Bonsai in einer Schale

Baumpflege an Miniaturbäumen:

Bonsai aus Waldbäumen selber erziehen

Wer kennt sie nicht, die wunderschönen Kunstwerke der Bonsai-Bäume. Ob im Großformat im Garten, oder der kleine Baum in der Schale – jeder einzelne hat seinen Reiz. Die Tradition stammt ursprünglich aus China, entwickelte sich dann in Japan weiter. Heute ist die Kunstform auch in unseren Häusern eingekehrt. Die echte Kunst besteht darin, durch Miniaturbäume die Natur möglichst echt abzubilden. Der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt. Mit der richtigen Technik können Sie fast jeden Baum zu Ihrem eigenen Bonsai erziehen.

Waldbäume und Bonsai

Prinzipiell können Sie jeden beliebigen Baum zu einem Bonsai erziehen. Ob jung oder alt spielt keine Rolle, genauso wie die Baumart. Es gibt jedoch Kriterien, welche den Bonsai-Aufbau erleichtern. Baumarten, welche schnell wachsen, haben den Vorteil, dass Sie Ihren Bonsai innerhalb von wenigen Jahren heranziehen. Auch ist es hilfreich, Bäume auszuwählen, welche von Natur aus kleinere Blätter haben. Gut geeignet sind Waldbäume wie Rotbuche, Stieleiche, Spitzahorn, Kiefer oder Zeder. Aber auch Straucharten wie der Weißdorn können Sie zu schönen Bonsai-Bäumen erziehen. Der einzige Unterschied zu den exotischen Bonsai-Arten ist, dass sie lieber im Freien stehen. Denn diese Baumarten reagieren negativ auf die ganzjährig warmen Zimmertemperaturen.

Miniatur-Bäume gibt es nicht nur zuhause in der Schale. Auch in der Natur kommt es vor, dass Bäume über Jahre hinweg klein bleiben und trotzdem hunderte Jahre leben. Es iste alles eine Frage des Standorts! Es landet ein Kiefernsamen unglücklicherweise auf einem Stein und keimt dennoch, da ein wenig Erde und Wasser in einer Vertiefung sind. Die Nährstoffe reichen jedoch nicht für ein Höhenwachstum aus und das Bäumchen bleibt sehr klein. Es passt sich den Begebenheiten an, die es am Standort vorfindet. Dieses Phänomen simuliert die Bonsai-Erziehung durch die kleine Schale und die wenig Erde. Auch der Wurzelschnitt dient dazu, dem Bäumchen einen kargen Lebensraum vorzuspielen.

Den richtigen Baum auswählen

Haben Sie eine Baumart gewählt, bedarf es einer geeigneten Pflanze. Die einfachste Art ist, Samen zu sammeln und sie zum Keimen zu bringen. So sind Sie von Anfang an dabei und haben es in der Hand, den Baum gut zu erziehen.

Eine Alternative ist, bereits einen älteren, aber klein gebliebenen Baum aus der Natur zu nehmen. Hier bieten Sich Bäume im Unterstand, an Berghängen oder in kargen Regionen an. Sie sind schon viele Jahre alt und robust. Gerade Bäume an Steilhängen besitzen oft skurrile Stammformen, welche sich hervorragend als Bonsai eignen. Achten Sie jedoch darauf, Besitz- und Naturschutzrechte nicht zu missachten, wenn Sie einen Baum aus der Natur holen. Sie machen Sie sich gegebenenfalls strafbar. Informieren Sie sich beim zuständigen Förster oder der zuständigen Naturschutzbehörde.

Auch Gartencenter führen heimische Bäume in ihrem Sortiment. Ein Besuch lohn sich, da diese Bäume im Vergleich zu Pflanzen aus der Natur, bereits an ein Leben im Topf gewöhnt sind. Das erleichtert Ihnen eventuell die Pflege.

