Baumrecht

Der Wert eines Baumes

Eine alte Solitärbuche auf einem Feld.
Redaktion

Was sind uns Bäume wert? Diese Frage beschäftigt Menschen seit vielen Generationen. Bis heute ist diese unbeantwortet. Doch nicht, weil wir so wenig über Bäume wissen! Es gibt einfach zu viele unterschiedliche Nutzungsbereiche für Bäume. Für einen Forstwirt ist der Wert des Holzes ausschlaggebend. Ein Biologe dagegen stellt den ökologischen Wert des Baumes über dessen reinen Holzwert. Und in der Wissenschaft gelten nochmal ganz andere Prioritäten. Hier haben Bäume einen enormen Wert für den Immissionsschutz, den Kampf gegen den Klimawandel und die Bereitstellung von Trinkwasser.

Um die Unterschiede in den Wertermittlungen zu verdeutlichen, gehen wir von einer 100 jährigen Buche aus. Sie dient uns als Maßstab und erleichtert uns die Methoden zu vergleichen.

Baumwert für den Klimaschutz

Bäume brauchen das Kohlendioxid (CO2) aus der Luft, um den für sie lebensnotwendigen Traubenzucker herzustellen. Dieser wird dann zum Wachstum und Aufbau neuer Holzmasse verwendet. Das CO2 ist also im Holz gespeichert und bleibt dort, bis der Baum stirbt. Erst dann gibt es durch die Verrottung wieder die gleiche Menge CO2 ab. Ein perfekter, nachhaltiger Kreislauf!

Eine 35 Meter hohe Fichte mit 100 Jahren speichert in seinem Holzkörper ungefähr 2,6 Tonnen CO2. Diese errechnen sich aus der Trockenmasse, die der Baum an Holz produziert hat. Die Hälfte des gesamten Holzkörpers besteht aus Kohlenstoff! Erstaunlich ist, dass eine gleich hohe und 100 Jahre alte Buche sogar 3,5 Tonnen CO2 speichert. Das liegt daran, dass das Holz der Buche dichter ist und damit mehr Trockenmasse vorhanden ist, als bei der Fichte.

Stirbt der Baum, so wird das CO2 wieder in die Atmosphäre entlassen. Wir können die Speicherung des CO2 jedoch verlängern! Wir nutzen das Holz, um Häuser oder Möbel herzustellen. Bei diesem Vorgang trocknet das Holz und ist lange haltbar. Der darin enthaltene Kohlenstoff ist somit über Jahrzehnte hinweg festgesetzt und gelangt nicht in die Atmosphäre. Ein Holzhaus beispielsweise speichert ungefähr 80 Tonnen CO2. Gleichzeitig ersetzt der Baustoff Holz andere Materialien, die mit viel CO2-Ausstoß produziert werden müssen, wie Stahl oder Beton.

Im Zuge der Umweltdebatte wurde viel über die Kosten für CO2 gesprochen. Große Unternehmen müssen für Ihre Projekte eine Kompensationszahlung für den CO2-Ausstoß zahlen. Dieser Beträgt ungefähr 23 € pro Tonne CO2. Somit spart unsere Fichte 59,80€ und unsere Buche 80,50 € ein. Rechnet man die Kosten für den Ausstoß im Straßenverkehr dazu, so liegt der Betrag bei 59 € pro Tonne in Deutschland. Somit spart die Fichte bei uns 94,40 € und unsere Buche 206,50 € pro Jahr. Eine 100 jährige Buche hat somit ungefähr 210 € an Kosten zur CO2-Minderung beigetragen.

Baum der symbolisch CO2 aufnimmt.
Eine 100 jährige Buche trägt ungefähr 210 € an den Kosten zur CO2-Minderung. – Redaktion

Ökonomischer Holzwert und Habitat-Bäume

Alte und kranke Bäume im Wald sind alles andere als nutzlos. Sie bieten eine Vielzahl an unterschiedlichen Habitaten für Baumbewohner. Ausgebrochene Äste und Pilze tragen dazu bei, Höhlen im Stamm zu schaffen. Diese nutzen Vögeln oder Säugetiere als Nistplatz oder Versteckmöglichkeit. Käfer und Insekten ernähren sich häufig von totem Holz, was wiederum das Nahrungsspektrum von Vögeln stark erweitert. Insgesamt fungieren alte Bäume als Biotop. Was ist ein solches Biotop wert?

