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Baumpflege

Druckzwiesel in Bäumen: So gefährlich sind sie wirklich

gespaltener Ast im Garten

Wie bruchsicher sind Vergabelungen? Wie lassen sich bruchgefährdete Vergabelungen erkennen, welche Maßnahmen sind einzuleiten? Antworten darauf finden Sie in diesem Beitrag.

Eine besondere Form des Stammwuchses an Bäumen ist der umgangssprachlich so genannte „Zwiesel“. Dabei bildet der Baum seinen Stamm nicht mehr aus einem Trieb aus, sondern aus zwei oder mehreren Trieben. In einer Umfrage von Wilde gaben immerhin 47 Prozent der befragten Stadtverwaltungen den Ausbruch von Stammzwieseln als zweithäufigste Versagensart an.
Die Gründe, warum Bäume einen Zwiesel ausbilden, sind sehr unterschiedlich: Verletzungen in der Jugend, Erbanlagen, Windbruch…

Zwiesel ist nicht gleich Zwiesel: Die Baumpflege unterscheidet V- und U-Vergabelung (Druck- und Zugzwiesel). U-Vergabelungen (Zugzwiesel) sind normalerweise für den Baum weitgehend unbedenklich. V-Vergabelungen (Druckzwiesel) dagegen gelten als kritisch und bruchgefährdet. Sind sie es wirklich? Neue Untersuchungen, durchgeführt an Bergahorn und (Rot-)Buchen, widersprechen dieser Lehrmeinung: Funke und Schuster kommen in ihrer Bachelorarbeit „Untersuchungen zur mechanischen Bruchfestigkeit von kodominanten Vergabelungen (Zwieseln)“ zu dem auch für die Autoren überraschenden Ergebnis, dass es „keine signifikanten Unterschiede in der Bruchfestigkeit“ bei V- und U-Vergabelungen gibt. Bestätigt wurde dieses Ergebnis unter anderem durch Versuchsreihen von Arboristik-Studierenden an der HAWK.

Das Wichtigste in Kürze

  • Wie groß ist die Gefahr, dass ein großer Ast abbricht, der Menschen und/oder andere Güter wie ein Gartenhaus gefährdet? Fachleute begutachten dazu unter anderem die Art der Vergabelung – ein wichtiger Hinweisgeber.
  • V-Vergabelungen (Druckzwiesel) stellen nach weit verbreiteter Einschätzung eine erhebliche Gefahr dar – für den Baum wie für Passanten.
  • Davon zu unterscheiden sind U-Vergabelungen (Zugzwiesel).
  • Neue Forschungsergebnisse legen nahe, dass zumindest bei Buchen und Berg-Ahorn entgegen (!) der weit verbreiteten Meinung Unterschiede bei der Bruchfestigkeit zwischen U- und V-Zwieseln kaum nachweisbar sind.
  • Anhand verschiedener Symptome beurteilen Fachleute die konkrete Bruchgefahr von Vergabelungen. Insbesondere spitze, stark ausgeprägte Ohren mit alten, bereits gerissenen Holzstrukturen sind ein Alarmsignal.

V- und U-Vergabelungen unterscheiden

Die Bezeichnung der unterschiedlichen Vergabelungen bezieht sich auf die Form des Zwiesels. Eine V-Vergabelung besteht aus zwei gleichwertigen Stämmen, die spitz auseinander laufen. Bei der U-Vergabelung ist diese Stelle deutlich abgerundeter. In der Nähe einer Vergabelung stabilisieren Laubbäume ihre Äste überwiegend mit Zugholz.

Diese Holzfasern bilden sich auf der Zugseite eines Astes aus. Die Zugseite ist bis auf Ausnahmen die Innenseite oder Oberseite. Diese Holzfasern auf der Zugseite arbeiten den Spannungen entgegen, die auf den Ast wirken. Spannungen entstehen an einem Zwiesel, da seine Stämme nicht schnurgerade in die Höhe wachsen. Bei U-förmigen Vergabelungen sorgt das Zugholz aber für statisch günstige Voraussetzungen und eine stabile Verbindung.

