Heimische Baumrekorde

Der höchste, der dickste und der älteste Baum Deutschlands

In Deutschland wachsen, verteilt auf 90 Baumarten, geschätzte 90 Milliarden Bäume dem Himmel empor. Die Unterschiede zwischen den Bäumen sind gewaltig. In Wäldern, auf Wiesen, an Bächen oder mitten in der Stadt stehen schlanke und zierliche, dicke und mächtige, junge und kleine oder uralte und turmhohe Bäume. Aber welche Bäume zwischen Nord- und Ostsee und den Alpen sind der höchste, der dickste und der älteste Baum Deutschlands? Eine Reise von Süden nach Norden mit drei interessanten Baumtypen und ihren Geschichten.

Der Höchste Baum Deutschlands

Die kleine Reise startet tief im Süden der Republik, denn hier wächst im Mühlenwald bei Freiburg der aktuell höchste Baum Deutschlands. Waldtraut vom Mühlenwald, eine Douglasie (Pseudotsuga menziesii) , ist nach letzten Messungen im Jahr 2017 66,58 Meter hoch. Im weltweiten Maßstab ist sie vergleichsweise klein. Der höchste Baum der Welt überragt Waldtraut um circa 50 Meter.

Doch der deutsche Rekordhalter ist seit rund hundert Jahren für eine Douglasie noch jung und legt jedes Jahr weiter an Höhe zu. Die Messungen der letzten Jahre ergaben, dass die Douglasie jedes Jahr circa 30 Zentimeter zuwächst. Die Baumart erreicht locker ein Alter von über 400 Jahren und schafft in anderen Regionen der Erde Höhen von über 100 Metern. Damit ist noch Luft nach oben und dank des guten Standorts des Baumes bleibt es spannend, welche Höhen Waldtraut in Zukunft erreicht.

Die Douglasie ist keine heimische Baumart und der Baum in Freiburg wurde 1913 als dreijähriger Sämling zu Versuchszwecken gepflanzt. Ursprünglich ist die Baumart in Nordamerika beheimatet, wird aber seit Jahren in heimischen Wäldern angepflanzt. Neben ihren hervorragenden Wuchseigenschaften, erhoffen sich Wissenschaftler und Förster in der Douglasie eine robuste Baumart vorzufinden, die den veränderten Bedingungen durch den Klimawandel gewachsen ist.

Fotos: Klaus Echle, Forstamt Freiburg

Der höchste heimische Baum ist eine Fichte (Picea abies). Der Baum wächst im Kirnitzschtal im Nationalpark Sächsische Schweiz und ist 59,30 Meter hoch. Das Alter des Baumes schätzen Experten auf 300 bis 400 Jahre.

Der älteste Baum Deutschlands

Ziemlich in der Mitte Deutschlands und auf halber Strecke unserer Reise liegt die kleine hessische Gemeinde Schenklengsfeld in deren Mitte die uralte Linde des Ortes steht. Die knochige Sommerlinde (Tilia platyphyllos) ist der vielleicht älteste Baum Deutschlands. Die Experten schätzen ihr Alter auf über 1200 Jahre. Damit wäre er circa im achten Jahrhundert gekeimt. Wie bei vielen alten Bäumen ist das Alter schwer einzuschätzen und die Experten sind sich oft nicht einig, wie alt ein Baum ist. Stammteile sind teilweise verrottet und lediglich Teile des eigentlichen Baumes erhalten. Auch bei der Linde in Schenklengsfeld stehen heute nur noch vier äußere Stammteile, die zusammen eine mächtige Krone mit 25 Meter Durchmesser aufweisen.

Eine Holzkonstruktion stützt die ausladenden Äste der Linde, damit der Baum nicht zusammenbricht. Vermutlich schützen und pflegen die Einwohner des Ortes den Baum auf der Mitte des Marktplatzes seit Jahrhunderten. Bis ins 19. Jahrhundert ist der Baum als Gerichtslinde bezeugt.

Ob es in Deutschland überhaupt Bäume über 1000 Jahre gibt, bezweifeln mittlerweile einige der renommiertesten Baumforscher. Der Titel ältester Baum Deutschlands ist daher umstritten und somit ebenfalls der Titel für die Schenklengsfelder Linde. Der Forstwissenschaftler Andreas Roloff sieht in der alten Eibe von Beiderschwang den Favoriten auf den derzeit ältesten Baum Deutschlands. Im Gegensatz zu vielen anderen alten Bäumen fällt diese besonders durch ihre unscheinbare Erscheinung auf. Auf der letzten Station unserer Reise besuchen wir einen weiteren Baum, der das Potential zum Ältesten des Landes hat.

Im weltweiten Vergleich ist der Baum fast ein Jüngling. Je nach Betrachtungsweise erreichen die ältesten Bäume der Welt Lebenspannen von 5.000 bis 10.000 Jahren. Das Alter einer Klonkolonie von Bäumen, die sich ein gemeinsames Wurzelwerk teilen, schätzen Wissenschaftler auf 80.000 Jahre.

Der dickste Baum Deutschlands

Zum Abschluss geht unsere Reise weiter in den hohen Norden. In Heede im Emsland ist der dickste Baum Deutschlands zu finden. Die „Tausendjährige Linde“ von Heede ist wie der älteste Baum eine Sommerlinde und hat einen Stammumfang von circa 18 Metern. Europaweit ist keine Linde dicker. Circa 12 bis 13 Erwachsene sind notwendig, um den Baum zu umfassen. Weltweit gesehen reicht der Umfang des Baumes jedoch gerade etwas über den Durchmesser des dicksten Baumes der Welt hinaus. Der Árbol del Tule weist einen Umfang von sagenhaften 46 Metern auf.

