Von eindrucksvoller Statur, wertvoller Lebensraum für zahlreiche Arten und massiv bedroht: Die Baum des Jahres – Dr. Silvius Wodarz Stiftung hat die Gemeine Esche (Fraxinus excelsior), die zu den größten heimischen Laubbaumarten gehört, zum Baum des Jahres 2027 gewählt.
Bemerkenswert: Bereits 2001 war die Esche Baum des Jahres. Seitdem hat sich ihre Situation dramatisch verändert: Der Pilz Hymenoscyphus fraxineus, ein aus Ostasien stammender Schlauchpilz, hat sich in weiten Teilen Europas ausgebreitet und zahlreiche Eschen geschädigt oder zu ihrem Absterben geführt. Dennoch gibt es Hoffnung. In den vom Eschentriebsterben betroffenen Beständen finden sich immer wieder Bäume, die dem Krankheitserreger vergleichsweise gut standhalten. Der Fokus liegt deshalb nun auf deren Erhaltung und Erforschung, um so die Zukunft der Esche zu sichern. Weitere spannende Fakten zu Merkmalen, Pflege und Standortbedingungen rund um den Baum des Jahres 2027 gibt es hier!
Gemeine Esche: die Malerische
Menschen und Eschen haben eine lange gemeinsame Geschichte. Die eindrucksvolle Baumart von nahezu malerischer Gestalt, die bis zu 40 Meter hoch werden kann, ist Quell zahlreicher Mythen. Am bekanntesten ist wahrscheinlich der um den Baum Yggdrasil. So wird in der nordischen Mythologie jene Esche genannt, die als größter und mächtigster Baum, als sogenannter Weltenbaum, den gesamten Kosmos verkörpert. Ihr Stamm trägt die Erde, ihre Krone stützt das Himmelsgewölbe. Für die Kelten war die Esche wegen ihrer Vorliebe für feuchte Standorte Symbol des Wassers; Druiden verwendeten sie für ihren Regenzauber.
Auch das Eschenholz erfreut sich seit jeher großer Beliebtheit bei den Menschen. Ist es doch nicht nur schön anzusehen, sondern punktet mit Elastizität und Festigkeit. Mit ihrer majestätischen Krone prägen die markanten Bäume Auen- und Bachwälder. Alte Eschen bieten mit ihren Höhlen, Rindenspalten und Totholz außerdem zahlreichen Tieren, Pilzen und Flechten wertvolle Lebensräume.
Daher gilt es, die vom Eschentriebsterben so massiv bedrohte Baumart zu bewahren. Ein Lichtblick: Mittlerweile deuten zahlreiche wissenschaftliche Untersuchungen daraufhin, dass die unterschiedliche Reaktion einzelner Bäume auf das Eschentriebsterben offenbar teilweise genetisch bedingt ist. Mit Forschungsprogrammen wie „FraxForFuture“ und „FraxRecovery“ werden derart tolerante Eschen gezielt gesucht. Ziel ist die Sicherung genetischer Ressourcen und die Entwicklung geeigneter Erhaltungsmaßnahmen. Eine vollständige Widerstandsfähigkeit gegen die Krankheit ist bislang allerdings nicht bekannt.
Verbreitung und Vorkommen
Beheimatet ist die Gemeine Esche, auch Gewöhnliche oder Hohe bzw. Hochesche genannt, in Mitteleuropa und Teilen Südeuropas. Man findet sie vor allem in Auen und Bachwäldern. In Gebirgslagen wächst sie in Höhen von bis zu 1.800 m, beispielsweise in Tirol oder im Kaukasus.
Standortbedingungen
Höchst flexibel ist die Gemeine Esche, was den Standort angeht. Sie benötigt optimalerweise mineralische, tiefgründige, frische bis feuchte Böden in nicht zu warmen, hellen und spätfrostfreien Lagen. Dort kann sie ihre maximale Wuchshöhe erreichen. Sie wächst aber auch auf trockenen, flachgründigen Kalksteinverwitterungsböden. Dabei bevorzugt sie gut belüftete Böden mit einem pH-Wert über 4,2. Als junger Baum ist die Esche äußerst schattentolerant, mit zunehmendem Alter steigt der Lichtbedarf enorm.
Im Winter hält sie Minusgraden von bis zu 32 Grad Celsius unter null stand. Man findet sie in Mischwäldern neben Schwarzerle, Bergulme, Stieleiche, Feldahorn, Zitterpappel, Hängebirke und Gemeiner Hasel. Ebenso anzutreffen ist sie in buchendominierten Gesellschaften, z. B. in Kalk-Buchenwäldern.
