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Shinrin Yoku: Waldbaden – warum es gesund ist

Frauen sitzen mit geschlossenen Augen auf Baumstamm
Zuhören: Die Frauen schließen die Augen und hören in den Wald hinein. – DAWG/Björn Kaisen

Gestresst, niedergeschlagen, ausgebrannt? Dann wird es höchste Zeit für ein Waldbad! Shinrin Yoku, der Trend aus Japan, findet auch hierzulande immer mehr Anhänger. Bei uns erfahren Sie, warum Waldbaden gesund ist.

Shinrin Yoku: Ursprung in Japan

Wer hat’s erfunden? Die Japaner. Shinrin Yoku bedeutet auf Japanisch so viel wie „Eintauchen in die Waldatmosphäre“ oder schlicht „Waldbaden“. Geprägt hat diesen Begriff die japanische Forstbehörde in den 1980er Jahren ursprünglich als Slogan für eine Waldschutzkampagne. Seitdem hat der Trend auf seinem Siegeszug die gesamte westliche Welt erobert.

Mensch als Teil der Natur

Dabei dreht sich alles um einen möglichst intensiven Kontakt zwischen Mensch und Natur, speziell zwischen Mensch und Wald. Hintergrund: In der japanischen Kultur fühlen sich die Menschen viel stärker als Teil der Natur als in der westlichen Welt. Hier wird die Natur eher als Gegenüber und Erfahrungsraum wahrgenommen.

Zurück zu den Wurzeln

Grundsätzlich suchen immer mehr Menschen das Naturerlebnis als Gegengewicht zu einem Alltag, der sich überwiegend vor dem Bildschirm und in einer künstlichen Umgebung abspielt. Verbringt der moderne Mensch doch einen Großteil seiner Zeit am Schreibtisch, eingepfercht in Autos und Zügen, essend, spielend und schlafend in geschlossenen Räumen.

Waldbaden trifft den Nerv der Zeit

Die Ursache für dieses Streben zurück in die Natur liegt wahrscheinlich in der Herkunft des Menschen. Er hat sich in einer natürlichen Umgebung entwickelt und diese aus evolutionstechnischer Sicht erst seit Kurzem verlassen. Zwischen Smartphone, Reizüberflutung und Alltagsstress trifft Waldbaden zudem genau den Nerv der Zeit in puncto Achtsamkeit für sich selbst und die Natur. Bemerkenswert: Indem man dieses natürliche Verlangen nach einem stillen, entspannenden Rückzugsort bedient, tut man zusätzlich etwas für seine Gesundheit.

Waldbaden für Körper und Geist

Denn diverse Untersuchungen beweisen, dass sich ein Aufenthalt im Wald positiv auf Körper und Geist auswirkt. Die medizinische Wirkung beim Shinrin Yoku reicht von der deutlichen Reduzierung des Stresslevels über die Stärkung des Immunsystems bis hin zu positiven Effekten bei psychischen und chronischen Erkrankungen. Auf der Grundlage dieser Erkenntnisse wurde die sogenannte Naturtherapie entwickelt.

Naturtherapie entstand in Japan

Den Grundstein für die heutige Naturtherapie legten japanische Wissenschaftler bereits in den 1980er Jahren. Sie belegten in von der Regierung geförderten Forschungen, dass Waldbaden gesund ist. In der japanischen Präfektur Nagano wurde schon 1970 der erste offizielle Nationale Erholungswald eröffnet.

Seitdem wandeln im berühmten Akasawa-Wald mit seinen mehr als 300 Jahre alten Kiso-Zypressen jährlich etwa 100.000 Japaner auf Themen-Wanderwegen oder besuchen Veranstaltungen im Waldtherapie-Zentrum.

Waldtherapie in Deutschland

In Deutschland ist die Waldtherapie ebenfalls auf dem Vormarsch. Der erste offizielle Kurwald wurde 2017 eröffnet. Er liegt in Heringsdorf auf der Insel Usedom in Mecklenburg-Vorpommern. Seitdem sind mehrere anerkannte Kur- und Heilwälder dazugekommen, beispielsweise in Plau am See und an der Müritz. Weitere Wälder an der Ostseeküste und der Mecklenburgischen Seenplatte befinden sich in der Umsetzungs- und Entwicklungsphase. 2021 öffnete sogar ein offizieller Kinderheilwald auf Usedom.

