Käfer unter Schutz:

Der Eremit

Der Eremit ist ein kleiner, unscheinbar Käfer, der regelmäßig großen Trubel veranstaltet. Wird er gefunden, beginnt oft eine ganze Reihe an Prüfungen und Vorkehrungen. Der kleine Kerl lebt in uralten Bäumen mit Mulmhöhlen und schütz als Schirmart zahlreiche weitere Tierarten und ihre Lebensräume. Der Eremit ist nach dem Bundesnaturschutzgesetz eine streng geschützte Art und kommt in der FFH-Richtlinie in den Anhängen II und IV vor.

Biologie

Der Eremit – Osmoderma eremita, auch Juchtenkäfer genannt, ist ein lackschwarzer Käfer und gehört zu den Rosenkäfern. Der ausgewachsene Käfer misst bis zu 38 Millimeter. Den größten Teil seines Lebens verbringt der Eremit jedoch als Larve im Mulmhöhlen im Baum. Da die Tiere ortstreu sind, finden sich oft adulte Tiere und Larven gleichzeitig in denselben Baumhöhlen. Daher kommt auch sein Name. Wie ein Eremit/Einsiedler lebt er sehr versteckt und lässt sich selten im Freien blicken.

Die Käfer werden nur wenige Wochen bis drei Monate alt. In dieser Zeit legen die Weibchen Eier, aus denen nach drei Wochen die Larven schlüpfen. Sie leben drei bis vier Jahre in ihrer Höhle und verpuppen sich anschließend. Dies geschieht im Herbst, um im Frühjahr als Käfer zu erscheinen.

Verwechslungen mit anderen Tierarten

Da wir den Eremiten selten zu Gesicht bekommen, kommt es häufig zu Verwechslungen. Der gängigste Verwechslungspartner ist der große Rosenkäfer. Er lebt auch in Mulmhöhlen und sieht im Larvenstadium dem Eremiten ähnlich. Zu erkennen ist er jedoch daran, dass die Pellets, die im Mulm zu finden sind, eine rundliche Form haben und unter vier Millimeter lang sind. Die Pellets des Eremiten sind länglich und über fünf Millimeter lang.

Lebensraum

Die Eremiten brauchen für ihren gesamten Lebenszyklus sehr alte Bäume. Sie bevorzugen einzeln stehende Bäume, besonders Laubbäume wie Eichen, Linden, Weiden oder Buchen, mit dickem Stamm. Aber auch Eschen, Kastanien oder Walnussbäume besiedelt der Käfer. Wichtig ist, dass der Baum einen gewissen Alterungsprozess durchlaufen hat. Im Baum besiedelt der Eremit große, feuchte Höhlen, die genug Mulm enthalten, damit das Klima immer feucht-warm bleibt. Solche Höhlen sind zum Teil erst nach Jahrzenten „bezugsfertig“ für den Eremiten. Das ist der Grund, warum er heute so selten ist. Bäume werden in unserer heutigen Zeit selten uralt. Sie werden auf Grund von Verkehrssicherheit, Holznutzung, Platzbedarf oder anderen Gründen schon weitaus früher gefällt. Alte Bestände sind deshalb schützenswert.

Artenschutz für den Eremit

Der Eremit gilt als Schirmart im Artenschutz. Das bedeutet, dass durch seinen Schutz gleichzeitig ein ganzer Lebensraum für unzählige seltene Arten unter Schutz steht. Die Mulmhöhlen, die er benötigt, bieten gleichzeitig Lebensraum für Fledermäuse, Käferarten, Pilze und viele mehr. Steht der Eremit unter Schutz, so betrifft das den gesamten alten Baum mit all seinen Lebensräumen und Nahrungsquellen. Andere Schirmarten sind zum Beispiel Wale stellvertretend für den Lebensraum Meer und Pandabären als Stellvertreter für die Eukalyptuswälder.

Umsetzung des Artenschutzes

Damit der Eremit noch viele Generationen lang in seinem Baum bleibt, braucht dieser einen gewissen Schutz. Wichtig ist, dass der Baum keine Konkurrenz durch junge Bäume bekommt. Dafür ist eine Beweidung sinnvoll. Früher hießen solche Flächen Hutewälder. Die Tiere fraßen das Gras und junge Bäumchen unter den Altbäumen ab und freuten sich an den Baumfrüchten im Herbst. Heute versuchen Naturschützer oft, solche Weiden wiederzubeleben.

Um den Baum auch langfristig gesund und stabil zu erhalten, ist eine gute Baumpflege sinnvoll. Natürlicherweise reduzieren alte Bäume ihre Kronen in der Höhe, um auch im Alter standfest zu bleiben. Das Retrenchment Pruning kann hier helfen, den Vorgang zu erleichtern.

Kurzzeitig kann die Schaffung von Habitaten sinnvoll sein. Dazu ziehen Baumpfleger Kopfweiden heran, die schon früh Höhlungen bilden und so als Kurzzeithabitate für Eremiten bilden. Auch die Neupflanzung von Bäumen in der Nähe kann sinnvoll sein, solange der Altbaum die Zeit bis zur Reifung der neuen Bäume noch überleben kann. Langfristig ist es wichtig, Wälder oder Waldstücke aus der Nutzung zu nehmen. Dadurch können sich für zukünftige Generationen alter Baumgemeinschaften bilden, die wiederum Heimat für seltene Tierarten sind.

Der Autor: Marina Winkler

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Quellen:

  • Seminar zum Thema Artenschutz: Eremit und Co – Münchner Baumkletterschule und TreeConsult
  • Bund Naturschutz: Der Eremit
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