Merkmale der Gemeinen Esche
Mit einer durchschnittlichen Höhe von 30 Metern gehört die schnellwüchsige Baumart zu den höchsten Laubbaumarten Europas. In der Regel erreicht sie ein Alter von etwa 250 bis 300 Jahren.
Die Krone ist zunächst breit und ausladend in einer ovalen bis kugelförmigen Form; im Alter erscheint sie gewölbter und lichter. Die dicken, kräftigen Äste bilden ein halboffenes Kronenkonstrukt. Der Stamm ist im Normalfall aufrecht und gerade gewachsen ohne Vergabelungen. Ab etwa 100 Jahren wird ein Stammdurchmesser von mehr als einem Meter erreicht, in seltenen Fällen im hohen Alter sogar ein Durchmesser von 2,5 m. Die Äste verlaufen rechtwinklig zum Stamm, die Zweige streben senkrecht nach oben. Ergebnis ist eine durchaus malerische Gestalt.
Blätter
An den grau-grünen Zweigen wachsen gegenständig unpaarig gefiederte, grüne Blätter. Diese werden bis zu 20 cm lang und bestehen aus 9 bis 15 feinscharf gezähnten Teilblättern. Der Austrieb beginnt im Gegensatz zu anderen Laubbaumarten erst im späten Frühjahr nach der Blüte. Besonderheit: Als einzige heimische Laubbaumart wirft die Esche die Blätter im Herbst bereits im grünen Zustand ab.
Interessant: Sowohl Blüten als auch Blätter sprießen aus markanten, pechschwarzen Knospen, die nur schwer zu unterscheiden sind. Blütenknospen sitzen häufig seitlich am Zweig und wirken rundlicher; die Endknospe ist zumeist eine Blattknospe und eher spitz.
Blüten
Die Eschenblüte weist mehrere Besonderheiten auf. So blüht der Baum bereits zwei bis drei Wochen vor dem Laubaustrieb. Aus den pechschwarzen Seitenknospen sprießen ab Ende März bis Mai zunächst winzige violette Blütenbüschel. Daraus entstehen zum einen purpurrote, männliche Blütentrauben. Die weiblichen Blütenstände erscheinen in zartem Hellgrün. Kurios: Die Esche kann entweder einhäusig oder zweihäusig sein und sogar zwittrige Blüten tragen, die sowohl Staubbeutel und Stempel aufweisen.
In der Forstwirtschaft werden gezielt Eschen mit männlichem Blütenstand gepflanzt. So wachsen möglichst große Bäume mit viel Holz heran, da rein männliche Eschen keine Energie für die Fruchtbildung aufbringen müssen.
Früchte und Samen
Früchte produzieren die weiblichen Eschenbäume und jene mit zwittrigen Blüten. Dies geschieht durch Windbestäubung. Die zunächst grünen, später braunen, zweisamigen Nussfrüchtchen mit einseitigen Flügeln sind reif im späten Herbst und bleiben den ganzen Winter über am Baum. Zum Ende hin fallen sie ab und die Samen werden über den Wind verbreitet.
Rinde
Die Rinde der Gemeinen Esche ist bei jungen Pflanzen lange Zeit glatt und hellgrün bis grau. Etwa ab dem vierzigsten Lebensjahr entwickelt sich eine dunkle, schwarz-graue längsrissige Borke.
Wurzel
Eschen haben ein Senkerwurzelsystem. Dabei werden stark ausgeprägte Horizontalwurzeln gebildet, die nach unten Senkerwurzeln entwickeln. Dieses erlaubt den Eschen, selbst dicht gelagerte und feuchte Böden zu erschließen. Bemerkenswert ist der hohe Feinwurzelanteil am Ende der Senkerwurzeln. Die tiefste Wurzel dringt auf lockeren Böden bis etwa 150 cm vor, auf dichten bis etwa 80 cm.
Pflege und Schnitt der Esche
Die Esche ist gut schnittverträglich. Empfohlen wird der Schnitt in der Ruheperiode zwischen Ende Februar und Anfang März. In den ersten 10 bis 15 Lebensjahren bringt ein Erziehungsschnitt die gewünschte Form; Kronenpflege mit Entfernung von Totholz je nach Bedarf. Für eine gute Luftzirkulation und Baumstatik sollten dabei kreuzende, reibende Äste und steil nach innen wachsende Triebe entfernt werden. Achtung: Aus Naturschutzgründen kann eine Genehmigung erforderlich sein, daher vor dem Schnitt unbedingt erkundigen in der jeweiligen Kommune.
