Ausdünnen, Abstützen und der richtige Schnitt

Hilfe für überlastete Apfelbäume

Jeder Gartenbesitzer wünscht sich eine reiche Apfelernte im Herbst. In manchen Jahren hängt der Apfelbaum aber übervoll mit Früchten und die Äste drohen, unter der Last abzubrechen. Es gibt jedoch verschiedene Möglichkeiten, dem Drama überlasteter Apfelbäume im Garten vorzubeugen. Ob Sie den Fruchtbehang ausdünnen, die Äste abstützen oder durch guten Baumschnitt einem gefährlich schweren Apfelbehang vorbeugen – mit diesen Maßnahmen bleibt der Apfelbaum ganz und die Ernte reichlich.

Wie kommt es zur Apfel-Schwemme?

Es gibt Jahre, in denen trägt der Apfelbaum im Garten kaum eine Frucht. Im Jahr darauf sieht es ganz anders aus und der Baum bricht unter der Last der vielen Früchte fast zusammen. Für diese Phänomen gibt es unterschiedliche Gründe. Neben der artspezifischen Alternanz sind auch die Witterungsverhältnisse des letzten Jahres entscheidend.

Alternanz der Apfelbäume

Als Alternanz bezeichnet der Obstbauer die Schwankungen des Obstertrages im zweijährigen Rhythmus. Vor allem Apfelbäume haben eine ausgebildete Alternanz. In einem Jahr hängt der Baum voller Äpfel, im nächsten dagegen bringt er wenig bis gar keinen Ertrag. Dieser Wechsel ist durch Hormone bedingt. Sie regen die Knospendifferenzierung im Frühsommer an und entscheiden, welche Knospe im nächsten Jahr zu Blatt, Trieb oder Blüte wird. Ein blütenreicher Ast schüttet Hormone aus, die die Bildung von Blütenknospen hemmen. Dagegen entstehen nach einem Jahr ohne Blüten zahlreiche Blütenknospen.

Zu schwer behangene Äste können leicht brechen und bringen viele kleine Äpfel hervor.
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Spätfrost als Regulator

Das Wetter im Frühjahr hat einen großen Einfluss auf den Apfelertrag. Spätfrost ist für die zarten Apfelbüten sehr schädlich und führt in schlimmen Jahren zum Totalausfall. Durch den frühen Blütenverlust bildet der Apflebaum im Frühsommer vermehrt Blütenknospen, was zu einem hohen Apfelbehang im nächsten Jahr führt. Fällt der Spätfrost nicht schlimm aus, kann das nützlich sein. Er selektiert auf natürliche Weise und vermindert die Blütenzahl. Der Apflebaum hat einen mittleren Ertrag, der sich im nächsten Jahr gleichzeitig in einer moderaten Blütenbildung äußert.

Fotos: J. Böhm

Gibt es „zu viele“ Äpfel?

Die Antwort hängt davon ab, was Sie von Ihrer Ernte erwarten. Nehmen Sie die Früchte wie sie kommen ohne Anspruch auf Gleichmäßigkeit und Qualität, schadet dem Baum die Alternanz nicht. Wünschen Sie sich jedoch jährlich eine ähnliche Obstmenge, ist die Alternanz ein Problem.

Was tun mit einem überlasteten Apfelbaum?

Hängt der Apfelbaum im Garten über und über voll mit Äpfeln, ist der Besitzer mächtig stolz. Doch diese Fülle birgt auch Gefahren. Zum einen besteht die Gefahr, dass die Äste des Baumes unter der Last zusammenbrechen. Ein Ernteausfall und Baumschäden sind die Folge. Zum anderen wachsen die vielen Äpfel oft nicht zu ihrer vollen Größe heran, da sie nicht über genug Ressourcen und Licht verfügen.

Blüten und Früchte ausdünnen

Zeichnet sich durch die reiche Blüte ab, dass sich zu viele Äpfel entwickeln, dünnen Sie die Blüten aus. Je früher Sie dies tun, desto besser arbeiten Sie der Alternanz im kommenden Jahr entgegen. Dafür gehen Sie das Risiko ein, dass bei einem Spätfrost nicht viele Äpfel übrig bleiben. Das Ausdünnen der kleinen Apfelfrüchte durch Abknipsen oder Abschneiden birgt ein geringeres Risiko, ist dafür aber weniger effektiv. In beiden Fällen erreichen Sie, dass die übrigen Früchte sich uneingeschränkt zu gesunden, großen Früchten entwickeln.

Apfelbaumäste stützen

Voll behangene Apfelbaumäste hängen gelegentlich bis zum Boden. Sie ächzen unter der Last der Früchte. Regnet es dann stark oder bläst ein kräftiger Wind, steigt die Gefahr eines Astabbruches. Um einem Astbruch vorzubeugen, stützen Sie den Ast ab. Stellen Sie eine T-förmige Stütze unter den Ast, so dass die Konstruktion das meiste Gewicht abgefängt. Die Stütze kann entweder gerade sein oder eine halbkreisförmige Einbuchtung für den Ast haben. Wichtig ist in beiden Fällen eine weiche Auflage zwischen Stütze und Ast. Weiches Leder oder Kunststoff schützen die Rinde des Astes, wenn dieser sich im Wind bewegt.