Wälder werden für Therapiezwecke zertifiziert

In weiteren Bundesländern ist die Schaffung von Kur- und Heilwäldern in der Planung. Meist arbeiten dabei die Bäderverbände, das Wirtschaftsministerium, die jeweilige Landesforst-Anstalt und Universitäten Hand in Hand. Auf Grundlage von forschungsgestützten Gutachten werden dabei potenziell für waldtherapeutische Zwecke geeignete Wälder ausgewählt und zertifiziert.

In Bayern beispielsweise gab es von 2019 bis 2022 ein Pilotprojekt des Bayerischen Heilbäder-Verbandes in Zusammenarbeit mit dem Bayerischen Wirtschaftsministerium und der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU). Ziel: Kriterien für Kur- und Heilwälder zu entwickeln, Waldgesundheitstrainer und Waldtherapeuten auszubilden sowie Therapie- und Rehabilitationsangebote zu entwickeln. 15 bayerische Kurorte und Heilbäder wie Bad Wörishofen, Garmisch-Patenkirchen, Bad Kötzting und Treuchtlingen bewarben sich darum, die Wälder in ihrer Nähe künftig auf der Grundlage wissenschaftlicher Erkenntnisse für präventive und rehabilitierende waldtherapeutische Angebote nutzen zu dürfen. Im von der LMU entwickelten „Handbuch zur Entwicklung von Kur- und Heilwäldern in Bayern“ liegen nun die bayerischen Zertifizierungskriterien für die Ausweisung eines Kurwaldes oder Heilwaldes vor.

Waldtherapie auf medizinischer Grundlage

Angesichts der wachsenden Anzahl von Heil- und Kurwäldern in Deutschland, der zunehmenden Forschungslage zum Thema und den Bestrebungen zur Zertifizierung von waldtherapeutischen Standards dürfte also auch hierzulande bald normal sein, was in Japan längst Usus ist: Waldtherapie auf Rezept.

Qing Li: Begründer der modernen Waldmedizin

An japanischen Universitäten ist es mittlerweile sogar möglich, die fachärztliche Spezialisierung Waldmedizin zu studieren. Als Begründer dieser interdisziplinären Wissenschaft gilt der chinesische Forscher Qing Li, Professor an der Nippon Medical School Tokio. Der Immunologe promovierte zunächst an der japanischen Kagoshima Universität im Fach Umweltmedizin. Dabei untersuchte er die Auswirkungen von Umweltchemikalien, Stress und Lebensstil auf die Immunfunktion und die menschliche Gesundheit.

Neue Forschungsdisziplin entstanden

Während seiner Studienzeit fiel ihm auf, dass Waldbesuche ihn sehr entspannten, glücklich machten und sein körperliches Befinden rundum verbesserten. Er realisierte für sich, dass er dabei bewusst den charakteristischen Waldduft, die frische saubere Luft, die ruhige Atmosphäre und den Anblick der Bäume genoss.

Aus dieser persönlichen Erfahrung heraus schloss Qing Li darauf, dass diese Faktoren und ein Aufenthalt im Wald generell einen unmittelbaren Einfluss auf die Gesundheit des Menschen haben müssten. Diese Erkenntnis inspirierte ihn zu gezielten Forschungen in dieser Richtung und zur Entwicklung einer völlig neuen Forschungsdisziplin: der Waldmedizin.

Warum ist Waldbaden gesund?

Ließe sich Waldluft in Flaschen abfüllen, erhielte man quasi ein Universalmittel. Denn Waldbaden erzielt bei einer Vielzahl von Beschwerden eine gesundheitsfördernde Wirkung. So hilft es bei Atemwegs- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen, stärkt den Bewegungsapparat, lindert chronische Schmerzen und wird erfolgreich bei der Behandlung von psychosomatischen und neurologischen Erkrankungen eingesetzt.

Waldbaden stärkt Immunsystem

Professor Qing Li war einer der ersten, der wissenschaftlich belegte, dass Waldbaden gesund ist. In seiner vielbeachteten Studie von 2007 wies er nach, dass die im Wald vorkommenden Terpenoide das Immunsystem stärken. Diese botanischen Duftstoffe werden von den Bäumen und Sträuchern im Wald verströmt. Sie kommunizieren damit untereinander, wehren schädliche Insekten ab beziehungsweise locken Fressfeinde dieser Schädlinge an.

