Ginkgo mit abgebrochener Baumspitze retten

Die Frage:

Ginkgo mit abgebrochener Baumspitze retten

User fragen Baumpfleger

An unserem vier Meter hohen Ginkgo Biloba ist die Baumspitze abgebrochen. Der Ast eines anderen Baumes ist in den Wipfel gefallen und hat die Krone zerstört. Wir wären sehr traurig wenn unser Ginkgo ohne Spitze bleibt. Oder noch schlimmer, er diesen Verlust nicht überlebt.

Wächst die abgebrochene Baumspitze nach?

Die Antwort:

Sofortmaßnahmen bei einer abgebrochenen Baumspitze

Baumpfleger antworten Usern

Zu Ihrer Beruhigung: Es wächst wieder eine Spitze nach. Allerdings gibt es einen Kampf, da Knospen an allen möglichen Stellen austreiben um in den freiwerdenden Raum zu gelangen. Tendenz: Senkrecht! Je nach Triebigkeit, Baumart und Jahreszeit, kämpfen Triebe um die Vorherrschaft an der Baumspitze.

Sofortmaßnahme an der Abruchstelle

Schneiden Sie an der Stelle wo die Spitze abgebrochen ist, bis auf einen gesunden Trieb nach. Achten Sie bitte darauf, das gesunde Gewebe nicht zu verletzen. Auf dem Bild kann ich keine Details erkennen, um die korrekte Schnittebene aufzuzeigen oder zu erklären.

Dies am vorhandenen Bild zu erklären ist schwierig, weil ein Bild zweidimensional ist, der Schnitt aber dreidimensional geführt wird. Baumpfleger bringen aber die Erfahrung mit, die Schnittebene korrekt zu wählen.

Abgebrochene Baumspitze eines Ginkgo

Hilfe zur Selbsthilfe

Wenn Sie möchten, können Sie den Baum nach der Sofortmaßnahme sich selbst überlassen. Warten Sie ab, wie sich der freigewordene Kronenraum an der Spitze in den folgenden Jahren mit Astwerk füllt. Der Zuwachs und die finale Kronenausmaße, beziehungsweise das Aussehen der künftigen Baumkrone, folgt einem baumtypischen Plan. Trotzdem ist der Weg dorthin nicht vorherbestimmt, sondern unterliegt einem natürlichen Kampf um Ressourcen und Vorherrschaft.

Aus vorhandenen Knospen neu entstehende Äste fügen sich nicht zwingend in die bisherige Wuchsform ein. Jeder Ast will die Vorherrschaft ohne Rücksicht auf Harmonie im Wuchsbild erreichen. Das ist nicht dramatisch, sofern Sie keine Ansprüche an die Ästhetik haben, Ansprüche an die Lebensdauer stellen oder statische Problemzonen in der Zukunft vermeiden möchten. Von Jahr zu Jahr klären sich die neuen Hierarchien und der Baum findet zu seinem typischen Habitus zurück.

Den „Unfall“ werden Sie aber immer erkennen können, da die „Siegeräste“ durch Dickenwachstum den normalen Wuchs unterbrochen haben. Statisch kann diese Stelle später durchaus zum Problem werden.

Steckbrief Ginkgo Biloba

Der Ginkgo ist eine sehr alte Baumart. Er bevölkerte bereits vor den Dinosauriern die Erde und hat bis heute überlebt. Er gilt als „lebendes Fossil“. Dies zeigt wie robust diese Baumart ist. Heute hat sich aus den vielen Unterarten des Ur-Ginkgo eine Art herauskristallisiert: Der Ginkgo Biloba. Auch heute noch lebt der Ginkgo sparsam. Er kommt mit fast jedem Boden klar, ist Witterungsbeständig und wehrt sich erfolgreich gegen Schädlinge.

Der künftigen Baumspitze die Richtung weisen

Wenn Sie die Wuchsform nicht dem „Zufall“ überlassen möchten helfen Sie regulierend nach. Erfahrene Baumpfleger steuern und optimieren den Wuchs. Sie fördern oder unterdrücken bestimmte Äste durch Schnitt und beeinflussen die Wuchsrichtung. Ein vorhandener Ast kann beispielsweise in der Dominanz gefördert werden, in dem Sie das Wuchspotential seiner Konkurrenten zurück nehmen. Dazu entfernen Sie dickere Triebe und reduzieren Knospen und Verzweigungen im Peripheriebereich um den Ast herum. Regen Sie das Dickenwachstum durch anschneiden des zu fördernden Astes im einjährigen Holz an. Dem Baumpfleger steht ein Potpourri an Möglichkeiten zur Verfügung.

Den Ginkgo beobachten und unterstützen

Warten Sie erst die Reaktion des Ginkgos ab, kann es sinnvoll sein, nach ein oder zwei Jahren Schnitttechnisch einzugreifen. Das Prinzip: Der Baum kompensiert selbst und der Baumschneider greift regulierend ein. Er unterstützt den Baum bei der Entwicklung einer neuen Baumkrone an der Kronenspitze. Warten Sie dabei nicht länger als zwei Jahre mit dem ersten Eingriff. Die Hierarchien haben sich dann manifestiert und Korrekturen sind nur durch massive Eingriffe möglich. Diese sind nicht gut für den Baum.

Baumpflege – eine Kunst

Die Kunst des Baumpflegers ist, die Äste so zu leiten und den Schnitt so zu führen, dass der Beobachter die ausgebrochene Spitze in der Kronenstruktur nicht erkennt. Dazu braucht er einen Blick für die Schnittmöglichkeiten, die vorhandene und neu gewachsene Äste bieten. Er braucht das Verständnis für die baumtypische Wuchsform. Solche Experten gibt es auch in Ihrer Nähe. Schauen Sie bei uns nach!

Der Autor: Johannes Bilharz

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3 Antworten
  1. Michael Laux

    BILOBA nicht BILBOA !!!
    Dürfte auf einem Portal für Baumpfleger NICHT passieren.
    Hat das wirklich noch niemand bemerkt/kommentiert?

    LG
    Michael Laux

    Antworten
    • Baumpflegeportal

      Guten Tag Herr Laux,
      Vielen Dank für den Hinweis, ich habe es natürlich sofort korrigiert. Leider passieren selbst uns einmal Rechtschreibfehler 😉

      Antworten
  2. Nicolas Kenkenberg

    Guten Abend, mir ist gerade mein großer Kiwi Kübel in meinen kleines ginkgo Bäumchen auf der Terrasse geknallt.
    Ein trieb der dreiteiligen Krone ist stark angebrochen
    Ich habe den trieb Jz erstmal mit einem Bambusstab und 2 kabelbindern geschient
    Ich hoffe das hilf und der ginkgo nimmt die Hilfe an…
    habt ihr Tipps?
    Lg Nicolas

    Antworten

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