Artikelreihe Baumharz

Das Harz der Bäume

Baumharz war und ist noch heute ein begehrter Rohstoff. Es ist die Grundlage für Lacke, Farben und Klebstoffe und ist sogar im Kaugummi enthalten. Für Bäume ist es mindestens genauso wertvoll. Er schützt sie vor Feinden und verschließt Wunden. Harz hat zahlreiche Eigenschaften, die es zu einem besonderen Naturstoff machen.

Wo kommt das Harz her?

Das Harz der Bäume besteht aus einer Mischung verschiedener Terpenoide und ätherischen Ölen. Spezielle Zellen in den Nadeln und Harzgängen produzieren das Harz und leiten es in den Stamm. Ein Harzgang entsteht in Zellzwischenräumen. Diese vergrößern sich und sind von Drüsenzellen umgeben. Damit die Kanäle offen bleiben, umgibt sie ein Kranz aus Sklerenchymfasern , die Harzkanalscheide. Der Harzkanal übersteht damit höheren Druck, ohne in sich zusammenzufallen. Die Harzkanäle verlaufen im Stamm von oben nach unten und quer zum Holz. Zusammen bilden sie ein dreidimensionales Netz im Stamm.

Schutz vor Fressfeinden und Eindringlingen

Sowohl in den Nadeln als auch im Stamm und den Ästen ist das Harz wichtig. In den Nadeln ist Harz einer der Stoffe, die Fressfeinden den Appetit verderben. Sticht eine Laus ihren Saugrüssel in die Nadel, reagiert der Baum darauf. Die Flüssigkeit aus den Harzzellen läuft in die Stichwunde und schließt das Loch. Die Laus verliert oft die Lust an ihrem Mahl oder klebt, wenn sie Pech hat, daran fest.

Ähnlich reagiert der Nadelbaum auf unerwünschte Eindringlinge in der Rinde. Borkenkäfer, Bockkäfer oder Prachtkäfer legen ihre Eier unter der Rinde ab. Dazu bohren sie sich in die Rinde ihres auserwählten Baumes ein. Ein gesunder Nadelbaum reagiert auf den unwillkommenen Gast umgehend mit Abwehrmaßnahmen. Das Harz aus den angrenzenden, verletzten Harzkanälen oder Harzblasen verstopft den Fraßgang und hindert den Eindringling daran, weiter vorzudringen. Das ausgetretene Harz verschließt die Wunde und hilft durch seine antibiotischen und pilzhemmenden Inhaltstoffe, einen erneuten Befall zu verhindern. Oft bleiben die Käfer auf Ihrem Rückzug am Harz hängen. Hilflos am Stamm festgeklebt sind sie eine leichte Beute für Vögel.

Wenn das Harz versiegt

Wie jedes andere Lebewesen werden auch Bäume krank, alt und sterben irgendwann ab. Ebenso schwächen Krankheiten das Immunsystsem des Baumes. Harz spielt dabei eine wichtige Rolle. Harz zu produzieren benötigt Energie. Ist der Baum bereits geschwächt, stellt er weniger Harz her. Oft führt dieser Teufelskreis dazu, dass der Baum sich nicht mehr ausreichend gegen einen Befall wehren kann.

Zahlreiche Insekten nutzen diese Schwachstelle der Bäume aus. Sie suchen sich keinen gesunden Baum aus, sondern befallen gezielt an kranke und alte Bäume. Diese produzieren weniger bis gar kein Harz. Nicht selten führt der Befall mit Borkenkäfern oder anderen Insekten zum Tod des Baumes.

Welche Bäume haben Harz?

Nicht jeder Baum verteidigt sich mit Harz. Im Wald fällt besonders das Harz der Fichte und Kiefer auf. Aber auch die Europäische Lärche, die Douglasie und der Mammutbaum produzieren Harz in Harzkanälen. Die Tanne stellt eine Ausnahme dar. Sie hat keine Harzkanäle im Holz, junge Tannen bilden jedoch Harzblasen in der Rinde aus. Der einzige harzführende Laubbaum, der in Deutschland gedeiht, ist der Amberbaum. Er liefert das begehrte Harz „Styrax“.

Bekannte, nicht einheimische Harze sind Weihrauch von Boswellia-Arten, Myrrhe von Commiphora-Strauch und Benzoe von Storaxbäumen. In den Tropen und Subtropen sind hunderte Pflanzenarten bekannt, die Harz produzieren. Sie sind für einen Großteil der Bergsteinvorkommen heute verantwortlich.

Die Kirsche und ihr „Harz“

Viele Prunus-Arten wie Kirsche oder Pflaume zeigen im Alter einen harzigen Ausfluss an ihren Zweigen und Stämmen. Oft als Harz angesehen, handelt es sich dabei jedoch um einen anderen Stoff. Die Gummiflusskrankheit ist eine Komplexkrankheit und zeugt von falschen Standorten und schwachen Bäumen. Die harzige Masse besteht aus aufgelöstem Pflanzengewebe und ist trotz ihres ähnlichen Aussehens nichts mit dem Harz von Kiefern oder Fichten vergleichbar.