Werden die Terpenoide während eines Waldspaziergangs beim Atmen oder über die Haut aufgenommen, aktivieren sie im menschlichen Körper die sogenannten Killerzellen. Deren Aufgabe ist es, Krankheitserreger wie Bakterien oder Viren zu identifizieren und zu vernichten.

Aktivierung von Krebs-Proteinen

Zudem inspirierten Qing Lis Forschungen an der Stanford University zum Thema Anti-Krebs-Proteine ihn zu weiteren Erkenntnissen. Denn diese Killerzellen aktivieren ebenfalls die drei wichtigen Anti-Krebs-Proteine: Perforin, Granulysin und Granzyme. Damit können potenzielle Krebszellen erkannt und zerstört werden.

Daher wird inzwischen zur Verwendung von Terpenoiden in der Krebsforschung geforscht. Es gibt bereits Chemotherapeutika auf der Grundlage von Terpenoiden. Studien anderer Wissenschaftler belegen, dass Menschen, die häufig von Bäumen umgeben sind, viel seltener Tumorerkrankungen entwickeln als Menschen in Vergleichsgruppen.

Nützliche Mikroorganismen

Der Wald ist außerdem voller mikroskopisch kleiner Lebewesen, den sogenannten Mikroorganismen wie Bakterien und Pilzen. Auf einem Quadratzentimeter Blatt leben beispielsweise bis zu zehn Millionen Bakterien und 1000 mikroskopische Pilze. In einem Gramm Waldboden können sogar bis zu 100 Millionen Bakterien leben.

Trainingsfeld für das Immunsystem

Auch darum ist Waldbaden gesund. Denn für den menschlichen Körper ist es wichtig, mit solchen Organismen in Berührung zu kommen und sich damit auseinanderzusetzen. In unserer immer steriler werdenden Lebensumgebung geht deren Anteil nämlich stark zurück. Wissenschaftler nehmen daher an, dass das Immunsystem aus einer solchen Konfrontation effektiver lernt, schädliche von nützlichen Keimen zu unterscheiden und sich dagegen zu wehren.

Da sich im menschlichen Körper selbst ebenfalls an die 30 Billionen Mikroorganismen tummeln, kommt es auch zu positiven Wechselwirkungen, wenn die Waldmikroben über die Atmung oder die Haut in den Körper gelangen. Sie können beispielsweise im Darm bei der Verdauung unterstützen.

Linderung bei Atemwegserkrankungen

Die allergen- und schadstoffarme Waldluft bekommt besonders Menschen mit Atemwegserkrankungen gut. Hier profitieren sowohl Patienten mit einer hohen Infektanfälligkeit als auch diejenigen mit chronischen Lungenerkrankungen. Die hohe Luftfeuchtigkeit und die reizgasfreie Luft erzielen positive Effekte bei entzündlichen Veränderungen der Atemwege.

Stärkung des Bewegungsapparates

Die Bewegung im Wald kräftigt außerdem die Muskulatur. Dadurch können Beschwerden am Bewegungsapparat verringert werden. Bei chronischen Schmerzen wurde wegen der Ablenkung durch die wohltuende Waldatmosphäre vielfach eine Schmerzlinderung beobachtet.

Shinrin Yoku gegen Depressionen

Shinrin Yoku wirkt sehr effektiv auch bei Burnout, Depressionen und Angststörungen. Das belegen weitere wissenschaftliche Untersuchungen. So verbesserte sich die psychische Verfassung vieler Studienteilnehmer nachweislich nach dem Waldbaden. Gleichzeitig wurden präventive Effekte im Hinblick auf psychosomatische und neurologische Erkrankungen festgestellt.

Waldbaden senkt Stresshormone

Vor allem aber gestressten Menschen tut Waldbaden gut. Wissenschaftler von der Universität Michigan, USA, fanden bei einer Studie heraus, dass bereits ein Aufenthalt von zwanzig Minuten im Wald die Werte für die Stresshormone Cortisol, Noradrenalin und Adrenalin sowie für das Alpha-Amylase-Enzym, dass vermehrt im menschlichen Körper bei Stress ausgeschüttet wird, sinken lässt.

Waldbaden: Was passiert im Körper?

