Die Frage:

Schadet ein gemauertes Hochbeet einem Baum?

Die beste Zeit, um Hochbeete aufzustellen ist der Spätherbst oder das zeitige Frühjahr. In diesen besonderen Beeten bauen Gärtner Gemüse oder Kräuter an. Hochbeete gibt es in verschiedenen Hölzern und Ausführungen, sodass manche Gärtner Hochbeete als dekoratives Element nutzen. Hochbeete um Bäume gehört zu dekorativen Ideen. Schaden Hochbeete um einen Baum?

User fragen Baumpfleger

Ich habe um den Stamm eines Ahorns ein Blumenhochbeet angelegt. Meine Frage deshalb: Schadet die feuchte Erde dem Stamm? Soll ich das Hochbeet gegen den Stamm abschirmen? Da das Hochbeet im Moment nur mit einem Drahtgeflecht und Folie befestigt ist, möchte ich außerdem eine Steinmauer bauen. Schadet das Gewicht der Steinmauer den Wurzeln des Ahorns?

Die Antwort:

Auffüllung des Wurzelraumes kritisch

Baumpfleger antworten Usern

Zur genauen Beantwortung der Frage fehlen mir leider einige Informationen. Prinzipiell kann ich aber schon ein paar Hinweise geben. Eine Auffüllung des Wurzelraumes mit Erde ist für Bäume immer kritisch. Das Hochbeet hat nicht nur direkten Einfluss auf den Stamm, sondern auch auf die Wurzeln.

Welche Art von Wurzeln liegen unter dem Hochbeet?

Bei den Wurzeln, die vom Hochbeet überdeckt werden, ist zu unterscheiden, ob es sich um ältere Wurzeln handelt, die hauptsächlich für die Statik des Baumes, den Stofftransport (Wasser und Nährstoffe) und die Speicherung von Reservestoffen verantwortlich sind, oder um Faserwurzeln. Nur Letztere sind in der Lage, Wasser und Nährstoffe aufzunehmen. Sie müssen ständig neu gebildet werden und sind oft nur wenige Tage oder Wochen aktiv. Sie sind aber für das Wohl des Baumes unerlässlich. Sie befinden sich hauptsächlich in der äußeren Wurzelzone und wachsen ähnlich der Baumkrone immer weiter nach außen vom Stamm weg. Diese Wurzeln brauchen unbedingt Sauerstoff.

gemauertes Hochbeet um einen Ahorn
140725-Gemauertes-Hochbeet-um-einen-Ahorn

Bekommen die Wurzeln genug Sauerstoff?

Wird die Sauerstoffversorgung der Faserwurzeln durch das Hochbeet bzw. durch zu hohe Erdaufschichtung eingeschränkt, ist das für den Baum nicht unbedingt zuträglich. Beim Hochbeet sollte das aber nicht allzu problematisch sein, weil die Erde sicherlich sehr locker angehäuft wird und nicht verdichtet ist. Anders bei der Steinmauer. Eine Steinmauer verdichtet den Boden und mindert dadurch den Sauerstoffgehalt. Da die Mauer sicherlich nicht sehr breit sein wird, sehe ich das Problem aber auch nicht als sehr groß an. Sind die Wurzeln schon über die Fläche des Hochbeetes oder der Steinmauer hinausgewachsen, dürfte es sowieso kein großes Problem darstellen, sofern die Bodenbedingungen jenseits des Hochbeetes bzw. der Mauer besser sind.

Die Empfindlichkeit bezüglich Bodenverdichtung hängt stark von der Baumart ab. Buche ist z. B. sehr empfindlich gegenüber einer Bodenüberfüllung. Andere Baumarten weniger. Ich weiß allerdings nicht, wie empfindlich Ahorne sind.

Erdanhäufung um den Stamm

Ein weiteres Problem ist die Anhäufung der Erde am Stamm. Das indirekte Vergraben des Stammes durch das Hochbeet ist sicherlich nicht von Vorteil für den Ahorn. Auch der Stamm hat über die Rinde eine Verbindung mit der Luft. Diese würde durch Anhäufung des Stammes mit Erde gemindert werden. Das feuchtnasse Kleinklima zwischen Erde und Stamm wäre außerdem ein guter Nährboden für Schadpilze.

