Biene, Igel, Blaumeise und Zitronenfalter auf einem Streuobstwiesen-Hintergrund

Vom Mensch gestaltet – von der Natur erobert

Biodiversität auf Streuobstwiesen

Blühende Wiesen unter alten, knorrigen Bäumen. Dieser Anblick lässt das Herz von Naturliebhabern höher schlagen. Die Tier- und Pflanzenwelt erfreut sich ebenfalls an Streuobstwiesen. Sie bieten Lebensraum, Nahrung in Fülle und sind durch ihre extensive Nutzung für seltene Tierarten relevant. Ein wahrer Schatz der Biodiversität. Der Erhalt und Schutz von alten Streuobstwiesen und die Pflege von Neuanlagen ist vielerorts wichtiger Bestandteil des Naturschutzes.

Warum sind Streuobstwiesen artenreich?

In Mitteleuropa gehören Streuobstwiesen zu den artenreichsten Landschaften. Das hat vielfältige Gründe. Streuobstwiesen bilden ein kleinflächiges Mosaik aus Lebensräumen. Die freistehenden Bäume werfen ein unregelmäßiges Muster aus Licht und Schatten auf die Wiese. Dadurch wachsen in der Wiese unterschiedliche Gras- und Blumenarten, welche die Bodenverhältnisse beeinflussen.

Auch der Baumbestand ist selten einheitlich. Obstbäume wechseln sich mit Sträuchern und Hecken ab. Auch großkronige Ross- oder Esskastanien sind vertreten. Diese Vielfalt an kleinen Lebensräumen bieten weder Wald, noch Ackerland. Neben Streuobstwiesen findet sich die Abwechslung nur noch an natürlichen Bachläufen oder im Gebirge.

Die Bewirtschaftung der Streuobstwiesen beeinflusst stark deren Artenreichtum. Streuobstwiesen werden in den meisten Fällen extensiv bewirtschaftet. Spritz- und Düngemittel kommen selten zum Einsatz und die Mahd erfolgt in großen Abständen übers Jahr verteilt. Die Tier- und Pflanzenwelt breitet sich durch die seltene Störung ungehindert aus. Da die Ernte des Obstes oft Handarbeit ist, bleiben einige Früchte zurück und erfreuen Insekten und kleine Säugetiere.

Pflanzenreichtum auf Streuobstwiesen

Durch verschiedene Obstbäume auf Weideflächen legten die Menschen vor Jahrhunderten den Grundstein für eine der artenreichsten Kulturlandschaften in der heutigen Zeit. Ähnlich wie bei Kopfweiden und Kopfeichen hatte das Vieh genug Platz unter den Bäumen und Schattenfläche für heiße Tage. Außerdem dienten die Bäume als zusätzliche Einnahmequelle. Durch die savannenartige Struktur siedeln sich auf den Streuobstwiesen seltene Nischenarten an.

Die meisten Wiesen bestehen aus einer bunten Wildblumenmischung. Die Glatthaferwiesen, die hier häufig auftreten, beherbergen bis zu siebzig Pflanzenarten. Der intensive moderne Landbau verdrängt diese Pflanzen und sie existieren heute nur auf extensiv genutzten Wiesen. Die Mahd spielt dabei eine große Rolle. Häufiges Mähen fördert schnittverträgliche Grasarten. Bei zu wenig Schnitt verbuscht die Wiese mit den Jahren und es bildet sich Wald. Als optimal gilt die dreimalige Mahd pro Jahr.

Alternativ weiden Schafe auf den Flächen. Sie halten das Gras kurz und sorgen mit ihrem Dung dafür, dass die Nährstoffe auf der Fläche bleiben. Legen Sie eine Streuobstwiese neu an und planen diese zu beweiden, dann können Sie die Bäume mit minimalem Abstand pflanzen. Der Mähaufwand fällt weg und Schafe und Ziegen brauchen keine breiten Wege zwischen den Bäumen. Achten Sie darauf, gerade junge Bäume mit einem ausreichenden Verbissschutz zu versehen.

Tierische Vielfalt auf der Streuobstwiese

Durch die artenreichen Wiesen unter den Obstbäumen siedeln auf Streuobstwiesen Tierarten, die in der intensiven Landwirtschaft selten vorkommen. Dank der großen Abstände zwischen der Mahd, haben die Tiere ein störungsfreies Leben. Zudem blühen die Gras- und Wildblumenarten auf extensiv genutzten Wiesen ausreichend lang um Samen zu bilden. Eine willkommene Nahrungsgrundlage für zahlreiche Insekten- und Säugetierarten. Die zahlreichen Licht- und Schattenspiele sorgen für Mikroklimate und bilden ökologische Nischen für eine erhöhte Artenvielfalt. Gerade Insektenarten profitieren von diesem Reichtum.

