Grüne Früchte des Speierlings

Vorkommen und Verwendung:

Der fast vergessene Speierling

Apfelwein-Trinkern dürfte der Name Speierling geläufig sein. Doch die wenigsten werden wissen, woher diese Apfelwein-Spezialität eigentlich ihren Namen hat. Denn dahinter verbirgt sich nicht etwa eine besonders edle Apfelsorte. Vielmehr heißt Apfelwein dann so, wenn er zur Veredelung geringe Mengen an Saft aus den Früchten des Speierling-Baums enthält. Die Früchte dieser nahezu unbekannten Baumart erinnern an Äpfel oder Birnen. Der Baum selbst ist eine Art Baum-Rarität und zählt zu den seltensten Baumarten europaweit. In Deutschland war er deshalb 1993, in Österreich 2008 Baum des Jahres.

Bedrohte Art: Der Speierling war fast ausgestorben

Ehe der Speierling im Jahr 1993 zum Baum des Jahres gewählt wurde, war er selbst unter Fachleuten nahezu unbekannt. Das lag unter anderem daran, dass er zu diesem Zeitpunkt mit lediglich 4000 lebenden Exemplaren in ganz Deutschland fast ausgestorben war. Ein Grund dafür: Der Speierling ist äußerst empfindlich: Er braucht viel Wärme und Licht, wächst nur sehr langsam, kann sich im Waldbestand kaum gegen die Konkurrenz durchsetzen. Der Einzelgänger vermehrt sich nur sehr schwer und auch die Sämlinge haben es unter anderen Pflanzen nicht leicht. Ein weiteres Problem ist, dass er in jungen Jahren seinem Verwandten, dem weit verbreiteten Vogelbeerbaum (Sorbus aucuparia) ähnelt. Oft wird er aus diesem Grund nicht weiter beachtet oder besonders gepflegt.

Erst seine Wahl zum Baum des Jahres 1993 hat das öffentliche Interesse am Speierling angefacht. In den folgenden Jahren wurden in Deutschland mehr als eine halbe Million neuer Exemplare von Sorbus domestica gepflanzt. Außerdem gründete sich 1994 in Frankfurt am Main der Förderkreis Speierling, der sich für den Erhalt des Speierlings einsetzt. Außerdem gehört er zu Bayerns UrEinwohnern, einer Kampagne zum Schutz in Bayern heimischer Tiere und Pflanzen.

Merkmale von Sorbus domestica

Der Speierling ist in Mittel- und Südosteuropa heimisch. Am häufigsten kann man ihn in Deutschland, Frankreich, England und Italien entdecken. Er wird bis zu 35 Meter hoch, im Durchschnitt erreicht er eine Höhe um die 20 Meter. Der Stamm erreicht bis zu viereinhalb Meter Umfang. Normalerweise erreicht der Speierling ein Alter von 150 Jahren, manchmal wird er aber auch weit über 300 Jahre alt. Seine Borke ist kleinschuppig und grau, seine Blätter sind gefiedert. Er blüht zwischen Mai und Juni in strahlendem Weiß.

Das dunkelbraune Holz des Speierlings ist hart und als das schwerste heimische Holz bekannt. Es eignet sich für Werkzeuge, Musikinstrumente, Möbel und Furniere. Das Holz ist äußerst wertvoll. Da der Speierling so selten ist, wird er aber zumindest in Deutschland nicht geschlagen.

Foto: Alte Darstellung des Speierling aus British flowering plants by W. F. Kirby

Speierling oder Vogelbeere?

Der Speierling ist vor allem in seiner Jugend leicht mit der Vogelbeere zu verwechseln. Sowohl Wuchsform, als auch die Blätter und Früchte ähneln sich sehr. Klare Unterscheidung bietet die rauhe Borke des Speierlings. Sie ähnelt eher der Rinde von Birnbäumen. Die Blätter des Speierlings sind feiner gezahnt als die der Vogelbeere. Die orangen-knallroten Vogelbeeren sind sofort erkennbar. Die Äpfelchen und Birnchen des Speierlings färben sich dagegen nur auf der sonnenzugewandten Seite rötlich. Vorsicht vor dem Verzehr! Der Speierling ist roh essbar, wenn auch sehr sauer. Die Vogelbeeren können roh jedoch Übelkeit und Erbrechen auslösen! Als Marmelade oder Gelee sind aber beide lecker, und passen sogar hervorragend zusammen.

Unterschiede Speierling – Vogelbeere

SpeierlingVogelbeere
BlätterUnpaarige Fiederblätter, Einzelblätter fein gezähntUnpaarige Fiederblätter, Einzelblätter schaft gezahnt, spitz
Blütenweiße Blüten im Maiweiße Blüten im Mai-Juni
Früchteapfel- oder birnenförmige Früchte, braun-grün, auf der Sonnenseite rötlichErbsengroße Beeren, orange-rot
Rindekleinschuppig-rissig, grauglatt, rot-grau

Verwendung der apfelähnlichen Früchte

Ende September, Anfang Oktober reifen die Früchte heran. Sie erinnern an Äpfel oder Birnen und sind grün-gelblich. An der Sonnenseite färben sie sich rötlich. Die Früchte enthalten viel Vitamin C und sind gerbstoffreich. Sie sind zwar roh verzehrbar, schmecken aber recht sauer. Ihr Saft macht Apfelwein haltbar und klar. Der Apfelwein nimmt leicht den säuerlichen Geschmack an. Dadurch schmeckt er trocken und fruchtig, aber nicht bitter. Die Früchte lassen sich außerdem zu leckerer Marmelade, edlem Obstbrand oder wohlschmeckendem Essig verarbeiten. Das Pflanzen eines Speierlings lohnt sich gleich doppelt: Ein einzelner Baum trägt sehr viele Früchte und der Kilopreis liegt weit über dem von Äpfeln.

Die Autorin: Elisabeth Morgenstern

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