Messbare Auswirkungen im Körper beim Shinrin Yoku:

  • Pulsfrequenz sinkt
  • Atemfrequenz wird regelmäßig
  • Kopfschmerzen lassen nach
  • Blutdruck sinkt
  • Muskelverspannungen lösen sich

Menschen fühlen sich nach einem Waldbesuch:

  • ausgeruhter
  • entspannter
  • ausgeglichener
  • fröhlicher
  • konzentrierter
  • frischer

Welche Wirkung hat Waldbaden

Diese Stressreduzierung ist einer der Schlüssel dazu, dass Waldbaden gesund ist. Denn im Stressmodus wird automatisch das Immunsystem blockiert, weil der Körper auf andere Prioritäten fokussiert ist. Auch dies hat einen evolutionsbiologischen Hintergrund. Es hängt mit unserem vegetativen Nervensystem zusammen. Das ist der Teil des Nervensystems, der alle Stoffwechselprozesse steuert – und zwar unbewusst.

Parasympathikus gewinnt die Oberhand

Das vegetative Nervensystem besteht aus zwei Teilen: dem Sympathikus und dem Parasymphatikus. Stress aktiviert den Sympathikus und versetzt den Körper in Dauerbereitschaft. Stresshormone und –enzyme werden ausgeschüttet. Alle Zeichen stehen auf Alarm. Der Körper ist im Fluchtmodus, bereit dazu, im Notfall Höchstleistungen abzurufen. Dem wird alles andere untergeordnet. Der Pulsschlag rast, die Skelettmuskulatur wird angespannt, die Immunfunktion gehemmt. Stoffwechsel und Verdauung werden heruntergefahren.

Durch das Waldbaden jedoch übernimmt der Parasymphatikus die Oberhand. Die Prozesse im Margen-Darm-Trakt werden angeregt, das Immunsystem aktiviert, die Atmung wird ruhiger, Muskeln entspannen sich. Der Körper geht in einen Ruhe- und Regenerationszustand über.

Kreativer durch Shinrin Yoku

Zusätzlich werden beim Shinrin Yoku die Sinne geschärft. Das regt die Kreativität an, wirkt inspirierend und ruft Glücksgefühle hervor. Man wird achtsamer sich selbst gegenüber und der Natur. Und nicht zuletzt steuert ein Waldbad aktiv dem chronischen Bewegungsmangel entgegen, der Crux unserer modernen Zivilisation.

Formen der Waldtherapie

  • Yoga
  • Meditation
  • Tanz
  • Gymnastik
  • Gesang
  • Theater
  • Musikkonzert
  • Zeichenkurs
  • Waldmaterialien sammeln
  • Workshops

Was macht man beim Waldbaden?

Waldbaden – wie geht das nun eigentlich genau? Der Begriff „Shinrin Yoku“ beziehungsweise „Forest bathing“ für Waldbaden umschreibt schon ziemlich präzise, worauf es ankommt: sich mit allen Sinnen von der Waldatmosphäre umfangen zu lassen.

Waldbaden als Therapie

Die einfachste Form des Waldbadens ist ein längerer Spaziergang oder schlicht das Sitzen im Wald. Dabei geht es darum, die Umgebung bewusst wahrzunehmen: beobachten, riechen, schmecken, tasten, fühlen – den Wald schlicht spüren. Darauf bauen unterschiedlichste Therapieformen auf. Das reicht von Meditationsübungen über Bäume umarmen bis hin zu Tanzkursen und diversen Workshops.

Kursangebot über Therapie-Zentren

Naturtherapie-Zentren in Japan bieten schon seit Jahrzehnten ein vielfältiges Kursprogramm für Shinrin Yoku an. Denn da mittlerweile belegt ist, dass Waldbaden gesund ist, verordnen japanische Ärzte es zur Prävention, Behandlung und Rehabilitation. Auch in Deutschland wächst das Kursangebot rund ums Waldbaden kontinuierlich. In immer mehr Reha- und Kur-Kliniken sind diesbezügliche Seminare mittlerweile Teil von Rehabilitationsprogrammen.

Waldbaden in Eigenregie

Sie haben kein Waldtherapiezentrum in der Nähe, sind zurzeit nicht in der Reha und finden keinen Kursanbieter? Egal! Waldbaden funktioniert auch hervorragend in Eigenregie. Maßgeblich beim Shinrin Yoku ist, sämtliche Stressfaktoren auszuschalten. Also Handy aus, keine Termine im Nacken, bequeme Kleidung und angenehme Gesellschaft.