Definition Zwiesel

  • Gabelungen in zwei, zumeist etwa gleich starke Stämmlinge/Äste, U- oder V-förmig, häufig Mischform
  • Zugzwiesel: U-förmiger Zwiesel, meist nicht bruchgefährdet
  • Druckzwiesel: V-förmiger Zwiesel, zwischen Stämmlingen oder Ästen vielfach Rinde eingewachsen, häufig bruchgefährdet

nach ZTV-Baumpflege

„Eingewachsene Rinde“ an Vergabelungen

An V-Vergabelungen tritt dagegen regelmäßig ein Symptom auf, das in der Baumpflege unter dem Begriff der „eingewachsenen Rinde“ bekannt ist. Bei eingewachsener Rinde bildet sich am Mittelpunkt der Vergabelung ein von beiden Seiten aufwölbendes Gewebe. Ähnlich zu zwei gegeneinander gehaltenen Fäusten sinkt das Gewebe in der Mitte ab. Ist das Gewebe an dieser Stelle noch leicht aufgehellt, deutet dies auf einen Holzmangel hin. Der Baum erzeugt nicht genügend Holz, um die entstehende Lücke zu schließen.

Gefährliche Rippenbildung

Bleibt dieses Problem unbehandelt, beginnen sich unterhalb der Seiten der Vergabelung sogenannte Rippen oder Ohren auszubilden. Mit „Rippenbildung“ versucht der Baum, ganze Jahresringe um die kritische Vergabelung aufzubauen, um den Zwiesel zu stabilisieren. Treten Rippen auf beiden Seiten auf, sollten Baumbesitzer handeln und einen Fachmann zu Rate ziehen. Mit der Zeit besteht die Gefahr, dass sich die Rippen vergrößern und verändern. Egal, ob diese sich verlängern oder spitzer werden, beide Symptome deuten auf eine zunehmende Gefahr hin. Je nach Ausprägung besteht nun dringender Handlungsbedarf. Der Baum bedarf einer unverzüglichen Kontrolle durch einen Baumpfleger. Baumpflegerische Maßnahmen, zum Beispiel eine Kroneneinkürzung oder Einbau von Seilverbindungen, können eingeleitet werden, um den Zwiesel zu stabilisieren.

Schwarzer Saftfluss als Warnzeichen

Als Begleiterscheinung tritt gelegentlich an der Oberseite der Vergabelung ein schwarzer Saftfluss auf. Dieser rinnt an der Rinde herab und ist leicht mit Wasser zu verwechseln, das an den Seiten der Gabel herabfließt. Der schwarze Saftfluss lässt unabhängig von äußeren Einflüssen auf Bewegungen innerhalb der Vergabelung schließen. Für den Baumbesitzer besteht jetzt akuter Handlungsbedarf, da der Baum nicht ausreichend bruchsicher ist.

Kontrolle von Zwieseln auf Bruchsicherheit

In der Baumpflegepraxis ist es wichtig, einzuschätzen, ob bestimmte Kronenteile oder der Zwiesels eines Baumes noch bruchsicher sind. Um die aktuelle Bruchgefahr für einen Baum zu beurteilen, wird die Bruchsicherheit in der Regel visuell von Boden aus kontrolliert. Die Seilklettertechnik (SKT) eröffnet Baumpflege-Profis weitere Möglichkeiten, einen Baum zu beurteilen. Aus der Kronen begutachten sie weitere sichtbare Symptome – wie Auffälligkeiten an der Rinde oder das Schwingungsverhalten von Ästen. Die Einschätzungen von unten und oben ergänzen sich dann zu einer umfassenden Beurteilung der Bruchsicherheit von Zwieseln.

Beurteilung immer vom Fachmann

Für die Bewertung der einzelnen Symptome sollten Baumbesitzer zwingend erfahrene Baumpflege-Profis zu Rate ziehen. Sie verfügen über jahrelange Erfahrung und eine qualifizierte Ausbildung, um bei der visuellen Kontrolle die Anzeichen und Körpersprache der Bäume entsprechend einzuordnen.

Bedenken sollten Baumeigentümer zudem: Egal, zu welcher Maßnahme sie einen Baumpfleger beauftragen, er ist immer verpflichtet, den Baum verkehrssicher zu übergeben. Er muss Ihnen Auffälligkeiten in Stand- und Bruchsicherheit mitteilen, also im weiteren Sinne die Verkehrssicherheit. Damit begeben sich die Baumeigentümer auch auf rechtlich sicheren Boden.

Autoren: Marc Überla (Überarbeitung: Jan Böhm und Peter Knoll)
probaum München / PLZ: 80807

Originalartikel auf probaum München Baumpflegenetzwerk

Quellen:

  • K. Funke, M. Schuster: Untersuchungen zur mechanischen Bruchfestigkeit von kodominanten Vergabelungen (Zwieseln) an Buche, HAWK, Göttingen 2009
  • M. Wilde: Baumkontrollen im Rahmen der Verkehrssicherungspflicht als Aufgabe kommunaler Verwaltungen Heft 13, Osnabrück 1996
  • M. Schuster: Alles Zwiesel oder was?, in: Kletterblatt 2026, Gilching 2025, m. w. N.

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