Baumpflege

Großer Riss in der Baumrinde – Ein Todesurteil?

Ein 40 cm großer Riss klafft im Stamm eines Kirchbaumes.
Redaktion

Bei unserem jungen Obstbaum mit tollen Kirschen ist ein 40 Zentimeter langer Riss in der Rinde entstanden. Der Längsriss klafft immer weiter auf und das Holz liegt schon jetzt frei. Der Süßkirschbaum hat einen Stammumfang von 22 Zentimetern und eine Höhe von drei Metern. Sollen wir den Riss reparieren? Welche Maßnahmen führen am Besten zum Ziel?

Leserfrage

Weniger ist oft Mehr

Risse an Bäumen haben unterschiedlichste Ursachen. Schwankende Temperaturen, mechanische Schäden und Insekten- oder Pilzbefall spielen eine Rolle. Bei Obstbäumen entstehen größtenteils im Frühjahr Risse durch die großen Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht. Spannungen zwischen der aufgeheizten, südliche Stammseite und der von der Nacht noch kälteren Nordseite führen zu Rissen in der Rindenoberfläche. Obstbauern versehen die Stämme der Obstbäume mit einem weißen Kalkanstrich, weil die Farbe Weiß die Sonnenstrahlen reflektiert. Ein Brett vor der Sonnenseite des Stammes hat einen ähnlichen Effekt. Dies sind vorbeugende Maßnahmen.

Analyse des Risses

In Ihrem Fall ist es schon zu erheblicher Rissbildung gekommen. Hier geht es um die Frage der Wundbehandlung des Bäumchens. Die Freilegung des Holzes ist stark ausgeprägt. Der innere Holzkörper ist freigelegt und stirbt ab. Im Gegensatz zu menschlichem Gewebe kann sich Holz nicht heilen. Pilze und Bakterien zersetzen die tote Holzmasse. Zurück bleibt ein Loch oder Hohlraum. Das kann kein Wundverschlussmittel verhindern. Ich rate sogar davon ab, da hinter dem Wundverschlussmittel ein pilzfreundliches Milieu entsteht: gleichmäßiges feucht-warmes Klima. Das wäre kontraproduktiv.

Riss in der Rinde: Vermeintliche Hilfe

Vom oft gegebenen Rat, den Wundrand glattzuschneiden, damit das gesunde Gewebe besser wachsen kann, rate ich ab. Das Gewebe leidet unter diesem Eingriff. Im Splintbereich (= Phloem, das sind die Zellen zwischen der Rinde und dem Kambium) ist dies weniger problematisch als im inneren Holzkörper (Xylem). Hier führen Verletzungen zu Vitalitätsverlust. Es ist nicht falsch, totes Gewebe zu entfernen. Verletzen Sie aber versehentlich gesundes Gewebe, ist in meinen Augen der Schaden größer als der Nutzen.

In Ihrem Fall bringt das Abdecken mit schwarzer Folie nichts, um den freigelegten Holzkörper zu schützen. Das macht Sinn, wenn Sie direkt nach einer Schädigung der Rinde eingreifen. Beispiele hierfür sind Anfahrschäden an Bäumen. Hier führt dieses Verfahren oft zum Erfolg.

Was können Sie bei einem Riss in der Baumrinde tun?

Nichts! Fast nichts. Das Kirschbäumchen ist noch jung. Der Baum wird durch Zuwachs nach außen dicker und legt Jahr für Jahr Holz an. Selbst der große Riss an Ihrem Baum schließt sich irgendwann durch den Zuwachs. Bei dieser Größe dauert das einige Jahre. Wie stark diese Schadenstelle den Baum schwächt oder seine Lebenserwartung senkt, hängt nicht zuletzt mit der Vitalität insgesamt zusammen. Hinzu kommt, was dem Bäumchen in der Zukunft noch zusetzt.

Sorgen Sie dafür, dass der Baum gesund bleibt und ausreichend Wasser und Nährstoffe zur Verfügung stehen. Diese indirekte Hilfe hält den Baum vital. Hintergrund: Der Baum wehrt sich gegen das Vordringen von Pilzen, indem er versucht, Barrieren zwischen gesundem und krankem Holz aufzubauen. Dazu braucht er Energie durch Assimilate. Diese Energie braucht er für den Austrieb neuer Zweige und Blätter, das Dickenwachstum und zur Bildung neuer Früchte. Ist der Baum gesund und vital, hat er genügend Energie und es ist kein Problem sich gegen Pilze abzuschotten oder dem Pilz davon zu wachsen.

