Äste einer Balufichte

Die Frage:

Ist meine schiefe Blaufichte noch standsicher?

Seit dem letzten Sturm steht meine 40 Jahre alte Blaufichte schief. Ich schätze den Schrägstand auf circa zehn Prozent. Der Baum hat eine gute Lage, der Boden ist nicht versiegelt und sehr sandig.

Muss ich mich um den Baum sorgen, oder fangen die Wurzeln das Gewicht ab?

Die Antwort:

Eine Begutachtung des Baumes ist unumgänglich

Ihre Frage ist äußerst berechtigt, denn die Standsicherheit der Fichte kann massiv reduziert sein. Der Schiefstand nach dem Sturm rührt daher, dass einzelne Wurzeln auf der windzugewandten Seite abgerissen sind oder sich aus dem Erdreich gelöst haben. Wären alle Wurzeln noch fest verankert, wäre der Baum nicht gekippt. Damit ist klar, dass von dem Baum eine Gefahr ausgehen kann, sobald erneut Druck auf den Stamm kommt. Eine genaue Einschätzung der Situation kann jedoch nur ein Fachmann vor Ort geben!

Der natürliche Standort der Blaufichte

Die Heimat der Blaufichte sind die Höhenlagen der Rocky Mountains. Sie wurzelt eher flach und mag am liebsten lehmig-kiesige Böden, in denen sie auch standsicher wurzelt. Ein sonniger Standort ist für die Blaufichte gut geeignet. Sie benötigt jedoch viel Platz, da die oberflächennahen Wurzeln weit auslaufen und der Baum bis zu 35 Meter hoch wird.

Das Problem mit der Standsicherheit

Bäume kippen nicht einfach um, da sie sich mit ihren Wurzeln im Boden verankern. Der oberirdische Baumteil aus Stamm und Krone wirkt wie ein Hebel auf die Wurzelmasse. Senkrechte Wurzeln verhindern, dass der Stamm kippt; waagerechte Wurzeln sind wie Zugseile und schützen bei starken Winden. Die Fichte bildet ein Senkerwurzelsystem mit oberflächennahen Starkwurzeln aus, von denen senkrechte Senkerwurzeln in die Tiefe gehen. Es fehlt somit oft eine stabile Hauptwurzel, die den Baum als Stammverlängerung im Boden verankert.

An ihrem natürlichen Standort ist das System der Senkerwurzeln die beste Strategie. In den Hochlagen der Berge findet die Blaufichte flachgründige Böden vor und hält sich in den Spalten der Felsen mit ihren Wurzeln fest. In unseren Hausgärten ist die Situation eine andere. Die flachen Wurzeln finden im durchlässigen Boden zwar viele Nährstoffe, jedoch nur wenig Halt. Ab einer gewissen Höhe wird der Hebel auf den Wurzelteller sehr hoch. Normale Windgeschwindigkeiten fängt der Baum durch den Aufbau seiner Krone und die Elastizität des Stammes ab. Stürme und orkanartige Winde stellen jedoch für jeden Baum eine Ausnahmesituation dar.

Der schiefe Baum

Steht ein Baum nach einem Sturm schief, hat sich das Gleichgewicht des Baumes verändert. Durch die Belastung auf der windzugewandten Seite sind entweder Wurzeln abgerissen oder aus dem Boden gezogen. Der Baum hat auf der Zugseite weniger Halt. Da beim nächsten Sturm der Wind meist aus derselben Richtung kommt, drückt er wieder auf die bereits geschwächte Seite des Baumes. Es besteht eine hohe Gefahr, dass die verbleibenden Wurzeln den Druck nicht mehr abfangen und der Baum mitsamt seines Wurzeltellers umkippt. Manchmal schaff es der Baum auch, sich nach einem Sturm trotz des Schiefstandes wieder neu im Boden zu verwurzeln und richtet den Leittrieb vertikal nach oben. Gerade jüngere Bäume gehen aus dieser Erfahrung mit einem gebogenen Stammfuß hervor.

Der Boden als Indikator für Wurzelschäden

Fängt ein Baum an zu kippen, sind in manchen Fällen Bodenveränderungen auf der windzugewandten Baumseite sichtbar. Hebt sich der Wurzelballen durch den Sturm an oder reißen die Wurzeln ab, hebt sich auch der Boden auf dieser Seite etwas an. Sind bereits Risse oder Auffaltungen am Boden zu sehen, ist dies ein Indikator für die verminderte Standsicherheit eines Baumes, auch wenn noch kein Schiefstand zu sehen ist.

Sicherheit geht vor!

In jedem Fall sollten Sie Großbäume mit Schiefstand oder verändertem Boden im Wurzelbereich von einem Baumkontrolleur oder Baumgutachter überprüfen lassen. Er weiß, wie standsicher der Baum ist und ob gefällt werden muss. Auch kennt er manchmal spezielle Maßnahmen, die den Baum erhalten können. Seien Sie nicht leichtsinnig! Eine alljährliche Kontrolle ist bei Problembäumen notwendig und beugt schweren Sach- oder sogar Personenschäden vor.

Die Autorin: Marina Winkler

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