Die Insekten der Streuobstwiese

Streuobstwiesen weisen eine hohe Vielfalt von Gliederfüßern auf. Dazu gehören Insekten wie Bienen oder Käfer, Krebstiere wie die Assel, Tausendfüßer und Kieferklauenträger wie Spinnen und Weberknechte. Mehr als 1000 Arten von Gliederfüßern kommen in diesen Wiesen teilweise vor. Sie sind schwer zu kartieren, da sie einen Großteil ihres Lebens als Larven oder Ei überdauern. Die adulte Phase dauert oft nur wenige Tage oder Wochen an.

Dennoch sind die Gliederfüßer von großer Bedeutung. Sie zersetzen biologische Stoffe oder bereiten sie für den Abbau durch Mikroorganismen im Boden vor. Sie bestäuben Wiesenpflanzen und Obstbäume und sorgen für reiche Ernte im Herbst. Viele Vögel, Amphibien und Säugetiere sind auf der anderen Seite auf sie als Nahrung angewiesen.

Bienen für die Welt

Bienen sind in den letzten Jahren ins Rampenlicht gerückt. Sie sind Vorreiter für das Insektensterben und zeigen an, wie rapide die Zahl schrumpft. In Deutschland finden wilde Bienen kaum mehr Lebensraum. Totholz ist marginal vorhanden und Nahrung in der intensiven Landwirtschaft auf wenige Wochen im Jahr begrenzt. Blühstreifen und biologische Landwirtschaft sind zwar auf dem Vormarsch, aber das Bienensterben schreitet fort.

Fehlende Bestimmungen zu Insektiziden hindern Insekten, sich in den Flächen anzusiedeln. Einwandernde Krankheiten, die sich durch den Klimawandel vebreiten, bedrohen die Bienenstämme der Imker und milde Winter stören die Winterruhe. Bienen sind aber wichtig für die Bestäubung, denn sie übernehmen den Löwenanteil in der Natur, im Garten und im Obstbau.

Auf Streuobstwiesen hat die Biene das ganze Jahr über ausreichend Nahrung. Im Frühling sind die Obstbäume die erste Nahrung des Jahres. Dann folgen die Blüten der Blumenwiese, die bis in den Herbst hinein ein reiches Angebot an unterschiedlichen Pollen und Nektaren bieten. Im Herbst, wenn die letzen Wiesenblüher verblüht sind, fressen sich die Bienen an den Früchten der Bäume satt. Obst, das mindestens 50 Prozent Zucker hat, ist optimal für Insekten geeignet. Die süße Williamsbirne beispielsweise ist die ideale Herbstfutter für Insekten.

Paradies für Schmetterlinge

Schmetterlinge sind auf vielfältige Lebensräume angewiesen. Sie haben hohe Ansprüche und ihre Populationen sind in Teilen Deutschlands stark zurück gegangen. In den verschiedenen Stadien von Ei, Raupe, Puppe und adultem Schmetterling sind die Bedürfnisse unterschiedlich. Während die Raupe mit ihren Kauwerkzeugen an Gräsern und Blättern knabbert, benötigt der Schmetterling der Nektar der Blütenpflanzen.

Durch ihre vielen Mikrohabitate ist die Streuobstwiese ideal für Schmetterlinge. Häufig sind Tagpfauenauge, Zitronenfalter, Brombeerzipfelfalter, Schachbrett, Distelfalter, Senfweißling, Ochsenauge, C-Falter, Kleiner Heufalter, Landkärtchen, Schwalbenschwanz oder der Aurorafalter. Besonders häufig ist der Admiral im Herbst zu beobachten. Er hat eine Vorliebe für den gärenden Apfelsaft des herbstlichen Fallobstes und sammelt Energie für die kalte Zeit.

Vögel – die Meister der Lüfte

Wo viele Insekten sind, da sind auch ihre Fressfeinde. Vögel finden auf Streuobstwiesen sowohl proteinreiche Nahrung, als auch vegetarische Kost. Bienen, Fliegen und Schmetterlinge schmecken vielen Vogelarten und gerade große Insekten wie der Maikäfer sind ideales Futter für jungen Vögel. Reife Kirschen, Äpfel oder Beeren sind gern gesehen und ergänzen den Speiseplan im Winter. Streuobtswiesen bieten Vögeln Schutz, die gefährdet sind. Wiedehopf, Gartenrotschwanz, Würgerarten, Steinkauz und Waldohreule leben in der seltenen Kulturlandschaft. Die Nahrung ist vielfältig und die Nistplätze zahlreich. Die hohe Mäusedichte erfreut Raubvögel und viele Würmer und Insekten sind Nahrung für Singvögel.