Mit einem Reduktionsschnitt lässt sich die Größe des Baumes gut kontrollieren und starker Überhang entfernen. Hierbei werden die äußeren Astpartien moderat gekürzt. Wird der Schnitt knapp oberhalb eines jüngeren Seitentriebs gesetzt, der mindestens ein Drittel des Durchmessers des Hauptastes hat, kann das Wachstum auf diesen Bereich umgeleitet und die gewünschte Kronenform erzielt werden. Auch bei Krankheit und Schädlingsbefall ist ein Rückschnitt angebracht, um befallene Pflanzenteile zu entfernen. Wegen des Eschentriebsterbens ist eine jährliche Baumkontrolle auf Symptome und Standsicherheit zwingend erforderlich.
Krankheiten und Schädlinge
Massiv gefährdet ist die Gemeine Esche durch den bereits eingangs erwähnten ostasiatischen Schlauchpilz Hymenoscyphus fraxineus, der das Eschentriebsterben auslöst. Dabei zeigen junge Triebe, Blätter und Äste Welke und bräunliche Flecken. Die Kronen lichten sich und Äste sterben ab. Die Entfernung betroffener Astteile kann das Fortschreiten der Krankheit verlangsamen.
Aber auch weitere Schädlinge und Krankheiten bedrohen den Baum des Jahres 2027. Dazu zählen beispielsweise Eschenbastkäfer, Eschenzwieselmotte, Eschenrüsselkäfer, Smaragdgrüner Eschenbohrer und Eschengallmilbe. Sogenannter Eschenkrebs wird von den Erregern Pseudomonas syringae und Nectria galligena ausgelöst. Dabei entstehen aufplatzende Wunden sowie Wucherungen an der Rinde. Der Zottige Schillerporling (Inonotus hispidus) befällt Eschen über Astwunden und verursacht eine Weißfäule. Die leuchtend orangen Fruchtkörper erscheinen ab Juni. Dieser holzzersetzende Pilz zerstört sowohl das Kambium als auch das Kernholz. Dies führt zu einer erheblichen Beeinträchtigung der Verkehrssicherheit. Befallene Baumbereiche sollten deshalb im Mai oder Juni entfernt werden, um eine Ausbreitung zu verhindern.
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Edles, festes, biegsames Holz
Eschenholz ist ein schweres und zugleich hartes Holz. Das Holz des Ölbaumgewächses gehört zu den Edellaubhölzern. Nach Buche und Eiche zählt es zu den wichtigsten Laubnutzhölzern Mitteleuropas und besticht durch besondere Festigkeit und Elastizität. Es ist ein ringporiges Holz mit deutlich voneinander abgesetzten Jahresringen. Splint- und Kernholz zeigen in jungen Jahren die gleiche helle Färbung. Mit zunehmendem Alter, ab etwa 60 bis 80 Jahren, wird ein hell- bis dunkel-, teils sogar schokoladenbrauner Farbkern ausgebildet. Der sogenannte Braunkern gefällt mit streifiger bzw. fleckiger, dekorativer Zeichnung. An besonders kalkreichen Standorten kann in schmalringigen alten Eschen sogar ein sogenannter Olvikern entstehen, in Anlehnung an das markante Holz des Olivenbaumes.
Eschenholz besaß in früheren Zeiten überragende Bedeutung im Fahrzeug-, Waggon- und Maschinenbau. Heutzutage findet es sowohl als Furnier- als auch als Massivholz vielfältige Verwendung, beispielsweise im Möbelbau und im Innenausbau. Gern genutzt wird es ebenfalls für Parkett- und Dielenböden, Treppen sowie Werkzeugstiele und Sportgeräte.
Baumkönigin 2027: Maria Huisinga
Somit hat die Baum des Jahres Stiftung mit der Gemeinen Esche eine vielseitige und zukunftsfähige Art zum Baum des Jahres 2027 gewählt. Gleichzeitig wurde die neue Deutsche Baumkönigin bestimmt. Maria Huisinga ist im Jahr 2027 im Einsatz für die Esche unterwegs, um bei verschiedenen Veranstaltungen die Aufmerksamkeit auf diese besondere Baumart zu lenken. „Die Esche ist ein beeindruckender Baum, der Natur, Kultur und Geschichte miteinander verbindet. Dass manche Bäume dem Eschentriebsterben besser standhalten, macht Mut. Es gilt, diese wertvollen Exemplare zu schützen und die natürliche Vielfalt zu nutzen, damit die Esche auch in Zukunft ihren Platz in unseren Wäldern behalten kann“, betont die Baumkönigin.
