Fachartikel zum Thema Baumpflege

Baumpflege, da gehört mehr dazu als eine Säge!

Baumpflege ist ein komplexes Arbeitsfeld, zu dem weit mehr gehört, als Gartenarbeit oder einfach Bäume zu fällen. Vielmehr geht es einem professionellen Baumpfleger darum, Bäume möglichst lange gesund und vital und somit am Leben zu halten. Eine Baumfällung ist der letzte Ausweg, wenn andere Baumpflege-Maßnahmen wie fachgerechter Baumschnitt einen Baum nicht mehr retten können. Das zu beurteilen, ist Sache der Baumkontrolleure und eine Frage des Baumrechts.

Um Bäume richtig pflegen zu können, benötigen Baumpfleger neben einer professionellen Baumpflege-Ausbildung – wie zum Beispiel zum Fachagrarwirt Baumpflege – auch die richtige Ausrüstung. Denn oftmals müssen verschiedene Techniken wie das Baumklettern eingesetzt werden, um an die Stellen in der Krone zu gelangen, die geschnitten werden müssen.

Je nach Baum und Ziel der Pflege-Maßnahmen unterscheidet sich auch die Schnitttechnik: Sei es nun Obstbaumschnitt, Erziehungsschnitt oder Baumrückschnitt. Außerdem muss neben dem Naturschutzgesetz auch der richtige Zeitraum für den Schnitt beachtet werden. Wie Sie sehen, ist die Baumpflege vielseitig und sollte vor allem bei größeren, älteren Bäumen den Profis überlassen werden.

Bei uns auf dem Baumpflegeportal finden Sie viele Informationen rund um Baumpflege – von Baum-Krankheiten über Techniken bis hin zur Schnittzeit.

Regelmäßige Baumkontrolle notwendig: Schwefelporling

Baumpilze leben manchmal mit, manchmal aber von Bäumen. Während im ersten Fall diese Art von Lebensgemeinschaft sowohl für den Pilz, als auch für den Baum von Vorteil ist, ist bei letzterem der Baum benachteiligt. Denn in diesem Fall handelt es sich um holzzersetzende Pilze. Wie der Name schon sagt, zerstören diese Exemplare nach und nach das Holz. Ein Befall führt deshalb häufig zum Absterben des betroffenen Baums – mal schneller, mal langsamer. Auch der Schwefelporling (Laetiporus sulphureus) zählt zu den holzzersetzenden Baumpilzen. Jetzt im Frühling, ab Mitte Mai, beginnen seine Fruchtkörper, am Baum zu wachsen.

Vorkommen des Schwefelporlings

Laetiporus sulphureus tritt besonders häufig an Laubbäumen auf. Er kann aber auch Koniferen wie Fichten oder Lärchen befallen. Hölzer mit dunklem Kern wie Kirsche bevorzugt er, besonders ältere Eichen. Man findet ihn außerdem oft an Weiden, Robinien, Pflaumen- und Walnussbäumen usw. Ab Mitte Mai bis in den Herbst hinein findet man die Fruchtkörper des Pilzes an den betroffenen Bäumen. Sie wachsen von der Stammbasis ab bis in die Krone und Äste hinauf.

Haben Sie die Befürchtung, dass Ihr Baum vom Schwefelporling befallen ist? Lassen Sie Ihren Baum sicherheitshalber von einem Fachmann unter die Lupe nehmen. Auf dem Baumpflegeportal finden Sie deutschlandweit Baumsachverständige. Geben Sie dazu Ihre Postleitzahl in der Suche ein. Im Anschluss einfach Ihr Suchergebnis über Leistungsangebot „Baumgutachten“ oder Tätigkeitsfeld „Baumgutachten“ filtern.

Charakteristika des Schwefelporlings

Gerade jetzt zu Beginn des Wachstums der Fruchtkörper ist der Schwefelporling ein äußerst auffälliger Baumpilz. Denn anfangs sind die flachen, fächerförmigen und stiellosen Fruchtkörper, die entlang des Stamms wachsen, stark gelb bis rötlich gefärbt. Die Unterseite weist eine schwefelgelbe Färbung auf – daher auch der Name. Bis zum Herbst entfärben sie sich dann nach und nach und erscheinen gegen Ende grau, fast weißlich. In der Regel treten die Fruchtkörper zu mehreren auf und sind ähnlich wie Dachziegel übereinander angeordnet. Die Hüte können bis zu 40 Zentimeter breit und bis zu anderthalb Zentimeter dick werden. Ihr Rand ist wellig und leicht nach unten gebogen. Das Fleisch des Schwefelporlings, die sogenannte Trama, ist zu Beginn noch recht saftig und weich. Später wird es weitaus spröder und trockener. Sehr alte, abgestorbene Fruchtkörper bleiben unter Umständen bis ins nächste Jahr am Baum haften.

Was bei einem Befall mit dem Schwefelporling zu beachten ist

Der Pilz dringt über Wunden an Stamm und Ästen ein. Im Baum löst er eine intensive Braunfäule aus. Dadurch kann die Bruch- und Standsicherheit gefährdet werden. Das harte Kernholz der befallenen Baumteile wird durch den Schwefelporlings-Befall zu einer braunroten, trockenen Masse, die würfelig zerfällt und sich leicht zerreiben lässt. Das lebende Splintholz und die Rinde sind bei vitalen Bäumen nicht, bzw. erst sehr, sehr spät betroffen.

Vitale Bäume sind in der Lage, selbst starke Fäule über viele Jahre hinweg zu kompensieren und verkehrssicher zu bleiben. Denn der Pilz beeinträchtigt die wasser- und nährstoffführenden Leitungsbahnen, die sich im Splintholz befinden, nicht. Er höhlt den Baum lediglich nach und nach von innen aus. Aus diesem Grund ist es gut möglich, dass der Baum lange Zeit keine Anzeichen abnehmender Vitalität aufweist. Trotzdem sollten befallene Bäume immer wieder auf ihre Standsicherheit hin kontrolliert werden. Außerdem sollte man beachten, dass sich die Fäule bis in Hauptkronenäste ausbreiten kann. Besonders bei Eichen mit ausladenden Starkästen ist das Risiko von Astbrüchen deshalb sehr hoch.

Erst gegen Ende, wenn der Baum immer mehr an Vitalität verliert, dringt der Pilz auch in das Splintholz ein und beginnt, das Kambium zu töten. Da ab diesem Zeitpunkt auch die Leitungsbahnen betroffen sind, wird der Baum nicht mehr ausreichend mit Wasser und Nährstoffen versorgt. In der Endphase stirbt die Rinde ab und weist Risse auf. Aus diesen Rissen rieselt das verfaulte Holz als brauner Staub. Bäume, die sich in diesem Stadium des Befalls befinden, sind bruchgefährdet und sollten auf jeden Fall von einem kompetenten Fachmann untersucht werden!

Schwefelporling essbar?

Jetzt im Frühjahr, wenn die Fruchtkörper des Pilzes noch jung sind, kann man die jungen, saftigen Exemplare tatsächlich essen. Gegart erinnert ihr Geschmack an Hühnchen. Das ist auch der Grund, weshalb der Schwefelporling im englisch-sprachigen Raum „Chicken of the Woods“ genannt wird.
Aber Vorsicht: In rohem Zustand gilt der Pilz als giftig. Außerdem wird er sehr schnell zäh und ungenießbar.

