Die Frage:

Alter Kirschbaum schwächelt: Monilia-Befall?

User fragen Baumpfleger

Ein alter Kirschbaum schwächelte in den letzten zwei Jahren schon etwas geschwächelt. Dieses Jahr blühte er nochmal richtig voll. Danach ist alles verwelkt. Ganz vereinzelt sind jetzt ein paar einzelne Triebe und Blätter ausgetrieben. Aber im Prinzip ist er total kahl.

  • Mein Verdacht: Monilia-Befall
  • Meine Diagnose: Der Baum ist hinüber, da nicht mehr viel gesundes Holz übrig bleibt.
  • Meine Maßnahme: Ich würde ihn fällen.

Was sagt der Experte des Baumpflegeportals aus der Ferne dazu? Einen Tipp, um den baum vielleicht noch zu retten?

Die Antwort:

Richtiger Verdacht - wenig Chancen

Baumpfleger antworten Usern

Der Verdacht könnte stimmen. Monilia ist naheliegend. Es ist natürlich nicht ganz seriös, lediglich vom Bild her Diagnosen zu erstellen, weil es gerade auch bei einem alten Baum viele Vorschäden gibt und sich viele Schadensursachen überlagern können. Bei Kirsche liegt man bei diesen Symptomen aber zu 90 % richtig mit Monilia (Absterben der jungen Äste nach der Blüte = Spitzendürre). Aber dass gleich ein ganzer Baum abstirbt, das könnte auch auf ein Bakterium aus der Gattung Pseudomonas hindeuten. Die Symptome sind vielfältig und oft unspezifisch (wie bei vielen Krankheiten). Wenn es wichtig wäre, müsste man beim Pflanzenschutzamt lebende Ast-Proben einsenden, damit man den Pilz oder das Bakterium bestimmen kann.

Diagnose richtig

Der Baum ist fast hinüber. Die Blattmasse reicht nicht aus, um den Baum mittelfristig am Leben zu erhalten. Dem Baum geht spätestens die Luft aus, wenn es gilt, Reservestoffe im Winter einzulagern. Er steht dem Winter dann ungeschützt gegenüber (ohne Reservestoffe keine Frosthärte). Die paar verbliebenen Blätter werden es nicht schaffen, genug Assimilate zu produzieren, um Zuwachs (Längen- und Dickenzuwachs), Abwehrreaktionen und Reservestoffeinlagerungen zu gewährleisten. Die Überlebenschance ist sehr gering.

Der Experten-Rat

Fällen oder zu einem Totholzbiotop machen (was in Haus-Gärten sicherlich nicht sehr viel Anklang finden wird). Einen meiner eigenen Bäume (Sauerkirsche, 30 Jahre) hat in diesem Jahr das gleiche Schicksal ereilt. Möglicherweise waren in diesem Jahr durch den milden Winter die Bedingungen für den Pilz optimal, was einen hohen Infektions- und Befallsdruck ausgelöst und den vorgeschwächten und (für Sauerkirsche) alten Baum danieder gestreckt hat. Der Winter könnte auch für Bakterien optimal gewesen sein: feuchte Witterung ohne nennenswerte langanhaltende Fröste.

Monilia vorbeugen

Gegen einen Monilia-Befall gibt es wenige Hilfsmaßnahmen, wenn man sich nicht in das Studium der chemischen Pflanzenbekämpfung vertiefen möchte. Kein Winterschnitt, damit die Wundabschottung zügig erfolgen kann, auf der anderen Seite aber auch kein Schnitt außerhalb des Winters, weil jeder noch so kleine Schnitt offene Eintrittspforten schafft. Da selbst Blüten oder Blattnarben oder sogar die Atemöffnungen auf dem Blatt oder der Rinde und jeder Rindenriss eine Eintrittspforte sein kann, sind die Möglichkeiten sehr begrenzt. Sortenwahl, Standortpflege oder Düngung können vorbeugend mit einbezogen werden. Am Ende ist es aber doch nur eine Einzelpflanze, die vielfach geklont ist. Erreger haben es somit leicht. Haben sie eine Pflanze geknackt, haben sie alle geknackt. Für eine Einzelpflanze im Garten ist der Aufwand, alle Probleme von der Pflanze fern zu halten, fast unmöglich. Die Baumschule freut sich, ab und zu mal wieder eine neue Pflanze zu verkaufen und vielleicht freut sich auch der Gartenliebhaber, mal wieder etwas Neues ausprobieren zu können.

Der Autor: Johannes Bilharz

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