Baum des Jahres 2019

Das Ulmensterben

Seit vielen Jahren dezimiert das Ulmensterben in Europa die Ulmenbestände. Es handelt sich um eine Pilzinfektion, die Ulmen binnen weniger Jahre zum Absterben bringt. Der eingeschleppte Pilz befällt alle heimischen Ulmenarten, außer dem Baum des Jahres 2019, der Flatterulme. Klimawandel und Globalisierung sind die Triebkräfte dieses Massensterbens. Nicht nur die Ulme ist von diesen Faktoren betroffen. Durch die Klimaänderungen und den globalen Handel breiten sich auch bei anderen Baumarten Krankheiten und Schädlinge exponentiell aus. Betroffen sind zum Beispiel Rosskastanie, Esche, Fichte und Ahorn.

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Herkunft des Ulmensterbens

Das Ulmensterben ist auch unter dem Begriff „Holländische Ulmenwelke“ bekannt. Das rührt daher, dass Forscher die ersten befallenen Bäume Europas in den Niederlanden fanden. Ursprünglich kommt der Pilz Ophiostoma ulmi aus dem asiatischen Raum. Von dort gelangte er durch menschlichen Einfluss zuerst nach Frankreich und die Niederlande. Später breitete er sich weiter nach Osten aus. Durch Züchtungen resistenter Ulmen nahm der Befallsdruck ab, bis eine neue Variante des Pilzes aus Amerika über den Export von Furnierstämmen nach Europa kam. Dieser neuartige Pilz trägt den Namen Ophiostoma novo-ulmi.

Verbreitungswege des Pilzes

Der Pilz Ophiostoma novo-ulmi (Synonym Ceratocystis ulmi) verursacht das Ulmensterben. Ohne fremde Hilfe breitet sich der Pilz in einem Radius von zehn Metern um seinen Wirtsbaum herum aus. Dabei spielt der Wind eine wichtige Rolle, der die Sporen mit etwas Glück in Wunden benachbarter Bäume transportiert. Auch Wurzelverwachsungen in reinen Ulmenbeständen beschleunigen die Verbreitung von Baum zu Baum.

Was die Krankheit gefährlich macht ist, dass er sich dank eines kleinen Helfers über größere Distanzen verbreitet. Der unscheinbare Große Ulmensplintkäfer (Scolytus scolytus) verbreitet das Ulmensterben über ganze Landstriche. Er befällt hauptsächlich die Berg- und Feldulme, seltener auch die Flatterulme.

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Krankheitsverlauf des Ulmensterbens

Die Ulmenkrankheit beginnt mit dem Befall durch den Ulmensplintkäfer. Der gleichzeitig durch den Käfer eingeschleppte Schlauchpilz breitet sich durch die Fraß- und Brutgänge der Splintkäfer im Holzkörper aus. Sein Mycel verstopf die Leitbahnen des Baumes und unterbindet den Nährstoff- und Wassertransport. Die betroffenen Kronenteile sterben Stück für Stück ab.

Zu Beginn der Infektion welken einzelne Zweige in der Krone. Die Bäume kompensieren die ausfallende Blattmasse durch neue Triebe und versuchen den Pilz durch Abschottung des Holzes einzudämmen. Doch die Bäume sind chancenlos gegen den Schlauchpilz, der durch die Leitbahnen rasend schnell den gesamten Holzkörper befällt. Die Splintkäfer tun ihr Übriges, indem sie zahlreiche Fraßgänge an unterschiedlichen Stellen am Baum anlegen. Über kurz oder lang stirbt fast jede befallene Ulme ab.

Heutzutage stehen nur noch wenige alte Ulmenbäume in Wald und Flur. Diese fristen ein einsames Dasein ohne Artgenossen in ihrer Umgebung. Denn der Ulmensplintkäfer fliegt bis zu zehn Kilometer, um eine neue, geeignete Ulme für seinen Reifefraß zu finden.

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Biologie des Ulmensplintkäfers

Ulmensplintkäfer gehören zur Gattung der Borkenkäfer. Sie legen ihre Brutgänge zwischen Splint und Rinde von Ulmen an. Bevorzugt nutzen die Käfer weiches, bereits durch den Pilz Ophiostoma novo-ulmi geschädigtes Holz. Hier fällt es ihnen leichter, sich ins Holz einzubohren. Der Pilz wiederum nutzt gerne die vom Käfer angelegten Fraßgänge, um sich im Baum zu verbreiten.

Die Larven des Käfers wachsen in den Gängen heran und kommen mit dem Pilz in Kontakt. Fliegen die jungen Käfer zum Reifungsfraß aus, sind sie bereits über und über mit Pilzsporen bedeckt. An ihrem neuen Wirtsbaum bohren sie sich in die Zweige ein, um zu fressen. Dabei nehmen sie die Pilzsporen direkt mit in die Wasserleitbahnen des Baumes und schaffen ideale Bedingungen für eine Infektion von innen heraus.

Die vier Arten des Ulmensplintkäfers

  • Mittlerer Ulmensplintkäfer: Scolytus laevis
  • Zwerg-Ulmensplintkäfer: Scolytus pygmaeus
  • Großer Ulmensplintkäfer: Scolytus scolytus
  • Kleine Ulmensplintkäfer: Scolytus multistriatus

Die Zukunft der Ulmen

Aktuell scheint das Ulmensterben weitreichende Folgen zu haben. Kaum ein Ulmenbestand bleibt verschont und stirbt innerhalb weniger Jahre vollständig ab. Lediglich weinige Einzelbäume scheinen nicht befallen zu sein. Resistente Individuen bei Berg- und Feldulme sind bis jetzt nicht nachgewiesen. Einzig die Flatterulme trotzt dem Ulmensterben. Zwar ist sie nicht resistent gegen den Pilz, der Ulmensplintkäfer frisst jedoch nicht gern an ihr. Ohne den Käfer sinkt das Risiko für eine Infektion stark.

Resistente Sorten

Seit vielen Jahren suchen Wissenschaftler aus aller Welt nach einer Lösung für die Ulmenkrankheit. Ein Ansatz dafür ist die Züchtung resistenter Ulmensorten durch Kreuzungen. Die Marke resista® umfasst Ulmus New Horizon, Ulmus Rebona, Ulmus Rebella und Ulmus Fiorenze. Gekreuzt wurden die Sorten aus der Japanischen, der Chinesischen, der Amerikanischen, der Sibirischen und der Feldulme. Sie alle sind resistent gegen den Schlauchpilz Ophiostoma novo-ulmi, sind trockenresistent und windtolerant und vertragen teilweise Streusalz, Hitze und schlechte Bodenbedingungen. Als Stadtbäume der Zukunft bringen sie damit ideale Voraussetzungen mit.

Die Autorin: Marina Winkler

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