Quellen

  • Hermann Jahn: Pilze an Bäumen. Berlin, Hannover 2005
    erhältlich bei Freeworker
  • Antje Lichtenauer, Thomas Kowol, Dirk Dujesiefken: Pilze bei der Baumkontrolle. Braunschweig 2014
    erhältlich bei Freeworker
  • Peter Klug, Martina Lewald-Brudi: Holzzersetzende Pilze. München 2016
    erhältlich bei Freeworker

 

Die Autorin: Elisabeth Morgenstern

 

Ergänzende Artikel rund um Baumpilze auf dem Baumpflegeportal

Artenschutz in der Baum- und Gehölzpflege

Vorsicht Strafe! Wer Bäume und Gehölze schneidet, muss ganzjährig den Artenschutz im Hinterkopf haben. Sei es nun der Baumbesitzer selbst oder ein beauftragter Baumpfleger: Bei größeren Eingriffen oder gar Fällungen gilt es, das Bundesnaturschutzgesetz, das die Belange des Artenschutzes regelt, zu beachten. Wer das nicht tut – ob wissentlich oder unwissentlich – muss mit teils empfindlichen Strafen rechnen.

Artenschutz in der Baumpflege: Höhlungen

Lebensraum Baum

Vor allem ältere Bäume dienen den unterschiedlichsten Tierarten als Heimat. Lebensraum oder sogenannte Habitatstrukturen können zum Beispiel Höhlungen oder Totholzäste sein. Das genau ist eines der Probleme im Spannungsfeld Artenschutz und Baumpflege. Denn bei Schnittmaßnahmen muss nicht unbedingt jeder tote Ast entfernt werden. Nur solche, die die Verkehrssicherheit beeinträchtigen, sollten weichen. Auch Baumpilze oder Krankheiten stellen nicht unbedingt eine unmittelbare Gefahr dar. Befallene oder kranke Bäume können auch als Lebensraum dienen – vor allem wenn sich dort Baumhöhlen oder Borkenplatten befinden. Sie sollten deshalb nur gefällt oder stark beschnitten werden, wenn die Verkehrs- und Standsicherheits anderenfalls nicht mehr gewährleistet ist. Lässt man solche Bäume stehen, ist natürlich eine regelmäßige Baumkontrolle unabdingbar.

Artenschutz gilt ganzjährig

Zwischen dem 1. März und dem 30. September gelten alljährlich bundesweit Fäll- und Schnittverbote für Bäume und Gehölze nach Paragraph 39 des Bundesnaturschutzgesetzes (BNatSchG). Damit sollen heimische Tierarten geschützt werden, denn Anfang März beginnt für viele Tiere die Brutzeit. Häufig wird dabei jedoch übersehen, dass die Regelungen und Vorschriften rund um den Artenschutz nicht auf diesen Zeitraum beschränkt sind: Sie gelten das ganze Jahr über (§ 44 BNatSchG). Denn bei baumpflegerischen Maßnahmen besteht immer die Gefahr, die Lebensräume von Vögeln, Fledermäusen, seltenen Tieren oder Insekten empfindlich zu stören. Im Gegensatz zu den Verboten zwischen März und Oktober ist der Artenschutz außerdem nicht auf bestimmte Flächen beschränkt, sondern betrifft jeden Baum – ob er nun im Garten, im Park oder an der Straße wächst.

Geldbußen und sogar Gefängnis drohen

Artenschutz in der Baumpflege: Eichhörnchen

Wenn Sie also größere Schnittmaßnahmen an Ihren Hecken, Bäumen oder anderen Gehölzen planen, legen Sie nicht einfach blind los. Befinden sich in den betroffenen Gehölzen Nester oder sind Höhlungen an Ihren Bäumen zu erkennen, ziehen Sie im Zweifelsfall einen Profi hinzu. Denn wer die Artenschutz-Vorschriften nicht beachtet – sei es nun absichtlich oder unabsichtlich – dem drohen hohe Geldbußen. Wird mehrfach gegen die Regelungen verstoßen, riskieren diese Wiederholungstäter sogar eine Freiheitsstrafe. Einen Fachmann, der Ihre Bäume auch auf artenschutzrechtliche Belange hin untersucht, finden Sie bei uns auf dem Baumpflegeportal. Geben Sie dafür einfach Ihre Postleitzahl in der Suchleiste ein. Wenn Sie unsicher sind, können Sie auch bei der zuständigen Unteren Naturschutzbehörde nachfragen. Hier kann man Ihnen ebenfalls weiterhelfen.

Professionelle Baumpfleger betreiben aktiven Artenschutz

Auch die Interessenvertretung Deutsche Baumpflege (IDB) hat sich zu diesem wichtigen Thema geäußert. Die IDB setzt sich für fachgerechte Baumpflege zum Wohl der Bäume ein. Sie besteht aus der Arbeitsgemeinschaft Neue Baumpflege, dem Arbeitskreis Baumpflege im Bundesverband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau e. V., dem Fachverband geprüfter Baumpfleger e. V., der ISA Germany e. V., der Lehranstalt für Gartenbau und Floristik Großbeeren e. V. (LAGF Großbeeren), der Qualitätsgemeinschaft Baumpflege und Baumsanierung e. V. (QBB), der Staatlichen Lehr- und Versuchsanstalt für Gartenbau (LVG) Heidelberg und der Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst (HAWK) Göttingen zusammen. Der Vorsitzende der IDB, Michael Hartmann, sagt dazu:

„Der qualifizierte Baumpfleger betreibt gemäß der guten fachlichen Praxis und der einschlägigen Regelwerke (z. B. ZTV-Baumpflege) aktiv Artenschutz und trägt den Inhalten des Bundesnaturschutzgesetzes (BNatSchG) bereits seit Jahrzehnten Rechnung.“ *

Unser Buch-Tipp: Artenschutz und Baumpflege

Dieses Buch beschäftigt sich speziell mit dem potenziellen Konfliktfeld Artenschutz und Baumpflege. Das Autorenteam setzt sich aus Fachleuten aus verschiedenen Disziplinen zusammen: Tierökologie und Naturbildung, Baumpflege, Umweltrecht, Verwaltungsrecht, Baumgutachten. Das Buch gibt Hilfestellung für alle, die mit diesem wichtigen Thema in Berührung kommen – wie Profis aus dem Bereich Baumpflege, Forst und Naturschutz in Behörden, Firmen und Verbänden. Folgende Themen finden sich unter anderen im Buch: Perspektiven für eine moderne Baumpflege, rechtliche Grundlagen, Lebensräume an Bäumen, baumbewohnende Arten, Verkehrssicherheit von Bäumen mit Lebensstätten geschützter Arten, Lösungsansätze aus rechtlicher Sicht.

Buch "Artenschutz und Baumpflege" von M. Dietz, D. Dujesiefken, T. Kowol, J. Reuther, T. Rieche, C. Wurst

Artenschutz und Baumpflege
Autoren: Markus Dietz, Dirk Dujesiefken, Thomas Kowol, Janina Reuther, Thomas Rieche, Claus Wurst
  • Taschenbuch
  • Haymarket Media, Braunschweig 2014
  • erhältlich bei Freeworker

 

* Zitiert nach der Pressemeldung vom 28. August 2015 des BGL

Quellen:

 

Die Autorin: Elisabeth Morgenstern

 

Ergänzende Artikel auf dem Baumpflegeportal

Massaria an Platanen: Begünstigt durch unbedachte Baumpflege

Seit Jahren werden immer wieder Artikel zum Massaria-Befall an Platanen veröffentlicht. Ein wesentlicher Aspekt wird dabei aber regelmäßig nicht berücksichtigt: Massaria kann durch unbedachte Baumpflege begünstigt oder sogar erst hervorgerufen werden.