Pflege und Gestaltung

Nachdem Ihr Baum aus einem Samen gekeimt ist, ist es ratsam, das junge Bäumchen ein paar Jahre lang wachsen zu lassen. So baut es einen dickeren Stamm und ein gutes Wurzelsystem auf. Das Bäumchen ist dann etabliert und bereit für den Zuschnitt nach Ihren Wünschen.  Äste, die später die Krone bilden, belassen Sie am Baum. Dies Äste dürfen auch zu lang sein. Diese heißen „Opferäste“, da sie zwar kurzzeitig zu lang aussehen, später dadurch eine schön dicke Basis haben. Dadurch sieht das Bäumchen später wie ein älterer, knorriger Baum-Veteran aus. Für die Gestaltung unnötige Äste entfernen Sie an der Basis mit einem scharfem Werkzeug. Achten Sie darauf der Pflanze genug Blattmasse zu lassen, um weiterzuwachsen.

Später setzen Sie den Baum in eine flache Schale. Belassen Sie lediglich die waagerechten, feinen Wurzeln. Dadurch nimmt der Baum genug Nährstoffe auf, ist aber in seinem Wachstum eingeschränkt. Nach und nach passen sich die Blätter der Baumgröße an. Füllen Sie die Schale mit geeignetem, durchlässigen Substrat. Eventuell ist es nötig, den Wurzelteller des Bäumchens ein wenig mit Draht zu befestigen, bis der Baum angewachsen ist.

Schnitt für Schnitt wie beim Großbaum

Die Schnitte für die Gestaltung Ihres Bonsais führen zu den selben Reaktionen, die sie beim Großbaum bewirken. Achten Sie bei der Mini-Variante auf einen fachgerechten Schnitt. Schneiden Sie Äste immer an der Basis auf Astring ab. Verzichten Sie auf Wundverschlussmittel und lassen Sie keine Stummel stehen. Außer Sie erhalten diese als tote Strukturelemente am Baum. Auch beim Bonsai bewirkt ein Schnitt, dass der Baum kompensiert. Überlegen Sie sich also gut, wo Sie ihre Schnitte setzen.

Manchmal sind skurrile Formen beim Bonsai jedoch erwünscht. Auch hier greifen Sie auf das Fachwissen der Baumpflege zurück. Eine Kappung des Stammes führt oft dazu, dass der Baum buschig austreibt. Diese neuen Triebe lassen sich ganz nach Ihren Wünschen hervorragend zu einer Krone formen. Da unsere Mini-Bäume selten Probleme mit der Verkehrssicherheit haben, ist dies eine gängige Gestaltungsmethode im Vergleich zu einer fachgerechten Baumpflege an Großbäumen.

Drahten und Formen

Um ein gutes Kronengerüst bei Apfelbäumen zu erhalten, binden Gärtnereien die Äste der Bäume in die perfekte Form. Im Laufe der Zeit nehmen diese Äste an Dicke zu. Sie werden unbiegsam und behalten die vorgebene Form. Dieses Verfahren gibt es ebenfalls beim Bonsai. Oft wachsen Äste an der richtigen Stelle, sie streben naturgemäß aber zum Licht. Möchten Sie jedoch einen waagerechten Ast, binden Sie diesen herunter oder umwickeln ihn mit Draht. Achten Sie darauf den Draht rechtzeitig zu entfernen, bevor er in die Rinde des Bonsais einwächst

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Kein Baum ist wie der andere

Einen Bonsai zu erziehen ist ein ganzes Stück Arbeit und dauert seine Zeit. Und doch bringt es Freude! Lassen Sie Ihrer Phantasie freien Lauf. Die Mini-Bäume lassen sich zu den unterschiedlichsten Landschaften und Kunstwerken formen. Und das ganz ohne die Gefahr von Verletzungen oder die Problematik der Verkehrssicherheit. Vielleicht findet ja der ein oder andere Baumfreund Spaß an der Gestaltung seines ganz persönlichen Miniaturbaumes.

Die Autorin: Marina Winkler

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