Birken auf einem Nachbachgrundstück

Die Frage:

Sind die Birken auf dem Nachbargrundstück ein Gefahr?

Wir ärgern uns seit Jahren über den Birkenbestand auf dem Nachbargrundstück, das durch eine schmale Nebenstraße von unserem Grundstück getrennt ist. Es handelt sich um sechs Birken in Süd-Westlage. Die Kronen ragen zum Teil schon über die Mitte des Weges hinaus. Die Bäume sind nachweislich noch nie einem Pflege-, bzw. Rückschnitt unterzogen worden und haben zum Teil inzwischen eine bedrohliche Höhe von geschätzten 20 Metern erreicht. Unsere Arbeitsbelastung durch das Entsorgen von Laub, Pollen, insbesondere aber von unzähligem, für die Baumart typischem Geäst nach Stürmen hat im Lauf der Jahre ein Ausmaß angenommen, das für uns nicht mehr länger akzeptabel ist.

Aufgrund der für unsere Region typischen, gewöhnlichen Winde – überwiegend aus südlichen bis westlichen Richtungen – haben die von meinem Grundstück aus in diesen Richtungen stehenden Bäume in ihrem Wachstum bereits die entsprechende, meinem Grundstück zugewandte Neigung angenommen.

Angst, dass die Bäume umstürzen

Nach unserer Einschätzung geht durch die Neigung der Bäume und die Höhe mittlerweile eine unmittelbare Gefahr aus – sowohl für unsere Sachwerte im Nahbereich (z. B. Carport), als auch für den öffentlichen Verkehrsraum. Bei der stetig steigenden Intensität der Orkane der jüngsten Vergangenheit wird ein Stammbruch der Bäume immer wahrscheinlicher. Ein Umstürzen mit entsprechenden Sach- oder gar Personenschäden kann nach menschlichem Ermessen nicht mehr gänzlich ausgeschlossen werden.

Meine Frage: Welche rechtlichen Möglichkeiten bestehen, um den Nachbarn zur Baumpflege, bzw. zum signifikanten Rückschnitt der Bäume zu zwingen oder die gesetzlich sowie satzungsmäßig in unserer Gemeinde nicht geschützten Birken möglicherweise gänzlich zu entfernen? Der Nachbar hat durchaus die Absicht eingeräumt und auch einen entsprechenden Antrag bei der Unteren Naturschutzbehörde eingereicht. Dieser sei aber mit der Begründung einer „Ortsbildprägung“ der Birken abgelehnt worden.

Die Antwort:

Viele Faktoren sind zu berücksichtigen

Wie so oft, ist eine Antwort oft abhängig vom Ziel und dem, was man erreichen möchte. Möchten Sie die Birken loswerden, weil:

  1. Sie Angst haben vor ausbrechenden Ästen oder umstürzenden Stämmen?
  2. die Bäume beschatten?
  3. die Bäume Blätter, Blüten oder Früchte abwerfen?

Zu Punkt 1: Ausbrechende Äste und umstürzende Stämme

Birken sind eher den Pionier-Gehölzen zuzuordnen: Sie haben also eine für Bäume nicht allzu hohe Lebenserwartung. Zwar wird das potentielle Alter z. B. in Wikipedia mit 160 Jahren angegeben. Gerade in Wohngegenden dürfte das durchschnittliche Alter aber eher deutlich unter 100 Jahren liegen – ich schätze 60 bis 80 Jahre. Sobald man sie unfachmännisch schneidet (Köpfen von großen Ästen bzw. Abwerfen der Spitzen, siehe Bild), faulen sie ziemlich schnell und werden zu einem Sicherheitsproblem, so dass sie oft schon ca. 10 Jahre nach dem falschen Schnitt aus Sicherheitsgründen gefällt oder aufwendig gepflegt werden müssen. Überlässt man die Birken der Natur, gehört das Ausbrechen von Ästen ab den mittleren Altersstadien durchaus zum Alltag.

Schlecht gepflegte Birke

Gekappte und geschnittene Birke

Einzelnen Astausbrüchen kann man mit gutem, Habitus gerechtem Schnitt begegnen. Ob jedoch der Baum insgesamt stabil ist, kann nur ein Baumgutachter feststellen. Er prüft dazu die Standfestigkeit. Kann er das visuell nicht beurteilen, gibt es zusätzlich technische Möglichkeiten, um gesicherte Antworten zu bekommen. Will man die Bäume erhalten, lohnt sich sicherlich die Investition in ein Gutachten. Meist kann schon ein guter Baumpfleger die Lage beurteilen und den Baum entsprechend schneiden. Unter Umständen kann die Birkengruppe zusätzlich mit Kronensicherungen baumschonend gesichert werden.

Für die Sicherheit der Bäume ist der Baumeigentümer verantwortlich. Er muss die Bäume jährlich überprüfen lassen. Baumgutachter oder -kontrolleure sind geschult, die Bruch- und Standsicherheit zu beurteilen. Tun sie das nicht, haften sie im Zweifelsfall. Erzwingen kann man das nur mit Anwalt und Anzeige.

Anhand der Bilder kann ich bei den Bäumen keine großen Probleme ausmachen und vermute, dass man die Bäume durchaus ohne große Gefahr erhalten kann und mit einem gekonnten Schlankschnitt auch die Höhe in den Griff bekommt, ohne den Baum zu verstümmeln. Der Schrägstand muss per se nicht automatisch problematisch sein. Extreme Orkane müssen Bäume zudem nicht aushalten. Das hält im Zweifel kein Baum aus. Wollte man das also ausschließen, müssten alle Bäume gefällt werden. Gott sei Dank gibt es inzwischen Methoden, wie man recht zuverlässig Gefahren einschätzen kann.