Wenn Sie den Verdacht haben, dass Ihre Platanen von Massaria befallen sind, finden Sie bei uns auf dem Baumpflegeportal fachkundige Hilfe! Geben Sie dafür Ihre Postleitzahl in die Suchleiste ein und schon finden Sie Baum-Profis ganz in Ihrer Nähe.

Was genau ist Massaria eigentlich?

Massaria an Platanen: Hinweise für Befall

Links: Rindengewebe auf Oberseite abgestorben, Zersetzung d. Holzes nach unten
Rechts: schwarz durchzogenes Holz durch Moderfäule vermorscht, wg. Zersetzung d. Zelluloseanteile hohe Bruchgefahr; Astansatz durch Sporenablagerungen schwarz gefärbt

Massaria an Platanen: Hinweise für Befall

Hinweise auf einen Befall kann die Astfärbung geben.
Oben: gesunder, grünlich erscheinender Ast
Unten: befallener Ast mit rosa/blassem Farbton, der zum Teil bereits schwärzlich durchzogen ist

Massaria ist eine Krankheit, die an Platanen auftritt. Verursacher ist ein Schlauchpilz (Massaria platani bzw. Splanchnonema platani (Ces.) Barr.), der vor allem geschwächte Äste und Zweige befällt. Fruchtkörper und Sporen sind schwarz gefärbt, weshalb diese in vielen Fällen ein erster Hinweis auf einen Befall sein können. Die Rinde verliert ihren grünlichen Schimmer, verblasst oder färbt sich rosa. Meist auf der Oberseite der Äste kommt es zur Rindenablösung bzw. Rindennekrose. Die relativ schnelle Holzzersetzung kann innerhalb einiger Monate zu einem Sprödbruch führen. Werden die auf Massaria hinweisenden Symptome nicht rechtzeitig erkannt, kann es zu Astbrüchen und damit zu einer Gefährdung des öffentlichen Verkehrs kommen.

Förderung des Massaria-Befalls durch Schnittmaßnahmen

Werden Äste im inneren Kronenbereich reduziert, verringert sich die Menge des für die Photosynthese verfügbaren Lichts (Totholzproduktion, siehe unten). Der betroffene Ast wird geschwächt. Als Folge der Schwächung steigt der Infektionsdruck. Der von der Einkürzung betroffene Ast wird von dem Pilz befallen und zersetzt. Der Massaria-Befall wird durch diese unbedachte Schnittmaßnahme „provoziert“. Die Massaria tritt vor allem als Schwächeparasit oder als „natürlicher Astreiniger“ auf. Deshalb entspricht es den Gesetzen der Natur, dass geschwächte Äste stärker befallen werden und absterben.

Totholzproduktion

Der künstlich gebildete Begriff drückt aus, dass die Totholzentwicklung bei Kronenschnittmaßnahmen im Innern der Krone durch übertriebene Ableitungsschnitte hervorgerufen werden kann. In der Praxis bedeutet dies vor allem, dass im Inneren der Krone wachsende Äste reduziert wurden, die ganz hätten entfernt werden müssen. Da diesen reduzierten Ästen weniger Licht zur Verfügung steht, neigen sie dazu, innerhalb kurzer Zeit absterben. Der Begriff Totholzproduktion bezeichnet die Totholzentwicklung als künstliche Maßnahme. Erfahrene Baumpfleger können erkennen, welche Äste noch eine Überlebenschance haben oder nicht. (Quelle: Arbolex®)

Fazit

Als Lösung können dem Baumpfleger einfache Vorgaben für die Einschätzung der Eingriffsstärke gegeben werden: Die Einkürzung von Ästen im Inneren der Krone führt wegen Lichtmangel zum Absterben der Äste. Deshalb sollten vor allem bei der Kronenpflege Äste bis Schwachast- bzw. Grobaststärke (unter fünf bzw. zehn Zentimeter Durchmesser) im Inneren der Krone entweder belassen oder ganz entfernt werden. Bei der Platane werden solche geschwächten Äste bevorzugt durch den Massaria-Pilz befallen und sterben ab. Zusätzlicher Aufwand und damit Kosten für den Baumeigentümer sind notwendig, unter Umständen kann das unbedachte Reduzieren von Ästen im Kroneninneren sogar zu einer Bruchgefahr führen. Ein gut ausgebildeter Baumpfleger kann einschätzen, bei welchen Ästen eine Einkürzung unvermeidbar ist.

Bei stärkeren Ästen ab zehn Zentimeter Durchmesser gelten andere Regeln: Äste über zehn Zentimeter sollten nicht ganz entfernt, sondern eingekürzt werden, um großflächige Wunden und damit Fäule direkt am Stamm zu vermeiden. Bei diesen Ästen ist es sinnvoller, das Risiko eines Absterbens zu tragen und falls notwendig nachzuschneiden.

 

Quelle: Begünstigung des Massariabefalls durch unbedachte Baumpflege (PDF)

 

Der Autor: Peter Klug, Diplom-Forstwirt und ö.b.v. Sachverständiger (73087)

 

Ergänzende Artikel rund um Krankheiten und Schädlinge auf dem Baumpflegeportal

Weiterbildungsmöglichkeiten zum Baumpfleger

Baumpflegeportal "Ihre Fragen: Die Frage"

Die Frage

Ich habe eine Frage zu Weiterbildungsmöglichkeiten zum Baumpfleger, Baumkletterer und ähnlichem: Gibt es in Deutschland oder Österreich die Möglichkeit, freiberuflich als Holzfäller, Baumpfleger oder ähnliches saisonal oder wochenweise zu arbeiten – quasi nebenberuflich? Ich suche dabei nicht nach einer zwei- bis dreijährigen Ausbildung, sondern nach einer kleineren, modulweise angelegten Fortbildung, die es mir ermöglicht, mit kleiner Zugangsbarriere zu arbeiten.

Mein beruflicher Hintergrund ist derzeit etwas ferner. Allerdings habe ich vor einigen Jahren Holzbildhauerei gelernt. Im Zuge dessen habe ich einen Motorsägenschein gemacht, inklusive Kurs zum Baumfällen (allerdings nur um circa eine Woche). Ich hoffe, Sie können mir weiterhelfen. Vielen Dank!

Baumpflegeportal "Ihre Fragen: Die Antwort"

Die Antwort

In der Baumpflege ist es häufig der Fall, dass ein Kletterer als Subunternehmer auf Baustellen von Arbeitsgemeinschaften oder Firmen mitarbeitet. Voraussetzung für das gewerbliche Klettern in der Baumpflege ist mindestens der SKT A Schein. Mit einer Motorsägenfachkunde (AS Baum I oder vergleichbare, fünftägige Ausbildung mit theoretischer und praktischer Prüfung) können Sie dann den SKT B Schein machen. Dazu kommt die Anforderung von 300 Kletterstunden, die Sie als „Erfahrung“ auflisten müssen. Mit dem B-Schein dürfen Sie dann auch die Motorsäge in der SKT (Seilklettertechnik, Baumklettern) gewerblich einsetzen.

