Eschenkronen mit abgestorbenen Zweigen

Hymenoscyphus pseudoalbidus

Eschentriebsterben – Pilz bedroht heimische Eschen

Ähnlich der Kastanie sind heimische Eschen durch einen Krankheitserreger bedroht. Seit Anfang des Jahrtausends beobachten Forscher, Baumpfleger und Förster die Symptome des Eschentriebsterbens, dass auch unter dem Namen Eschenwelke bekannt ist. Der Pilz Falsches Weißes Stengelbecherchen (Hymenoscyphus pseudoalbidus) verursacht die neue Krankheit an den Eschen. Seit 2007 ist er mit seiner Nebenfruchtform Chalara fraxinea in Deutschland nachgewiesen. Seitdem verbreitet sich das Eschentriebsterben über die ganze Republik und die typischen Symptome sind an vielen Eschen deutlich sichtbar. Betroffen sind Eschenbestände jeglichen Alters in Wald und Flur. Trotz groß angelegter Forschungsvorhaben bereitet die Krankheit große Sorgen und die Forscher erwarten aktuell keine verbesserte Situation.

Symptome und Krankheitsverlauf Eschentriebsterben

Da die Sporen des Pilzes die Eschen über die Blätter befallen, zeigen sich die ersten Symptome an befallenen Bäumen zunächst an den Blättern in Form von bräunlichen Nekrosen (abgestorbene Stellen). Ab Mitte Juli, führt dies zu einem verstärken Blattfall, in dessen Folge verlichtete Kronen auftreten. Der Erreger breitet sich über die Blattstiele und Triebe weiter bis in Äste und Holz der Bäume aus. An vom Eschentriebsterben befallenen Trieben zeigen sich gelbliche bis rostfarbene Flecken. An den Hauptrieben des Baumes bilden sich die Flecken oft um einen abgestorbenen Trieb. Die Verfärbungen ziehen sich in den Stamm hinein und sind im Längs- oder Querschnitt befallener Äste gut zu erkennen.

Eine Infektion mit Hymenoscyphus pseudoalbidus führt zu einem verstärktem Austrieb der Eschen und hat verbuschte Kronen zur Folge. Typisch sind die von weiten erkennbaren verbuschten Kronen mit abgestorbenen Ästen. Ein weiteres charakteristisches Merkmal für das Eschentriebsterben sind verwelkte und abgestorbene Blätter, die durch den Baum nicht aktiv abgeworfen werden.

Bei Altbäumen verläuft das Eschentriebsterben zunächst langsam, infizierte Jungbäume sterben rasch ab. Wie bei vielen chronischen Krankheiten, sind die Bäume infolge der Symptome deutlich geschwächt. Anderen Erregern und Insekten, wie Hallimasch und Eschenbastkäfer, fällt es leichter ebenfalls die Eschen zu befallen. Die Folge ist dann oft der Tod des Baumes.

Resistende Eschen

In der Forschung liegt ein großes Augenmerk auf einigen Eschenexemplaren die über eine scheinbare Resistenz gegenüber dem Erreger verfügen. Obwohl sich die Sporen des Pilzes leicht über weite Distanzen ausbreiten, lassen sich in befallenen Beständen regelmäßige Eschen ohne Symptome beobachten. Die Gründe sind bisher nicht bekannt und Gegenstand weiterer Forschungen. Aktuelle Untersuchungen lassen außerdem vermuten, dass sich über Anpassungsprozesse weitere resistente Eschen entwickeln. Die Lage für die Esche scheint damit nicht hoffnungslos.

Handlungsempfehlungen für das Eschentriebsterben

Wie sich die Eschenbestände und befallene Eschen behandeln und schützen lassen, ist Gegenstand zahlreicher wissenschaftlicher Untersuchengen. Fest steht: Der Pilz lässt sich nicht eindämmen und der Einsatz von Fungiziden und Pflanzenschutzmitteln ist nicht sinnvoll. Auch andere Maßnahmen wie die Entnahme befallener Äste oder Stämme unterbinden nicht, dass sich das Eschentriebsterben weiter ausbreitet. Vielmehr raten einige Forscher betroffene Bäume weiter stehen zu lassen, solange sie leben. Dies könnte dazu beitragen, dass Nachkommen dieser Bäume schneller Resistenzen ausbilden.

Dabei gilt zu beachten, dass Eschen die für die Verkehrssicherheit relevant sind, entsprechend zu pflegen sind. Besitzer müssen diese Bäume regelmäßig kontrollieren und tote Äste entfernen. Da infiziertes Holz nicht zur Ausbreitung des Pilzes beträgt, kann es an Ort und Stelle verbleiben. Droht die Gefahr, dass sich dadurch andere Schaderreger ausbreiten, ist es besser abgestorbene Bäume und Äste zu entfernen. Eine Fällung ist ratsam, sobald 2/3 der Krone tot sind. Der Baum überlebt unter diesen Umständen nicht mehr lang.

Stadt- und Straßenbäume

In der Stadt lässt sich ein Phänomen beobachten, dass infizierten Eschen deutlich länger leben. Sie wehren sich merklich besser gegen das Eschentriebsterben, als die Bäume im Wald. Gründe sind womöglich die regelmäßige Entfernung des Falllaubes. Hier bildet der Pilz Sporen, die eine weitere Infektionswelle auslösen. Außerdem stehen die Bäume selten dicht wie in Wald- oder Flurbeständen. Die Übertragung ist erschwert und die Bäume leben länger. Kontrollen und Totholzentnahme alle sechs Monate sind anzuraten.

Biotopbäume

Bedeutsame Eschen für den Artenschutz, als Biotopbaum oder als Brückenhabitat werden bestenfalls nicht geschnitten. Unterliegen sie an ihrem Standort keinen Auflagen durch die Verkehrssicherheit, kann das Totholz im Baum verbleiben. Zum einem haben abgestorbene Bäume einen Wert für die Biodiversität, zum anderen trägt dies dazu bei, dass sich mögliche resistente Eschen durch natürliche Prozesse entwickeln.

Neupflanzung

Neue Eschen zu pflanzen ist aktuell nicht ratsam. Ob Ersatzpflanzung für abgestorbene Bäume oder Neuanlage von Beständen, die Esche ist überall anfällig für das Eschentriebsterben. Besser ist es, eine an den Standort angepasste Ersatzbaumart zu pflanzen, bis die weiteren Forschungen über mögliche Resistenzen bei Eschen erste Erfolge aufweisen.

Die Autoren: Redaktion

Baumexperten helfen bei der Diagnose

Wenn Sie befürchten, dass Ihre Eschen mit dem Pilz infiziert sind, lassen Sie sie unbedingt von einem Experten untersuchen. Baumexperten und Baumpfleger in Ihrer Nähe finden Sie auf Baumpflegeportal.de!

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