Hand mit Gießkanne gießt einen Straßenbaum

Trockenheit & Dürre

Wann sollten Sie Bäume gießen?

Lange Phasen mit trockenem und heißem Wetter treten durch den Klimawandel zukünftig häufiger auf. Für Straßen- und Gartenbäume bedeutet dies Stress. Zwar halten Bäume durch ihre tiefen Wurzeln trockene Phasen oft länger aus als andere Pflanzen, dennoch ist eine lange Trockenheit für heimische Bäume problematisch. Doch ab wann ist der ausbleibende Regen für Bäume gefährlich und Hilfe durch Gießen notwendig?

Wann brauchen Bäume zusätzliches Wasser?

Bei einer langen Trockenphase bekommt der Baum in der Stadt oder im Garten nicht mehr genug Wasser. Das ist den Bäumen anzusehen – an hängenden Blättern und schlaffen, jungen Zweigen. Ist der Baum bereits länger einer Dürre ausgesetzt, beginnen sich die Blätter zu verfärben oder zu vertrocknen. Spätestens jetzt ist es Zeit, den Baum regelmäßig zu gießen.

Bei Obstbäumen kann ein verfrühter Obstfall ein Hinweis auf Trockenheit sein. Auch schrumpelige Früchte oder hängende Blätter sind eindeutige Zeichen, dass Sie den Baum gießen sollten. Gerade voll hängende Obstbäume brauchen jede Menge Wasser, um ihre Früchte zu versorgen.

Städte informieren

Wer regelmäßig lokale Nachrichten hört, der weiß, wann die Bäume Wasser brauchen. Die Städte und Gemeinden rufen vielerorts die Bewohner auf, Bäume in besonders trockenen Zeiten zu gießen.

Die optimale Menge

Dauert eine Trockenperiode länger als eine Woche und ist sie von hohen Temperaturen begleitet, sollten Sie zur Gießkanne greifen. Ein bis zwei volle Kannen am Tag helfen dem Baum weiter. Alternativ wässern Sie Bäume im Garten einmal pro Woche am späten Abend mit dem Gartenschlauch. Ungefähr 30 bis 45 Minuten sollten Sie dabei den Wurzelbereich wässern. Mit dieser Menge – circa 300 Liter – kommt der Baum einige Tage aus.

Um große und kleine Bäume zu bewässern gibt es unterschiedliche Möglichkeiten. Klassisch ist das Gießen mit der Gießkanne oder einem Eimer. Andere Bewässerungssysteme arbeiten mit einem Wasserreservoire. Es gibt Bewässerungssäcke oder -ringe, die das Wasser langsam über Löcher in den Boden sickern lassen. Gießringe im Boden verteilen das Gießwasser gleichmäßig über dem Wurzelballen. Auch der Rasensprenger ist eine Möglichkeit, den Boden um Bäume herum zu befeuchten.

Gießen ersetzt Regen

Regnet es für längere Zeit, versickert das Wasser im Boden und fließt durch die Bodenporen bis ins Grundwasser. Wie schnell das passiert, hängt vom Bodentyp ab. Junge Bäume, die über keine tiefreichenden Wurzeln verfügen, sowie Bäume, die ein Flachwurzelsystem ausbilden, sind auf das Regenwasser angewiesen. Sie ziehen das Wasser aus dem Boden, bevor es unten ankommt.

Regnet es lange nicht, steigt Wasser durch Kapillaren aus dem Grundwasser oder dem Bodenwasser auf. Es ist für Bäume nur so lange verfügbar, bis der Boden austrocknet. Grund für diesen physikalischen Vorgang ist die Bodenverdunstung. Im Gemüsebeet verhindern Sie das, indem Sie den Boden auflockern. Die Kapillaren werden durchbrochen und der Boden hält das Wasser länger, da es nicht verdunstet.

Gießen Sie den Baum, passiert das gleiche wie bei Regen. Das Wasser ist für die Wurzeln verfügbar, bis es ganz versickert ist. Daher ist es besser, einmal pro Woche viel zu gießen, als täglich ein bisschen. Kleine Mengen verdunsten, ohne dass etwas bei den tieferen Wurzeln angekommen ist.

Und die Straßenbäume?

Viele Einwohner von Städten haben keinen Garten. In den Straßen stehen jedoch zahlreiche Alleebäume oder der nächste Park ist gleich um die Ecke. Auch diese Bäume brauchen Wasser! Sogar deutlich mehr als der Baum im heimischen Garten. Straßenbäume verfügen meist über wenig Platz unter der Erdoberfläche und das meiste Regenwasser fließt über die versiegelten Flächen direkt in die Kanalisation.

Das Klima in der Stadt ist zudem heißer und die Stadtbäume sind weiteren Faktoren wie Abgasen und Hundeurin ausgesetzt. Gießen Sie also Bäume in der Nähe Ihrer Wohnung, wenn es lange nicht regnet! Die Bäume sind die grüne Lunge der Stadt und spenden kühlenden Schatten, wenn die Sommer heißer werden.

