Artikelreihe Baumrinde

Kork – die besondere Baumrinde

Plopp – Ein Geräusch, das für eine Baumrinde eher untypisch, für Kork dagegen sehr charakteristisch ist. Schon seit der Antike schätzen Weintrinker den Naturrohstoff, der trotz wachsender Konkurrenz von Plastik- und Schraubverschlüssen bis heute viele Weinflaschen verschließt. An der Gewinnung des nachhaltigen Rohstoffs aus der Rinde der Kork-Eiche (Quercus Suber) hat sich in den vergangenen Jahrhunderten wenig geändert.

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Wie entsteht Kork?

Kork ist ein Teil der Baumrinde. Er bildet sich aus dem zweitem Abschlussgewebe, dem Phellogen, einer Art Haut des Baumes. Diese Schicht bildet nach außen hin Zellen, in die der Baum den Stoff Suberin einlagert. Die Zellen im Kork sind abgestorben, aber durch das Suberin nahezu wasser- und luftundurchlässig. Damit der Baum eine dauerhafte und nicht rissige Schicht aufbaut, darf das Phellogen beim Dickenwachstum nicht reißen. Reißt es auf, bildet sich eine neue zellaufbauende Schicht und aus den ständige nachschiebenden Schichten entsteht eine Borkenrinde.

Auch bei Buche, Ulme und Feld-Ahorn bleibt die erste Schicht Phellogen ein Leben lang erhalten, jedoch bilden sie nicht massenhaft Korkzellen. Nur wenige Baumarten sind derart produktiv, dass sie Massenkork produzieren. Die bekannteste Baumart ist die Kork-Eiche, die sich mit dieser starken Schutzschicht einen Vorteil bei Waldbränden verschafft. Denn Kork ist nicht brennbar und isoliert gut. Bei einem Brand ist der Baum geschützt und treibt neu aus. Eine andere Baumart, die ebenfalls eine starke Korkschicht bildet, ist der Amur-Korkbaum.

Die Kork-Eiche

Die Kork-Eiche (Quercus Suber) ist ein immergrüner Baum. Das heißt, er behält seine kleinen Blätter auch im Winter und wirft sie erst nach 2-3 Jahren ab. An der Unterseite sind die Blätter weiß und dicht behaart. Die Bäume erreichen Höhen von 10 bis 20 Metern und sind äußerst kälteempfindlich. Die Kork-Eiche ist im mediterranen Raum heimisch.

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Der Amur-Korkbaum

Der Amur Korkbaum (Phellodendron amurense) ist ein sommergrüner Baum, der in der Region des Amur-Flusses und Ost-Asien heimisch ist. Er reagiert empfindlich auf Früh- und Spätfröste und ist in Europa bis auf wenige Ausnahmen vor allem als Straßen- und Parkbaum zu finden. Der bis zu 15 Meter hohe Baum hat gefierderte, bis zu 35 Zentimeter lange Blätter.

Foto: Deutscher & portugiesischer Korkverband (DKV / APCOR)

Die Korkgewinnung

Die Kork-Eiche hat bis zum fünften Lebensjahr eine glatte Rinde, bevor sie Kork bildet. Im Alter von 15 bis 25 Jahren schälen die Korkbauern den Baum das erste Mal. Der sogenannte „männliche Kork“ ist noch unregelmäßig, brüchig und hart und nicht für die Korkenproduktion (für Dämmstoffe und andere Verwendungszwecke schon) geeignet. Nach weiteren neun bis zwölf Jahren hat der Baum eine neue circa fünf bis acht Zentimeter starke Korkschicht gebildet und ist bereit für eine neue Ernte. Diese als „weiblicher Kork“ bezeichnete Schicht ist weicher und gleichmäßiger und ab der dritten Ernte für Naturkorken geeignet.