Der vorbeugende Baumschnitt

Schneiden Sie Ihren Apfelbaum regelmäßig, beugen Sie einem Astbruch vor. Der richtige Obstbaumschnitt zielt darauf ab, tragfähige, starke Gerüstäste zu erziehen. An diesen hängen an kurzen Fruchtästen die Äpfel. Die Gewichtsverteilung ist optimal und die Äste brechen auch in Jahren mit vielen Früchten nicht. Der Scnritt regelt nicht nur die Gewichtsverteilung, er greift auch in die Alternanz ein. Der Schlankschnitt beispielsweise bewirkt, dass der Baum jedes Jahr einen gleichmäßig moderaten Ertrag bringt. Die Äpfel sind qualitativ hochwertig, da der Baum sie gut versorgt. Gleichzeitig sind die Äste nicht überlastet.

Von klein auf stark

Wie in vielen Dingen des Lebens ist auch beim Apfelbaum die Erziehung wichtig. Pflanzen Sie einen jungen Baum in Ihrem Garten, lassen sich von Anfang an Probleme vermeiden. Nachdem Sie die richtige Sorte für Ihren Standort ausgesucht haben, beginnt die Phase, in der die Gerüstäste heranwachsen. Achten Sie von Anfang an darauf, dass Ihr Baum starke, tragfähige Äste bildet, die später viele Äpfel tragen.

Danach dann macht der richtige Ertragsschnitt den Unterschied. Er sorgt dafür, dass der Baum kurzes Fruchtholz ansetzt, an dem sich Blüten bilden. Auch beim optimalen Schnitt kann es nach Jahren mit Spätfrost zu einer erhöhten Fruchtproduktion kommen. In diesem Fall dünnen Sie ab Mai Blüten oder Fruchtansätze aus oder stützen Sie überladene Äste ab. Mit diesen Tipps bleibt Ihr Baum gesund und trägt jährlich Früchte!

Die Autorin: Marina Winkler

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4 Antworten
  1. Jan Hoffmann

    Sehr geehrte Frau Winkler,
    Sie empfehlen in Ihrem Text richtigerweise, dass es notwendig ist, Obstbäume mit starken Gerüstästen zu ziehen.
    Gleichzeitig empfehlen Sie auch, unterr Volllast hängende Äste mittels Stützen zu „entlasten“.
    Dies ist allerdings nahezu grundsätzlich falsch.
    Durch das Aufstellen von Stützen unter den voll behängten Ästen verändere ich das statische System im Ast, ich verlagere die Stelle des Maximalmomentes vom Astansatz in einen mittleren Astbereich, der dafür überhaupt nicht ausgelegt ist, da er dort viel zu gering im Durchmesser ist. Dies führt leider regelmäßig dazu, dass die Äste genau dort brechen, wo sie unterstützt werden.

    Ich halte es für sehr notwendig, den Artikel dahingehend anzupassen.

    Mit freundlichen Grüßen
    Jan Hoffmann

    Antworten
  2. Heinrich Bossmann

    Anfang Juli ist die beste Zeit, ÜBERVOLL hängende Apfelbäume zurück zuschneiden durch Vereinzelung von Astgabeln und Umsetzung des evtl zu hohen Kopfes auf einen geeigneten niedrigeren Ast.
    Die frei kommende Kraft geht in die verbleibenden Äpfel und NICHT in unerwünschte Wasserschlosser. die Ernte Menge in Kilogramm wird hierdurch kaum reduziert, da die verbleibenden Äpfel größer werden. Dies zeigen Jahrzehnte lange Beobachtungen in Kernobstplantagen.
    das einzige Problem sitzt zwischen den Ohren des privaten Gartenbesitzers, der nicht wagt so viele Äpfel zu vergeuden.

    Antworten
  3. Oliver Braun

    Was mach ich denn, wenn der Worstcase eingetreten ist und mir der Ast abgebrochen ist? Wie gehe ich mit der Schadstelle um?

    Antworten
    • Marina

      Guten Tag Herr Braun,
      bei einem abgebrochenen Ast haben sie unterschiedliche Möglichkeiten. Sollte der Ast noch zu einem großen Teil am Stamm hängen und noch vom Kambium versorgt werden, könnten Sie den Ast noch so lange hängen lassen, bis die Äpfel ganz reif sind. Das könnte dem Baum jedoch enorm Kraft rauben.
      Besser ist, Sie schneiden den Ast mit einer schaften Astsäge direkt am Stamm oder an einer Astgabelung ab. Achten Sie dabei auf einen fachgerechten Schnitt auf Astring oder eine korrekte Schnittführung an der Gabelung. Nur so kann der Baum die Wunde überwallen und abschotten. sollte der Ast sehr dick gewesen sein, könnten Sie sich auch überlegen, einen Aststummel von etwa 30cm Länge stehen zu lassen. Er sorgt dafür, dass Pilze nicht sofort in den Stamm eindringen, sondern erst einmal den Aststummel befallen. Bedenken Sie aber, dass der Baum dann die Wunde nicht mehr schließen kann. Hier müssen Sie abwägen, welches das kleiner Übel für Ihren Baum ist.
      Ich hoffe ich konnte helfen,
      Viele Grüße, Marina León

      Antworten

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