Starke Baumtypen

Windbuchen auf dem Schauinsland

Wenn starke Baumtypen gezeigt werden, sind sie fast immer dabei. Fehlen sie, dann hat der Autor sich bewusst gegen sie entschieden – einmal ein Buch oder Kalender ohne die Windbuchen auf dem Schauinsland. Es gibt Bäume, die sind nicht weniger interessant. Aber an ihnen geht man vorbei, sieht sie und hat sie schon wieder vergessen. Die Windbuchen hingegen bleiben im Gedächtnis, sie prägen sich ein – selbst wenn man sie nicht vorsätzlich wahrnimmt.

Man kann auch mit einem Menschen zusammentreffen, den man nicht wirklich wahrnimmt. Aylet Gundar-Goshen beschreibt in ihrem Buch „Eine Nacht, Markowitz“ den Jakob Markowitz:

„Jakob Markowitz war nicht hässlich. Was nicht heißen soll, dass er schön gewesen wäre. … Er war, kann man sagen, von brillanter Mittelmäßigkeit. Ja, mehr als das; Jakob Markowitz’ Gesichtszüge waren ausgesprochen nichtssagend. So nichtssagend, dass das Auge kaum darauf verharren konnte, sondern zu anderen Dingen weiterglitt. … Jakob Markowitz schmuggelte Waffen … und nie geriet er in die geringste Gefahr, geschnappt zu werden. Der Blick der britischen Soldaten glitt an seinem Gesicht ab wie Öl in der Pistole.“

Dagegen ist der Freund von Jakob ein Mann der im Gedächtnis bleibt. Er ist …

„… vor allem Schnauzer. … Es war klar, dass Seev Feinberg nicht dazu geschaffen war, Waffen zu schmuggeln, weil sein Schnauzbart ihm vorauseilte wie eine Kolonne schwarzer Ausrufezeichen. Man hätte blind und dumm sein müssen, um ihn nicht zu bemerken.“

Auch bei den Windbuchen verhält es sich so: Man kann sie nicht übersehen. Sie sind vor allem ein Spiel mit dem Wind. Statt sich dem Wind, der aus der Rheinebene kommt, wütend entgegenzustellen, tanzen sie mit ihm und machen die Windböen mit ihren wiegenden Kronen sichtbar.

Der Autor: Redaktion Baumpflegeportal