Für das theoretische Wissen dient aus unserem Kursprogramm der FLL-Zertifizierte Baumkontrolleur, European Tree Worker und European Tree Technician. Zusätzlich lohnt sich auch die Weiterbildung durch unsere Zusatzkurse Rigging, PSA Sachkunde oder Fachkunde zur Absicherung einer Baustelle. Das genaue Programm, Voraussetzungen und Termine finden Sie auf unserer Homepage oder im aktuellen Kletterblatt – Kurszeitschrift Münchner Baumkletterschule.

Für die Recherche nach Fachfirmen oder Arbeitspartnern, die Sie kontaktieren können, empfehle ich Ihnen das Baumpflegeportal. Geben Sie einfach in der Suche Ihre Postleitzahl ein und schon werden Ihnen Fachfirmen und Baumpfleger in Ihrer Nähe aufgelistet.

 

Der Autor: Merlin Fuchs, Münchner Baumkletterschule

Bewerben Sie sich jetzt: Baumpflegepreis „Der Goldener Schnitt“

Der Goldene Schnitt 2017: Was sich Baumpflege nennt, ist nicht immer auch gute Baumpflege. Wir gehen für den guten Baumschnitt in die Offensive und loben für vorbildlich durchgeführte Baumschnitt-
Maßnahmen den Baumpflegepreis „Der Goldene Schnitt“ aus. 2017 wird der Preis bereits zum zweiten Mal im Rahmen der Deutschen Baumklettermeisterschaft verliehen. Zeigen Sie, dass Sie zu den Guten gehören und bewerben Sie sich jetzt!

Nähere Informationen zum Preis und zu den Teilnahme-Bedingungen

Eiche nordseitig ohne Äste: Was kann man tun?

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Die Frage

Ich habe eine schöne alte Eiche an einem Südhang stehen. Sie hat keine Äste mehr in Nordrichtung, obwohl dort keine weiteren Bäume in der Nähe stehen und verschatten könnten. Bedingt durch die Hanglage bekommt sie jedoch morgens erst recht spät Sonne. Das Problem ist, dass die Äste in Südrichtung alle sehr lang werden (über zehn Meter) und bei Sturm abbrechen. In Stammnähe gibt es auch keine Zugäste, aufdie ich diese abgebrochenen Äste schneiden könnte. Abgebrochene und abgestorbene Äste musste ich absägen. An den abgesägten Enden entstehen wieder Wassertriebe. Allerdings bekommen diese kaum Sonne, weil sie in Stammnähe sind und die anderen Äste so wahnsinnig lang. Meine Frage: Warum streben die Äste so extrem nach Süden? Wie mache ich dem Baum klar, dass er lieber mehr in die andere Richtung wachsen soll? Ich freue mich über Ihre Einschätzung.

Haben auch Sie alte Bäume auf Ihrem Grundstück, deren richtige Pflege Ihnen Kopfzerbrechen bereitet? Dann suchen Sie sich einen Baum-Profi bei uns auf dem Baumpflegeportal. Das ist ganz einfach: Geben Sie Ihre Postleitzahl in der Suche ein und schon finden Sie einen Fachmann ganz in Ihrer Nähe!

Bilder der Eiche am Südhang


Baumpflegeportal "Ihre Fragen: Die Antwort"

Die Antwort

Vielen Dank für die zugeschickten Bilder. Es ist leider schon schwierig genug, nur anhand von Bildmaterial seriöse Antworten zu liefern – ohne den Baum und sein Umfeld in Natura inspiziert zu haben. Noch schwieriger bis unmöglich wäre es jedoch, nur anhand einer Beschreibung Antworten zu liefern. Je weniger man greifbar hat, desto allgemeiner muss die Antwort ausfallen.

Fehlende Äste an der Nordseite

Zunächst ein paar Worte zu den fehlenden Ästen an der Hangseite (Norden). Grundsätzlich bildet ein Baum in alle Richtungen Äste aus. Bei Beschattung verkümmern diese. Keine Morgensonne, Hanglage, möglicher (nicht mehr vorhandener) Bewuchs und/oder abgesägte Äste: Das alles wirkt sich negativ aus. Auf den Bildern sind an der Rinde am Stamm die Stellen noch deutlich zu erkennen, an denen ursprünglich Äste waren. Die Ursachen für das Fehlen derselben? Wahrscheinlich abgesägt. Vielleicht, weil sie zu kümmerlich waren oder gestört haben. Wenn aber untere Äste erst einmal weg sind, wird es schwierig und an der Nordseite fast unmöglich, am Stamm wieder stärkere Äste heranzuziehen.

Bäume wachsen im Gleichgewicht

Grundsätzlich wachsen Bäume nicht unendlich in eine Richtung, sondern wachsen zwingend im Gleichgewicht. Müssen sie ja, sonst würden sie umfallen. Gleichgewicht heißt aber nicht, dass sie immer symmetrisch wachsen. Die Form wird bestimmt von vielen Faktoren wie zum Beispiel Licht, Knospenzahl, Stellung von Ästen innerhalb des Baums, Astlängen, Dicke der Äste oder Steilheit der Äste. Wenn Übergewicht droht, steuert der Baum dagegen. Dies gelingt ihm durch Ausbildung und Positionierung von Wurzeln oder durch Ausbildung von Zug- und Druckholz an geeigneten Stellen – um nur einige bekannte Mechanismen zu nennen. Brechen Äste ab, dann tun sie das aufgrund äußerer Spontan-Ereignisse, die das Gleichgewicht überfordert haben, zum Beispiel plötzliche hohe Wind- oder Schneelasten oder starker Fruchtbehang. Dem kann der Baum nicht schnell genug durch Wachstum entgegensteuern.

Unterstützende Schnittmaßnahmen

Sie können durch entsprechende Baumschnittmaßnahmen unterstützend eingreifen und den Sicherheitspuffer erhöhen, indem Sie entweder die äußere Blatt- und Astmasse verschlanken (Schlankschnitt ohne starke Reduzierung des Kronenumfangs) und damit den Hebel verringern – oder den Kronenumfang verkleinern (Höhenreduktion) und damit die Windangriffsfläche reduzieren, was die Windlast verringert. Allerdings ist die letztgenannte Methode oft nur mit starken Schnitteingriffen (Kappungen) verbunden. Deshalb würde ich zunächst versuchen, die schonendere Methode des Schlankschneidens zu prüfen, eventuell in Kombination mit Kronensicherungen. Kappungen bringen immer Folgeprobleme (Faulstellen und Bildung von schlecht verankerten Sekundärtrieben) mit sich.

Aber: Der Baumschnitt kann nicht auf einzelne Äste beschränkt werden, sondern muss die gesamte Krone umfassen. Wenn Sie beispielsweise im unteren Teil der Krone einen Ast zurücksetzen (wie Sie das bei den ausgebrochenen Ästen beschrieben haben), dann kann dieser Ast nicht mehr gleichberechtigt mit den Ästen darüber mithalten, weil er in der Hierarchie (Kampf um die Nährstoffe) nicht mehr mithalten kann. Er wird kümmerlich bleiben oder im schlimmsten Fall verkümmern und absterben. Will er in gleichem Maße wachsen wie die Äste über ihm, muss er länger sein als diese, dicker und mehr Knospen besitzen (sehr vereinfacht dargestellt).

