Kurioses und Wissenswertes rund um Betula

10 Fakten zur Birke

Die Birke sticht durch ihre weiße Borke schnell ins Auge. Der weit bekannte Baum spielt schon bei den frühen Siedlern eine Rolle und ist gerade in nördlichen Ländern noch heute die wichtigste Baumart. Sie liefert Brennholz, erfrischt im Frühling durch ihren Saft und ist winterhart wie kaum ein anderer Laubbaum.

Fakt 1: Der frühe Baum bekommt den besten Platz

Die Birke liebt die Sonne. Ihre federleichten Segelfliegerfrüchte fliegen kilometerweit und fallen entfernt der Mutterbäume zu Boden. Gerodete Waldflächen, Freiflächen nach Brand und Sturm oder ehemalige Weideflächen sind für die Birke ein perfektes Gebiet. Als Pionierbaumart besiedelt sie als eine der ersten Baumarten neue Flächen. Mit ausreichend Sonnenschein wächst die Birke bis zu einer Höhe von 30 Metern.

Weitere Pionierbaumarten oder Vorwaldbaumarten sind Weiden, Erlen oder Pappeln. Sie alle sind bereits in der Jugend auf viel Licht angewiesen, werden maximal 120 Jahre alt und fruchten in jungen Jahren. Sei bereiten das Land für kommende Baumarten vor, indem sie den Boden verschatten und damit andere Gräser und Sträucher in ihrem Wuchs einschränken. Die Folge sind halbschattige Vorwälder mit niedriger Stauch und Gräserschicht, in der weitere Baumarten wie Ahorn, Buche, Eiche und Co. heranwachsen.

Fakt 2: Schneeweiße Borke als Sonnenschutz

Die Birke ist ideal an sonnige Standorte angepasst. Die weiße Rinde ist ihr Sonnenschutz. Sie reflektiert das Licht und sorgt dafür, dass der Stamm nicht überhitzt. Damit verhindert die Birke Spannungsrisse, die gerade in ihrer Heimat, den schneereichen Gegenden des Nordens, nicht unüblich sind. Gleichzeitig ist die Spiegelrinde der Birke wasserabweisend.

Fakt 3: Pech aus Birkenrinde: Brennt auch nass

Schon die Gallier entdeckten den wertvollen Inhaltstoff in der Birkenrinde: Das Pech. Sie kochten es aus Streifen sich ablösender Birkenrinde heraus. Das Produkt ist wasserabweisend und die frühen Siedler dichteten damit Boote und Gefäße ab. Ein weiteres Produkt aus Birkenteer ist das Juchtenöl. Auf Leder aufgetragen macht es dieses wasserdicht, weich und soll sogar Insekten fernhalten.

Fakt 4: Birkenwasser reinigt und belebt

Die Birke gehört zu den „blutenden“ Baumarten. Der Begriff ist verwirrend, da Bäume im eigentlichen Sinne nicht bluten. Der Vergleich kommt daher, dass bei diesen Baumarten im Frühjahr viel Wasser austritt, wenn ihre Rinde beschädigt wird. Neben der Birke zeigen auch Walnussbaum, Ahorn, Robinie, Tulpenbaum und Weinrebe dieses Phänomen.

Besonders stark bluten Bäume im Frühjahr, kurz vor dem Blattaustrieb. Das liegt daran, dass die Bäume zu dieser Zeit verstärkt Wasser aus dem Boden zu den Ästen in der Krone leiten. Ohne Blätter verdunstet aber wenig Flüssigkeit und der Baum ist stark mit Wasser und den darin gelösten Nährstoffen gefüllt.

Der Birkensaft gilt als gesunder Frühjahrstrunk und ist als Haarwasser beliebt. Frisch gezapft schmeckt er leicht süß und belebend. Gerade in die Frühjahrskur passt der Birkensaft gern gut, da die Naturheilkunde ihm eine reinigende Wirkung nachsagt.

Birkensaft selber zapfen?

Prinzipiell ist das möglich. Mit einem Bohrer bohren Sie ein Loch in die Rinde der Birke. Mit einem dünnen, lebensmittelechten Schlauch leiten Sie das Wasser aus dem Bohrloch in ein Gefäß. Bis zu fünf Liter Wasser kann ein einziger Baum abgeben. Für den Baum ist das jedoch kein Kinderspiel. Das Bohrloch verletzt die schützende Borke und ist eine ideale Eintrittspforte für Pilze. Für eine schlecht abschottende Baumart wie die Birke ist das problematisch, da die Wunden lange offen bleiben.

Alternativ schneiden sie einen kleinen Ast ab, um Birkenwasser zu sammeln. Das schadet dem Baum weniger als ein Loch im Stamm und führt ebenfalls zu dem gewünschten Effekt. Achten Sie in jedem Fall darauf, den Baum nicht jährlich anzuzapfen. Geben Sie ihm eine Ruhephase von mindestens zwei Jahren.

