Baumwissen

Verwendung von Winterlinde und Lindenholz

Redaktion
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Winter- und Sommerlinde sind im Erscheinungsbild und in den Eigenschaften des Holzes fast wie Zwillinge. Zwar lassen sich ausgewachsene Bäume in freier Wildbahn mit ein wenig Fachkenntnis unterscheiden, aber bei Lindenholz wird selten zwischen beiden getrennt. Die Bedeutung der Linden und von Lindenholz nimmt seit Jahrzehnten stetig ab. Noch im Mittelalter war ein Leben ohne Linde nur schwer vorstellbar. Kaum ein Ort war ohne zentrale Dorflinde und in fast jeder Kirche war eine Schnitzerei aus Lindenholz zu finden. Doch auch heute begegnet einem Lindenholz noch oftmals im Alltag. So sind beispielsweise Spielzeuge, Musikinstrumente, Möbel oder Skulpturen aus dem weichen, gut zu bearbeitendem Material.

Das Heilige Holz

Lindenholz wird gerne auch als „lignum sacrum – Heiliges Holz“ bezeichnet, da es sich aufgrund seiner Eigenschaften sehr gut zum Schnitzen eignet. Es ist weich, nicht sehr bruchfest und lässt sich mit vielen Werkzeugen gut bearbeiten. Im Mittelalter war Lindenholz damit der ideale Rohstoff für Schnitzereien und fand als ausgearbeiteter Heiliger oder als sakrale Skulptur Einzug in Dorfkirchen, Kapellen und Gotteshäuser.

Lindenholz im Alltag

Alltagsgestände wie Schuhe, Schüsseln, Löffel, Bilderrahmen, Zeichenbretter und Spielzeug wurden damals ebenfalls aus dem Holz der Linden gefertigt. Auch heutzutage wird das Holz zur Fertigung von Spielzeug oder Möbeln noch gern genutzt. Allerdings wird es in Europa hauptsächlich in der Bildhauerei verwendet. Zur Herstellung von Schießpulver nutzten mittelalterliche Alchimisten auch Holzkohle aus Linde. Gegenwärtig wird Lindenholzkohle sehr gerne als Zeichenkohle verwendet.

Lindenholz ist ein leichtes, helles, mittelschweres Holz. Die Jahrringe sind nur schwach sichtbar. Von Holzwürmern wird es gemieden und dadurch gern im Harfen-, Klavier- und Orgelbau eingesetzt. Lindenholz muss sorgfältig und langsam getrocknet werden, da es schnell reißt. Es empfiehlt sich die Rinde erst nach der Trocknung zu entfernen, um Seitenrisse zu vermeiden. Das getrocknete Holz ist dann stabil. Im Außenbereich findet Lindenholz nur wenig Verwendung, da es bei Witterung oder Wasserkontakt schnell von Pilzen befallen wird.

Kleiner Holzblock von der Winterlinde
Holz der Winterlinde (Tilia cordata)

Bast und Biene

Von der Linde wird schon seit Jahrtausenden nicht nur das Holz als Werkstoff verwendet. Der Bast von Linden, also das Gewebe zwischen Rinde und Holz des Baumes, zeichnet sich durch einen besonders hohen Anteil an Bastfasern aus. Nachdem der Lindenbast von der Rinde getrennt ist, lässt er sich vielfältig weiterverarbeiten. In der Frühzeit fertigen die Siedler Kleider, Schuhe und Schutzschilde, später dann Bogensehnen, Schnürsenkel, Seile, Taschen und Sattlerzeug aus Lindenbast.

Auch Bienenkörbe lassen sich aus Bast herstellen. Von größerer Bedeutung für die Imkerei sind jedoch die Blüten der Linden. Auf zahlreichen Frühstückstischen ist ein Glas Lindenblütenhonig zu finden. Als relativ spätblühende Baumart bietet die Linde im Juni und Juli, und damit als eine der letzten wichtigen Quellen, viel Nektar für Bienen und Hummeln an.

Die Linde in der Stadt

Die zentrale Bedeutung der Linde als Dorfzentrum hat in den letzten Jahrhunderten abgenommen. Auch als ehemals beliebter Allee- und Stadtbaum wird sie seltener verwendet. Auf zunehmende Luftverschmutzung, insbesondere an stark befahren Straßen, reagiert die Linde gestresst. Gleichzeitig macht sie sich in Städten durch ihren klebrigen Honigtau bei Stadtbewohnern mit Auto zusehends unbeliebt. Dabei eignet sich die Linde durchaus gut als Stadtbaum. Sie ist anpassungsfähig und kann mit Stammverletzungen gut umgehen. Außerdem zeigt die Linde positive Auswirkungen, wenn es darum geht, Lärm zu mindern. Die Rinde von Linden ist in jungen Jahren anfällig gegenüber starker Sonneneinstrahlung und droht daher aufzuplatzen. Mit einem weißen Anstrich des Stämmchens kann eine mögliche Verletzung gut verhindert werden.

Der Autor: Jan Böhm

Quellen:

  • Dr. Ulrich Hecker: BLV-Handbuch – Bäume und Sträucher. München; Wien; Zürich 1998, S. 260-261
  • Doris Laudert: Mythos Baum. Geschichte – Brauchtum – 40 Baumporträts von Ahorn bis Zitrone. München 2004, S. 164-172
  • Stefan Kühn, Bernd Ulrich, Uwe Kühn: Deutschlands alte Bäume, München 20014, S. 94-95
  • Grosser und W. Teetz: Informationsdienst Holz Nr. 17 – Linde, Bonn 1998

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