Weil er aber nun nicht mehr länger und kräftiger ist, müsste man die Länge der Äste über ihm reduzieren, ebenso die dickeren Äste über ihm entfernen und die Knospenzahl der höherrangigen Äste reduzieren, um ihn in der Hierarchie wieder voran zu bringen. Das aber würde einer Verkrüppelung des Baums bedeuten. Das geht also auch nicht.

Mein Tipp

Ich würde versuchen, die oberen Äste (obere Baumkrone) so gut es geht im Längenwuchs zu bremsen, und die unteren Äste so gut es geht zu fördern. Dazu müssen alle Register gezogen werden, das heißt, alle Möglichkeiten, das Wuchspotential von Ästen zu beeinflussen, müssen genutzt und aufeinander abgestimmt werden: Lage der Äste, Stellung der Äste, Verzweigung, Winkel, Anzahl Knospen, Astdicke, Schnittzeit usw. Keine einfache und eine sehr langwierige Angelegenheit. In der Tat kann man durchaus den Baum durch gezielten und gekonnten Baumschnitt dazu bewegen, sein Wuchsverhalten den eigenen Wünschen anzupassen. Natürlich geht das nur bedingt und im Rahmen des baumtypisch Möglichen. Es ist jedoch mehr, als mancher glaubt.

Nicht möglich: Neue Äste am bereits kahlen Stamm

Leider muss ich Sie bezüglich des Wunsches enttäuschen, den Baum mehr nach Norden wachsen zu lassen. Zumindest im unteren Teil des kahlen Stamms wird es nicht mehr gelingen, Äste zu etablieren. Selbst wenn dort aufgrund von Maßnahmen neue Äste wachsen würden, so wären diese nur oberflächlich am Stamm angebunden und würden irgendwann aufgrund von Übergewicht ausbrechen. In meiner Anfangszeit als Baumschneider habe ich das mehrfach versucht, teilweise schöne Sekundärkronen herangezogen und musste immer wieder die gleiche Erfahrung machen: Astausbruch! Deshalb ist es so wichtig, Primäräste im unteren Kronenbereich zu erhalten, selbst wenn sie im Dickenwachstum mit den oberen Ästen nicht mithalten können. Diese Primäräste können zu einem späteren Zeitpunkt – besonders im hohen Baumalter – nochmals hilfreich und wichtig werden. Nämlich dann, wenn der Baum sich „zurückzieht“ und von oben her abstirbt.

Verkahlung ist ein natürlicher Prozess

Auf die Südseite fällt mehr Licht. Wachstum braucht Licht. Längenwachstum ist jedoch nur dann sehr ausgeprägt, wenn starke Konkurrenz durch andere Bäume oder andere Äste vorhanden ist. Ansonsten fördert Licht eher die Verzweigung und damit die Blattmasse. Das Längenwachstum ist dann nicht sehr ausgeprägt. Freistehende Bäume sind deshalb (im Verhältnis) nicht sehr hoch, sondern sehr verzweigt, gedrungen, breit und mit dichtem Blattwerk in der Kronenperipherie. Manche Bäume bilden in der Peripherie eine dichte Wand aus Blättern. Das heißt, sie lassen kaum Licht in das Kroneninnere, was die Zahl der Feinäste, Blätter und Knospen dort frühzeitig minimiert. Zurück bleiben kahle Starkäste. Andere Bäume sind von ihrem Wuchs her nicht darauf angelegt, Feinäste im älteren Holzbereich zu erhalten. Früher oder später verkahlen alle Bäume im älteren Holz. Buchen und Platanen eher, Eichen oder Linden später.

Deshalb kann man Eichen durch Schlankschnitt relativ einfach im Wuchs bremsen und das Wachstum im Kroneninneren oder in der unteren Krone fördern. Schnittmaßnahmen konzentrieren sich dafür zu neunzig Prozent auf das obere und äußere Kronendrittel (obere und äußere Peripherie). Trotzdem dauert es ein paar Jahre, bis Erfolge sichtbar werden. Schneller geht es mit Kronenreduktion im oberen Kronenbereich (Kappungen). Das wird aber teuer erkauft und kann nur die Ultima Ratio sein, wenn gar nichts mehr geht. Denn die Folgeschäden durch Kappungen sind immens und das Problem stellt sich in ein paar Jahren erneut – dann aber zusätzlich noch mit unstabilen neuen Starkästen und höherem Kontroll- und Pflegeaufwand aufgrund der Verkehrssicherheit.

Eiche nordseitig ohne Äste: Grafik 1

Ursprünglicher Ast mit starker Belaubung im vorderen Astbereich (Peripherie). Dadurch hohe Hebellast und Gefahr des Astausbruchs.


Eiche nordseitig ohne Äste: Grafik 2

Ast durch permanenten Schlankschnitt im vorderen Bereich (Peripherie) ausgedünnt. Dadurch Förderung der hinteren vorhandenen Triebe und Verzweigungen. Hebelmasse wird reduziert, trotzdem viele eigenständig schwingende Äste, die gefährliche Resonanzschwingungen reduzieren. Hebel wird verringert und Astlängenwuchs gebremst ohne Reduzierung des Kronenumfangs.


Eiche nordseitig ohne Äste: Grafik 3

Ast durch Kappung reduziert. Dadurch Reduzierung des Hebels. Starke Neutriebbildung im Bereich der Kappung. Wuchs nur im vorderen Teil. Nach ein paar Jahren deshalb wieder gleicher Zustand wie vorher. Hinzu kommt die unstabile Astanbindung der Sekundärtriebe an der Schnittstelle, an der sich die durch den Schnitt verursachte Fäule immer mehr ausbreitet.


 

Der Autor: Johannes Bilharz

 

Ergänzende Artikel des Autors rund um das Thema Baumschnitt und Schnittzeit:

Schneeschaden: Starkast an Quitte ausgebrochen

Baumpflegeportal "Ihre Fragen: Die Frage

Die Frage:

Durch einen Schnee-Einbruch mit sehr nassem Schnee im Oktober ist an meinem Quittenbaum (fünf Jahre alt, sehr gut tragend und gesund) ein starker Ast abgebrochen, der auch den Stamm entzwei gerissen hat. Weiterlesen

Ergänzung zu „Richtige Pflege eines alten Ginkgo“

Bei der Beantwortung zur Frage rund um „Baumschnitt: Richtige Pflege eines alten Ginkgo“ hat Johannes Bilharz am Ende einige Aspekte offen gelassen:

  1. Bezüglich Abschottungsverhalten von Ginkgo habe ich keine Informationen und Erfahrungen. Ich kann an dieser Stelle die Frage nur an die Baumpflege-Fachwelt weitergeben.
  2. Bei dieser Gelegenheit möchte ich Baumpflege-Betriebe oder Kommunen beziehungsweise Grünflächenämter ebenfalls fragen, ob meine Gedanken zu gefederten A-Baumstützen (umgekehrtes V, um auch seitliche Schwingungen abzufedern) neu sind oder schon irgendwo umgesetzt wurden. Wenn ja, welche Erfahrungen gibt es damit?

Unsere Baumexperten haben sich diesen offenen Punkten gewidmet und beantworten sie im Folgenden.

