Zwei Personen stehen staunend vor einem riesigem Kauri-Baum

Grüne Giganten

Kauri dieack bedroht Neuseelands Kauri Bäume

Hoch oben in Neuseelands Norden stehen im Waipuoa Forest die bekanntesten Kauri-Bäume des Landes. Doch sie sind bedroht, denn die Krankheit Kauri dieback breitet sich aus. Die Māori – Neuseelands indigenes Volk – nennen sie Tāne Mahuta und Te Matua Ngahere, was übersetzt Gott, beziehungsweise Vater des Waldes bedeutet. Ein genaues Alter der Bäume ist nicht bekannt, übliche Schätzungen belaufen sich auf rund 2000 bis 2500 Jahre.

In dieser Zeit überlebten die beiden Giganten und viele andere alte Kauri-Bäume Stürme und andere Wetterkapriolen. Auch vor dem enormen Holzbedarf der europäischen Siedler, den viele andere Artgenossen nicht überstanden, blieben sie verschont. Mittlerweile stehen alle Kauri-Bäume in Neuseeland unter Schutz. Ähnlich zu den heimischen Eschen und Ulmen sind sie aber von einem kleinen unscheinbaren Pilz bedroht. Nichts weniger als ein kompletter Verlust der einzigartigen Baumart tritt im Worst-Case ein.

Kauri-Bäume als Teil von Neuseelands Naturwundern

Kauri-Bäume zählen mit ihren beindruckenden Ausmaßen zu den neuseeländischen Naturwundern, die für viele Naturliebhaber den Reiz des Landes am anderen Ende der Welt ausmachen. Wer Tāne Mahuta und Te Matua Ngahere besucht, wird bereits auf der Anreise mit unvergesslichen Eindrücken belohnt. Links und rechts der Straßen und Wege türmen sich die scheinbar undurchdringlichen grünen Mauern des neuseeländischen Regenwaldes auf.

Tāne Mahuta – Gott des Waldes

Stammumfang15,4 m
Durchmesser4,91 m
Stammhöhe17,8 m
Baumhöhe45,2 m
Stammvolumen255 m³
Gesamtvolumen517 m³

Wie aus längst vergangenen Zeiten erscheint dieser Wald mit seinen baumhohen Farnen und urigen Bäumen. Doch plötzlich dringt ein wenig mehr Licht durch den dichten Dschungel und die mächtigen Stämme der immergrünen Kauri-Bäume fangen den Blick des Wanderers und Reisenden.

Viele Besucher bleiben zunächst regungslos vor den Bäumen stehen, so majestätisch beherrschen sie den Wald. Gerade Tāne Mahuta und Te Matua Ngahere mit ihren mehrere Meter starken, glatten und grauen Stämmen, ziehen die Menschen in ihren Bann. Es dauert eine Weile, bis die Touristen die obligatorischen Selfies mit dem Smartphone schießen.

Heilige Bäume der Maori

Die Bäume sind mehr als nur ein wichtiges und prägendes Element der neuseeländischen Waldökosysteme oder ein Naturspektakel für Touristen. Sie nehmen auch in der Kultur- und Glaubenswelt der Maori eine wichtige Rolle ein. Die heiligen Bäume beherbergen die spirituellen Vorfahren einiger Stämme und sind fest in deren Mythologie verankert.

Die Gier nach Holz

Solch mächtig große Kauri-Bäume mit bis zu 50 Metern Höhe sind mittlerweile eine Seltenheit in Neuseeland geworden. Lange waren die Inseln des Landes unbesiedelt und eine einzigartige Natur hat sich entwickelt. Bereits mit den Maori, die im 13. Jahrhundert aus Polynesien die Insel besiedelten, geriet das Gleichgewicht dieser Lebensräume in Gefahr. Rund 300 Jahre später erreichten die ersten Europäer durch James Cook die Inseln. Wie in den vielen anderen Fällen europäischer Kolonisation kam es in Neuseeland zu tiefgreifenden Eingriffen in die Natur.

Te Matua Ngahere – Vater des Waldes

Stammumfang16,8 m
Durchmesser5,33 m
Stammhöhe10,2 m
Baumhöhe37,4 m

Die Kauri-Bäume rückten schon unter Cook in den Fokus. Liefern sie doch ein hervorragendes, gerades und stabiles Holz für den Schiffbau. Anfang des 19. Jahrhunderts setzte ein massiver Holzeinschlag in den Kauri-Wäldern ein. Das Holz nutzten die Siedler weiterhin im Schiffbau, aber auch für Möbel, Häuser und viele andere Holzbauten oder exportierten es in das benachbarte und florierende Australien. Für neue Weidenflächen brannten zusätzliche Hektar Wald nieder. Das Baumharz war ebenfalls kostbar und weitere Bäume fielen der Produktion von Farben, Lacken und anderen chemischen Stoffen zum Opfer.

Die letzten vier Prozent

Erst Mitte des 20. Jahrhundert entstanden erste Schutzgebiete und eine Kontroverse über die Nutzung der Kauri-Bäume entwickelte sich. Heute schätzen Forscher, dass vier Prozent der ursprünglichen Individuen überlebt haben. Seit 1972 ist der Einschlag stark reglementiert. Nur in Ausnahmefällen erlauben es die Behörden oder Maori einen Baum für besondere Zwecke zu fällen.

Wie bei vielen bedrohten Arten in Neuseeland fällt es auch den Kauri-Wäldern trotz Schutzmaßnahmen schwer, sich zu erholen. Mehrere Millionen Jahre war Neuseeland von anderen Landmassen abgegrenzt und die Evolution verlief unbeeinflusst. Dementsprechend sind die Arten wenig auf den Einfluss von außen vorbereitet. Viele Vogelarten sind beispielsweise kaum in der Lage sich gegen eingeschleppte Fressfeinde zu wehren.

