Zweig eines Strauches an dem Blätter mit weißem Rand sind

Weiß-grüne Muster:

Wie entstehen panaschierte Blätter?

Nur wenige Pflanzenarten bilden natürlicherweise panaschierte Blätter. Das einzelne Blatt ist dabei unterschiedlich gefärbt. Das Farbspektrum variiert aus Mischungen von grün und weiß, gelb oder rot. Die panaschierten Blätter dienen in diesen Fällen einem bestimmten Zweck. Sie locken beispielsweise Insekten an oder verwirren Feinde. Bei anderen Arten sind anders verfärbte Blätter selten. Zwischen den tausenden grünen Blättern eines Baumes ein Grün-Weißes zu finden, ist reiner Zufall.

Die Wissenschaft nennt das Phänomen Variegation. Die verfärbten Stellen auf den panaschierten Blättern treten in verschieden Varianten und Größen auf. Manchmal verteilen sich die farbigen Flächen mosaikartig über das ganze Blatt. Andere Blätter sind wie halbiert oder haben einen großen Fleck. Häufig sind die Randbereiche der Blätter panaschiert. Auch komplett verfärbte Blätter sind möglich oder es sind mehrere bis alle Blätter eines Baumabschnittes betroffen. Früchte und andere Organe eines Baumes können ebenfalls panaschiert sein.

Panaschierte Blätter durch Gen-Mutation

Grund für weiße Flächen auf Blättern ist oft eine fehlende Ausbildung von Chlorophyll, das für die grüne Farbe der Blätter verantwortlich ist. Warum das Chlorophyll in den Zellen fehlt, kann verschiedene Ursachen haben. Ein Auslöser für weiß-grüne Blätter sind lokale Gen-Mutationen. Mutationen treten in der Natur ständig auf und sind die Quelle der Evolution. Bei panaschierten Blättern mutieren die Chloroplasten, die das Chlorophyll herstellen. Bis zu 50 dieser Chloroplasten sitzen in einer Zelle. Eine einzelne Mutation bleibt daher für das menschliche Auge unsichtbar. Erst wenn sich die Mutation durch Zellteilung fortsetzt, entstehen die weißen Flecken auf den Blättern. Je früher in der Entwicklung die Mutation auftritt, desto mehr Blattfläche oder – in seltenen Fällen – Bereiche des Baumes sind betroffen.

Anders farbig panaschierte Blätter können ebenfalls genetisch mutiert sein. Werden beispielsweise verstärkt rote Pigmente gebildet, entstehen rote Flächen oder Phänomene wie Blutbuchen.

Was ist Chlorophyll?

Unter Chlorophyll sind verschiedene Farbstoffe zusammengefasst, die für die Photosynthese der Pflanzen entscheidend sind. Chlorophyll nimmt die Energie aus dem Licht auf und stellt es für Produktion von Zucker bereit. Meistens nimmt es die blauen und roten Wellenlängen des Lichtes auf. Übrig bleiben die grünen und gelben Wellenbereiche, was zu grün gefärbten Blättern führt.

Weitere Gründe für weiß-grüne Blätter

Neben einer Gen-Mutation lassen auch andere Effekte grün-weiß gemusterte Blätter entstehen. Wenn benachbarte Zellen die vorhanden genetischen Informationen unterschiedlich auslesen, kann es zu Variegation kommen. Diesen Weg nutzen oft Pflanzen, die ganz bewusst gefärbte Blätter ausbilden.

Eine krankheitsbedingte Chlorose (Chlorophyllmangel) ruft ebenfalls panaschierte Blätter hervor. Ursachen dafür sind fehlende Mineralstoffe, Viren, Schädlinge oder Giftstoffe. Meist verfärben die grünen Blätter sich dann eher gelblich und fleckig. Anders bei Tulpen. Bei ihnen sind Viren für einige gestreifte und gefleckte Blütenmuster verantwortlich.

Ahornblatt ist auf einer Seite weiß geblieben

Weiße Blätter fast immer unproblematisch

Sind wenige Bereiche des Baumes von einer Variegation betroffen, ist dies für den betroffenen Baum nicht schlimm. Zwar produzieren die weißen Flecken des Blattes keine Nährstoffe, aber sie werden automatisch durch andere Blätter mitversorgt. Der Baum wird langsamer wachsen, je mehr Blätter panaschiert sind. Kritisch für ihn wird es, wenn der Anteil an grüner Blattfläche sehr weit absinkt. Dann kann sich der Baum nicht mehr ausreichen ernähren und wird eingehen.

Züchtungen für den Gartenbau

Für den Gartenbau und Ziergehölze sind panaschierte Blätter mit ihrer besonderen Färbung reizvoll. Entsprechend gibt es zahlreiche gezüchtete Varianten für Garten und Blumentopf. Diese werden oft um die Zusätze ‚Variegata‘ oder ‚Variegatum‘ in ihrem botanischen Namen ergänzt.

Um die gefärbten Blätter langfristig zu erhalten, werden die mutierten Pflanzen meist vegetativ über Stecklinge, Teilung oder Veredlung vermehrt. Bei Bäumen sind beispielsweise Ahorne mit panaschierten Blättern beliebt, da bei ihnen häufig ähnlich aussehende Gen-Mutationen auftreten.

Ahornblätter mit grüner und weißer Seite

Der Autor: Jan Böhm

Quellen:

  • A. Roloff: Bäume – Lexikon der praktischen Baumbiologie, Wiley-VCH Verlag GmbH & Co. KGaA 2010
    erhältlich bei Freeworker
  • Michael Marcotrigiano: Chimeras and Variegation: Patterns of Deceit, HortScience, Vol32(5), 1997, S. 773-784
  • Panaschierte Gartenpflanzen
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