— Werbung —Der UV-Schutz ist sehr wichtig für Baumpflege-Profis. Expertin Dr. Susanne Kemme vom Euskirchener Hautschutzhersteller Peter Greven Physioderm gibt Tipps, wie sich Baumpflege-Experten effektiv schützen können und worauf sie bei der Auswahl ihrer Sonnenschutzmittel achten sollten. Außerdem spricht sie über den Zecken- und Insektenschutz, der für Menschen, die im Freien arbeiten, auch immer wichtiger wird.
Frau Dr. Kemme, welche gesundheitlichen Folgen hat der Klimawandel auf Menschen, die wie Baumpflege-Profis überwiegend im Freien arbeiten?
Die Auswirkungen des Klimawandels auf Baumpflege-Profis und andere Outdoor-Worker sind vielfältig und gravierend. Zu den Folgen gehören beispielsweise Hitze, eine erhöhte UV-Intensität durch die Sonne, aber auch das neue und vermehrte Auftreten von Überträgern von Infektionskrankheiten, den sogenannten Vektoren. Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (baua) hat sich in ihrem Bericht „Klimawandel und Arbeitsschutz“ intensiv mit dem Thema beschäftigt und eine umfassende Analyse wissenschaftlicher Studien und laufender Aktivitäten von verschiedenen Akteuren zum Thema recherchiert und dokumentiert. So sollen mögliche künftige Herausforderungen für den Arbeitsschutz abgeleitet werden. Eines der drängendsten Probleme ist die erhöhte UV-Belastung, die wir schon im Frühjahr deutlich spüren. Zwar können Baumkronen die UV-Strahlung um 20 Prozent mindern – trotzdem bleibt sie ein großes Problem für Baumpflege-Profis.
Können Sie konkret erläutern, warum der Klimawandel zu einer erhöhten UV-Belastung führt?
Der Klimawandel trägt auf ganz unterschiedliche Weise zu einer erhöhten UV-Belastung bei, wie das Bundesamt für Strahlenschutz festgestellt hat. So verzögert sich die von vielen Experten prognostizierte Erholung der Ozonschicht, die UV-Strahlen filtert. Das liegt an komplexen Wechselwirkungen zwischen Treibhausgasen, die ozonabbauend wirken, und der stratosphärischen Ozonschicht. Das hat zur Folge, dass die UV-Bestrahlungsstärke weiterhin auf einem hohen Niveau bleibt. Zudem treten Klimawandel-bedingt zunehmend Niedrigozonereignisse auf und führen für wenige Tage bereits Ende März / Anfang April zu plötzlichen, unerwartet hohen UV-Bestrahlungsstärken.
Grundsätzlich steigt die Zahl der jährlichen Sonnenscheinstunden stetig, sodass mehr UV-Strahlung ungehindert die Erdoberfläche erreichen kann. Und nicht zuletzt halten sich die Menschen sowohl im privaten als auch im beruflichen Kontext mehr im Freien auf und sind dadurch einer erhöhten UV-Strahlungsbelastung ausgesetzt. All diese Faktoren erhöhen das Risiko, an weißem Hautkrebs zu erkranken – vor allem für die sogenannten Outdoor-Worker, zu denen Baumpflege-Profis zählen und von denen es über 7 Millionen in Deutschland gibt.
Wie oft tritt weißer Hautkrebs allein in Deutschland auf und welche Folgen hat das für Beschäftigte und Arbeitgeber?
Nach Angaben der Deutschen Krebshilfe erhalten in Deutschland jährlich rund 370.000 Menschen die Diagnose Hautkrebs. Er ist damit eine der häufigsten Krebserkrankungen. Die meisten Betroffenen erkranken am weißen Hautkrebs, dessen Hauptarten das Basalzell- und das Plattenepithelkarzinom sind. Seit 2015 können der weiße Hautkrebs – oder genauer: das Plattenepithelkarzinom – und seine Vorstufen, multiple aktinische Keratosen genannt, als Berufskrankheit Nummer 5103 anerkannt werden. Seither übernimmt die gesetzliche Unfallversicherung die Kosten, wenn bei einem Arbeitnehmenden weißer Hautkrebs diagnostiziert und als beruflich bedingt eingestuft wird. Traditionell belegt der weiße Hautkrebs Spitzenpositionen bei den Verdachtsanzeigen auf eine Berufskrankheit. Auch vor diesem Hintergrund hat die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin reagiert und im August 2025 die Technischen Regeln für Arbeitsstätten A5.1 vorgelegt. Die verbindlichen Regeln konkretisieren den Arbeitsschutz im Freien und in offenen Arbeitsstätten mit Blick auf Witterungseinflüsse wie UV-Strahlung. Eine wesentliche Neuerung ist, dass erstmals der UV-Index verbindlich zur Gefährdungsbeurteilung herangezogen wird. Ab sofort müssen Arbeitgeber ab einem Schutzindex von 3 dafür sorgen, dass ihre Beschäftigten Schutzmaßnahmen gegen die Sonnenstrahlung ergreifen.