Bernstein – Harze aus früherer Zeit

Der Name „Bernstein“ trügt. Es handelt sich nicht um einen Stein, sondern um uraltes, versteinertes Harz. Der goldgelbe Stein entwickelte sich unter unzähligen Sedimentschichten und extrem langen Zeitspannen. Heute lässt er sich an Stränden (Ost- und Nordsee) und in Kiesgruben finden. Besonders nach Stürmen bringt das Meer seine Schätze an die Oberfläche.

Das Besondere an Bernstein verbirgt sich im Inneren. Insekten, die vor Urzeiten am Harz ausgestorbener Bäume kleben blieben, finden sich in den versteinerten Harzbrocken wieder. Spinnen, Ameisen, Fliegen, aber auch Farne, Rinden oder Blätter und Nadeln sind fest verschlossen in durchsichtigen Bernsteinen zu sehen.

Verwendung von Harzen

Harze finden in Produkten wie Klebstoffen für Pflaster, in Kaugummi oder für Lacke und Wachsmalerei Verwendung. Das Harz der Aleppokiefer veredelt sogar den griechischen Wein. Noch heute werden Bogenhaare von Streichinstrumenten mit Harzen behandelt.

Industrielle Harzgewinnung

Die Grundlage bei der Herstellung von Terpentin und Kolophonium ist Harz. Dieses wurde lange Zeit aus Brandenburger Kiefernwäldern gewonnen. Das Handwerk des Harzers ist seit dem 19. Jahrhundert weitgehend verschwunden. Die Wälder Brandenburgs zeugen jedoch noch heute davon. Bei der Lebensgewinnung des Harzes sorgten in den Stamm geritzte Furchen im Holz dafür, dass der Baum vermehrt Harz produzierte. Die schräg angeordneten Furchen leiteten das Harz zu einem Auffangbehälter. Heute sind die meisten Harze industriell hergestellt. Naturharze stammen nicht mehr aus Deutschland sondern werden importiert.

Räuchern mit Harz

Bereits die Urvölker Europas verwendeten Harze für Räucherzeremonien. Sie dienten zur Reinigung, zur Ehre der Götter, als Behandlungsmethode äußerlicher und innerer Krankheiten und vertrieben nach dem Glauben der Menschen böse Geister. Das bekannteste Räucherharz ist der Weihrauch, der im Christentum besonders zu hohen Festen verwendet wird. Die Zusammensetzung der verwendeten Harze unterscheidet sich von Religion zu Religion. Weihrauch und Myrrhe gehören neben Benzoe zu den beliebtesten Räucherharzen.

Einheimische Harze selber sammeln

Wer zuhause mit Räucherstäbchen, Räucherkerzen oder traditionell mit Harzen räuchert, kann sein Räucherwerk selbst sammeln. Zwar gibt es in deutschen Wäldern keine Weihrauchbäume, dafür Fichten und Kiefern in großer Zahl. Ihr Harz lässt sich gut räuchern und verströmt einen angenehmen Duft. In den Bergen findet sich das gelbe Gold an Lärchen und Tannen.

Wie jedes Naturprodukt ist Harz sehr unterschiedlich in seiner Ausführung. Ob Tropfen, Blasen oder große Brocken, je nach Baum sieht das Material unterschiedlich aus. Achten Sie beim Sammeln darauf, den Baum nicht zu verletzen. Brechen Sie die Harzstücke ab oder kratzen Sie sie vorsichtig mit einem Messer vom Stamm. Insektenbefall, Anfahrschäden, Stammrisse und Spechtlöcher bieten genug Möglichkeiten, Harz zu sammeln, ohne extra dafür einen Baum zu schädigen.

Die Autorin: Marina Winkler

Bei Schäden an Baum und Rinde, Baumpfleger vor Ort fragen!

Die Rinde ist ein wichtiger Teil des Baumes. Schäden an der Rinde gefärden schnell die ganze Vitalität des Baumes. Baumpfleger sind die Experten, wenn es um die Erste Hilfe für den Baum geht. Über die Suchfunktion des Baumpflegeportals finden Sie schnell einen qualifizierten Baumpfleger, der Ihnen hilft, Ihren Baum zu erhalten.

Artikelreihe Baumrinde

Mit der Reihe „Baumrinde“ widmen wir uns ausführlich einem der prägendsten Teile des Baumes. Die Rinde schützt den Baum und übernimmt weitere wichtige Funktionen im Organismus Baum. Grund genug, dieses Wunderwerk näher zu betrachten.

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Quellen:

  • Cédric Pollet: Rinde – Die Wunderwelt der Bäume entdecken, Ulmer Verlag, 2016
    erhältlich bei Freeworker
  • Jean-Denis Godet: Baumrinden, Ulmer Verlag, 2011
    erhältlich bei Freeworker
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