Samen, besiedeln sie neue, Orte einfach über den Wind.

Eichen leben dagegen deutlich länger. Bis zu 1000 Jahre wird eine Eiche alt, wenn die Umstände passen. Das macht sie in Deutschland zu einer der langlebigsten Baumarten. Ihr hohes Alter verdankt die Eiche ihrem Immunsystem. Zahlreiche Resistenzgene sorgen dafür, dass sie sich besonders gut gegen Angriffe wehren. Wunden schotten Eichen effektiv abgeschottet und die dicke, borkige Rindenstruktur erschwert es Eindringlingen.

Der älteste Baum der Welt

Dennoch ist der vermutlich älteste Baum der Welt (nach aktuellem Wissensstand) ein Nadelbaum! Die Fichte steht in Schweden und ist 9.500 Jahre alt! Die karge Landschaft und die niedrige Temperatur haben den Baum dazu veranlasst langsam zu wachsen und klein zu bleiben. Dennoch ist der oberirdische Teil dieses Baumes nur einige hundert Jahre alt. Das Wurzelsystem jedoch ist der eigentliche Greis. Aus ihr entstanden immer neue Stämme, wenn der alte abgestorben ist.

Bäume als Vorbilder

Mit diesem Wissen scheint es leicht, auch dem Menschen ewiges Leben zu gewähren. Unsere Haut bildet sich ständig neu, doch die Organe altern kontinuierlich. Ein regelmäßiger Austausch dieser lebenswichtigen Bauteile wäre die Lösung. Tatsächlich setzt die Forschung hier an. Stammzellen sollen junge Organe bereitstellen, die die Lebensspanne deutlich verlängern. Doch bis dahin bleiben Bäume die Anti-Aging-Künstler.

Die Autorin: Marina Winkler

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