Wie können sich Baumpflege-Profis allgemein schützen?
Beim UV-Schutz gilt zunächst, wie im Arbeitsschutz grundsätzlich, das TOP-Prinzip. Es müssen also zunächst technische, dann organisatorische und schließlich persönliche Maßnahmen ergriffen werden. Eine technische Maßnahme ist beispielsweise das Verschatten von Arbeitsplätzen durch Sonnensegel. Zu den organisatorischen Maßnahmen gehört, die Arbeitszeiten in die Morgen- und Abendstunden zu verlagern, um so der sonnenintensivsten Zeit zwischen 11 und 14 Uhr zu entgehen. Sowohl technische als auch organisatorische Maßnahmen sind im Arbeitsalltag aber natürlich nicht immer umzusetzen. Letztendlich läuft es also in den allermeisten Fällen auf persönliche Schutzmaßnahmen hinaus. Dabei ist zunächst einmal eine Kopfbedeckung gefragt. UV-Schutz-Hüte und -Mützen, die man auch unter dem Helm tragen kann, tun hier gute Dienste. Auch der Kleidung kommt eine wichtige Schutzfunktion zu. Hier gibt es beispielsweise den UV-Schutz nach Standard 801, der als besonders anspruchsvoll gilt. Zu den persönlichen Schutzmaßnahmen zählt zwingend aber auch das Verwenden von „Sonnenschutzmitteln für Körperstellen, die nicht durch Kleidung oder Kopfbedeckung geschützt werden können“, wie es in der neuen Technischen Regel für Arbeitsstätten heißt. Ohne dermalen UV-Schutz läuft also nichts für Baumpflege-Profis oder andere Outdoor-Worker.
Wie unterscheiden sich professionelle UV-Schutz-Produkte von weniger geeigneten? Und welche Eigenschaften sollten insbesondere Produkte bieten, die in der Baumpflege eingesetzt werden?
Die neuen Technischen Regel für Arbeitsstätten gibt für Outdoor-Worker ausdrücklich vor, dass „wasserfeste Produkte mit einem hohen bis sehr hohen Lichtschutzfaktor (mindestens 30, besser 50+), einschließlich ausreichendem UV-A-Filter“ geeignet sind. Bei der Auswahl der Produkte sollte man deswegen darauf achten, dass die Mittel mit dem „UVA“ im Kreis ausgezeichnet sind. Dazu muss man wissen, wie sich UV-A- und UV-B-Strahlen unterscheiden. UV-B-Strahlen sind kurzwelliger, energiereicher und dringen weniger tief in die Haut ein als UV-A-Strahlen. Die UV-A-Strahlen sind langwelliger und haben weniger Energie, sie dringen aber tiefer in die Haut ein. Nach wissenschaftlichen Erkenntnissen ist für lichtbedingte Hautschäden nicht nur die UV-B-Strahlung verantwortlich, die Sonnenbrand auslöst – sondern auch die UV-A-Strahlung. Deren negative Wirkung macht sich vor allem in Form von Langzeitschäden wie Falten und Pigmentflecken bemerkbar, aber im schlimmsten Fall auch als Hautkrebs. Deswegen müssen Sonnenschutzmittel auch gegen UV-A-Strahlen schützen. In der Europäischen Union sollte der UVA-Schutzfaktor eines Sonnenschutzmittels mindestens ein Drittel des auf der Packung angegebenen Lichtschutzfaktors betragen. Dieses Verhältnis basiert auf einer Empfehlung der EU-Kommission von 2006. Da der LSF primär den Schutz gegen UVB-Strahlen – also vor Sonnenbrand – misst, stellt diese Regel sicher, dass auch ein proportional steigender Schutz gegen UVA-Strahlen – also vor Hautalterung und langfristigen Schäden – gewährleistet ist. Profimittel für den täglichen Gebrauch sollten jedoch weit darüber hinausgehen. Bei der Auswahl der Sonnenschutzmittel sollte man sich außerdem die Inhaltsstoffe anschauen. Enthalten die Produkte Parfüm ist das problematisch, weil viele Parfüme ein höheres Risiko für Allergien bieten. Das ist ein Problem, das sich in Verbindung mit der Sonneneinstrahlung noch verschärfen kann, weil einige Parfüminhaltstoffe Sonnenallergien fördern können. Mittel für den professionellen Gebrauch sollten daher auf Parfüm verzichten.
