Interview mit Diplom-Ingenieurin Eva Satzl (FH), Institut für Pflanzenschutz: Wie sich der Klimawandel auf die Obsternte auswirkt und welche eingeschleppten Insekten die größten Schäden verursachen, lesen Sie in diesem Beitrag.
Auf einen Blick:
- Schadinsekten, die früher keine nennenswerte Rolle gespielt haben, können durch den Klimawandel begünstigt vermehrt auftreten.
- Drei invasive Arten bereiten aktuell große Sorgen: Kirschessigfliege, Walnussfruchtfliege und Marmorierte Baumwanze. Sie können einen Großteil der Ernte unbrauchbar machen.
- Die Schäden können abhängig vom Betrieb, Jahr und Gebiet mehrere 100.000 Euro allein im bayerischen Obstanbau betragen.
Baumpflegeportal: Frau Satzl, wie stark wirkt sich der Klimawandel hinsichtlich der Schadinsekten aus?
Eva Satzl: Der Klimawandel hat einen deutlichen Einfluss. Schadinsekten, die früher keine nennenswerte Rolle gespielt haben, können jetzt vermehrt auftreten. Und zugleich bekommen wir es mit eingeschleppten neuen Schädlingen zu tun.
Aufgrund der für ihre Entwicklung günstigen klimatischen Bedingungen hat sich beispielsweise die Kirschessigfliege stark vermehrt und große Schäden in den Obstanlagen verursacht.
Baumpflegeportal: Welche Arten gab es früher in Deutschland nicht oder nicht in nennenswertem Umfang?
Eva Satzl: Aktuell bereiten im Obstanbau insbesondere drei Arten große Sorgen. Neben der aus dem asiatischen Raum eingewanderten Kirschessigfliege Drosophila suzukii ist die Walnussfruchtfliege Rhagoletis completa zu nennen. Der Schaderreger hat seine Heimat in Nordamerika. Durch den Befall der Früchte kann nicht nur die Nussschale schwarz und unansehnlich werden, sondern auch der Nusskern selbst beeinträchtigt werden.
In Bayern hat das Auftreten der marmorierten Baumwanze seit 2019 stark zugenommen. Die Heimat der marmorierte Baumwanze Halyomorpha halys ist Ostasien. Sie wurde in Europa erstmals 2004 in der Schweiz nachgewiesen und ist mittlerweile in allen bayerischen Regionen häufig zu finden. Noch 2021 waren die Schäden, die durch Wanzen im Obst verursacht wurden, auf einem geringen Niveau – mit Ausnahme der Haselnuss. Aber bei verstärktem Auftreten seit 2021 können die Schäden an Apfel- und Birnenfrüchten 30 bis 50 Prozent betragen.
Baumpflegeportal: Wie hoch ist der wirtschaftliche Schaden?
Eva Satzl: Bei allen drei neuen Schaderregern kann der Schaden an den Früchten bis 100 Prozent liegen. Die Höhe des Schadens ist jährlich sehr schwankend und ist abhängig von der Witterung und vom Auftreten von Nützlingen, die die Schaderreger parasitieren.
Auch ist die Biologie der Schaderreger für unsere Klimabedingungen noch nicht genau erforscht und es kann noch weitere Einflussfaktoren geben, z. B. die Überwinterung, die Verpuppungsrate oder veränderte Nahrungsquellen, die noch nicht bekannt sind.
Schäden von 100 Prozent Ernteausfall in einem Jahr bedeutet nicht, dass im Folgejahr der Schaden wieder so extrem sein muss. Es kann z. B. bei der Marmorierten Baumwanze eine Birnensorte in einer Obstanlage bis zu 100 Prozent deformierte Früchte aufweisen. Aber gleichzeitig kann die Sorte, die neben der befallenen Sorte steht, nur an einzelnen Früchten Deformationen zeigen.
Aber auch obstbauliche Flächen, auf denen bisher nur geringe Schäden auftraten, können im Folgejahr stark geschädigt werden. Die Schäden können abhängig vom Betrieb, Jahr und Gebiet mehrere 100.000 Euro im bayerischen Obstanbau betragen.
Baumpflegeportal: Danke für das Interview!
(Das Interview führte Peter Knoll.)
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