Kastanien in einem Glas Wasser mit Schaumbildung

Natur statt Chemie

Wäsche waschen mit Bäumen

Ums Wäsche waschen kommt kein Haushalt herum. Doch warum chemische Waschmittel verwenden, wenn Bäume und Pflanzen in der Nähe dafür genauso geeignet sind? In Zeiten des Klimawandels und der Naturverschmutzung liegt es an jedem Einzelnen, seinen Beitrag zu leisten. Lange Transportwege, chemische Inhaltstoffe und Plastikverpackungen vermeiden Sie ganz einfach durch Waschmittel aus der Natur.

Von der Pflanze zum Waschmittel

Es gibt Bäume, die sich ideal zum Wäsche waschen eignen. Sie haben die richtigen Inhaltsstoffe, die in Verbindung mit Wasser Schaum bilden. Saponine sind sekundäre Pflanzenstoffe, die vor allem in höheren Pflanzen vorkommen. Dort dienen sie als Abwehrstoffe und die Pflanze baut sie vorwiegend in Speicherorganen ein.

Gelöst in Wasser wirken Saponine seifenartig. Sie setzten die Oberflächenspannung des Wassers herab das Wasser dringt leichter in die Kleidungs-Fasern ein. Normal schmutzige Wäsche wird mit natürlichen Waschmitteln auf jeden Fall sauber. Wäsche mit hartnäckigen Flecken weichen Sie am besten zuvor ein, oder behandeln sie mit Waschsoda oder Natron.

Waschen mit Waschnüssen

Der bekannteste Waschmittelersatz sind „Waschnüsse“. Die Nüsse stammen vom Soapnutbaum (Sapindus Mukorossi) und werden in ihrem Heimatland Indien ausschließlich zum Waschen verwendet. Die Nussschalen kommen halbiert in ein Wäschesäckchen oder einen Beutel aus Leinen direkt mit in die Trommel. Das in den Schalen enthaltene Saponin entweicht beim Kontakt mit Wasser und bildet seifenartigen Schaum.

Auch im deutschsprachigen Raum gibt es Waschnüsse zu kaufen. Doch trotz ihrer Natürlichkeit legen die Nüsse sehr weite Wege zurück, bis sie bei uns ankommen. Der Verzicht auf chemische Inhaltsstoffe ist viel Wert, doch der ökologische Fußabdruck ist auch bei Waschnüssen recht hoch. Ideal sind deshalb natürliche Waschmittel, die Sie selbst in der Natur sammeln können!

Efeublätter in der Waschmaschine

Efeublätter eigenen sich zum Waschen besonders gut. Sie sind dank der immergrünen Pflanze ganzjährig verfügbar und bieten eine gute Waschkraft. Pflücken Sie eine Handvoll Blätter des Efeus und schneiden oder reißen Sie diese in grobe Stücke. Eine Socke oder ein kleines Wäschenetz eignen sich hervorragend, um die Blätter in der Waschmaschine zu verstauen. Nehmen Sie nur die dunkleren, älteren Blätter. In diesen sind mehr Saponine gespeichert.

Waschen mit Kastanien

Die Gemeine Rosskastanie lagert in ihre Früchte Saponine ein. Die wasserlöslichen Stoffe lassen sich im Wasser gut extrahieren. Sammeln Sie sechs bis acht Kastanien und vierteln Sie diese. Die Stückchen sollen nun über Nacht in einem Glas Wasser ziehen. Schon beim ersten Schütteln bildet sich seifenartiger Schaum. Achten Sie bei weißer Wäsche darauf, die dunklen Schalen der Kastanien zu entfernen bevor Sie diese ins Wasser geben. Bei bunter Wäsche stören die Schalen nicht. Das saponinhaltige Wasser gießen Sie durch ein Sieb ins Waschmittelfach Ihrer Waschmaschine.

Da es sich um ein Naturprodukt handelt, ist der Sud aus den Kastanien nicht lange haltbar. Sammeln Sie im Herbst ein paar Kilogramm Kastanien und zerkleinern Sie diese im Mixer zu einem groben Pulver. Dieses lässt sich wunderbar auf einem Backblech trocknen. Damit sind die Kastanien haltbar und Sie haben immer die Rohstoffe für neues Waschmittel zur Hand. Das Pulver hat zusätzlich den Vorteil, dass sich die Saponine besser herauslösen als bei geviertelten Kastanien. Damit ist das Pulver bis zu dreimal wiederverwendbar.

Kalk natürlich bekämpfen

In fertigen Waschmitteln sind Wasserenthärter eingebaut. Sie sorgen dafür, dass sich der Kalk nicht an Waschmaschine und Kleidung festsetzt. Efeu und Kastanien können das leider nicht und brauchen Unterstützung. Natrium, auch Waschsoda genannt erfüllt diesen Zweck einwandfrei. Die Wäsche ist weich und die Maschine bleibt funktionsfähig. Für normale Wäsche reichen ein bis zwei Esslöffel Natrium pro Wäsche.

Nicht nur Bäume eignen sich zum Waschen

Pflanzen speichern Saponine nicht nur in Blättern und Früchten, sondern auch in den Wurzeln. Das Seifenkraut beispielsweise diente schon zu Urzeiten als Waschmittel. Die Wurzeln wurden von Erde befreit und auf einem Stein faserig zerklopft und anschließend mit Wasser vermischt zur Haar- und Kleiderwäsche verwendet. Heute finden sich alle Teile des Seifenkrautes zusammen mit Ringelblumen, Eibisch oder Süßholzwurzel in biologischen Waschmitteln. Welche Variante für Sie am besten geeignet ist, erfahren Sie nur durch Ausprobieren. Viel Spaß beim Testen.

Die Autorin: Marina Winkler

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1 Antwort
  1. Oliver Paul
    Oliver Paul sagte:

    Prima! Sehr gut, ein Ansatz den vielleicht auch schon manche_r angedacht hat. Gerade bei der Arbeit als Arborist fallen manchmal große Mengen Efeu an: da lag der Wunsch nicht weit, das Zeug auch noch irgendwie weiter nutzen zu wollen. Seit geraumer Zeit vertraue ich meine Wäsche der Waschkraft vom Efeu an, nicht ständig aber immer öfter. Für meine Begriffe reinigt es völlig zufriedenstellend und ein frischer Duft ist auch zu vernehmen. Das Problem mit dem Kalk behebe ich auch prophylaktisch mittels Zugabe von Waschsoda, simpler geht es nicht. Danke für den tollen Artikel über Saponine, das Gute/Brauchbare liegt oft näher als gedacht. Viel Freude beim Probieren!!

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