Baum des Jahres 2014:

Viehmast mit Eicheln

Ein gefräßiges Schwein mästete sich unter einen hohen Eiche mit der herabfallenden Frucht. Indem es die eine Eichel zerbiß, verschluckte es bereits eine andere mit dem Auge.
Undankbares Vieh! rief endlich der Eichenbaum herab. Du nährst dich von meinen Früchten, ohne einen einzigen dankbaren Blick auf mich in die Höhe zu richten.
Das Schwein hielt einen Augenblick inne und grunzte zur Antwort: Meine dankbaren Blicke sollten nicht außen bleiben, wenn ich nur wüßte, daß du deine Eicheln nur meinetwegen hättest fallen lassen.

Johann Wilhelm Ludwig Gleim

Viehmast im Wald

Lessings Fabel beschreibt eine bis ins 19. Jahrhundert hinein gängige, landwirtschaftliche Praxis. Schweine wurden nicht allein im Stall gehalten und dort gefüttert, sondern zum Fressen in die Wälder getrieben. Tatsächlich wurde früher der Wert eines Waldes nicht in Holz angegeben. Entsprechende Wälder waren und sind als Hutewälder bekannt. Entscheidend war vielmehr die Zahl der Schweine, die er in der Lage war, zu ernähren. Ursprünglich wurde das Wort Mast auch für die Baumfrüchte, von denen die Tiere sich ernährten, verwendet. Erst später, als diese Praxis langsam von der Stallhaltung und den Hausschweinen verdrängt wurde, wurde die Bezeichnung dann auch allgemein für das Fettfüttern von Nutztieren verwendet.

Eichelmast

Schon bei den Kelten und Germanen wurde diese Art der Viehhaltung praktiziert. Besonders beliebte Nahrungsquellen waren Bucheckern und Eicheln. Während die Früchte der Buche dafür sorgten, dass das Schweinefett einen leicht tranigen Geschmack bekam, wurde das Schweinefleisch bei der Eichelmast besonders kernig, der Speck besonder fest. Den besten Schinken erzielte man angeblich mit einer Mischung beider Bäume, einer Mischernährung von Bucheckern und Eicheln also.

Wirtschaftliche Bedeutung

Lessings Fabel beschreibt eine bis ins 19. Jahrhundert hinein gängige, landwirtschaftliche Praxis. Schweine wurden nicht allein im Stall gehalten und dort gefüttert, sondern zum Fressen in die Wälder getrieben. Tatsächlich wurde früher der Wert eines Waldes nicht in Holz angegeben. Entscheidend war vielmehr die Zahl der Schweine, die er in der Lage war, zu ernähren. Ursprünglich wurde das Wort Mast auch für die Baumfrüchte, von denen die Tiere sich ernährten, verwendet. Erst später, als diese Praxis langsam von der Stallhaltung und den Hausschweinen verdrängt wurde, wurde die Bezeichnung dann auch allgemein für das Fettfüttern von Nutztieren verwendet.

Eichelmast heute

Vor allem auf der iberischen Halbinsel in Spanien und Portugal gibt es auch heute noch die Schweinemast mit Eicheln. Diese iberischen Schweine, die halbwild gehalten werden, liefern den unter Feinschmeckern begehrten iberischen Eichel- oder Bellotaschinken: Jamón Ibérico de Bellota. Auch in Deutschland gibt es erste Versuche, die Schweinemast im Wald wieder einzuführen.

Die Autorin: Elisabeth Morgenstern

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