Baumphänomene

Wie Äste und Stämme von Bäume miteinander verwachsen

Im Wald gibt es kuriose Dinge zu entdecken. Beispielsweise Bäume, die eigenartig gewachsen sind. Da wachsen Äste unterschiedlicher Bäume zusammen, die Rinde überwucherte Schilder oder alte Fahrräder oder mehrere Bäume verschmelzen zu einem Stamm. Jeder der regelmäßig in der Natur ist, kennt diese Bilder und oft bleibt die Frage zurück: Was ist da passiert? Die Antwort ist, dass hinter jedem Phänomen eine geniale Strategie steckt!

Wenn Äste und Stämme verschmelzen

Äste von Bäumen der gleichen Art können miteinander verwachsen. Je nach Baumart ist dieses Phänomen unterschiedlich stark ausgeprägt. Bei Rotbuche, Platane, Feldahorn oder Hainbuche ist es häufig zu beobachten. Die dünne Rinde spielt eine wesentliche Rolle. Verwachsene Äste entstehen, wenn zwei Äste eng beieinander oder übereinander liegen. Durch den Wind bewegen sich diese Äste hin und her und reiben sich gegenseitig auf. Dort, wo die Rinde abgerieben ist, liegt das Kambium frei. Es ist für das Dickenwachstum der Bäume verantwortlich. Berühren sich die Kambiumzellen, verschmilzt das Gewebe mit der Zeit und die Äste verbinden sich permanent zu einem einzigen Ast. Sind sie verwachsen, teilen sie sich die Wasser- und Nährstoffleitbahnen.

Die verwachsenen Äste sehen nicht nur faszinierend aus, sie geben auch Stabilität. Gerade Äste, die zwischen den Stämmen eines Zwiesels einwachsen, wirken wie eine natürliche Kronensicherung. Bei Stockausschlägen kommt es vor, dass sich mehrere Stämme beim Wachsen in die Breite miteinander verbinden. Ob diese Kombination standfester ist als die Einzelbäume, ist davon abhängig, ob die Rinde der Stämme wirklich fest zusammenwachsen. Stehen die Stämme nur eng zusammen und reiben sich im Wind gegenseitig auf, ist der Effekt eher negativ für den Baum.

Wenn sich Bäume verbinden

Reiben die Äste unterschiedlicher Baumarten aneinander, können diese ebenfalls miteinander verwachsen. Der Unterschied besteht darin, dass die Äste nicht miteinander verschmelzen, sondern sich gegenseitig „umschließen“. Durch das unterschiedliche Genmaterial ist eine Fusion unmöglich und es wird lediglich Holz gebildet, welches um den angrenzenden Ast wächst. Es bildet sich auch eine Brücke zwischen den Bäumen, jedoch hat diese keine Bedeutung für Nährstoff- und Wassertransporte. Jeder Ast behält seine eigenen Strukturen. Häufig ist dieses Phänomen bei Bäumen zu beobachtet, die von Efeuranken umschlungen sind. Durch das Dickenwachstum des Stammes wachsen die an der Baumrinde festklebenden Efeuranken mit der Zeit in den Stamm ein. Selbst wenn diese komplett vom Holz des Baumes umschlossen sind, bleiben beide eigenständige Individuen. Es findet weder ein Nährstoffaustausch, noch ein Parasitismus statt.

Wenn Wurzeln zusammenwachsen

Wurzeln sind ähnlich aufgebaut wie die oberirdischen Äste der Bäume. Im Erdreich herrscht viel Druck auf die Wurzeln. Liegen zwei Wurzeln beieinander, drückt sie der Druck der Erde fest aneinander. Regelmäßig reicht dieser Druck aus, dass die Wurzeln zusammenwachsen. Diese verwachsenen Wurzeln bieten dem Baum eine höhere Standsicherheit und stören nicht Wasser- und Nährstofftransport. Lediglich die Weitergabe von Pathogenen wie beispielsweise beim Ulmensterben, ist ein großer Nachteil.

In Mischwäldern stehen unterschiedliche Baumarten dicht nebeneinander. Im begrenzt vorhandenen Erdreich ist es nicht unwahrscheinlich, dass Wurzeln verschiedener Baumarten über- oder nebeneinander liegen. Wie bei Ästen ist es möglich, dass diese Wurzeln mit einander verwachsen. Die Wurzeln beider Bäume nehmen danach gleichermaßen am Dickenwachstum teil. Zu welchem Zweck und wie genau diese Fusionen ablaufen ist bisher nicht eindeutig geklärt.

Wenn der Baum Dinge frisst

Ähnlich wie zwei Bäume miteinander verwachsen, verschlingen Bäume Gegenstände. Übt ein Objekt genug Druck auf die Baumrinde aus, überwallt der Baum beim Wachsen das Objekt. Dabei entstehen kuriose Gebilde und teilweise gelangen kleine Objekte erst beim Fällen des Baumes zurück ans Tageslicht. Beispiele für eingewachsene Gegenstände sind Schilder, Zäune, Geländer oder Heiligenfiguren. Warum sich der Baum diese Objekte einverleibt, ist einfach zu erklären.

Um dicker zu werden, muss der Baum um das Objekt herumwachsen. Das Kambium, eben jene Zellschicht, die für das Wachstum verantwortlich ist, sitzt direkt unter der Rinde. Jeder festsitzende Fremdkörper behindert diese Schicht. Ohne das Wachstum ist die Standsicherheit gefährdet. Insbesondere wenn andere Teile des Baumes wie die Krone weiterwachsen. Gleichzeitig hätte der Baum nicht genügend Splintholz, um Wasser und Nährstoffe zu transportieren. Sobald das Objekt völlig umschlossen ist, hat der Baum wieder seine volle Kambium-Breite zur Verfügung und kann ungehindert seinen Stamm verbreitern.

Wenn der Gärtner pfropft

Gärtner kennen das Phänomen verwachsender Stämme und Äste genau. Sie arbeiten täglich damit und provozieren es gewollt. Jeder Apfelbaum entsteht durch das „Pfropfen“. Dabei wird ein Zweig der Apfelsorte, die später am Baum wachsen soll, auf eine Wurzelunterlage veredelt. Der neue Zweig verwächst mit dem Stamm der Wurzelunterlage und bildet die eigentliche Krone. Viele unserer leckeren Äpfel im Supermarkt, stammen von Bäumen, die auf diese Art vermehrt wurden.

Eine andere praktizierte Art Pflanzen zu verwachsen, gibt es bei Zimmerpflanzen wie dem Benjamin. Er steht mit geflochtenem Stamm im Gartencenter zum Verkauf. Die Pflanzen sind miteinander verflochten und wachsen mit der Zeit unter dem entstehenden Druck zusammen. Aus vielen dünnen Pflanzen entsteht ein schöner Stamm.

Die Autorin: Marina Winkler

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1 Antwort
  1. Gravierfräser44
    Gravierfräser44 says:

    Hey,

    toller Beitrag! Es ist wirklich schön zu beobachten, wie Bäume mit anderen Gegenständen verwachsen! Bei mir im Garten ist tatsächlich mal einer mit einer Kabelrolle verwachsen – das sah vielleicht ulkig aus!

    LG
    Gravierfräser44

    Antworten

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