Die Funktionen, die ein Habitat-Baum erfüllt, sind im Einzelnen nicht monetär bewertbar. Deshalb entwickelten Forstwissenschaftler für solche Bäume im Wirtschaftswald eine Bewertungsmethode. Hierbei wird der reine Holzwert des Baumes ermittelt. Dieser ist für einen Forstbetrieb ausschlaggebend. Bleibt der Baum zugunsten der Biodiversität und des Naturschutzes stehen, so entfällt für den Betrieb der Erlös aus dem Holz des Baumes.

Der Stamm unserer Buche besteht ungefähr aus 2,5 Festmeter Holz der Qualität B, 0,85 Festmeter Sägeholz, 1,6 Festmeter Industrieholz und 2 Festmeter Brennholz. Der Preis für Für den ganzen Baum errechnet sich daraus ein Holzwert von 543 €. Von diesem Betrag sind die Erntekosten abzuziehen. Wir gehen von durchschnittlichen Kosten von 53 € aus. Ein Biotopbaum in einem Waldbestand hat somit für den Forstbetrieb einen Wert von ungefähr 490 €.

Ein Baum wird symbolisch zu Holz
Ein Biotopbaum in einem Waldbestand hat für den Forstbetrieb einen Wert von ungefähr 490 €. – Redaktion

Methode Koch

Wird ein Baum in irgendeiner Form beschädigt, so muss er im schlimmsten Fall durch einen neuen Baum ersetzt werden. Dies verursacht Kosten. Die Koch-Methode beschreibt eine Möglichkeit, den Wert eines einzelnen Baumes zu bestimmen. Dieser ermittelt sich, indem die Kosten für eine Neupflanzung ähnlicher Art bis zum aktuellen Baumalter und die Entsorgung des alten Baumes zusammengerechnet werden. Dazu gehören der Kauf des neuen Baumes in gleicher Größe und Baumart, die Kosten für die Pflanzung und die Anfahrt. Weiterhin zählen dazu die Pflegekosten des Baumes bis er angewachsen ist und die gleiche Funktion erfüllt wie sein Vorgänger.

Konkret nehmen wir das Beispiel unserer 100 Jährigen Buche. Ist dies zu ersetzen, ergeben sich folgende Kosten:

Der Kauf eines Großbaumes mit einem Alter von 20 Jahren kostet ungefähr 600 €. Dazu kommen die Kosten für Transport und Pflanzung mit ungefähr 500 €. Die Anwachsphase für einen solchen Baum ist mindestens drei Jahre lang. Pro Jahr werden Pflegekosten und Fahrtkosten von 130€ berechnet.

Die Herstellungsphase, also die Zeit, bis der Baum eine ähnliche Funktion wie der Vor-Baum erfüllt, dauert mindestens 20 Jahre. Selbst dann ist der Baum lediglich 43 Jahre alt, also erst halb so alt wie sein Vorgänger. In dieser Zeit kosten die Pflegemaßnahmen ungefähr 70 € pro Jahr. Insgesamt ist unsere Buche nach der Koch-Methode ungefähr 2400 € wert. Hier ist zur Einfachheit jedoch sowohl der Zinssatz, als auch die Steuer nicht einberechnet. Der eigentliche Betrag fällt im Regelfall also höher aus.

Ein zerstörter Baum wird symbolisch ersetzt.
Eine 100 jährige Buche zu ersetzen, verursacht nach der Koch-Methode ungefähr 2400 € an Kosten. – Redaktion

Volkswirtschaftlicher Wert

In der Taspo Baumzeitung wurde im Jahr 2007 eine Zusammenstellung des Baumwertes abgedruckt. Demnach müsste unsere Volkswirtschaft pro Jahr einen durchschnittlichen Betrag von 660 € aufbringen, um die Leistung eines einzigen Baumes zu erbringen. Die Summe gliedert sich folgendermaßen:

  • Schattenspender = 40 Euro
  • Fürderung von Bodenlebewesen = 25 Euro
  • Sympiose mit anderen Lebewesen = 25 Euro
  • Aufenthaltsort für Menschen = 25 Euro
  • Eventuell essbare Früchte = 15 Euro
  • Filterung von Staub = 10 Euro
  • Schaffung von Lebensraum = 10 Euro
  • Windschutz = 5 Euro
  • Organisches Material = 3 Euro
  • Holzwertzuwachs = 1,50 Euro
  • Bereitstellung von Sauerstoff = 500 Euro

Die Auflistung zeigt, wie viele Funktionen ein Baum hat. Durch seine schattenspendende Krone und die Verdunstung von Wasser kühlt er die Luft um sich herum ab. Im Wald können deshalb Temperaturunterschiede von drei bis sechs Grad Celsius im Vergleich zur Außentemperatur herrschen. Er ist Lebensraum und Nahrungsspender für unzählige Tierarten, ob über oder unter der Erde. Doch auch für unsere Umwelt sind Bäume wichtig. In einem einzigen Jahr filtert ein Buchenwald bis zu 70 Tonnen Schmutzpartikel aus der Luft. Und was für alles Leben auf der Erde am wichtigsten ist: Bäume produzieren Sauerstoff. Unsere Buche schafft im Jahr 4600 Kilogramm! Das reicht, damit 13 Menschen ein ganzes Jahr lang atmen können.

