Baumpflege

Streuobst: Korallenriffe unserer Kulturlandschaft

Pilz an altem Streuobstbaum
Korallenriff der Kulturlandschaft: In Streuobstwiesen leben bis zu 5000 Tier- und Pflanzenarten. © Nicole Bottesch

 Auf einen Blick:

  • Streuobstbestände beherbergen bis zu 5000 Tier- und Pflanzenarten.
  • Dickere abgestorbene Äste sollten in Streuobstbäumen verbleiben.
  • Regelmäßiger Schnitt durch Fachleute ist nötig, um Streuobstbäumen ein langes Leben zu ermöglichen.
  • Moose, Flechten und Pilze schützen Streuobstbäume vor Erosion durch Wind und Wetter.

Baumpflegeportal (BPP): Frau Bottesch, wie wertvoll sind Streuobstwiesen für die Artenvielfalt auf einer Skala von 0 bis 10, dem Maximum?

Nicole Bottesch (NB): Streuobstbestände zählen zu den Hotspots der Artenvielfalt, denn sie beherbergen bis zu 5000 Tier- und Pflanzenarten. Als halboffenes Landschaftselement bieten sie passende Bedingungen für hoch spezialisierte und an das spezielle Klima angepasste Arten. Hinzu kommen dann noch typische Arten der Wälder und der offenen Landschaften. Allein ein einziger, alter Obstbaum ist für diese Arten mit seinen wertvollen Strukturen wie ein Hochhaus mit mehreren Stockwerken. Ganze Streuobstbestände werden somit sehr passend als „Korallenriffe unserer Kulturlandschaft“ bezeichnet. Ich würde Streuobstwiesen bezüglich ihrer Wichtigkeit für die Artenvielfalt auf jeden Fall 10 Punkte geben.

BPP: Wie lässt sich der ökologische Wert eines Streuobstbaumes erhöhen? Wie ist es mit abgestorbenen Ästen?

NB: Viele Streuobstbäume können weit über 100, Birnen sogar bis zu 350 Jahre alt werden. Durch die hohe Fruchtlast ist das Kulturgut Obstbaum besonders bruchgefährdet. Umso wichtiger ist hier der regelmäßige Schnitt, um ein stabiles Kronengerüst herzustellen und dem Baum ein langes Leben zu ermöglichen. Denn: Aus naturschutzfachlicher Sicht sind zwar möglichst viele Baummikrohabitate wünschenswert. Aber für große Höhlen, tiefe Rindenspalte und gesplitterte Enden durch Starkastbruch muss der Baum mächtig und alt werden, um dann diese Strukturen in ausreichender Größe ausbilden zu können. Vor allem dickere abgestorbene Äste in besonnten Bereichen sollte möglichst im Baum verbleiben, da diese als stehendes Totholz wichtiger Lebensraum für xylobionte (totholzbewohnende) Insektenarten wie Käfer und Wildbienen darstellen.

BPP: Wann und warum sollten Pilze, Moose und Flechten in einem alten Obstbaum nicht entfernt werden?

NB: Moose, Flechten und Pilze sorgen durch ihre Wasserspeicherkapazität für das ausgeglichene, kühlere und feuchtere Klima in alten Streuobstbeständen und sie schützen den Baum vor Erosion durch Wind und Wetter. Beim Nestbau vieler Vögel und Kleinsäuger bilden Moose und Flechten die Grundsubstanz. Als wichtige Habitat-Struktur beherbergt der Aufwuchs Kleinstlebewesen wie Milben, Springschwänze, Bärtierchen, Spinnen, Schnakenlarven, Käfer und Asseln. Einige dieser hoch spezialisierten Tiere sind stark bedroht. Auf einem Pilzfruchtkörper des Zunderschwamms zum Beispiel leben in Europa schätzungsweise 600 Arthropodenarten.

(Das Interview führte Peter Knoll, Redakteur BPP.)

Nicole Bottesch ist Biologin und Projektmanagerin im Projekt „Aktionsbündnis Streuobst“ des Bund Naturschutz in Bayern e. V. © N. Bottesch

Nicole Bottesch setzt sich für die Erhaltung der Streuobstwiesen ein und hilft bei Förderanträgen.

Neukundengewinnung als Baumpfleger

Bewerben Sie Ihre Fähigkeiten als Baumpfleger über das Baumpflegeportal. Erstellen Sie noch heute Ihr Firmenprofil in unserem Experten-Verzeichnis!

Jetzt Firma eintragen!
Feedback einreichen