Gastartikel Baumretter - Ihre Frage:

Wie gießt man einen alten Baum in der Stadt optimal?

Blatt_Frage

Vor unserem Wohnhaus in Berlin stehen zwei ältere Weißdorn-Straßenbäume, die laut dem Gießpaten-Projekt „Gieß den Kiez“ etwa 60 Jahre alt sind. Wir haben uns gefragt, ob bei solch alten Bäumen Baum-Wassersäcke nützlich sein könnten. Die Bäume sind nicht zu breit und wir könnten jeden Baum mit zwei solchen Säcken umgeben, die aneinander befestigt sind. Eine solche Konstruktion würde über einen Zeitraum von 72 Stunden etwa 150 Liter Wasser in den Boden tropfen lassen. Wir fragen uns: Macht es Sinn? Müssen wir uns Sorgen machen, dass die Wurzeln verrotten? Wenn es eine gute Idee ist, wie oft sollen wir es wiederholen?

Die Antwort:

HELFEN SIE ALTEN BÄUMEN IN TROCKENZEITEN!

Blatt_Antwort

Ja, das macht auf jeden Fall Sinn. In der Vergangenheit benötigten tatsächlich meist nur Jungbäume eine zusätzliche Bewässerung. Ältere Bäume, wie die beiden Bäume vor Ihrem Haus, sind ab einer gewissen Größe hingegen in der Lage, sich selbstständig mit ausreichend Wasser zu versorgen. Im Laufe der Zeit passen sich Bäume ihrem Standort an und kommen mit dem zur Verfügung stehenden Wasser und Platz zurecht. Der fortschreitende Klimawandel stellt aber auch zunehmend ältere Bäume vor größere Probleme, sich ausreichend mit Wasser zu versorgen.

Herzlichen Dank an P. Wright für die anschaulichen Fotos. Ergänzende Bilder: pixabay, baumbad

Zunehmende Probleme der Stadtbäume

Gerade Straßen- und Stadtbäume haben gegenüber ihren Artgenossen in Parks oder auf dem Land einige standortbedingten Nachteile. Die meisten Bäume haben ein ähnlich großes Wurzelwerk wie sie eine Krone haben. Aufgrund der Bebauung steht den meisten Stadtbäumen jedoch nicht so viel Raum für ihre Wurzeln zu Verfügung. Hinzu kommt, dass die Böden großflächig versiegelt und die kleinen offenen Bereiche der Baumscheibe häufig stark komprimiert sind.

Hinzu kommen zunehmend längere Trockenperioden verbunden mit Regenfällen, welche immer häufiger als Starkregen auftreten, bei dem das Regenwasser aufgrund der Versiegelung und der komprimierten Erde meist oberflächlich abfließt. Somit kann es gar nicht mehr vom Boden aufgenommen werden und deswegen sind auch ältere Straßenbäume immer häufiger nicht mehr in der Lage, sich mit ausreichend Wasser zu versorgen.

Tröpfchenbewässerung mit Bewässerungssäcken

Baumbewässerungsbeutel eignen sich besonders gut für die Bewässerung von Stadtbäumen. Denn für Bäume gilt: Lieber weniger Bewässerungsgänge mit viel Wasser, als häufiges Gießen mit kleinen Wassermengen. Die Herausforderung dabei ist aber: Wie verhindert man am besten, dass diese große Wassermenge auf dem komprimierten Boden nicht einfach nur oberflächlich abfließt?

Die beste Lösung für Gießpaten ist die Tröpfchenbewässerung, mit der die Bewässerungssäcke arbeiten. Die Säcke geben das Wasser meist in einem Zeitraum von sechs bis zwölf Stunden Tröpfchen für Tröpfchen an den Boden ab, so dass dieser das gesamte Wasser aufnehmen kann. Auch auf komprimierten Böden sorgt die Tröpfchenbewässerung dafür, dass im ersten Schritt der Boden aufgeweicht und dann der gesamte Wurzelbereich ausreichend durchfeuchtet wird.

Anmerkung zur Bewässerungsdauer

Die von ihnen angegebenen 72 Stunden entsprechen nicht der Dauer der Wasserabgabe, sondern eher dem Zeitraum, für den der Boden ausreichend durchfeuchtet ist. Einige Anbieter werben zwar mit den 72 Stunden für die Wasserabgabe, aber wenn die Säcke nach zehn bis zwölf Stunden noch nicht leergelaufen sind, ist es eher ein Zeichen, das eines der (meist zwei) Löcher verschlossen ist und das Wasser nicht optimal ablaufen kann.

Die von Ihnen genannte Menge von 150 Litern mit zwei Bewässerungssäcken ist eine sehr gute Wassermenge für einen Stadtbaum bei einem einzelnen Bewässerungsgang. Je nach Trockenheit sollten Sie ein bis drei Bewässerungsgänge pro Woche durchführen. Und Sie brauchen sich keine Sorgen machen, dass die Wurzeln verrotten. Eher freut sich auch der Baum vor dem Nebenhaus über etwas feuchten Boden in der Nähe.

Baumpfleger: Die Experten wenn’s um den Baum geht!

Bäume sind komplexe Lebewesen und die Pflege nicht immer einfach. Wenn Sie sich unsicher sind oder Fragen haben, wenden Sie sich an einen Baumexperten aus Ihrer Nähe. Baumpfleger und Baumgutachter finden Sie hier auch dem Baumpflegeportal.

Weißdorn-Arten sind nicht leicht zu unterscheiden, da sie sich häufig kreuzen (bastardieren). Trotzdem ist die Pflanze als Strauch oder Kleinbaum in ganz Mitteleuropa weit verbreitet und daher auch gut an unser Klima angepasst. Als Stadtbaum kommt der Weißdorn gut mit Hitze, Frost und Trockenheit zurecht. Die zahlreichen Blüten sowie im Herbst die kleinen, roten Früchte dienen Insekten und Vögeln in der Stadt als wichtige Nahrungsquelle. Die beiden Weißdorn-Bäume werden Ihnen Ihr Engagement als ihre Baumretter in der nächsten Trockenperiode mit Sicherheit danken.

Wir haben übrigens zu Ihren Fragen auf YouTube ein interessantes Interview mit dem Betriebsleiter der Späth’schen Baumschulen Berlin gefunden.

Ein Beitrag der Redaktion des Baumretter e.V.

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