Foto: 1 & 2) Deutscher & portugiesischer Korkverband (DKV / APCOR)

Die Ernte der Korkbäume erfolgt anschließend alle zehn Jahre. Der Stammteil der Kork-Eichen, welcher der Ernte dient, sollte mindestens 70 Zentimeter stark und circa anderthalb Meter lang sein. Bis zu 200 Jahre lang liefert eine Eiche Kork. Im Laufe ihres Lebens produziert sie mehrere hundert Kilogramm des Rohstoffs. Das Schälen schädigt die Funktion der Neuproduktion von Korkgewebe nicht. Die teilungsfähige Schicht bleibt erhalten und der Baum bildet neuen Kork. Die frisch geschälten Bäume leuchten in einem typischen Rotton.

Geerntet wird noch traditionell, da Maschinen das Handwerk der Korkschneider schwer ersetzen können. Mit gezielten Schnitten bereiten die Arbeiter das Ablösen der Rinde vor. Möglichst ohne den Baum zu verletzen, versuchen sie anschließend die Rinde durch Reißen vom Baum zu schälen. Je größer das Korkstück, desto besser. Über 200.000 Tonnen Kork verarbeitet die Branche jedes Jahr. Die größten Produzenten sitzen in Portugal, Spanien, Marokko und Algerien, Tunesien, Frankreich.

Der Korken

Das wichtigste Produkt aus Kork ist der Flaschenkorken. Bis zu 50 Produzent der Ernte verstopfen später die Flaschenhälse und machen 70 Prozent des Umsatzes aus. Beliebt ist der Korken bei teuren Weinen. Ein guter Korken kostet bis zu 1,50 Euro und lohnt sich nicht bei preiswerten Weinen. Nach einigen Problemen mit günstigeren Presskorken, die aus Korkkrümmeln produziert werden, erobern seit einigen Jahren verstärkt Alternativen wie Plastikkorken und Schraubverschlüsse den Markt. Wohin der Trend zukünftig führt ist ungewiss. Hier stehen sich Traditionalisten und Modernisierer mit festen Ansichten gegenüber. Aktuell kommen jedes Jahr über 13 Milliarden Naturkorken auf die Flasche.

Foto: Deutscher & portugiesischer Korkverband (DKV / APCOR)

Über den Korken hinaus

Die besondere Struktur, die einzigartigen Eigenschaften und die nachhaltige Gewinnung von Kork, machen ihn auch in anderen Bereich als Rohstoff interessant. Meist wird der Kork dafür zunächst zerkrümelt und anschließend weiterverarbeitet. Häufig begegnet uns Kork im Alltag als praktische Pinnwand. Dank seiner isolierenden Wirkung findet er sich ebenso im Baumarkt für Dichtungen, Bodenbeläge und als Isoliermaterial. Die Modeindustrie verwendet Kork in Schuhen, Hüten oder Taschen.

Die alte Kork-Eiche in Águas de Moura

In Águas de Moura steht eine der ältesten Kork-Eichen der Welt. Gepflanzt im Jahr 1783, lieferte er bereits 20-mal seine wertvolle Baumrinde. Dabei fielen bei einzelnen Ernten erstaunliche Mengen an. Als im Jahr 1920 die Arbeiter die Rinder des Baumes abschälten, waren es satte 1.200 Kilogramm Kork von einem einzelnen Baum. Heute steht der Baum unter besonderem Schutz und ist in Portugal ein „Baum von besonderem Interesse“. Aufgrund dieser Wertschätzung wählten in Baumfreunde zum Europäischen Baum des Jahres 2018.

Der Autor: Jan Böhm

Artikelreihe Baumrinde

Mit der Reihe „Baumrinde“ widmen wir uns ausführlich einem der prägenesten Teile des Baumes. Die Rinde schützt den Baum und übernimmt weitere wichtige Funktionen im Organismus Baum. Grund genug, dieses Wunderwerk näher zu betrachten.

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Quellen:

  • Andreas Roloff: Bäume, Wiley-VCH, 2010
    erhältlich bei Freeworker
  • Rainer Matyssek, Jörg Fromm, Heinz Rennenberg, Andreas Roloff: Biologie der Bäume, Ulmer, 2010
    erhältlich bei Freeworker
  • Natürlich Kork Stil. Bewusst. Leben
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