Neues Zepter für Baumkönigin
Gemeinsam mit dem Baum des Jahres wird von der Dr. Silvius Wodarz Stiftung stets ein neuer Baumkönig beziehungsweise eine Königin ausgerufen. Wissenswert: Der Gehstock des jeweiligen Deutschen Baumkönigs beziehungsweise der Baumkönigin ist ein sicherer Hinweis auf den Baum des Jahres. Denn der aus Esche gefertigte Stock trägt eine austauschbare Kugel aus dem Holz des jeweiligen Jahresbaumes. Mit einem Gewinde versehen lässt diese sich auf den Stock aufschrauben. Sie wird jedes Jahr extra angefertigt. So ist der jeweilige Baumkönig mit einer wahrhaft präsentablen Insignie ausgestattet. Ab sofort schmückt eine Kugel aus dem Holz der Esche den Gehstock der Regentin. Somit ist als Novum der Gehstock im Jahr 2027 nun komplett aus Eschenholz.
Autorin: Claudia Dreckmann
Steckbrief Gemeine Esche (Hochesche)
(Fraxinus excelsior)
Familie: Ölbaumgewächse (Oleaceae)
Gattung: Esche (Fraxinus)
Standort: sonnig bis halbschattig, in höherem Alter besonders hell; windgeschützt; Mindestabstand von vier Metern zu anderen Bäumen
Boden: relativ anspruchslos, frisch bis feucht, gut durchlässig, tiefgründig, nährstoff- und basenreich; gedeiht auf Kalk- und fruchtbaren Lehmböden, aber auch auf mäßig sauren und humosen Böden
Wuchs: schnellwüchsig
Wuchsform: großer Baum; sommergrünes Laubgehölz, bis ca. ein Drittel des Stamms mehrheitlich unbeastet; wenig Verzweigungen
Wuchshöhe: ca. 30 bis 40 Meter
Krone: lichte, oval bis kugelförmig gewölbte Krone
Knospen: Blüten als auch Blätter sprießen aus nur schwer zu unterscheidenden markanten, pechschwarzen Knospen; Blütenknospen: häufig seitlich am Zweig , eher rundlicher; Endknospe: zumeist eine Blattknospe, eher spitz
Blütezeit: Ende März bis Mai; zwei bis drei Wochen vor Laubaustrieb
Blüten: entweder einhäusig oder zweihäusig, teils sogar zwittrig; purpurrote, männliche, fast kugelige Blütentrauben; hellgrüne weibliche Blütenstände; Windbestäubung
Herbstfärbung: Blätter fallen mehrheitlich grün vom Baum
Frucht: im Spätherbst reif; braune, geflügelte Nussfrüchte, die erst am Ende des Winters abfallen, wenn der Wind die Samen verbreitet
Rinde: lange Zeit glatt und hellgrün-grau; ab dem 40. Lebensjahr schwarz-graue, längsrissige Borke
Wurzel: Herzwurzler mit weitreichenden flachen Seitenwurzeln; im höheren Alter Senkerwurzelsystem
Winterhärte: bis minus 32 Grad Celsius
Durchschnittsalter: bis zu 300 Jahre
Robustheit: hohe Anpassungsfähigkeit an vielfältige Feuchtigkeits- und Bodenbedingungen; aktuell allerdings massiv bedroht durch das Eschentriebsterben
Verbreitung: nahezu in ganz Europa, außer im nördlichen Skandinavien und im südlichen Spanien
Vorkommen: eigentlich überall, sowohl in der Ebene, in Flusslandschaften sowie in Gebirgslagen bis 1.800 m
Holz: hart, schwer, fest, elastisch, hell bis tiefbraun mit attraktiver Zeichnung
Quellen:
- Baum des Jahres Stiftung – Dr. Silvius Wodarz Stiftung
- Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF): Holz der Esche
- Wikipedia: Yggdrasil
- baumlexikon.com
- waldwissen.net
- wald.lauftext.de
- LWF Bayern: Standortansprüche und Wurzelwerk
- Gartenjournal.net: Schädlinge & Krankheiten
- NABU, Stadtverband Leverkusen
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