Und dann einfach alle Sinne schärfen, die Ruhe und die vielfältigen Eindrücke zulassen und wirken lassen. Ganz wichtig dabei: Kontakt zur Umgebung aufnehmen! Durchatmen und offen für alles sein, was einem selbst guttut – selbstverständlich, ohne der Natur damit zu schaden.

Kurze Anleitung zum Waldbaden

  • langsam spazieren gehen oder ein ruhiges Plätzchen zum Verweilen suchen
  • achtsam die Umgebung wahrnehmen
  • auf Farben und Bewegungen achten
  • zwischendurch die Augen schließen und sich nur auf Geräusche und Gerüche konzentrieren
  • mit den Händen Bäume und Pflanzen berühren, Strukturen ertasten
  • mit den Füßen den Boden spüren
  • tief und bewusst ein- und ausatmen
  • meditieren
  • die Gedanken treiben lassen
  • leichte sportliche Übungen ausführen
  • zeichnen oder schreiben
  • Waldmaterialien sammeln
  • kleine Skulpturen basteln aus Blättern, Ästen oder Steinen

Vorteile von Shinrin Yoku

Unkompliziert und ohne großartige Vorbereitung durchführbar – das gehört mit zu den schlagkräftigsten Vorteilen von Shinrin Yoku. Zudem setzt die positive Wirkung bereits nach extrem kurzer Zeit ein. Waldbaden ist allein möglich oder in der Gruppe. Gerade Familien schätzen die gemeinsame Zeit in der Natur. Außerdem ist von fast überall ein kleines Wäldchen oder ein Stadtpark schnell erreichbar.

Für wen ist Waldbaden gesund?

Dazu kommt: Einfach für jedermann ist Waldbaden gesund und zwar in jedem Lebensalter. Die heilende Waldluft bekommt Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen gleichermaßen. Selbst der Familienhund kann mitgenommen werden und profitiert davon.

Wo gibt es Kurse zum Waldbaden?

Weil Waldbaden gesund ist, finden sich inzwischen immer mehr kommerzielle Anbieter für Kurse auch hierzulande. Und nebenbei entstand ein ganz neues Berufsbild: der Waldtherapeut – auch Waldbaden-Coach oder Waldbademeister genannt. Welch wunderbar klingende Bezeichnungen, nicht wahr? Waldgesundheitstrainer in der eigenen Umgebung beispielsweise findet man über die Direktsuche auf der Webseite des Kompetenzzentrums für Waldmedizin und Naturtherapie in Bad Wörishofen.

Vielfältiges Kursangebot

Auch eine einfache Internetsuche nach einem geeigneten Kurs in der Nähe ergibt in der Regel mehrere regionale Treffer. Kurse werden zum Beispiel von Touristikverbänden, Sportvereinen, Tanzakademien, medizinischen Einrichtungen oder über die Volkshochschule angeboten. Meist bestehen dabei in Sachen Organisation und Vermarktung Kooperationen zwischen den Anbietern und den jeweiligen Kursleitern.

Bei diesen handelt es sich oft um Biologen, Förster, Heilpraktiker oder Therapeuten. Auch viele Baumpfleger wissen aus eigener täglicher Erfahrung, dass Waldbaden gesund ist und bieten beispielsweise Erlebnistage im Wald an. Im Grunde kann jeder, der sich für den Wald und seine Heilkräfte interessiert, sich zum Coach für Waldbaden weiterbilden. Allerdings handelt es sich weder um einen Ausbildungsberuf noch um eine geschützte Berufsbezeichnung. Es gibt keine Zulassungsvoraussetzungen, Prüfung oder Anerkennung etwa durch eine staatliche Institution.

Baumpfleger als Waldbadentrainer

Immer mal wieder bieten auch Baumpfleger Waldbaden-Kurse oder Walderlebnistage an. Über die Suchfunktion des Baumpflegeportals können Sie sich schnell über mögliche diesbezügliche Angebote der Baumpfleger in Ihrer Nähe informieren.

Fortbildung zum Coach für Waldbaden

Eine der ersten Einrichtungen, die hierzulande Kurs- und Weiterbildungsmöglichkeiten zum Waldbaden anbot, ist die 2018 gegründete Deutsche Akademie für Waldbaden und Gesundheit (DAWG) in Rheinland-Pfalz.