Die Feuerwehr hilft aus

Wo ganze Straßenzüge zu vertrocknen drohen oder keine Baumpaten zu finden sind, hilft die Feuerwehr. Sie rücken aus, um die Bäume bei Trockenheit zu gießen. Gerade junge, frisch angepflanzte Alleen außerhalb der Stadt sind bei heißem Wetter gefährdet. Ihre Wurzeln reichen nicht tief genug und es gibt keine Bewohner, die sich um die Bäum kümmern. Einmal wöchentlich erhalten viele Bäume deshalb Unterstützung von den lokalen Feuerwehren.

Und wer hilft den Bäumen im Wald?

Waldbäume sind genauso auf ausreichend Wasser angewiesen wie Bäume im Garten oder in der Stadt. Allerdings besitzen sie zahlreiche Anpassungsstrategien, um sich auch über länger anhaltende Trockenperioden hinweg zu helfen. Ein Wald besteht aus vielen Bäume, die im Verbund zusammen wachsen. Sie bilden ein eigenes Ökosystem.

Speicherfähiger Boden

Der Waldboden besteht aus nährstoffreichem Humus, der ein hervorragender Wasserspeicher ist. Das geschlossene Kronendach spendet dauerhaft Schatten und sorgt damit für einen Kühlungseffekt. Der Waldboden ist viel länger feucht als der Boden auf freier Fläche.

Kleine Helfer unter der Erde

Pilze sind die wichtigsten Helfer im Wald. Sie bilden ein Netz unter der Erde und erreichen jeden Winkel im Boden. Im Austausch gegen Wasser und Nährstoffe erhalten sie von den Bäumen die begehrten Zuckerlösungen aus der Photosynthese. Durch diese Symbiose überdauern die Bäume längere Trockenheit.

Waldbrand durch anhaltende Trockenperioden

Doch auch im Wald führt lange Hitze zu Problemen. Trotz des Bodens, der viel Wasser speichert, kommt es in trockenen Sommern mit wenig Regen zu ausgetrockneten Waldflächen. Braune Baumkronen, dürrer Unterwuchs und vertrocknete Wiesen sind das Resultat. Gefährlich wird es, wenn Trockenheit und Hitze besonders lange anhalten. Dann steigt die Waldbrandgefahr rapide an. Die einzige Lösung: Das Wässern der Wälder mit Hubschraubern und Flugzeugen. Diese Methode ist jedoch nicht nur teuer, sondern wegen mangelndem Wasser nicht immer umsetzbar.

Die Wurzeln der Bäume und das Grundwasser

„Bäume muss man nicht gießen, denn die Wurzeln reichen bis ins Grundwasser“. Diesen Trugschluss hören Baumpfleger häufiger. Doch das ist nicht richtig. Bäume haben – je nach Baum- und Bodenart – tiefreichende Wurzeln. Damit verankern sie sich im Boden und nehmen Wasser auf. Dafür wachsen sie mehrere Meter in den Boden und dehnen ihre Wurzeln möglichst weit in der Breite aus. Sie wachsen so lange, bis sie auf Wasser stoßen. In das Grundwasser hineinwachsen können sie jedoch nicht.

Das Wurzelwachstum

Die Wurzeln wachsen von ihrer Spitze aus. Diese ist teilungsaktiv und besteht aus lebenden Zellen. Hinter der Wurzelspitze bilden sich die Wurzelhaare. Sie nehmen Wasser und Nährstoffe auf. Durch den Verschleiß der Zellen, wenn sie den Boden durchdringen, bildet sich diese Zone dauerhaft nach. Je weiter die Wurzel wächst, desto weiter wandert auch die Zone der Wasseraufnahme nach vorne.

Stößt der Baum nun auf Grundwasser, so muss er sein Wachstum stoppen. Denn würden seine Wurzeln in das Wasser hineinwachsen, so würden sie verfaulen. Der Sauerstoffgehalt im Grundwasser – vor allem in Schichten, die sehr langsam fließen – ist äußerst gering. Die Wurzel könnte damit nicht weiterleben. Sie wächst also lediglich ans Grundwasser heran und bezieht von dort Flüssigkeit. Ähnlich ergeht es Zimmerpflanzen, wenn Sie diese zu sehr gießen. Das im Topf stehende Wasser lässt die empfindlichen Wurzelspitzen absterben.

Auwald-Baumarten

Manche Baumarten können über längere Zeit mit nassen Füßen leben. Dazu gehören Weiden, Pappeln und Schwarzerlen, die vielerorts Auwälder entlang von Flüssen bilden.

Wasserstau lässt Wurzeln absterben

Sinkt der Grundwasserspiegel bei längerer Trockenheit ab, muss die Wurzel erst nachwachsen, um ausreichend versorgt zu sein. Dazu benötigt sie Wasser – denn ohne Wasser keine Photosynthese und kein Wachstum. Je länger die Trockenheit anhält, desto schwerer kommt der Baum über die Wurzeln an Wasser.

Regnet es stark, überflutet das zurückströmende Grundwasser die neuen Wurzeln und sie sterben im schlimmsten Fall ab. Die feinen Gebilde halten nur kurze Zeit ohne Sauerstoff durch. Oberhalb des neuen Grundwasserspiegels wachsen deshalb neue Feinwurzeln, die sich an der Wasseroberfläche ansiedeln. Wurzeln und Grundwasserspiegel passen sich also immer wieder aneinander an.

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