Erstaunlich ist, dass der mehrere Jahrhunderte alte Baum einen recht festen Stamm mit wenigen Höhlungen und Faulstellen aufweist. In einer Höhe von drei Metern verzweigt sich der Stamm in mehrere Äste/Hauptstämme, die zusammen die 30 Meter im Umfang messende Baumkrone bilden. Aufgrund seiner für eine Linde ungewöhnlichen Form mit mehreren starken Stammästen liegt der Verdacht nahe, mehrere Bäume seien zusammengewachsen. Dies ist mittlerweile durch wissenschaftliche Vermutungen wiederlegt. Einige Experten vermuten, dass die Linde vor Jahrhunderten einen schweren Schaden erlitt und danach die neuen Äste und heutigen Hauptstämme aus dem Stumpf heraus austrieb.

Um des Wahrzeichens der kleinen Gemeinde zu erhalten, sanierten Baumexperten den Baum in den letzten Jahrzehnten. Heute pflegen ihn erfahrene Baumpfleger. Im Jahr 2014 kürte die Deutsche Dendrologische Gesellschaft die „Tausendjährige Linde“ von Heede zum Champion Tree des Jahres.

Der Autor: Jan Böhm

„Starke Baumtypen“ im Baumpflegeportal

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Quellen:

6 Antworten
  1. Rainer Mülling

    Was ist mit den Ivenacker Eichen in Mecklenburg? Die stärkste Eiche dort ist auch 1200 Jahre alt, 12 Leute braucht man, sie zu umspannen.

    Antworten
    • Baumpflegeportal

      Die Orientierung für diesen Artikel erfolgte anhand der Daten der Webseite Monumentale Bäume, bei der zahlose Freiwillige und Baumfreunde Bäume besuchen und vermessen. Die Stärkste Ivenacker Eiche hat einen gemessenen Umfang von 11,52 Metern und liegt damit leider deutlich unter der Sommerlinde in Heede. Dafür ist sie aber die volumenreichste Eiche in ganz Europa und auch nur wenige andere Bäume kommen an diese Werte heran.

      Das Alter der ältesten Ivenacker Eiche schätzt die Seite auf 700 bis 750 Jahre. Andere Schätzungen halten ein Alter von bis zu 1000 Jahren möglich. Grundsätzlich ist das Alter von sehr alten Bäume aber nur schwer zu messen. Die sehr hohen Altersangeben ergeben sich oft aus alten Erzählungen und Sagen und überschätzen das Alter der Bäume meist. Ungeachetet dieser Tatsache bleiben die Ivenacker Eichen beeindruckende Bäume von grandiosen Ausmaßen, aber für die kleine Aufzählung in diesem Artikel reicht es nicht.
      Viele Grüße vom Baumpflegeportal.

      Antworten
  2. Götz Kerger

    Tolle Infos.
    Ich plane fast alle Freizeitfahrten und Urlaube parallel mit monumental trees.
    Ich werde jetzt beginnen selbst Bäume die noch nicht im Portsl sind und “ Chsmpions“ sind, ins Portsl dazu zu stellen….
    Götz Kerger

    Antworten
  3. Sandra

    Mein Sohn fragte mich, WARUM Bäume überhaupt so groß werden, so hoch wachsen. Sie könnten doch auch nur halb so groß sein, oder nur so groß wie er…

    Ich finde keine befriedigende Antwort. Ich konnte zwar recherchieren, wie hoch die höchsten Bäume sind etc, aber warum sie überhaupt so wachsen wie sie es tun, konnte ich nicht finden.

    Nichts in der Natur geschieht doch ohne Grund?!?

    Kennt jemand die Antwort?

    Antworten
    • Baumpflegeportal

      Hallo Sandra, danke für die schöne Frage deines Sohnes. Wie du richtig bemerkt hast, nicht geschieht ohne Grund. Und der Hauptgrund, warum Pflanzen und Tiere sich auf eine bestimmte Art entwickelt haben, ist die Evolution. Jede Pflanze entwickelte sich auf ihre Art, um einen Vorteil gegenüber anderen zu haben. Pflanzen brauchen Sonnenlicht um Photosynthese zu betreiben und damit Zuckerlösungen für ihr Wachstum herzustellen. Die Konkurrenz um dieses Licht ist natürlich groß. Viel Licht bekommt nur der ab, der höher ist, als die Pflanze neben ihm. So entwickelten Bäume nach und nach einen Stamm, der es ihnen ermöglichte, meterhoch zu wachsen, ohne von Stürmen umgeworfen zu werden. Je nach Spezialisierung werden Baumarten höher oder weniger hoch. Kleinere Baumarten wie Apfelbäume setzten auf andere Strategien. Sie kommen oft auf Lichtungen vor, oder an Waldrändern. Dort reicht ihre geringe Größe aus. Waldbäume dagegen wie Fichte oder die gigantischen Redwoods dagegen, leben in ständiger Höhenkonkurrenz mit ihren Nachbarn.
      Die maximale Höhe jedoch ist physikalisch geregelt. Denn ab etwa 110 Metern Höhe, reißt die Wassersäule, die der Baum in seinen Kapillaren bis in die Krone saugt. Das Zusammenspiel von Kapillarsäule und Verdunstungssog klappt eben nur bis in diese Höhe. So lange, bis ein Baum mit einem neuen, besseren Gendefekt entsteht, der es ihm erlaubt, durch einen anderen Trick noch höher zu wachsen.
      Viele Grüße, Marina Winkler

      Antworten

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  1. 8 Dinge, die du noch nicht über den Wald wusstest! - Forst erklärt - […] https://www.baumpflegeportal.de/aktuell/hoechster-dickster-aeltester-baum-deutschlands/ […]

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