Baum des Jahres 2014:

Eichen in der Mythologie

Bäume sind für mich immer die eindringlichsten Prediger gewesen.
Ich verehre sie, wenn sie in Völkern und Familien leben, in Wäldern und Hainen.
Und noch mehr verehre ich sie, wenn sie einzeln stehen. Sie sind wie Einsame.
Nicht wie Einsiedler, welche aus irgendeiner Schwäche sich davongestohlen haben, sondern wie große, vereinsamte Menschen, wie Beethoven und Nietzsche.

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In ihren Wipfeln rauscht die Welt, ihre Wurzeln ruhen im Unendlichen;
allein sie verlieren sich nicht darin, sondern erstreben mit aller Kraft ihres Lebens nur das Eine: ihr eigenes, in ihnen wohnendes Gesetz zu erfüllen,
ihre eigene Gestalt auszubauen, sich selbst darzustellen.
Nichts ist heiliger, nichts ist vorbildlicher als ein schöner, starker Baum …

Hermann Hesse

Der heilige Baum: Eichenkulte

Nicht nur Bäume im allgemeinen haben in den Menschen schon immer Ehrfurcht hervorgerufen. Gerade Eichen scheinen eine besondere Faszination auszuüben. In vielen verschiedenen Völkern und Kulturen gab es Eichenkulte, auch in den großen Hochkulturen der Römer und Griechen. Selbst in der Bibel nimmt die Eiche eine besondere Stellung ein: Gott offenbarte sich zum Beispiel Abraham in der Nähe heiliger Eichen. Kelten verehrten sie gar als göttlichen Baum: Aus dem keltischen Namen der Eiche dair entstand der Begriff Druide. Sie waren die geistigen Führer der Kelten. Wer eine Eiche fällte, wurde mit dem Tod bestraft.

Viehmast mit Eicheln

Eichen als Baum der Gewittergötter

Eichen sind Solitärbäume und brauchen viel Licht. Sie werden außerdem älter als alle anderen europäischen Baumarten, bis zu 1000 Jahre alt. Vielleicht waren sie auch deshalb den Menschen schon immer heilig, vielleicht sogar die heiligsten unter den Bäumen. In vielen Religionen waren sie dem Göttervater, dem obersten Gott geweiht oder standen zumindest in enger Verbindung zu ihm: Sei es Zeus bei den Griechen, Jupiter bei den Römern oder Donar bzw. Thor bei den Germanen. Auffällig ist, dass sie in vielen Religionen und Kulten mit dem jeweiligen Gewittergott in Verbindung standen. Denn Eichen scheinen besonders häufig vom Blitz getroffen zu werden. Das weiß auch eine Volksweisheit:

„Vor Eichen sollst du weichen, Buchen sollst du suchen!“

Eichenverehrung war den Christen ein Dorn im Auge

Obwohl die Eiche auch in der Bibel immer wieder Erwähnung findet, waren die christlichen Missionare im Mittelalter mit der Verehrung dieser Bäume absolut nicht einverstanden. Das wohl bekannteste Beispiel dafür ist die Donareiche. Sie war ein berühmtes, germanisches Heiligtum und wie der Name schon sagt dem Obersten der Götter, Donar, geweiht. Bonifatius, vom Papst mit der Missionierung der Germanen beauftragt, wollte diesen im 8. Jahrhundert beweisen, dass ihre Götter nicht existierten und keine Macht besäßen. So ließ er die Donareiche fällen.

Die Autorin: Elisabeth Morgenstern

Alte Eichen waren früher oft Kultstätten.

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