Fakt 5: Besen in der Krone und im Schuppen

Der Schlauchpilz Taphrina betulina verursacht ein skurriles Schadbild an der Birke. Der Baum bildet an der Befallsstelle zahlreiche neue Triebe, die überwiegend nach oben wachsen. Nach einiger Zeit sieht das Gewirr an Ästen aus wie ein Hexenbesen, der sich im Flug in der Krone verfangen hat. Der Pilz schwächt die Birke und führt zu weniger Höhenwachstum, ohne den Baum jedoch stark zu schädigen. Oft leben die Birken mit dem Pilz viele Jahre weiter. Die dünnen Äste der Birke eignen sich auch für echte Besen. Anders als Buche oder Eiche bleiben die blatttragenden Äste der Birke dünn, weich und biegsam. Das ideale Material für Reisigbesen.

Fakt 6: Weiße Borke trifft rote Pilze

Die Birke geht mit zahlreichen Pilzarten eine Symbiose ein. Dazu zählt beispielsweise der wunderschön gefärbte Fliegenpilz, der ebenfalls an anderen Bäumen gedeiht. Arten, die ausschließlich mit der Birke in Kontakt treten sind beispielsweise Birkenpilze, Rotkappen, einige Täublinge und Milchlinge sowie der Gelbblättrige Ritterling.

Die Pilze leben in Gemeinschaft mit den Bäumen und unterstützen sich gegenseitig. Der Baum liefert Zuckerlösungen aus der Photosynthese an den Pilz und dieser versorgt den Baum mit Bodennährstoffen wie Stickstoff. Durch ihr riesiges Geflecht im Boden lösen Pilze viel mehr Nährstoffe aus dem Boden, als es Bäume durch ihre Wurzeln könnten.

Fakt 7: Lebensrute und Schlagstock

Birkenzweige haben eine lebensbringende und eine schmerzhafte Seite. Verehrt als Baum des Lichtes, des Neubeginns und des Lebens, entwickelte sich der Begriff der „Lebensrute“. Im Frühjahr schlugen sich die Menschen gegenseitig leicht mit frischen Birkenzweigen, um sie vor Krankheit und Gefahr zu schützen und fruchtbar zu machen. Baum Almauftrieb kamen auch die Tiere in den Genuss der Birkenzweige.

In der Schule jedoch galt ein anderes Gesetz. Der Birkenstock war hier nicht lebensspendend, sondern äußerst schmerzhaft. Er sollte ungezogene Kinder auf den rechten Weg zurückbringen.

Fakt 8: Baum des Nordens

Als winterhärtester Laubbaum überhaupt ist die Birke der „Baum des Nordländers“. Er ist Nationalbaum der Finnen und spielt die Hauptrolle in zahlreichen Märchen und abergläubischen Erzählungen.
Der Wert der Birke in den nördlichen, kalten Ländern ist enorm. Durch den in der Rinde eingelagerten Birkenteer brennt sogar nasses Birkenholz. Außerdem sind alle Teile der Birke verwertbar: Das Birkenwasser im Frühjahr ist ein gesunder Vitamintrunk, die Blätter geben einen herrlichen, leicht herben Salat ab und die Zweige der Birke lassen sich zu Besen weiterverarbeiten.

Fakt 9: Maibaum und Baum der Liebe

Traditionell stellen viele Dörfer, Städte, Gaststätten oder Gartenbesitzer zum 1. Mai ein Birkenbäumchen auf. Das Symbol der Hoffnung, des Lichtes und der Liebe läutet den Frühling ein.

Ein anderer Brauch ist den Liebenden geweiht. Der Verehrer stellt in der ersten Mainacht ein geschmücktes Birkenbäumchen im Garten oder auf dem Balkon der Liebsten auf. Je schöner der Schmuck des Baumes, desto größer sei die Liebe. Doch Vorsicht! Wer drei Jahre in Folge derselben Frau ein „Maierl“ schenkt, muss diese heiraten.

Fakt 10: Postkarten aus Birkenrinde

Birkenrinde ist einer der ältesten Vorläufer des heutigen Papiers. Die dünnen, leicht ablösbaren Rindenschichten sind hell, reißfest und wasserabweisend. Eingeritzte Botschaften hielten Witterungen stand und waren daher besonders beliebt.

Während des ersten Weltkrieges griffen Soldaten an der Front erneut auf die Birkenrinde zurück. Aus Mangel an Postkarten beschrieben sie die Rindenstücke und sendeten ein paar persönliche Worte an ihre Liebsten in der fernen Heimat. Heute ist Birkenrinde im Künstlerbedarf für spezielle künstlerische Projekte käuflich.

Die Autorin: Marina Winkler

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Quellen:

  • Rudi Beiser: Baum und Mensch, Ulmer-Verlag‎, 2017
    erhältlich beim Ulmer-Verlag
  • Doris Laudert: Mythos Baum, Verlag blv‎, 2004
    erhältlich bei Freeworker
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