Starke Baumtypen

Edignalinde Puch

Im Schatten und Schutz der Kirche St. Sebastian steht im kleinen Fürstenfeldbrucker Ortsteil Puch, eine betagte alte Sommer-Linde. Baumexperten schätzen das Alter der Edignalinde auf mehrere Jahrhunderte. Durch seine besondere langjährige religiöse Bedeutung, existieren zahlreiche alte Darstellungen des Baumes. Sie zeigen, wie mächtig der Baum einst war, denn vom ehemaligen Baum ist nicht mehr viel erhalten.

Die Edignalinde in ihren Maßen

Das Erscheinungsbild der Linde prägen heute weitestgehend Neuaustriebe. Von der ehemaligen Krone des Baumes und seinem viel dickeren, knolligen alten Stamm ist fast nichts mehr geblieben. Dennoch hat der Baum aktuell einen Umfang von über neun Metern und die neuen 20 Meter hohen Stämme reichen bereits wieder über das Dach der Kirche hinaus.

Grund für den heutigen Zustand des Baumes sind mehrere Unwetter in deren Folge im Jahr 1947 ein großer morscher Teil des Baumes weggesägt wurde. Daher ist das Alter der Edignalinde auch schwer zu schätzen. Die Angaben schwanken zwischen 600 und 1000 Jahren. Jedoch sind Altersangaben für Linden und heimische Bäume über 1000 Jahren mit Vorsicht zu genießen.

Die Selige Edigna

Ihren Namen verdankt die Linde einer Legende. Die Tochter des Königs von Frankreich musste fliehen, da ihr Gelöbnis ewiger Jungfräulichkeit durch Heirat bedroht war. Auf ihrer Flucht nahm die 19-jährige Prinzessin ein Bauer auf seinem Ochsenkarren mit. Als das Zugtier an einer Stelle nicht mehr weiterwollte, zeitgleich ein Hahn krähte und eine Glock schlug, sah die junge Frau darin ein göttliches Zeichen.

Sie stieg daraufhin vom Karren und beschloss fortan in einer in der Nähe stehenden Linde mit einer großen Höhle zu leben. Der Name der Einsiedlerin, die bis zum ihrem Tode ein frommes Leben führte, soll Edigna gewesen sein. Der Baum, in dem sie lebte, an der Stelle der heutigen Edignalinde gestanden haben. Es ist jedoch historisch nicht zu belegen, dass einst im 11. Jahrhundert eine Prinzessin vom französische Hofe floh.

Dennoch ist es nicht ausgeschlossen, dass es einst eine reale Vorlage für die Legende gab. Edigna gilt in der katholischen Kirche aufgrund ihrer Taten als selig. Als Einsiedlerin lebte Sie in einfachen Verhältnissen in ihrer Linde, predigte aus der Bibel und brachte den Menschen Lesen und Schreiben bei. Noch heute pilgern Gläubige aus nah und fern zur Edigna-Linde und gedenken der Seligen.

Baumpflege im Wandel in der Zeit

Auch für Baumpfleger und Baumfreunde ist die alte und beindruckende Linde einen Besuch wert. Dank ihrer besonderen religiösen Bedeutung kümmern sich die Menschen schon lange um den Baum und versuchten ihn nach den Kentnissen Ihrer Zeit zu erhalten. Bereits im 19. Jahrhundert errichtete die Gemeinde einen Zaun, da Pilger Zweige und Blätter von der „heiligen“ Linde abbrachen.

An der Edignalinde finden sich aber auch Relikte aus den Anfängen der Baumpflege und Baumchirurgie. Heute aus der Zeit gefallene vermauerte Baumhöhlen und alte Stahlsicherungen, sind Sicherungsmaßnahmen, die kein moderner Baumpfleger mehr verwendet. Aber auch eine aktuelle zeitgemäße Kronensicherung aus Hohltauen und Gurtbändern ist im Baum verbaut. Im Gegensatz zu früheren Methoden, sind diese nicht starr und gehen mit dem Wachstum des Baumes mit. Auch müssen keine Äste oder Stämme angebohrt und geschädigt werden, um die Kronensicherung anzubringen.

Der Autor: Jan Böhm

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