Drei Piktogramme eines Baumes

Das andere Ende des Baumes

Mit einer kräftigen Wurzel von Grund auf fit

Die Baumwurzeln fristen im wahrsten Sinne des Wortes ein Schattendasein. Dabei sind sie für die Gesundheit und Vitalität des Baumes überaus wichtig. Schließlich muss auch ein Baum permanent ernährt werden und hat Durst. Die Hauptmasse des Baumes, der Kohlenstoff, mag aus der Luft kommen, aber Wasser und Mineralstoffe kommen zum größten Teil aus dem Boden. Um diese aufzunehmen, braucht der Baum Wurzeln. Das lernt jeder schon früh in der Schule, im Alltag wird es aber schnell wieder vergessen.

Wunderwerk Wurzel

Wenn wir von Wurzeln sprechen, meinen wir meist die dicken, aus dem Boden hervortretenden Wurzelarme. Die Wurzeln, die dem Wanderpfad den natürlichen Charakter verleihen, Asphalt oder Gehwegplatten anheben und zu Stolperfallen werden oder kunstvoll alte Tempel und Ruinen umranken. Sie bilden das Gerüst, ähnlich dem Stamm und den starken Ästen. Sie sorgen für die Standsicherheit von Bäumen. Für die Ernährung des Baumes sind sie aber eher unwichtig. Dafür und um Baum gesund zu erhalten, sind ausschließlich die jungen, kurzlebigen Feinwurzeln zuständig. Sie müssen ständig neu gebildet werden und brauchen einen gesunden, unverdichteten Boden. In Gärten und Parks haben Feinwurzeln meist gute Bedingungen. Im städtischen Umfeld ist Bodenfläche jedoch rar. Die Baumkrone darf zwar den Luftraum einnehmen, zumindest zweineinhalb Meter aufwärts auf Gehwegen oder viereinhalb Meter aufwärts an Straßen. Aber auf der Bodenfläche rund um den Stamm herrscht große Konkurrenz. Parkplatz, Straße, Gehweg, Abstellplätze und Abgrabungen engen den Wurzelraum ein und verdichten ihn.

Zwölf Tipps für ein solides Fundament

Dauerhafte Gehölzpflanzungen benötigen wie Bauwerke solide Fundamente. Die Kenntnis über die natürlichen Verhältnisse hilft nicht nur langlebige und vitale Baumbestände zu realisieren, sondern auch möglichen Konflikten zwischen Wurzeln und städtebaulichen Elementen vorzubeugen. Qualifizierte Sachverständige stehen Ihnen dabei beratend zur Seite – von der Planung bis zur Unterhaltung der Pflanzungen.

Planen

Tipp 1:
Der richtige Baum am richtigen Platz

Verschiedene Baumarten haben unterschiedliche Ansprüche. Das gilt auch für ihre Wurzeln. Einige tolerieren Trockenheit besser als andere, manche benötigen stets frische Böden und wiederum andere meiden saure oder basische Substrate. Die Bodeneigenschaften im Baumumfeld beeinflussen die Ausbreitung der Wurzeln maßgeblich. Daher muss die Umgebung des Baumes ein Teil des Planungskonzeptes sein.

Piktogramm eines Baumes

Planen

Tipp 2:
Kronenvolumen und Wurzelmasse

Kronenvolumen und Wurzelmasse stehen in einem ausgewogenen und dynamischen Verhältnis zueinander. Große Kronen müssen daher von entsprechend großen Wurzelsystemen versorgt werden. Die Ausbreitungsmöglichkeiten für Wurzeln sind in urbanen Bereichen oftmals stark eingeschränkt. Ein ausreichendes Volumen an durchwurzelbarem Substrat muss daher in die Planung einbezogen werden.

Piktogramm eines Baumes

Planen

Tipp 3:
Ein Baum verändert sich

Bäume wachsen von ihrer Basis zur Peripherie in die Dicke. Das Längenwachstum eilt der Erweiterung des Umfangs jedoch stets voraus. Gleiches gilt auch für die Wurzeln der Gehölze. Eine Folge davon können die erst in späteren Jahren auftretenden Wurzelanläufe sein. „Mitwachsende“ Abdeckungen für Baumscheiben müssen daher bereits in der Planungsphase berücksichtigt werden.

Piktogramm eines Baumes

Planen

Tipp 4:
Entwicklung von Wurzelsystemen

Die Ausbildung eines bestimmten Wurzelwerkes ist genetisch vorgegeben. Diese Veranlagung kann jedoch durch die Umweltbedingungen am jeweiligen Standort überlagert werden. Die Versiegelung des Baumumfeldes hat vielfältige negative Auswirkungen. Durch diese Barrieren werden auch die Entwicklungsmöglichkeiten von Wurzelsystemen oft stark eingeschränkt.

Piktogramm eines Baumes

Bauen

Tipp 5:
Bodenverdichtungen vermeiden

Bäume reagieren empfindlich auf spontane Veränderungen ihres Standortes. Insbesondere Bodenverdichtungen führen in aller Regel zu nachteiligen Entwicklungen im Wurzelbereich. Schon bei der Neuanlage sollte die Verdichtung des Substrates im zukünftigen Wurzelraum unbedingt vermieden werden. Durch Bohlen, Platten oder geeignete Schüttgüter lassen sich Punktlasten breitflächig verteilen und somit die Gefahren von Verdichtungen minimieren.

