Ast mit Moos bedeckt

Die Frage:

Moos entfernen am Apfelbaum – schädlich oder nicht?

In meinem Garten steht ein 90-jähriger Apfelbaum. Vor zwei Jahren bekam der Baum von einem Baumpfleger eine „Wellnesskur“, indem dieser mit einer weichen Bürste alles Moos vom Stamm und den Ästen entfernte. Im ersten Jahr nach der Pflege ging es dem Baum gut, doch ein Jahr später entdeckte ich im Winter zahlreiche Stellen mit abgeplatzter Rinde. Zudem ist ein Teil der Krone vertrocknet. Der Baum hat viele Faulstellen an alten Schnittwunden und blüht nur noch im unteren Kronenteil.

Schadete es, an einem Apfelbaum Moos zu entfernen? Wie helfe ich meinem Baum jetzt am besten?

Die Antwort:

Schäden durch Moos nicht eindeutig bewiesen

Allein anhand der Bilder kann ich keine verlässliche Aussage treffen, aber Bilder sind besser als reiner Text. Es sieht danach aus, als ob das Bürsten des Moses die Rinde verletzt hat, zumal die geschädigten Flächen sehr ausgedehnt sind. Anhand des Übersichtsfotos erscheint mir, dass der Baum sehr schattig steht. Das ist möglicherweise ein Grund für den starken Moosbewuchs. Ob Moos viel oder wenig oder gar nicht schadet, darüber streiten sich die Gelehrten. Viele Faktoren spielen eine Rolle und die Auswirkungen sind nicht eindeutig zuzuordnen. Ob am Ende das Bürsten schädlich war, zeigt sich im Laufe der Jahre.

Rindenverletzungen durch Bürsten

Interessant wäre zu wissen, wann „gebürstet“ wurde und ob die Äste nicht vor dem Bürsten abgeplatzte Rinde aufwiesen. Theoretisch ist es möglich, dass  das Bürsten die Rinde verletzte und Schaderreger über Verletzungen eindrangen. Aus der Ferne bleibt dies natürlich spekulativ. Eine Beweisführung ist nicht einfach, weil Ursache und Wirkung schwer nachzuweisen sind.

Faulstellen an alten Wunden

Faulenstellen an abgesägten Ästen sind normal, aber nicht förderlich für den Baum. Dort, wo die eingefaulten Schnittstellen an statisch zentralen Stellen sind, ist darauf zu achten, dass die Äste nicht zu schwer werden (Hebelkraft durch Auslichten und Zurücknehmen der Peripherie reduzieren). Die Anbindung ist durch die Fäule nicht mehr stabil. Durch hohe Vitalität und Dickenzuwachs ist es möglich, dass sich über die Jahre die Astanbindung verfestigt. Es ist ein Wettrennen gegen die Pilze, die den Ast aus der Mitte heraus zersetzen. Der Baum wiederum versucht den Pilzen davon zu wachsen (junges Holz, also die äußeren Zuwachsringe, wehrt sich gut gegen Pilzangriffe).

Ursachen für starkes Blühen

Viele Blüten sind normal, wenn der Baum im Vorjahr keine Früchte hatte. Bohnapfel „alterniert“ sehr stark. Sind viele Früchte am Baum, hemmt dies die Blütenbildung für das Folgejahr stark. Forscher nehmen an, dass die Hormone der Fruchtsamen die Blütenbildung hemmen. Das führt dazu, dass nach einem Ertragsjahr im Folgejahr keine oder kaum Blüten am Baum sind. Es gibt keine oder kaum Früchte. Sind keine Früchte am Baum, hemmen diese nicht die Blütenbildung und es bilden sich im Laufe des Jahres Blütenknospen. Die Folge: Ein Jahr Früchte, ein Jahr keine Früchte. Das nennt der Obstbaumspezialist „Alternanz“. Erfolgt zum Beispiel durch Frost keine Befruchtung der Blüten, kommen weitere Ausfalljahr dazu.

Der Baum blüht umso stärker, je schwächer er wächst. Ist der Baum alt und schwach oder verletzt, wächst er nicht sehr stark und trägt keine Früchte. Folglich blüht er sehr stark. Der Esoteriker würde sagen: Der Baum spürt, dass er seinem Ende entgegen geht und setzt alle seine Kraft nochmals in Blüten und Früchte um. Doch wenn ein geschwächter Baum viele Früchte trägt, wird er noch schwächer. Die Wahrscheinlichkeit, dass er als Individuum überlebt, sinkt. Ein Ast, der nicht stark wächst, schließt früh sein Wachstum ab und kann im Juni/Juli zur Blüte differenziert werden. Wenn der einjährige Ast stark wächst, hat er im Juli noch nicht mit dem Wachstum abgeschlossen und folglich keine Endknospe gebildet. Diese kann dann somit nicht zur Blüte werden. „Wer zu spät kommt, den straft das Leben“.

Totholz in der oberen Krone

Totholz dürfen Sie jederzeit problemlos absägen, wenn es stört. Achten Sie darauf nur das Totholz abzusägen und lebendes Gewebe nicht zu verletzen. Lebendes Gewebe erkennen Sie an grüner Farbe unter der Rinde. Ritzen Sie dazu mit der Säge die Rinde leicht an. Um die Krone zu entlasten und für Schnitte ins lebendige Holz, vermeiden Sie den Sommer und Spätsommer, wenn der Baum Blätter trägt. Sie nehmen zu viel Blattmasse weg und der Baum lagert weniger Reservestoffe für den Winter ein. Alte Bäume müssen vital sein, damit sie durch Dickenwachstum Faulstellen stabilisieren. Auch ein früher Winterschnitt ist nicht optimal. Die Schnittstellen trocknen aufgrund des ruhenden Wachstums durch die Kälteeinwirkung stark zurück und bilden Nekrosen. Der Baum muss mit ausreichend Reservestoffen in den Winter gehen. Nur dann übersteht er die kalte Jahreszeit und treibt im Frühjahr vital aus.

Mögliche Gründe für die abplatzende Rinde

Ist die Rinde nach der Entfernung des Mooses aufgerissen, gibt es einen weiteren möglichen Grund dafür. Der Baum lebte viele Jahre mit dem Moos auf Stamm und Ästen. Das Moos beschattete dabei Äste und Stamm stark und hielt die Oberflächen feucht. Entfernen Sie alles Moos auf einen Schlag, bekommt die Rinde des Baumes Stress. Sie ist plötzlich der Sonne ausgesetzt. Ein paar Stunden pralle Sonne am Tag reichen aus, dass die Rinde möglicherwiese aufplatzt und einreißt. Gerade im Winter, wenn der Baum keine Blätter trägt, ist das ein Problem. Um Abhilfe zu schaffen, streichen Sie den Stamm bis in die Krone mit weißem Kalkanstrich ein. Er reflektiert die Sonnenstrahlung und verhindert Sonnenbrand und Spannungsrisse durch die unterschiedlich hohen Temperaturen der Stammseiten. Der Anstrich blättert später Stück für Stück ab und gewöhnt den Baum langsam an die Sonne.

Beobachten Sie den Baum gut

Behalten Sie den Baum in den kommenden Jahre gut im Auge. Reißen die Äste weiter ein und bilden sich Pilzkörper am Stamm, kann eine professionelle Kroneneinkürzung helfen, die Standsicherheit des Baumes zu gewährleisten. Ich wünsche Ihnen jedoch, dass sich der Baum erholt und Sie lange Freude an seinen Früchten haben.

Der Autor: Johannes Bilharz

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