Manche Pflanzen reagieren bei Erdanhäufung mit der Bildung von Wurzeln aus dem Stamm heraus. Das passiert oft bei veredelten Apfel- oder Birnbäumen, wenn sie zu tief gepflanzt wurden, d. h. wenn die Veredlungsstelle mit Erde überdeckt wurde. Manch einer wundert sich dann, dass ein ehemals schwachwachsender Baum plötzlich starkes Wachstum zeigt. Dies rührt daher, dass Obstbäume oft auf schwachwachsende Wurzeln (Unterlagen) veredelt werden. Treibt der Baum oberhalb der Veredlungsstelle am Stamm neue Wurzeln aus, dann stirbt die veredelte, schwachwachsende Wurzel ab und der sortentypische, stärkere Wuchs der veredelten Sorte kommt zum Tragen.

Ob Ahorn-Arten am Stamm Wurzel austreiben können, vermag ich nicht zu sagen. Es liegen mir dafür keine Erfahrungswerte vor und ich kenne auch keine Informationsquelle dazu. Wenn Sie experimentierfreudig sind, probieren Sie es aus und teilen uns das Ergebnis mit. Sie helfen mir und anderen mit praktischen Beispielen, das theoretische Wissen zu erweitern. Auch wir Fachleute sind darauf angewiesen, aus der Praxis zu lernen. Wir sammeln Informationen und können daraus Schlussfolgerungen ziehen, die dann wieder allen zur Verfügung gestellt werden können.

Der Autor: Johannes Bilharz

Anschlussfrage zum Artikel:

Überfüllung des Wurzelbereichs bei einem Ahorn

Wirkt sich eine Überfüllung des Wurzelbereichs bei Ahorn stark aus? Mit welchen Schädigungen sind bei einer Überfüllung von 20 bis 30 Zentimeter zu rechnen? Eine Seite des Wurzelbereichs wird mit einer wassergebundenen Wegedecke bebaut.

Antwort Baumsachverständiger Udo Kaller

Wesentliche Beeinträchtigungen ab 10 Zentimetern

Ahorne sind mittelmäßig empfindlich bei Überfüllung (abhängig vom Substrat). Bei einer Überfüllung ab zehn Zentimeter ist aber mit wesentlichen Beeinträchtigungen zu rechnen, was sehr baumschädlich sein kann: Einerseits werden so die Lentizellen (= Atemöffnungen für die Holzstrahlen mit wichtigen Parenchymzellen) am Stammfuß verschlossen. Andererseits der Wurzelraum verdichtet, was das Absterben erheblicher Wurzelmengen zur Folge haben kann.

Der Autor: Baumsachverständiger Udo Kaller (PLZ 89358)

Antwort Pascal Schmitt

Junge Bäume stärker gefährdet

Eine 25 Jahre alte Zeder, welche seit zehn Jahren überschüttet war (Pflanzbeet 30 Zentimeter über den Wurzelanläufen), hatte innerhalb von zwei Jahren einen Nadelverlust von über 50 Prozent aufzuweisen. Dagegen beobachtete ich ca. 150 Jahre alte Eichen, welche seit 50 Jahren überschüttet sind (Pflanzbeet einen Meter darüber) mit nur geringen Vitalitätseinbußen (schüttere Krone). Dementsprechend denke ich, dass besonders Bäume in der Jung- und Reifephase schnell durch Überschüttungen geschädigt werden können.

Bäume in der Alterungsphase haben entsprechend ihres höheren Reservatehaushalts bessere Karten, bekommen jedoch trotzdem Schäden im Bereich von mehreren Dekaden.

Ich rate von jeglicher Art von Überschüttung ab – wenn es nicht anders geht, denke ich, dass es evtl. eine Möglichkeit gibt, die Schäden durch ein möglichst luftdurchlässiges Substrat im Zaum zu halten, jedoch wäre dies ein Experiment.

Der Autor: Pascal Schmitt, Baumpflege & Diagnose (PLZ 65346)

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