Bei den Kauri-Bäumen ist die Fortpflanzung besonders langwierig. Erst dauert es über zwei Jahre bis die weiblichen Zapfen reif sind. Sind diese dann bestäubt, reifen die Samen noch einmal zwei Jahre bevor sie der Wind in alle Himmerlsrichtungen verteilt. Bei Bäumen, die über 2000 Jahre alt werden, ist das natürlicherweise kein Problem. Gehen die Bestände schnell zugrunde, kann dies den letzten Sargnagel für eine Art bedeuten.

Tödlicher Fußpilz an Kauri-Bäumen

Zu allen Problemen, die sich beim Erhalt der Kauri-Wälder ergeben, kam mit Kauri dieback in den letzten Jahrzehnten ein Weiteres hinzu. Ein von außerhalb, vermutlich aus Korea, eingeschleppter, pilzartiger Krankheitserreger setzt den Bäumen zu. Phytophthora taxon agathis, oder kurz PTA, verursacht an den Wurzeln die Kauri-Wurzelfäule / Kauri dieback.

Eine Diagnose an einem betroffen Baum gelingt meist erst, wenn es zu spät ist. Denn ist der Baum infizirt, ist dies nahzu immer tödlich. Es ist zudem schwer abzuschätzen, wie viele Bäume bereist infiziert sind und von Kauri dieback bedroht sind. In fast allen noch verbliebenen Kauri-Reservaten ist PTA an einzelnen Bäumen nachgewiesen. Der Pilz verbreitet sich in feuchten Böden leichter als in trockenen. Auch eingeschleppte und nicht im Ökosystem heimische Wildschweine tragen dazu bei, dass sich Kauri dieback vebreitet.

Kauri dieback am Wanderschuh

Nachgewiesen verbreitet sich PTA entlang von Wanderwegen. Viele Forscher sehen darin den Hauptgrund für die fortschreitende Ausbreitung. Mehr als zwei Drittel aller befallenen Bäume liegt entlang von Wanderwegen. Grund ist der einfache und schnelle Transport des Erregers über mitgeschlepptes Bodenmaterial in den Profilen von Schuhen und Reifen. Nur wenige Gramm mit Sporen infizierter Boden reichen aus, um den Pilz über weite Strecken zu verbreiten. Bis zu sechs Jahre überlebt der Pilz an den Sohlen der Schuhe oder Fahrradreifen.

Schutz der Bäume

Wie die zuständigen Naturschutzbehörden PTA am besten bekämpfen, ist umstritten. Klar ist aber, dass die Bäume möglichst von Touristenströmen abzuschirmen sind. Der Versuch mit Waschstationen für Schuhe und Reifen am Beginn von Wanderwegen erzielen nicht die erwünschten Effekte. Tests zeigten, dass zu wenige Wanderer oder Radfahrer ihre Schuhe und Reifen reinigen, bevor sie die Wanderwege nutzen.

Zu Bäumen, wie Tāne Mahuta und Te Matua Ngahere, führen Bohlenwege die Besucher auf Blickweite heran. Die Wanderer erreichen die Bäume nicht mehr, treten nicht mehr auf ihre Wurzeln und der Bodenkontakt ist auf ein Minimum reduziert. Mit diesen Maßnahmen geht ein Rückbau anderer Wege einher, um wenig betroffene Bestände zu schonen. Jedoch besteht hier die Gefahr, dass die Arbeiter bei den notwendigen Rückbaumaßnahmen die Erreger einschleppen und verbreiten.

Maßnahmen greifen nicht gegen Kauri dieback

Durch das mangelnde Bewusstsein der Touristen und steigende Besucherströme, wirken die Maßnahmen nur gering. Auch der strenge Schutz der Wälder, neu gepflanzte Bäume und intensive Forschungen zeigen nicht die erhoffte Wirkung. Kauri dieback ist weiter auf dem Vormarsch und die Zahl der infizierten Bäume steigt. Besonders bedroht, weil viel besucht, sind die alten, mächtigen und kulturell wichtigen Bäume.

Zuletzt mussten Forschen bei Untersuchungen feststellen, dass der Pilz und seine Sporen auf 60 Meter an Tāne Mahuta herangerückt sind. Einige Experten befürchten, dass der Baum bereits infiziert ist. Bei geschätzten Wurzellängen von über 60 Metern ist einer der beeindruckendsten Bäume ernsthaft durch Kauri dieback bedroht.

Strenger Schutz als letzter Ausweg

Der Druck auf die Behörden steigt durch die zunehmend schlechten Nachrichten stetig an. Längst fordern Forscher und Naturschützer strikte Maßnahmen um den Kampf gegen Kauri dieback nicht zu verlieren. Die Wege in die Kauri-Wälder und den Bäumen müssen gesperrt werden, um eine weitere Verbreitung einzudämmen.

Hoffnung für die Kauri-Bäume

Insbesondere wenn die alten, großen Kauri-Bäume sterben ist der Verlust für Natur und Kultur immens. Doch stellt sich die Frage, ob es für die Kauri-Bäume fünf vor oder bereist nach zwölf ist? Aktuell gibt es darauf keine Antwort. Sicher ist aber, ein strenger Schutz ist notwendig. Auch wenn das bedeutet, dass für viele Besucher Neuseelands grüne Giganten zukünftig unerreicht in den grünen Tiefen des Regenwaldes verschwinden. Auch geben neuste Forschungen ein wenig Hoffnung, dass die typischen Mykorrhizapilze gesunder Kauri-Bäume diese schützen.

Der Autor: Jan Böhm

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