Dicker knochiger Stammfuss eines Baumes

Starke Baumtypen

Die Tassilolinde von Wessobrunn

Um mächtige und alte Bäume, die über Jahrhunderte einen Ort prägen, ranken sich oft Mythen und Sagen. Auch die altehrwürdige Tassilolinde in Wessobrunn im malerischen Pfaffenwinkel ist solch ein Baum. Nahe der Mauer des ehemaligen Klosters Wessobrunn gelegen, steht gleich neben dem Naturdenkmal ein kleines Schild, dass über die sagenhafte Geschichte der Winterlinde aufklärt.

Ein durstiger Herzog gründet ein Kloster

Noch heute sind Bäume willkommene Plätze für eine Rast im kühlenden Schatten ihrer mächtigen Kronen. Auch Tassilo der Dritte, bayerischer Herzog und Vetter Karl des Großen, ließ sich einst im Schatten einer mächtigen Linde erschöpft und durstig für eine Rast nieder. Im weichen Moos und unter dem sanften Rauschen des Blätterdaches schlief er ein. Im Traum erschien ihm ein Engel, der klares Wasser schöpfte. Wieder wach, fand Tassilo zusammen mit seinem Jagdgefährten eine nahegelenge Quelle, die ihren Durst löschte. Der Herzog sah in der Quelle ein himmlisches Zeichen und gründete das Kloster Wessobrunn.

Nicht so alt wie in der Sage

Der Sage nach ist dies alles im Jahre 753 geschehen. Unwahrscheinlich, dass die Linde, unter der sich Tassilo zu Ruhe legte, noch die heutige und seinen Namen tragende Linde ist. Auch der Mythos, die Linde wäre mit der Gründung des Klosters im achten Jahrhundert gepflanzt, ist für eine Winterlinde nahezu auszuschließen. Die Baumart wird maximal 1000 Jahren alt. Realistische Schätzungen für das Alter der Tassilolinde belaufen sich auf 450 bis 800 Jahre. Messen lässt sich das Alter des Baumes nicht mehr. Das Kernholz ist längst verrottet und der heutige Baum ist wahrscheinlich aus neuen Trieben des Baumes erwachsen.

Die Tassilolinde heute

Die Tassilolinde steht an einem kleinen Abhang, der zum Bach der in der Sage erwähnten Quelle führt. Dank der Erneuerungskraft der Linden streben aus dem ganzen Baum neue und frische Triebe. Den Umfang der Winterlinde geben verschiedenen Quellen zwischen 13 und 14 Metern an. Die Krone erreicht eine Höhe von circa 25 Metern bei einer Breite von 20 Metern. Sichtbare Kronenverankerungen zeigen, dass der Baum bereits in der Vergangenheit saniert und gepflegt wurde.

Mittlerweile ist die Tassilolinde komplett hohl und ermöglichen eine Rast im inneren des Baumes. Was dem Wanderer in seinen Träumen erscheint, dass kann er nur selbst herausfinden. Vom Parkplatz des Klosters Wessobrunn sind es wenige Minuten zu Fuß bis zur Tassilolinde. Einfach den Wegweisern entlang der alten Klostermauer folgen. Auf den Rückweg bietet sich ein Weg durchs alte Kloster vorbei an der Mariengrotte an.

Der Autor: Jan Böhm

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