Welche Rolle spielt die Dosierung?
Die Dosierung und die Anwendung sind mindestens genauso wichtig wie die Auswahl des richtigen Produkts. Denn das größte Problem beim Sonnenschutz – und beim Hautschutz insgesamt – ist, dass die Beschäftigten die Produkte nicht oder falsch anwenden und die Anwendung nicht zur Routine wird. Deswegen sind praktische Unterweisungen und Hilfsmittel wie Poster und Infokarten wichtig, wie sie Profianbieter bereitstellen. Die richtige Dosierung funktioniert am besten mit Spendersystemen, die den Sonnenschutz automatisch dosieren und so optimalen Schutz bieten. Man kann die Spender beispielsweise im Servicefahrzeug anbringen. So ist man zugleich abgesichert, dass das Sonnenschutzmittel immer vor Ort ist. Tuben und Sprays hingegen können die Beschäftigten leicht mitnehmen, wenn sie unterwegs sind.
Welche Unterstützung bietet PGP bei der Aufklärung?
Wir liefern den Menschen nicht nur UV-Schutz-Produkte, sondern bieten auch ein umfangreiches Servicepaket und unterstützen sie mit Unterweisungen, Hilfsmitteln wie Postern und Infokarten oder digitalen Tools. Das baut Hemmschwellen ab und schafft ein besseres Bewusstsein bei den Anwendern. Denn die gute Nachricht ist ja, dass man sein Risiko, an weißem Hautkrebs zu erkranken, deutlich senken kann, wenn man sich an die Tipps zum UV-Schutz hält.
Sie haben es bereits angesprochen: Der Klimawandel hat nicht nur Auswirkungen auf den UV-Schutz, sondern auch der Zecken- und Insektenschutz gewinnen zunehmen an Bedeutung. Warum?
Durch die Auswirkungen des Klimawandels breiten sich exotische Mückenarten wie die Asiatische Tigermücke auch in Deutschland immer weiter aus. Diese Entwicklung ist laut Experten nicht rückgängig zu machen. Und die exotischen Arten können gefährliche Krankheitserreger wie Zika-, Chikungunya-, West-Nil- oder Dengue-Viren übertragen. Darüber hinaus breiten sich auch die Zecken, die ebenfalls gefährliche Krankheiten übertragen können, immer weiter aus und sind große Teile des Jahres über aktiv. Laut Angaben des Robert Koch-Instituts hat sich die Zahl der FSME-Risikogebiete in Deutschland auf 185 Landkreise erhöht. Dabei wandert die Grenze immer weiter nach Norden. Neben den klassischen Risikogebieten in Süddeutschland sind auch einzelne Regionen in Nordrhein-Westfalen oder in Niedersachsen als Risikogebiet eingestuft. Experten raten daher zur Vorsicht. Sie empfehlen, sich gegen FSME impfen zu lassen; gegen Borreliose kann man sich bislang noch nicht impfen lassen.
Wie kann man sich gegen Zecken und exotische Mücken schützen?
Baumpflege-Profis und andere Outdoor-Worker sollten, wie beim UV-Schutz auch, zunächst lange Kleidung tragen. Analog zu Sonnenschutzmitteln kommen sie allerdings auch nicht umhin, Insekten- und Zeckenschutzsprays anzuwenden, die auch Repellentien genannt werden. Diese schrecken Insekten und Zecken über deren Geruchsinn ab. Bei der Auswahl sollte man darauf achten, dass die Insekten- und Zeckenschutzsprays nicht nur wirksam, sondern auch sehr haut- und materialverträglich sind.
Wann sollten die Anwender das Spray auftragen?
Am besten direkt vor der Arbeit, denn der Schutz beginnt sofort. Bei gleichzeitiger Anwendung mit einem Sonnenschutzmittel sollte man das UV-Schutzmittel 30 Minuten vorher auftragen. Nach der Anwendung des Insektenschutzsprays sollten die Nutzer zudem rund zehn Minuten warten, bevor sie sich ins direkte Sonnenlicht begeben.
Was halten Sie von Kombiprodukten aus Insekten- und UV-Schutz?
Die sind in meinen Augen nicht empfehlenswert, weil man in der Regel zu viele Kompromisse eingehen muss und so keinen optimalen Schutz vor Insekten beziehungsweise der UV-Strahlung hat. Das ist wie bei Allwetter-Reifen. Die funktionieren auch. Aber wer sich wirklich sicher fortbewegen will, fährt saisonal mit Sommer- oder Winterreifen.
Vielen Dank für das informative Interview.
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