Piktogramm eines Baumes

Bauen

Tipp 6:
Vorbereitung des Baumstandortes

Vor dem Einsetzen des jungen Baumes müssen die Ränder der Pflanzgrube aufgeraut werden, so dass das einzufüllende Substrat mit dem anstehenden Boden verzahnt. Dies erleichtert die Ausbreitung der sich entwickelnden Wurzeln und beugt dem „Blumentopfeffekt“ vor. Die wichtige Belüftung und Bewässerung des Wurzelraumes kann einfach und effizient über an den jeweiligen Standort angepasste Systeme realisiert werden.

Piktogramm eines Baumes

Bauen

Tipp 7:
Wurzelschutz

Trotz wirtschaftlichen Druckes muss die Leitungsverlegung in einem Altbaumbestand, insbesondere im Nahbereich von Bäumen, in Handschachtung oder grabungsloser Technik erfolgen. Der Erhalt von Starkwurzeln, die den Leitungsgraben kreuzen, verhindert Beeinträchtigungen der Standsicherheit und beugt möglichen negativen Entwicklungen vor, welche durch Pathogene ausgelöst werden können, die über Verletzungen Zugang in die Gehölze finden.

Piktogramm eines Baumes

Bauen

Tipp 8:
Baumschutz

Die lokale Baumschutzsatzung kann als erster Leitfaden beim richtigen Umgang mit den Bäumen dienen. Die Einhaltung von Regelwerken schützt nicht nur die Bäume – auch die Ausführenden sind im Zweifelsfall abgesichert. Die Hinweise der folgenden Standards, jeweils in aktueller Fassung, müssen beachtet werden: DIN 18920, RAS-LP 4, DWA-M 162, FLL „Empfehlungen für Baumpflanzungen“ Teil 1 und Teil 2 sowie die ZTV-Baumpflege.

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Unterhalten

Tipp 9:
Regelmäßiges Wässern

Wasser ist für Bäume unentbehrlich – Trockenstress ist unbedingt zu vermeiden. Durch die Bedingungen am Stadtstandort sind die natürlichen Abwehrkräfte der Gehölze oftmals geschwächt. Das regelmäßige Wässern der Bäume gehört daher unmittelbar nach der Pflanzung, und bei weiterem Bedarf, zu den wichtigsten Unterhaltungsmaßnahmen.

Piktogramm eines Baumes

Unterhalten

Tipp 10:
Standortverbesserung/-sanierung

Wurzeln brauchen Sauerstoff, um sich zu entwickeln. Eine gute Durchlüftung des Bodens ist daher, neben einem ausreichenden Wasserangebot, unerlässlich für ein gesundes Baumwachstum. Die Optimierung des Gasaustausches fördert die Ausbildung von Feinwurzeln, welche Wasser und Nährelemente aufnehmen.

Piktogramm eines Baumes

Unterhalten

Tipp 11:
Erweiterung des Baumstandortes

Durch die Entsiegelung des Baumumfeldes bzw. den Ersatz von undurchlässigen Belägen gegen durchlässige Varianten können Baumstandorte nachträglich optimiert werden. Solche Maßnahmen verbessern die Standortbedingungen unmittelbar, so dass auf diese Weise auch eine Erweiterung des durchwurzelbaren Bodenvolumens ermöglicht wird.

Piktogramm eines Baumes

Unterhalten

Tipp 12:
Fachgerechte Fürsorge

Um sich an naturfernen Standorten behaupten zu können, bedürfen Stadt- und Straßenbäume unserer Fürsorge. Nur dann können Baumpflanzungen die hohen an sie gestellten Anforderungen erfüllen. Die Ausführung von entsprechenden Maßnahmen sollte im Interesse der Menschen und zum Wohl der Bäume stets fachgerecht erfolgen.

Piktogramm eines Baumes

Alle Infos als praktisches Wurzelposter

Wir müssen uns entscheiden. Gesunde Bäume benötigen ein geeignetes Baumumfeld. Dr. Markus Streckenbach, Sachverständiger für urbane Vegetation, und Klaus Schröder, Sachverständiger für Bäume, haben sich dem Thema Baumumfeld und Baumwurzel gewidmet und 2014 ein Poster erstellt, um darauf aufmerksam zu machen. Sie geben Tipps und schaffen Verständnis für „Das andere Ende des Baumes“. So lautet auch der Titel des Posters, das sie kostenlos zur Weitergabe zur Verfügung stellen (wichtige Hinweise zur Verwendung des Wurzelposters als PDF zum Download). Das Wurzelposter gibt einen Überblick darüber, was für ein solides Fundament und stabile Wurzeln zu beachten ist, von der Planung über die Pflanzung bis hin zur Unterhaltung eines Baumes.

Diese Informationen werden Ihnen zur Verfügung gestellt von:

Sachverständigenbüro für urbane Vegetation
Dipl.-Biol. Dr. Markus Streckenbach

In Kooperation mit:

Sachverstand für Bäume
Dipl.-Ing. Klaus Schröder

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