Antwort 1 von Björn Bauroth

Ich war eine Weile in Japan. Dort gibt es in jedem Tempel einen uralten Ginkgo: Die Bäume gelten als heilig. Sie werden zwar sehr stark zurückgeschnitten, zeigen aber ein gutes Abschottungsverhalten und sind zäh. Die nördlichen japanischen Inseln sind unserem Klima sehr ähnlich und so würde ich Parallelen zulassen:

Pflege: Die oberen Astpartien würde ich – so weit das optisch vertretbar ist – einkürzen und auslichten, um dann ein Nachtreiben des Baums in tieferen Regionen der Krone zu provozieren. Wenn das klappt, kann man dann in einigen Jahren die Krone weiter zurücknehmen und der Baum wird kompakter – ohne seinen Habitus vollständig aufgeben zu müssen.

A-Stützen wären eine Möglichkeit. Es geht aber vielleicht auch mit zwei Auffangsicherungen, die den Ast in zwei Richtungen halten. Die Entscheidung würde ich von Art und Zustand der Astanbindung am Stammkopf abhängig machen.

 

Der Autor: Björn Bauroth, Fachagrarwirt Baumpflege und Baumsanierung (PLZ 85354)

 

Antwort 2 von Gerhard Weyers

Johannes Bilharz hat meines Erachtens alles Wesentliche zur möglichen Behandlung des alten Ginkgos gesagt. Zu den offenen Fragen (Stützen) kann ich leider auch nichts sagen. Zum Schlankschnitt habe ich aber noch Ergänzungen zu den Arbeiten im Detail.

Wie Johannes Bilharz bereits erwähnt hat, ist es aus verschiedenen Gründen wichtig, beim Schnitt im Außenbereich nicht zu viele (potentielle) Blätter wegzuschneiden, da der Baum im Inneren ziemlich kahl ist. Den Hinweis („Eine knifflige, nicht ganz einfache Angelegenheit“), dass beim ersten Eingriff nicht zu stark verschlankt werden darf, kann ich nur unterstreichen. Entscheidend für die künftige Pflege (auf Dauer sollte der Baum im Außenbereich weiter verschlankt und teilweise eingekürzt werden) ist, dass sich weiter innen genügend Triebe neu bilden, so dass bei zukünftigen Eingriffen im Außenbereich die Äste nach dem Schnitt nicht verkahlt sind.

Für die Neubildung dieser künftigen Triebe sind zwei Punkte ausschlaggebend:

  1. Durch die Reduzierung der Knospenzahl und der wachsenden Triebspitzen wird die Aktivität der (ruhenden) Knospen in inneren Kronenbereichen verstärkt oder angestoßen (siehe auch Schlankschnitt). Dabei spielt es eine große Rolle, dass die Hemmung durch bestimmte Hormone aufgehoben wird.
  2. Eine Aufhebung der Hemmung oder die Aktivierung durch Hormone allein reicht oft nicht aus, um Knospen ausreichend zu aktivieren, der Baum muss auch hinsichtlich seines Vitalitätszustandes in der Lage dazu sein. Hier ist eine Anregung des Energiestoffwechsels eine entscheidende Grundvoraussetzung.
    Diese Anregung geschieht vorwiegend dadurch, dass dort, wo im Baum bereits Blätter vorhanden sind, mehr Assimilate gebildet werden als bisher. Das tritt ein, wenn die durchschnittliche Länge der Jahrestriebe beim Altbaum deutlich zunimmt. Diese Aussage gilt nicht für wüchsige Bäume, die bereits relativ lange Jahrestriebe (ca. 20 Zentimeter und mehr) aufweisen, sondern für Bäume mit geringem Zuwachs (0,1 bis 4 Zentimeter) – also bei Bäumen mit Tendenz zum Vergreisen.
    Beim Schnitt heißt dies konkret, dass besonders diejenigen Äste und Triebe verbleiben, welche ;die durch Schnitt verursachte Wuchsanregung schnell in zusätzlichen Neutrieb (Blattbildung) im Frühjahr umsetzen können. Man lässt also vorwiegend die steiler stehenden Äste/Triebe stehen und diejenigen, die gegenüber den umgebenden Ästen/Trieben längere Jahrestriebe aufweisen – zum Beispiel zwei Zentimeter Jahrestrieb, gegenüber nur einen halben Zentimeter Jahrestrieb.

Eine ausreichende Zahl wachsender Triebspitzen im Frühjahr und Frühsommer ist auch wichtig, um die Bildung vieler Total-Reiterate aus Adventivknospen zu vermeiden. Die Bildung vieler stark wachsender „Wasserreiser“ ist nicht nur wegen deren schlechten Verankerung und der daraus resultierende0n, statischen Probleme unerwünscht, sondern auch wegen der Belastung des Energiestoffwechsels des Baums bei deren Entstehung.

Für den Baumpfleger bedeutet dies, dass er fast ausschließlich ganz außen im Fein- und Feinstastbereich schneiden sollte. In dem Maße, wie sich weiter innen neue Triebe bilden, kann der Eingriff im Außenbereich stärker werden. Das bedeutet, dass man in der Regel drei bis sechs Jahre braucht, um die wichtigsten Pflegeziele am alten Baum zu erreichen. Die Bildung neuer Triebe im Inneren der Baumkrone tritt oft nicht im Frühjahr nach dem Schnitt ein, da die dazu notwendigen Veränderungen im Stoffwechsel (zum Beispiel Bildung von Assimilaten in ausreichender Menge) Zeit brauchen. Die verzögerte Wirkung eines Eingriffs sagt also nichts aus über dessen Qualität und Erfolg.

Die Wiederbegrünung im Inneren der Baumkrone in Kombination mit einer verstärkten Bildung von Assimilaten wirkt sich günstig auf die Wurzelbildung aus. Ein besseres Wurzelwachstum wiederum verbessert die Vitalität des Baums.

Vielleicht ist das Gesagte überflüssig, weil es für viele Baumpfleger möglicherweise selbstverständlich ist. Mir scheint aber gerade im vorliegenden Falle wichtig zu sein, dass es weniger darauf ankommt, dass etwas gemacht wird, sondern wie etwas gemacht wird. Die Ausführung im Detail entscheidet über den Erfolg der Maßnahme.

 

Der Autor: Gerhard Weyers, Baumpfleger (88696)

 

Antwort 3 von Frank Reinhold

Ich betreibe schon sehr lange Gartenpflege mit viel Herz. Ich würde auf jeden Fall den VOGT Geo Injector einsetzen zur Gesunderhaltung: Injizieren würde ich Bio-Algen.

 

Der Autor: Frank Reinhold, Gärtnermeister (PLZ 70825)

Bäume in der Nähe von Häusern: Wurzeln und Rohre

Baumpflegeportal "Ihre Fragen": Die FrageDie Frage: Wurzeln und Wasserrohre – Baum und Haus

Es geht um eine schön gewachsene Esche (um die 15 Jahre), die zwischen zwei Häusern steht. Einen Meter neben der Esche verläuft ein Abwasserrohr zwischen Haus und Baum. Meine Frage: Kann es Probleme durch das Wachstum der Pfahlwurzel für das Rohr geben, was daneben verläuft?

Ist es generell sinnvoll, einen raschwüchsigen Baum zweieinhalb Meter neben dem Haus wachsen zu lassen, weil er ab einer gewissen Größe nicht mehr so einfach zwischen zwei Häusern zu fällen ist?

Unabhängig wie ihr Rat ausfällt, habe ich mich entschlossen den Baum Zeit meines Lebens stehen zu lassen, wenn nichts Gravierendes dazwischen kommt.

