Baum des Jahres 2015

Der Ahorn als Nahrungsmittel

Der Ahorn mild, von süßem Safte trächtig,
Steigt rein empor und spielt mit seiner Last.

Johann Wolfgang Goethe: Faust. Der Tragödie zweiter Teil

Nomen est omen

Der Feld-Ahorn, Baum des Jahres 2015, ist beziehungsweise war ein Speise- und Nahrungsbaum. Das verrät schon der Name des kleinen Bruders von Spitz- und Berg-Ahorn. Er wird manchmal auch Maßholder genannt. Das heißt zum einen soviel wie „kleiner Baum“. Doch es steckt noch eine andere Bedeutung darin: „Maß“ erinnert an das altsächsische „mat“. Das wiederum findet sich auch im althochdeutschen Namen „mazzaltra“ des kleinen Baums wieder. „mat“ heißt soviel wie Speise. Man findet es übrigens auch im alten Namen für Gänseblümchen wieder. Dem „Maßliebchen“ wurde nachgesagt, es sei Appetit anregend.

Futter für das Vieh

In „Maß“ oder auch „mat“ schwingt bereits der heute bei der Viehzucht gebräuchliche Begriff Mast mit. Häufig konnte man den Feld-Ahorn in der Nähe von Weiden oder Höfen finden. Dort diente er als Laubfütterbaum: Seine Blätter wurden als Futter für Schafe, Ziegen oder Pferde hergenommen. Heute findet man den Feld-Ahorn nur noch sehr selten und auf Weiden als Viehfutter praktisch gar nicht mehr.

Blätter als Sauerkraut-Ersatz

Doch nicht nur den Tieren wurden die Blätter des Maßholders, durch deren Stielen übrigens eine Art Milchsaft fließt, serviert. Auch Menschen verzehrten sie: Zunächst wurden sie zu einer Art Mus eingestampft. Im Anschluss ließ man das Blättermus, ähnlich wie Sauerkraut, vergären.

Süßer Ahornsirup

Der kleine Vers, den Goethe seinen Faust zu Helena sagen lässt, weist auf eine noch heute verbreitete Verwendung des Ahorns hin: Aus seinem Saft gewinnt man durch Einkochen zähflüssigen Sirup oder sogenannten Ahornzucker. Früher nutzte man den Berg-Ahorn, um gerade in Krisenzeiten den Zuckerersatz herzustellen. Heutzutage kennt man hauptsächlich Ahornsirup: Dieser wird vor allem in Kanada hergestellt und aus Zucker-Ahorn (Acer sacharum) gewonnen. Besonders gerne wird er zu heißen Pfannkuchen serviert. Man kann ihn aber auch benutzen, um Gebäck, Marmelade oder Desserts zu süßen.

Die Autorin: Elisabeth Morgenstern

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Quellen:

  • Susanne Fischer-Rizzi: Blätter von Bäumen. Heilkraft und Mythos einheimischer Bäume. Baden, München 2013, S. 9-14
    erhältlich bei Freeworker
  • Doris Laudert: Mythos Baum. Geschichte – Brauchtum – 40 Baumporträts von Ahorn bis Zitrone. München 2009, S. 45-48
    erhältlich bei Freeworker