Die Streuobstwiese ist Lebensraum und Rückzugsort für Vögel. Viele Alte Obstbäume sind von Höhlen im Stamm durchzogen. Die nutzen Vogelarten als Nistplatz. Spechte gelten als Zimmermänner der Wiese. Sie suchen unter der Rinde der Bäume nach Insekten und legen den Grundstein für Faulstellen und Höhlen. Die vorhandenen Höhlungen vergrößern sie mit ihrem starken Schnabel und bereiten sie zum Erstbezug vor. In den nächsten Jahren nutzen andere Vogelarten den fertigen Nistplatz. Der Kleiber beispielsweise baut den Eingang mit Lehm soweit zu, dass nur er hineinpasst und die Jungen vor größeren Vögeln geschützt sind.

Säugetiere der Streuobstwiese

Eine Gruppe, die leicht zu beobachten ist, sind die Säugetiere. Viele von Ihnen sind zwar nachtaktiv, hinterlassen jedoch eindeutige Spuren. Mäuse sieht das geübte Auge auf den meisten Wiesen. Sie bauen ihre Gänge unter die Erde und kommen zur Nahrungssuche heraus. Gräser, Früchte, Blüten, Samen und kleinen Insekten stehen auf dem Speisezettel der Nager. Nach dem Winter sind die Mäsuewege unter der geschmolzenen Schneedecke deutlich sichtbar.

Igel freuen sich über die herabfallenden Äpfel und zahlreichen Schnecken und nutzen Herbstlauf und alte Holzhaufen zum Überwintern. Füchse und Marder sind auf Beutefang aus. Sie fangen die Mäuse, Maulwürfe und Siebenschläfer. Gerade im frisch gemähten Heu fühlen sich die jungen Mäuse zu sicher und landen im Fuchsmagen. Frisches Heu ist noch für eine weitere Tierart gefährlich. Rehe legen ihre Kitze ins hohe Gras der Streuobstwiesen ab, während sie selbst Nahrung suchen. Landwirte laufen deshalb vor der Mahd die Wiesen ab, um Unfälle zu vermeiden.

Eichhörnchen nehmen eine Etage höher Platz. Die Baumkronen sind ihr Lebensraum, in dem sie schlafen, leben und essen. Ihre Nahrung besteht aus Nüssen, Beeren, Knospen und Jungvögel. Für den Winter legen sie zahlreiche Verstecke an, von denen sie nur einen Bruchteil später finden. Auch Fallobst steht auf dem Speiseplan. Den Platz in den Baumkronen teilen sich Eichhörnchen mit Siebenschläfer und Fledermäusen. Auch Garten- und Baumschläfer finden sich auf alten Streuobstwiesen mit vielen Höhlen in den Baumstämmen. Viele dieser Arten stehen auf der Roten Liste. Sie brauchen den Lebensraum der Streuobstwiesen, um dauerhaft erhalten zu bleiben.

Weitere Tierarten auf Streuobstwiesen

Auch Amphibien und Reptilien lassen sich auf Streuobstwiesen sehen. Gerade Blindschleiche, Kreuzotter, Grasfrosch, Zauneidechse oder Erdkröte leben im Schatten der hohen Wiesen. Sie kommen nur noch in wenigen Habitaten vor und sind unter anderem auf Streuobstwiesen angewiesen.

Tierschutz durch Streuobstwiesen?

Alte Streuobstwiesen bieten unzähligen Tierarten Lebensraum, Schutz und Nahrung. Die Flächen sind sehr klein und über ganz Europa verstreut. Der Genpool der Tier- und Pflanzenarten vermischt sich zunehmend schlechter und die isolierten Populationen passen sich kaum an den Klimawandel und neue Krankheiten an. Ein Grund mehr, Streuobstwiesen zu erhalten und neue anzulegen. Je höher die Dichte der natürlichen Flächen, desto besser passen sich Populationen an sich ändernde Bedingungen an. Andererseits tragen abgeschnittene Gebiete auch zum Erhalt der Biodiversität bei. Die Populationen passen sich an ihre ökologische Nische an und entwickeln sich, ihrem Lebensraum angepasst, weiter.

Die Autorin: Marina Winkler

Artikelreihe „Streuobstwiesen“ auf dem Baumpflegeportal

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