Baumpflegeportal "Ihre Fragen": Die AntwortDie Antwort

Ihre Frage hat zwei Aspekte – zum einen das Wurzelwachstum, zum anderen der Abstand von Bäumen zu Häusern (oder Häusern zu Bäumen?).

Zum Wurzelwachstum

Eschen bilden laut Lehrbuch anfangs eine Pfahlwurzel aus. Oberflächlich entwickeln sich aber ebenfalls Hauptwurzeln, die ihrerseits Senkerwurzeln ins Erdreich schicken. Mehr Informationen dazu finden Sie in diesem Steckbrief zur Esche (PDF). Lehrbuch und Wirklichkeit können sich jedoch beträchtlich unterscheiden. Denn das Wurzelbild hängt sehr stark von den Bodenverhältnissen ab und Wurzelforschung ist äußerst mühsam. Deshalb wissen wir eigentlich noch recht wenig über die Systematik von Wurzelbildern. Soviel vorweg.

Wurzeln suchen Feuchtigkeit – vielleicht sollte man eher sagen, sie brauchen Feuchtigkeit. Das Abwasserrohr ist also zunächst nicht in Gefahr, solange es dicht ist. Anders sieht es aus, wenn das Rohr Risse hat. Dann werden Feinstwurzeln die Gunst der Stunde nutzen, wachsen ins Rohr hinein und breiten sich dort aus. Ein Eldorado, wenn das Abwasserrohr Nährstoffe und Feuchtigkeit bietet.

Wurzeln wachsen und werden von Jahr zu Jahr dicker. Sie sind auch in der Lage, Erdreich zu verdrängen. Fast jeder hat schon hochgewölbten Asphalt gesehen, der von Wurzeln angehoben wurde. Es kann also nicht ausgeschlossen werden, dass durch solcherlei Druck das Abwasserrohr irgendwann Schaden nimmt und Risse entstehen. In der Regel passiert das aber eher selten und die Wurzeln umwachsen das Rohr, das heißt, sie gehen den Weg des geringeren Widerstandes.

Zum Abstand zwischen Bäumen und Häusern

Ob man einen Baum, der sehr hoch werden und einen beträchtlichen Stammumfang ausbilden kann, zweieinhalb Meter neben einem Haus duldet, muss jeder für sich selbst entscheiden. Dem Haus schaden die Wurzeln eigentlich nicht, sofern das Mauerwerk keine Risse hat (siehe Erklärung oben). Wer Angst vor Laub hat, vor einer verstopften Dachrinne, wer keinen Schatten mag oder unbedingt Gemüse anpflanzen oder ein Blumenbeet anlegen möchte, der möge den Baum fällen. Wer aber wie Sie den Baum unbedingt so lange wie möglich erhalten möchte, für den habe ich eine gute Nachricht: Durch sinnvolle, begleitende Schnittmaßnahmen kann man den Baum friedvoll neben dem Haus wachsen lassen.

So wird der Baum zum fried-, stil- und vielleicht auch kunstvollen Hausbegleiter

Nehmen wir einmal an, Sie wohnen in einem normalen Einfamilienhaus. Bei zweieinhalb Meter Abstand macht es keinen Sinn, auf Hausseite unterhalb des Daches Äste zu erhalten. Bis die Krone aber über dem Dach ist, braucht es für das Baumwachstum Blätter (Assimilations-Fabriken) und die sind nun mal an Ästen bzw. Zweigen. Solange der Baum noch keine Endkrone aufgebaut hat, braucht es deshalb am ganzen Stamm Äste.

Passende Schnittmaßnahmen

Damit diese nicht zu dick werden, sorgt man durch fachgerechten Schnitt dafür, dass sie in der Wuchshierarchie untergeordnet werden. Dadurch bleiben sie im Verhältnis zum Stamm dünn und können später – wenn die Krone über dem Dach ausgebildet ist – entfernt werden, ohne große Schnittstellen zu hinterlassen. Denn große Schnittflächen würden auch große Faulhöhlungen am Stamm verursachen. Die Äste hält man dünn und schwach, indem man die natürliche Baumperipherie (imaginär) im unteren Stammbereich weiter innen hält. Das ähnelt dann eher einem Strauchschnitt: altes Holz rausschneiden und junge, dünne Äste lang und am Stamm belassen. So wird das Dickenwachstum des vom Stamm abgehenden Astes gebremst. Gleichzeitig verbleiben genügend Blätter, um das Dickenwachstum des Stammes und das Höhenwachstum zu unterstützen.

Vom Obstbaumschnitt abschauen

Wer sich das vor dem Schnitt einmal in Natura anschauen möchte, der gehe einfach auf eine alte Streuobstwiese. Hochstämmige Obstbäume werden vielfach nur unten geschnitten, weil man an die unteren Äste gut heran kommt. Oben wiederum ist der Schnitt sehr mühsam oder man kommt gar nicht an die Äste heran. Die Folge: Die unteren Astpartien bleiben dünn und mickrig und der Obstbaum bildet oben dickes Holz und einen Überbau. Unten bleiben die Äste also dünn, wohingegen sich in der oberen Krone dicke Äste etablieren. Eigentlich wünscht man sich bei Obstbäumen meist das Gegenteil: unten stabiles Astgerüst und oben offene Krone. Was beim Obstbaum unerwünscht ist, ist für Ihre Esche optimal. Das Ziel ist immer entscheidend dafür, welche Schnittmaßnahmen passend sind.

Richtiger Moment ist entscheidend

Die Äste in der oberen Krone werden möglichst nicht ausgelichtet, damit der „Kampf“ um die Spitze bleibt und der Baum munter nach oben drängt. Nur wenn sich zwei Stämmlinge nicht über die Vorherrschaft einigen können und sich bedrängen, sollte man einen davon heraus nehmen. Das darf aber einerseits nicht zu früh geschehen, damit das Breitenwachstum der Krone nicht zu früh einsetzt. Andererseits aber auch nicht zu spät, damit bei späterem Entfernen des Astes die Schnittstelle nicht zu groß wird (Faulstelle). Auch Astgabeln mit Druckzwiesel sollten vermieden werden. Gelernte Baumpfleger werden das sicherlich automatisch bei der Pflege im Auge haben und gegebenenfalls korrigieren.

Hausabgewandte Baumseite

Während auf der dem Haus zugewandten Baumseite das Dach die Höhe des finalen Kronenansatzes bestimmt, haben Sie auf der Haus abgewandten Seite die freie Wahl, in welcher Höhe der untere Kronenansatz sein soll. Ab der Höhe, wo die unteren Kronenäste beginnen sollen, ordnet man die Äste nicht mehr in der Wuchshierarchie unter, sondern lässt sie über den Kronenrand hinaus wachsen. Die Krone kann sich nun frei und baumtypisch entfalten.

Finaler Schnitt

Wenn die finale Baumkrone genug Blattmasse für das weitere Wachstum hat, wird die Blattmasse der stammnahen Äste unterhalb des gewünschten Kronenansatzes nicht mehr benötigt. Dann können diese Äste entfernt werden. Wurde alles richtig gemacht, sind diese temporären Äste dünn geblieben und hinterlassen beim Entfernen keine großen Schnittstellen am Stamm. Diese Astpartien entfernt man am besten im Sommer (Juli/August). Ungefähr ab Juli treiben keine neuen Äste mehr aus. Gleichzeitig verhindert man die Einlagerung von Reservestoffen. Diese würden um die Schnittstelle herum nur unnötig den Neuaustrieb im nächsten Frühjahr fördern.