Symbolische volkswirtschaftliche Leistungen eines Baumes
Eine 100 jährige Buche entspricht einem volkswirtschaftlichen Wert von circa 66.000 €. – Redaktion

Diese Vielzahl an Dienstleistungen hat natürlich ihren Preis. In 100 Jahren entspricht das einem Wert von circa 66.000 €. Dieser Betrag ist mit Abstand der höchste aus unserer Recherche und zeigt, wie schnell wir den Nutzen unserer Bäume unterschätzen.

Fazit

Die Auflistung verdeutlicht, dass der Wert eines Baumes nur schwer exakt bestimmbar ist. Es kommt auf den Blickwinkel an. Je nachdem, zu welchem Nutzen wir den Baum gepflanzt haben, bewerten wir seine Funktion und seinen Wert unterschiedlich.

Verschiedene Werte eines Baumes von 210 bis 66000 Euro
Beim Wert eines Baumes, kommt es auf den Blickwinkel an. – Redaktion

Dennoch stellt jeder Baum Dienstleistungen für uns, unser Wohlbefinden und unsere Umwelt bereit, egal ob er Holzlieferant, Biotopbaum oder Zierbaum ist. Insgesamt überwiegt der Nutzen unserer Bäume die Kosten und den Aufwand für die Pflanzung und Pflege um ein vielfaches. So pflanzen auch Sie einen Baum! Ihre Umwelt dankt es Ihnen.

Weil es Ihr Baum wert ist!

Fachgerechte Baumpflege hilft Ihrem Baum gesund zu bleiben. Bäume erfüllen eine wichtige Funktion für uns Menschen – mit einer ordentlichen Pflege können wir sie dabei unterstützen. Über die Suchfunktion des Baumpflegeportals finden Sie schnell qualifizierte und erfahrende Baumpfleger in Ihrer Region.

Quellen:

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8 Kommentare
  1. Frauke v.Troschke

    Wir haben grosse Bäume im Garten,die viel Geld kosten -fachgerechtes Schneiden durchBaumkletterer u.s.w.

    sehr vlel Laub fällt an,.
    Ganz sicher profitieren alle Häuser und Menschen drum herum sehr davon.
    Gibt es Komunen die sich beteiigen an den Kosten und der Arbeit für den Besitzer?

    1. Baumpflegeportal

      Guten Tag,
      schön, dass Sie Ihre Bäume pflegen und erhalten möchten. Ob Sie dabei finanzielle Unterstützung bekommen, fragen Sie am Besten in Ihrer Gemeinde nach. Sie weiß, wie die finanziellen Mittel aufgeteilt werden und welche Einrichtungen in Ihrere Region dafür verantwortlich sind. Alternativ wenden Sie sich an die Untere Naturschutzbehörde, denn auch diese weiß, ob es Fördergelder für private Baumbesitzer gibt. Viele Grüße, die Redaktion des Baumpflegeportals

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  5. Ludwig Stengel

    Hallo, mein Bruder und ich sind Waldbesitzer, neben unserem Wald wurde ein Bebauungsgebiet ausgewiesen, mittlerweile sind schon Häuser errichtet und auch schon bewohnt. Laut Bebauungsplan ist nördlich vom Planungsbüro eine Baumfallgrenze von 25 m bis zu den Gebäude eingezeichnet.
    Unser Wald ist auf der Westseite, dazwischen ist ein gemeindeeigener Zufahrtsweg. Die Baumfallgrenze wurde hier nicht eingehalten.
    Die ca. 20 – 30 hohen Eichen und Kiefern sine vom Gebäude nur ca. 18,5 m entfernt.
    Unsere Bäume sind bereits 130 – 150 Jahre alt, Manche haben einen Umfang von 2,10 m.
    Bereits 2019 habe ich den damaligen Bürgermeister darauf hin gewiesen, dass hier hohe Bäume stehen. Laut seinem Schreiben wird die Baumfallgrenze von 25 – 30 m eingehalten.
    Wer sind hier die schuldigen? Unsere Forderung an die Kommune sie möchte doch einen Baumfallschutz nachträglich anbringen.

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