Park mit vielen Bäumen in Bosten

Internationale Studie

Stadtbäume wachsen schneller

Eine neue Studie eines internationalen Forscherteams zeigt erstmals, dass Stadtbäume schneller wachsen als ihre Kollegen auf dem Land. Neben den Folgen des Wärmeinseleffektes in urbanen Räumen, lieferte die Studie interessante Informationen zu den allgemeinen Auswirkungen des Klimawandels auf das Baumwachstum. Doch das schnellere Wachstum der Bäume hat nicht nur positive Effekte.

Ein Viertel mehr Wachstum als Landbäume

Im Detail zeigen die Daten der Messungen, dass die Stadtbäume seit den 1960er Jahren um 25 Prozent stärker gewachsen sind als die vergleichbaren Bäume auf dem Land. Mit dem steigenden Alter der Bäume nimmt der Effekt leicht ab. Bei hundertjährigen Bäumen liegen die Stadtbäume noch 20 Prozent vor den Landbäumen. Die Ursache für das stärke Wachstum liegt im Wärmeinseleffekt der Metropolen. Dieser führt dazu, dass es in Städten die Temperaturen höher sind als Umland. Häuser und Straßen wärmen sich in der Sonne schneller auf und geben die gespeicherte Energie nur langsam wieder ab. In der engen Verschachtelung der Städte führt dies zu einer im Durschnitt zwei bis drei Grad Celsius höheren Temperatur. Für die Bäume bedeutet dies eine längere Vegetationsperiode in der sie wachsen können. Gleichzeitig regen die wärmeren Tage und Nächte die Photosynthese der Bäume an.

Stärkeres Baumwachstum durch Klimawandel

Ungeachtet des Vorsprungs der Stadtbäume lässt sich mit den Daten der Studie zeigen, dass sowohl städtische als auch ländliche Bäume durch den Klimawandel schneller wachsen. Diese Beobachtung spiegelt ein Muster wider, das vergleichbare internationale Studien für Waldbäume berichteten. Das beschleunigte Wachstum der Bäume seit den 1960er Jahren beziffern die Forscher auf rund 20 Prozent. Neben den verbesserten Bedingungen durch die höheren Temperaturen, vermuten die Experten hinter dem schnelleren Wachstum der Bäume auch andere Umwelteinflüsse. Düngungseffekte durch die ansteigende atmosphärische CO2-Konzentration und vermehrte Stickstoffdepositionen sind als mögliche treibende Kräfte in der Diskussion.

Die Schattenseiten

Ein schnelleres Baumwachstum ist natürlich eine grundlegend positive Nachricht. Aber auch hier gibt es Schattenseiten. Die Wachstumssteigerung geht mit einem schnelleren biologischen Altern der Bäume einher. Das raschere Durchlaufen des Lebenszyklus kann dazu führen, dass die Bäume schneller absterben und früher ersetzt werden müssen. Auch der schnelle Klimawandel ist für die Bäume, insbesondere in den Wäldern, problematisch. Einzelne Arten, wie zum Beispiel die Fichte oder Birke, leiden unter den veränderten Umweltbedingungen. Auch für die städtischen Grünämter ist bei Auswahl der zukünftigen Stadtbäume mit dem Klimawandel eine entscheidende Variable hinzugekommen.

Messungen an Stadtbäumen weltweit

Für die Studie haben die Forscher weltweit circa 1.400 Bäume in verschiedenen Klimazonen vermessen. Der Lehrstuhl für Waldwachstumskunde der Technischen Universität München leitete das internationale Vorhaben. München, Berlin, Paris, Sapporo, Houston, Brisbane oder Kapstadt sind einige der Städte, in denen die Bäume für die Studie wachsen. Die Forschergruppe wählte die für jede urbane Region typischen Baumarten aus. Anschließend untersuchte sie diese in der Stadt und der ländlichen Umgebung mittels Proben aus den Baumkernen.

Die Autor: Jan Böhm

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