Weitere Pflegemaßnahmen

Die weitere Pflege der Baumkrone beschränkt sich nun auf gelegentliches Auslichten und leichte Baumpflege-Eingriffe. Sobald die Krone die gewünschte Höhe erreicht hat, kann man das Kronenvolumen durch baumschonenden Schlankschnitt (natürlich und baumtypisches Auslaufen lassen im Feinastbereich) konstant halten. Auf keinen Fall durch Kappung versuchen, den Baum klein zu halten. Kappungen (Einkürzen der dickeren Äste durch Absägen mitten im Astverlauf) hinterlassen große Schnittflächen, die gefährliche Faulstellen provozieren. Wer keine Angst vor hohen Bäumen hat, lässt die Krone auf natürliche Weise weiterwachsen und beschränkt die Arbeit auf gelegentliche Kronenpflege durch einen mit Baumpflege vertrauten, erfahrenen Baumkletterer.

Sollte der Baum doch irgendwann einmal gefällt werden müssen, dann brauchen Sie sich keine Sorgen zu machen. Geübte Baumpfleger und Baumkletterer sind in der Lage, einen Baum kontrolliert Stück für Stück so abzubauen, dass kein Schaden entsteht. Wenn Sie das wünschen, können gute Baumpfleger und Baumkletterer den Baum sogar so schonend fällen, dass nicht einmal die Grashalme unter dem Baum geknickt werden oder Gartenzwerge weichen müssen. Lediglich der Aufwand wird durch solche Ansprüche höher und damit die Dienstleistung teurer.

Viel Freude mit Ihrem Baum. Auf ein langes Baumleben!

Der Autor: Johannes Bilharz

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Gefährlicher Baumpilz: Der Hallimasch

Der Hallimasch (Armillaria spp.) zählt zu den bekanntesten Baumpilzen. In Mitteleuropa gibt es sieben bis acht verschiedene Arten, die sich hinsichtlich Verbreitung, Wirtspflanzen und Aggresivität differenzieren. Die Arten lassen sich nur sehr schwer unterscheiden, weshalb man früher von nur einer Art ausging. Am gefährlichsten sind der Honiggelbe (Armillaria mellea) und der Dunkle Hallimasch (Armillaria ostoyae), die zu den Holz zersetzenden Pilzen zählen. Erst genannter befällt vor allem Laubbäume, der zweite Nadelbäume.

Unterscheidung durch Sporenpulver

Hallimasch: Fruchtkörper

Die Fruchtkörper, also die oberirdischen sichtbaren Teile des Pilzes, treten meist im Herbst und oft in Gruppen am Stamm oder Stammfuß auf. Der Hut ist etwa vier bis zehn Zentimeter breit, hat die Form eines stumpfen Kegels und kann später eingedellt sein. Die Hutoberseite hat meist dunkle, abwischbare Schuppen. Das Sporenpulver ist weiß. Der Stiel ist drei bis zwanzig Zentimeter lang, einen halben bis mehrere Zentimter dick und hat einen deutlichen häutigen Ring, der später aber auch verschwinden kann. Durch diese Merkmale lässt sich der Hallimasch gut von den zunächst ähnlich aussehenden Schüpplingen (Pholiota spp.) unterscheiden. Bei ihnen sind die Schuppen nicht abwischbar, das Sporenpulver ist dunkel und die Ringzone undeutlich. Um die Farbe des Sporenpulvers zu bestimmen, einfach den Hut unter ein Glas auf ein weißes Blatt Papier legen. Nach etwa einem halben Tag ist die Farbe zu erkennen.

Sind Sie sich nicht sicher, ob Ihr Baum vom Hallimasch befallen ist? Dann lassen Sie Ihren Baum sicherheitshalber von einem Fachmann kontrollieren. Denn ein Hallimasch-Befall kann zu ernsten Baumschäden führen. Im Gebiet München, Allgäu, Bodensee hilft Ihnen der Autor Philipp Lehner vom Sachverständigenbüro Baumsicht gerne weiter. Sonst finden Sie auf dem Baumpflegeportal deutschlandweit Baumsachverständige. Einfach Ihren Standort in der Suchleiste eingeben.

Hallimasch: Rhizomorphen

Größtes Lebewesen der Erde

Der Hallimasch gilt als das größte Lebewesen der Erde. In den USA gibt es ein Exemplar, dass sich auf einer Fläche von neun Quadratkilometern erstreckt und 600 Tonnen wiegen soll. Möglich macht dies das Myzel des Hallimasches, der unterirdische und weit verzweigte Teil des Pilzes. Dieses Myzel verdickt sich zu Strängen, die Rhizomorphen genannt werden. Sie sind dunkelbraun bis schwarz, sehen Wurzeln ähnlich und dienen wie diese ebenfalls zum Stoffwechsel und -transport.

Hallimasch als Kambiumkiller

Hallimasch: Myzel unter Rinde

Der Pilz kann durch Wunden, aber auch mit feinen Rhizomorphen durch die Wurzelrinde des Baums eindringen und diesen infizieren. Der Hallimasch tötet das Kambium des Baums, also das teilungsfähige Gewebe zwischen Rinde und Holz und wird deshalb auch als Kambiumkiller bezeichnet. Bei befallenen Bäumen kann man nach Ablösung der Rinde flächiges helles Myzel finden, das sogar im Dunkeln schwach leuchten kann. Später können auch Rhizomorphen auftreten. Über Wurzelverwachsungen können sich Hallimasche weiter zu anderen Gehölzen ausbreiten. Die Bäume zeigen Welkeerscheinungen, der Wuchs lässt nach und es kommt zum Absterben des Baumes, wobei dies je nach Vitalität des Baums und Aggressivität des Pilzes schneller oder langsamer geschieht. Der Pilz kann auch eine Weißfäule im Kern verursachen. Der Baum wird dann bruchgefährdet.

Schwache Bäume werden befallen

Hallimasch: Weißfäule

Meist werden nur bereits geschwächte Bäume befallen, die zum Beispiel unter Trockenstress oder ähnlichen Faktoren leiden. Der Hallimasch ist auch bei der Zersetzung von Stubben beteiligt und kann dort Jahre überdauern. Ist ein Baum befallen, sollte dieser inklusive Wurzelstock gerodet werden, um eine weitere Ausbreitung zu verhindern. Im urbanen Bereich sind Fällungen bei Einschränkung der Verkehrssicherheit nötig, wobei gut abschottende Baumarten den Befall meist eingrenzen können. Zudem sollte das Baumumfeld hinsichtlich Ansteckungsgefahr und potenzieller Wirtsbäume bei der Fällentscheidung berücksichtigt werden.

Ist Hallimasch essbar? Gut kochen!

Im rohen Zustand sind Hallimasche giftig. Auch nach mehrmaligem Abkochen und Braten werden sie aber nicht von jedem vertragen. Es wird unter anderem von abführender Wirkung gesprochen, weshalb vermutet wird, dass der Name Hallimasch auf Heil/Hall-im-A… zurück zu führen ist.

 

Der Autor: Philipp Lehner – Baumsicht, Baumsachverständiger (PLZ 87634)

 

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