Zu Punkt 2: Bäume beschatten

Bäume beschatten – je höher und breiter, desto mehr. Hier hilft nur, rechtzeitig einen versierten Baumpfleger damit zu beauftragen, Bäume Habitus gerecht zu schneiden. Mittels Schlankschnitt können Birken verhältnismäßig gut im Höhen- und Breitenwuchs begrenzt werden. Will man die Bäume erhalten und den Schatten reduzieren, sollte man neben dem Schlankschnitt auch dynamische Kronensicherungen in Betracht ziehen. Keinesfalls sollte man die Bäume kappen (Faulstellen).

Birken werden gerne in Gruppen gepflanzt. Bis zum Alter von 10 bis 20 Jahren kann man problemlos die Gruppe auflösen und die Zahl der Bäume reduzieren. Je älter die Baumgruppe ist, desto problematischer wird es, einzelne Bäume herauszunehmen und Bäume freizustellen. Die Bäume haben sich in der Gruppe so an den Schutz der anderen Bäume gewöhnt und sich hinsichtlich Stabilität optimiert, dass es sonst bei Änderungen der Windsituation gefährlich werden kann.

Denkbar wäre auch, dass man statt aufwendigem Baumschnitt und Sicherung der Krone die Birken fällt und wieder neu pflanzt. Birken sind nichts, was man nicht wieder ersetzen könnte. Der baumpflegerische Aufwand und der Aufwand für Baumkontrollen sind in den ersten 20 bis 30 Jahren sehr gering und Birken wachsen sehr schnell. Solange die Birken noch bruch- und standsicher sind, könnte man zuerst die eine, dann die andere Birkengruppe austauschen und verjüngen.

Zu Punkt 3: Abwurf von Laub, Blüten und Früchten

Wem Laub, Blüten und Früchte lästig sind, der sollte generell auf Bäume verzichten. Wenn das nicht möglich ist, hilft nur, die Natur lieben lernen und sich damit zu arrangieren. Schatten kann auch schön sein in heißen Sommern, wenn er das Aufheizen des Autos verhindert oder für etwas Kühle sorgt. Das Rauschen der Blätter kann Wohltat für die Ohren sein, wenn Autolärm und der Krach von Rasenmähern oder Laubbläser einmal verstummen. Die Reinigung der Luft nehmen wir fast nicht wahr. Sie ist aber durchaus etwas, wofür wir dankbar sein können. Das Brechen der Winde können wir ebenfalls nicht direkt wahrnehmen, ist aber durchaus auch ein großer Vorteil. Und das Laub oder die Früchte sind Kompost, Nahrung für die Birke und andere Pflanzen.

Meine vorsichtige Meinung anhand der Bilder

Die Bäume können erhalten werden. Diese Einschätzung sollte aber auf jeden Fall durch eine eingehende Untersuchung eines Baumgutachters abgesichert werden. Durch baumpflegerische Maßnahmen (Schnittmaßnahmen, Kronensicherungssysteme) lässt sich auch die Gefahr ausbrechender Äste und Stammausbrüche minimieren.

Wenn Sie – warum auch immer – die Bäume fällen wollen, müssen natürlich die örtlichen Baumschutzsatzungen und die Satzungen der Länder beachtet werden. Dort ist klar geregelt, wann und welche Bäume gefällt werden dürfen und welche nicht sowie welche Auflagen es ggf. zu beachten gilt. Gibt es keine Gemeindeverordnung und auch kein Landesgesetz, gilt das Bundesnaturschutzgesetz. Dort darf man im Hausgarten theoretisch das ganze Jahr fällen, muss aber von März bis Oktober prüfen, ob naturschutzrelevante Gründe vorliegen, die eine Fällung verbieten. Im Zweifel hilft die Naturschutzbehörde, das zu prüfen.

Eine Fällung alleine mit der Begründung „ortsprägend“ zu verbieten, erscheint mir im vorliegenden Fall nicht sehr wasserdicht und gerichtlich durchsetzbar, bzw. kein ausreichender Ablehnungsgrund. Das sage ich aber nur ohne Kenntnis der wahren Begründung und ohne Kenntnis der entsprechenden Baumschutzverordnungen. Im Fall von Birken würde ich als Naturschutzamt die Fällung genehmigen – sofern möglich mit der Auflage zu Ersatzpflanzungen.

Der Autor: Johannes Bilharz

Einschätzung über potentielle Gefahren durch Bäume vom Experten

Haben SIe ein ähnliches Problem mit Bäumen? Dann fragen Sie am besten bei einem Experten für Baumpflege aus ihrer Nähe nach Rat. Über die Suchfunktion des Baumpflegeportals finden Sie schnell einen qualifizierten Baumpfleger.

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1 Antwort
  1. Stefan Weiß
    Stefan Weiß says:

    Nach Entscheid des Bundesgerichtshofs (BGH) sind Schatten und Laub kein Grund für Fällungen. Weiter ist bei dem Alter der Bäume – selbst bei Grundstücksnähe – von einer anfänglichen Duldung auszugehen. Somit noch weniger Fällgrund. Weiter kann der Besitzer zu nichts gezwungen werden. Im Schadensfall muss er sich zivilrechtlich verantworten, bzw. bei Personenschäden strafrechtlich. Bei Stürmen zählt die höhere Gewalt – insofern keine erheblichen, vorhersehbaren und der Abhilfe bedürftigen Defekte vor dem Sturm auftraten wie z. B. Pilzbefall.

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