Das Problem mit der Zucht

Kirschbäume bekommen oft Krankheiten wie den Monilia-Pilz. Diese senken die Vitalität und schwächen den Baum. Die Summe der Probleme führt im schlimmsten Falle zum Absterben des Bäumchens. Grund hierfür ist oft die Schädigung von Blattmasse durch Krankheiten und Schädlinge (Reduzierung der Assimilat-Produktion) und der damit verbundenen geringeren Einlagerung von Reservestoffen für den Winter. Reservestoffe sind nicht nur wichtig für den Neuaustrieb im Frühjahr, sondern auch für die Ausbildung einer ausreichenden Frosthärte. Ein geschwächter Baum, der für den Winter nicht richtig vorsorgen kann, läuft Gefahr, den Winter nicht zu überleben. Das ist Natur.

Viele Zier- und Obstbäume brauchen deshalb einen höheren Pflegeaufwand. Der Erwerbsobstbauer versucht dies durch „Medikamente“ wie Spritzmittel, verabreicht künstliche Nährstoffe und hilft mit zusätzlicher Wasserversorgung nach (z.B. Tröpfchenbewässerung in Obstplantagen, aber auch tägliches Gießen von Kübelpflanzen auf Balkonen etc.). Dieser Aufwand lässt sich nicht für jede Pflanze und jeden Strauch oder Baum leisten. Das mindeste was Sie tun sollten ist: Sorgen Sie dafür, dass die Wurzeln des Baumes gesund bleiben. Fachgerechte Schnittmaßnahmen unterstützen und fördern die Vitalität.

Züchtung von Obstbaumarten

Der Mensch hat über Jahrhunderte hinweg künstliche Obstbaumarten gezüchtet und veredelt. Diese konnten sich nicht an die veränderten Bedingungen in ihrer Umwelt anpassen. Sie stehen isoliert in künstlich angelegten Gärten, weitab von einer natürlichen Umgebung. Deshalb kommt es bei empfindlicheren Obstbäumen wie Pfirsichen aber auch Kirschen öfters vor, dass sie von einem Jahr auf das andere absterben.

Vorsorgemaßnahmen

Vermeiden Sie größere Schäden durch massiven Schnitt. Auch die Schnittzeiten spielen eine Rolle, damit die benötigte Energie im richtigen Moment zur Verfügung steht. Gute Baumpfleger berücksichtigen deshalb die Erkenntnisse des Reservestoff-Zyklus des Baumes. Seien Sie im Sommer bis zum Laubfall und im frühen Winter vorsichtig mit Schnittmaßnahmen. Die Schnittstellen sind bis zum Frühjahr ungeschützt den Pilzangriffen und dem Austrocknen ausgesetzt. Denn der Baum arbeitet in der kalten Jahreszeit auf Sparflamme.

Stehen einem Baum fruchtbarer Boden und ausreichend Wasser zur Verfügung, hat er alles, was er für das normale Wachstum benötigt. Suchen Sie sich einen Gärtner, der sich mit Baumschnitt, insbesondere mit Obstbaumschnitt, auskennt. Auf unserer Seite finden Sie Experten in Ihrer Nähe. Einfach im Suchfeld bei „Baumpfleger finden“ Ihre PLZ eingeben und die Einträge der Firmen nach dem Tätigkeitsfeld „Obstbaumschnitt“ durchforsten.

Autor: Johannes Bilharz

Quellen:

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2 Kommentare
  1. Michael

    Bei mir sind die Risse im Sommer entstanden. Der Sommer hatte viele Sonnentage, und die Apfelbäume sind stark gewachsen und trugen reichlich Ernte. Jetzt, im Herbst, entstehen an den vor fünf Jahren ausgesetzten Bäumen Risse zwischen 5 und 20 cm lang und 0,5 cm tief. Was kann die Ursache sein?

  2. Anett Gruber

    Hallo,
    brauche einen guten Rat.
    Unsere 3 jährige Sauerkirsche(veredelte alte nicht bestimmbare Sorte)wurde durch Baumfällarbeiten am Mittelast direkt am Stammansatz verletzt. Auf einer Seite wird der Ast von der Rinde gehalten, der Rest ist komplett ausgerissen. Sollte ich den Ast komplett abschneiden oder kann man wie bei der Kopulationspraxis versuchen,ihn so stehen zu lassen in der Hoffnung, das er wieder anwächst??????
    Mit Dank und freundlichen Grüßen
    Anett Gruber

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