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Alte Nutzungsformen

Geschichte und Nutzen der Kopfeichen

Die typische Form der Kopfeichen entstand durch einen starken Rückschnitt alle zehn bis fünfzehn Jahre. Die Bäume wurden regelmäßig geköpft und spendeten mit ihrer niedrigen Höhe dem Nutzvieh optimal Schatten. Mit den abgeschnittenen Zweigen heizten die Bauern ihre Wohnungen und Häuser, während sie die Rinde der Zweige an Gerber verkauften. Diese kochten daraus einem Sud, in den sie Tierhäute einlegten um diese zu konservieren.

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Arbeitslose Kopfeichen

Doch die Zeiten ändern sich und die wertvollen Bäume drohen zu verschwinden. Gerber nutzen für ihre Lohe schon seit Jahrzehnten chemische Mittel, Tiere stehen seltener auf Weiden und Heizen mit dünnen Eichenzweigen ist weit weniger verbreitet. Die „Arbeitslosigkeit“ kann in diesem Fall für Bäume ein Problem darstellen. Denn ohne einen Nutzen fühlt sich niemand für die Pflege der einmaligen Bäume verantwortlich. Sie werden nicht geschnitten und sammeln ständig mehr Masse in ihrer Krone an. Die alten Stämme der Bäume halten mit diesem Zuwachs nicht mit und brechen unter dem Gewicht der in die Höhe sprießenden Äste auseinander. Doch die alternden Kopfeichen mit ihrem langsamen Zerfall schaffen Lebensräume für seltene Arten und ein Schutz der Bäume ist erforderlich. Um die Kopfeichen zu erhalten, ist ein regelmäßiger Rückschnitt notwendig. Die Kosten teilen sich oft Baumbesitzer und Finanzierungsprojekte.

Artenvielfalt im Kopf

Heute weisen die alternden Kopfeichen eine hohe Artenvielfalt auf. In den Kronen entstand über Jahre ein großer Anteil abgestorbener Äste und Stammteile, sogenanntes Totholz. In den dicken Stämmen der alten Bäume sind viele Höhlungen entstanden. Vom Totholz und in Höhlungen leben zahlreiche Käfer, Vögel oder Fledermäuse. Sogar stark geschützte, seltene Arten wie die holzbewohnenden Eremiten und Hirschkäfer tummeln sich im morschen Holz. Sie sind auf alte Bäume in Wald und Flur mit viel Totholz spezialisiert und finden in Kopfeichen einen idealen Lebensraum.

Wie entsteht eine Kopfeiche?

Als Kopfeichen bezeichnet der Fachmann alle Eichen, welche im Abstand von zehn bis fünfzehn Jahren „auf Kopf“ gesetzt werden. Dazu werden alle Äste, welche über dem Stamm austreiben, abgesägt. Im nächsten Jahr treiben die Bäume neben der Wunde neu aus. So entsteht in regelmäßigen Abständen eine neue Krone.

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Heimat der Kopfeichen

Wer eine Kopfeiche mit eigenen Auge sehen will, muss sich gut umschauen. Nur an wenigen Orten in Deutschland können Interessierte diese skurrilen Bäume bestaunen. Einer der Bekanntesten ist der Hetzleser Berg im Landkreis Forchheim. Die über 1000 Kopfeichen in der Region prägen die einzigartige Kulturlandschaft. Die Münchner Baumkletterschule veranstaltete zusammen mit Prudi & Partner, TreeConsult dieses Jahr einen Workshop zum Thema Artenschutz direkt vor Ort. Er hatte zum Ziel, Baumpflegern die Nutzung, Erhaltung und Pflege dieser speziellen Bäume näherzubringen.

Die Autorin: Marina Winkler

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