Cryptomstroma corticale: Rußrindenkrankheit an Ahorn

Rußrindenkrankheit: Aufgeplatze Rinde eines Ahorns mit schwarzem Sporenbelag auf dem Stamm dahinter
P. Robeck

Die Rußrindenkrankheit bedroht eine wichtige heimische Baumart, den Ahorn. Drei Arten der Gattung Acer sind bei uns bekannt. Der Spitz-Ahorn, der Feld-Ahorn und der Berg-Ahorn. Leider ist die Krankheit in letzter Zeit häufiger an den Ahorn-Arten aufgetreten. Gerade der Berg-Ahorn ist von der Rußrindenkrankheit betroffen, die für den Menschen gefährlich werden kann. Ausgelöst durch den Pilz Cryptomstroma corticale, einem Schwächeparasiten, führt die Krankheit über Jahre langsam zum Baumtod.

Herkunft der Pilzerkrankung

Bereits 1889 trat die Rußrindenkrankheit in Nordamerika auf. Bis sie sich nach Europa ausbreitete, vergingen gerade mal fünfzig Jahre. Die ersten Nachweise kamen 1945 aus England. Von London aus breitete sich der Pilz ab dem ersten heißen Sommer 1976 schlagartig in den Süden aus. Nach dem Dürre-Sommer 2003 mehrten sich die Funde und auch in Mitteleuropa gab es erste Fälle. Erst seit 2015 mit den zunehmend heißen und trockenen Sommern, sind ganze Wälder in Deutschland betroffen und die Zahl der gefällten Bäume steigt von Jahr zu Jahr an.

Trockene Sommer fördern die Rußrindenkrankheit

Forscher fanden durch Experimente an stehenden Ahornbäumen heraus, dass der Pilz jahrelang im Baum verharren kann. Erst, wenn die Bedingungen für ihn optimal sind, schlägt er zu. Dadurch kommt es in manchen Jahren zu Massenbefall und in manchen Jahren tritt der Pilz gar nicht auf. Die zunehmenden heißen Sommer mit langen Trockenzeiten begünstigen die Infektion. Der durch Wassermangel geschwächte Baum bietet dem Pilz leichtes Spiel. An trockenen Tagen weht der Wind die zahlreichen Sporen vom Stamm. Der nächste Regenschauer wäscht die Sporen aus der Luft aus und schwemmt sie mit Glück an einen noch gesunden Ahorn-Stamm. Dort wartet der Pilz geduldig, bis seine Zeit gekommen ist. Gerade in Wäldern mit einem hohen Ahorn-Anteil, sowie in Alleen oder städtischen Parks und Gärten breitet sich der Pilz durch die geringen Abstände zwischen den Bäumen schnell aus.

Betroffene Ahornarten

Besonders betroffen von der Rußrindenkrankheit sind Bergahorn, Spitzahorn, Feldahorn und Silberahorn. Gartenbesitzer haben Glück, bisher ist noch kein Befall der japanischen Zierahornbäumchen bekannt. Sie sind wahrscheinlich gegen den Pilz immun.

Schadbild der Ahornkrankheit

Erste Krankheitsanzeichen an den Bäumen sind welke Kronenteile. Typisch für den Verlauf sind Schleimflussflecken am Stamm und Rindennekrosen. Das Holz im Inneren verfärbt sich grün bis blau. Unter der Rindenoberfläche reifen am schwarzem Hyphengeflecht die Konidien (Pilzsporen) des Pilzes heran. Rindenrisse und abblätternde Rindenpartien zeigen sich im späteren Verlauf der Krankheit. Namensgebend für den Pilz sind die zum Vorschein kommenden schwarzen Pilzsporen, die sich unter der Rinde ansammeln. Die Schicht ist bei starkem Befall bis zu einen Zentimeter dick. Sie gibt dem Stamm den Anschein, als wäre er mit Ruß überzogen.

Gefahren für den Menschen

Im letzten Stadium der Pilzinfektion ist sogar für den Menschen Vorsicht geboten! Die Sporen verteilen sich in der Luft und verursachen schwere Atemwegsprobleme. Die eingeatmeten Sporen haben eine sensibilisierende Wirkung auf die Lunge. Intensiver Kontakt kann zu einer Entzündung der Lungenbläschen führen. Symptome sind Reizhusten, Fieber, Atemnot und Schüttelfrost. Halten Sie sich deshalb nicht in der Nähe von betroffenen Ahorn-Bäumen auf. Die Arbeit an infizierten Ahornbäumen gehört in die Hände von Fachleuten mit entsprechender Schutzausrüstung.

Vorbeugen mit guter Pflege

Gerade bei jungen Bäumen beugt eine ausreichende Bewässerung der Pilzinfektion vor. Vitale Bäume mit guter Pflege wehren sich mit aktiven Abwehrmechanismen gegen den Schädling. Für bereits befallene Bäume gibt es bis jetzt noch keine Heilung. Meist werden die Bäume gefällt, da die Sporen des Pilzes gesundheitliche Probleme beim Menschen auslösen.

Klimawandel und Baumkrankheiten

Immer öfter lesen wir von bisher unbekannten Baumkrankheiten, die plötzlich flächendeckend zum Baumsterben führen. Ob Birkensterben, Ulmensterben, Eschentriebsterben oder Rosskastaniensterben, die Massenvorkommen an Schaderregern nehmen zu. Abhilfe ist nicht in Sicht. Die Anzahl trockener Sommer nimmt zu, die Winter werden feuchter.  Das ganze Klima verschiebt sich in eine für Pilze und Schadorganismen positive Richtung.

Für die Zukunft ist unter diesen Aussichten die genaue Planung von Baumpflanzungen immer wichtiger. Am wichtigsten dabei ist die Wahl der passenden Baumarten für den Standort. Die Klimabäume rücken nicht nur in der Forschung in den Fokus. Auch auf die Risikostreuung durch unterschiedliche Baumarten achten moderne Pflanzpläne. Es bleibt zu hoffen, dass sich heimische Baumarten wie der Ahorn durch resistente Individuen mit den Jahren an den Klimawandel und die neu auftretenden Schadorganismen anpassen.

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4 Kommentare
  1. Reinhard Kirsch

    in Haßloch / Pfalz ist die Rusrindenkrankheit bei Ahorn aufgetreten . In der gestrigen Gemeinderatssitzung hat der Umweltbeauftragte Schumacher die Krankheit als harmlos für Menschen eingestuft . Ist das richtig ?

    1. Margret Schneider

      Die Pilzsporen der Rußrindenkrankheit bei Ahorn können beim Menschen eine Entzündung der Lungenbläschen hervorrufen. Es wird empfohlen bei der Aufarbeitung das Holz zu befeuchten und eine Feinstaubmaske zu tragen. Nähere Informationen dazu unter: https://www.svlfg.de/suchergebnis-44e076993419888f?utf8=%E2%9C%93&search_form_presenter%5Bq%5D=Ru%C3%9Frindenkrankheit

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