Der gemeinnützige Verein Bundesverband Waldbaden (BVWA) bietet ebenfalls Seminare zum Waldbaden an, ebenso das Kompetenzzentrum für Waldmedizin und Naturtherapie in Bad Wörishofen, um nur einige Fortbildungsmöglichkeiten zu nennen. Bei seriösen Anbietern werden nicht nur Waldwissen, aktuelle Forschungsergebnisse und Methodik vermittelt, sondern auch Aspekte wie Versicherungsschutz, Rettungsplanung und naturschutzgerechtes Verhalten im Wald behandelt.

Waldbaden: Frauen sitzen auf dem Waldboden
DAWG-Leiterin Jasmin Schlimm-Thierjung (r.) erkundet mit einer Gruppe den Waldboden. – DAWG/Björn Kaisen

Deutsche Akademie für Waldbaden und Gesundheit (DWG)

Die Deutsche Akademie für Waldbaden und Gesundheit (DAWG) unter der Leitung von Jasmin Schlimm-Thierjung ist 2018 von Annette Bernjus und Jasmin Schlimm-Thierjung gegründet worden. In erster Linie versteht sich die DAWG in St. Martin in Rheinland-Pfalz als Bildungseinrichtung und Waldexperten-Stützpunkt. Ziel ist es, Waldexperten und Fachleute für Gesundheit und Entspannung im Wald zusammenzubringen. Gemeinsam soll die Verbindung von Waldbaden und Gesundheit gepflegt und weiterentwickelt werden. Die Ausbildung findet an verschiedenen Orten in Deutschland, Schottland und Spanien statt. Seit dem Bestehen wurden 1400 Kursleiter für Waldbaden ausgebildet sowie 1500 Kursleiter und Trainer für andere Ausbildungen. Seminare u.a. in den Bereichen Coaching, Veranstaltungsmanagement, Betriebliches Gesundheitsmanagement sowie Natur- und Erlebnispädagogik runden das Ausbildungs-Angebot ab. Erklärtes Ziel der DWG ist es, als überregionale Plattform Menschen zusammenzubringen, die sich für Wald und Gesundheit begeistern.

Erarbeitung von Ausbildungsstandards geplant

Ausgebildete Waldtherapeuten beziehungsweise Ausbildungsinstitute können auch Mitglied in der Deutschen Gesellschaft für Naturtherapie, Waldtherapie/Waldmedizin und Green Care (DGN e.V.) werden. Ziele des Vereins sind unter anderem die Erarbeitung einheitlicher Ausbildungsstandards, die Förderung der Forschung zu den neuen Naturtherapien und die Errichtung von Informations- und Praxiszentren.

Kurse im Wald erfordern Genehmigung

Zu beachten ist dabei, dass nach Angaben des Bundesverband Waldbaden BVWA e.V. jeder, der später ein Coaching anbietet, für eine Veranstaltung im Wald in der Regel unbedingt die Genehmigung vom jeweiligen Waldbesitzer beziehungsweise von der zuständigen Forstbehörde einholen muss.

Waldbaden: gesund und nachhaltig

Zusammenfassend lässt sich sagen: Waldbaden hat eigentlich nur Vorteile. Es ist unkompliziert und ohne große Anleitung für jedermann machbar sowie schnell umsetzbar. Dabei entstehen weder Kosten und Müll, noch müssen teure Ausrüstung oder Sportgeräte produziert und gekauft werden. Somit ist Waldbaden gesund und nachhaltig.

Das ist gut für Mensch und Natur. Denn durch den intensiven und bewussten Aufenthalt im Wald entwickeln viele ein tieferes Bewusstsein für die Natur und ihren sorgsamen Umgang damit. Die Stärkung des eigenen Immunsystems hat zudem präventive Wirkung. Dadurch trägt Waldbaden messbar zur Entlastung des Gesundheitssystems bei. Somit ist Waldbaden nicht nur für jeden Einzelnen ein Gewinn, sondern auch gesamtgesellschaftlich.

Bleibt nur noch die Frage: Und wann nehmen Sie Ihr nächstes Bad in der Waldluft?

Die Autorin: Claudia Dreckmann

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1 Kommentar
  1. Ich kann mich da nur anschließen. Meine Kopfschmerzen sind weg, seitdem ich nach der Arbeit 1 Stunde im tiefen Wald spazieren gehe. Auch jetzt im Sommer geht es mir deutlich besser, wenn ich im kühlen Wald spaziere oder mich mit meiner Picknick-Decke hinlege als in meiner heißen Dachgeschoss-Wohnung zu hausen.

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