Echten und Falschen Mehltau erkennen und behandeln

Echter Mehltau auf einer Eiche
J.Böhm

Mehltau ist nicht gleich Mehltau: Der Echte Mehltau (Erysiphaceae) und der Falsche Mehltau (Peronosporaceae) unterscheiden sich grundlegend in ihrer Genetik und ihren Ansprüchen. Auf den ersten Blick sind die beiden Baumkrankheiten sehr ähnlich: Ein an das namensgebende Mehl erinnernder, weißlicher bis grauer Belag. Dieser tritt häufig an Rosen, aber auch an vielen anderen Blumen und Bäumen auf.

Unterscheidung

Beide Mehltauarten sind Pilze, die an den Blättern ihrer Wirtspflanze wachsen und diese schädigen. Der Echte Mehltau ist ein Ektoparasit. Er sitzt also außen an den Blättern und dringt mit seinem Myzel, einem wurzelähnlichen Fadengeflecht, nicht in die Pflanze ein. Zu Beginn des Befalls ist der Belag daher noch leicht abwischbar und außerdem gut zu erkennen. Der Belag tritt nur auf der Oberseite des Blattes auf. Der Falsche Mehltau befällt hingegen die Blattunterseite. Als Endoparasit dringt er mit seinem Myzel in das Blattgewebe ein. Er kann daher nicht einfach abgewischt werden. Wer es ganz genau wissen möchte, kann zur Unterscheidung auch eine Lupe zuhilfe nehmen. In der Vergrößerung sind die Vermehrungseinheiten des Pilzes, die Sporen, gut zu erkennen. Die Sporen des Echten Mehltau sitzen in Ketten von zehn bis 15 Stück auf einem stiftartigen, unverzweigten Träger, die Träger wiederum sind wie Palisaden nebeneinander aufgereiht.

Im Gegensatz dazu bildet der Falsche Mehltau baumartige, mehrfach verzweigte Trägerstrukturen aus, an deren Enden sich jeweils nur eine kugelförmige Spore befindet. Das Auftreten von dunklen, etwa 0,2 Millimeter großen Fruchtkörpern innerhalb des Pilzrasens, der oberirdischen Ausbreitungsfläche des Parasiten, ist ein sicheres Erkennungsmerkmal für den Echten Mehltau. Beim Falschen liegen die Fruchtkörper innerhalb des Blattgewebes und sind zudem mikroskopisch klein. Beide Pilze unterteilen sich wieder in eine große Zahl verschiedener Gattungen und Unterarten, die nur auf bestimmten Wirtspflanzen auftreten, der „Echte Rosenmehltau“ befällt zum Beispiel nur Rosengewächse. Eine Unterscheidung der Gattungen und Arten ist allerdings nur durch Experten möglich.

Verlauf des Mehltau-Befalls

Der Befall mit Mehltau ist wie bei den meisten Baumkrankheiten zu Beginn kaum zu erkennen: Ein leichter weißer, teilweise spinnwebenähnlicher Flaum, der punktuell und meist in der Blattmitte (oben oder unten) auftritt, ist ein erstes Anzeichen für den Befall. Im weiteren Verlauf breitet sich der weiß-graue Belag aus und kann das komplette Blatt bedecken. Das Auftreten an Stängeln oder jungen Ästen ist ebenfalls möglich, an Obstbäumen werden auch die Früchte von dem Pilz bedeckt. Im weiteren Verlauf können sich beim Falschen Mehltau mosaikartige Muster auf der Blattoberseite zeigen, wenn das Myzel das Blattgewebe durchwächst. Auch wenn ein Mehltau-Befall für die Pflanze meist nicht lebensbedrohlich ist, sollte er doch so früh wie möglich bekämpft werden. Die Pflanze wird sonst geschädigt und geschwächt, infolgedessen können weitere Erkrankungen auftreten. Bei Ertragspflanzen wie Gemüse oder Obstbäumen wird durch die Parasiten der Ernteertrag gemindert.

Mehltau an Bäumen

Fast keine Laubbaumgattung bleibt vom Mehltau verschont. Seine weißen, mehligen Flecken ziehen sich über die Blätter der einzelnen Bäume. Bei trockener-warmer Witterung breiten sie sich rasch und flächendeckend aus. Insbesondere Berg- und Spitzahorn befällt der Mehltau häufig. Der Pilz verursacht Deformationen der Blätter oder einen frühzeitigen Blattfall. In einzelnen Fällen stirbt der ganze Trieb ab. Ein weiterer, bevorzugter Baum des Mehltaus ist die Eiche. Sie weist bei einem Befall die gleichen Symptome auf, wie der Ahorn. Bei jungen Pflanzen führt Mehltau zu Wachstumseinbußen. Sämlinge sterben teilweise ganz. Ein Befall mit dem Mehltau bedeutet für die Laubbäume nicht den sicheren Tod. Der Schaden, gerade in Gärten und Parks, ist rein ästhetischer Natur. Neuinfektionen im Folgejahr verhindern Gartenbesitzer und Hobbygärnter, indem sie im Herbst das Altlaub entfernen.

Mehltau an Rosen

An Rosen hält sich der echte Mehltau hartnäckig. Der Pilz taucht oft bei Temperaturen über 20 Grad und in Kombination mit hoher Luftfeuchtigkeit auf. Damit sich der Mehltau erst gar nicht entwickeln kann, ist ein sonniger und luftiger Standort wichtig. So trocknen die Rosen nach einem Regenguss schnell. Der Mehltau hat wenig Angriffsfläche. Rosen müssen regelmäßig gegossen werden. Anhaltende Trockenheit sorgt für Stress bei den Zierblumen. Die Pflanzen benötigen bei langen Trockenperioden genügend Wasser. Gärtner decken nach dem Gießen den nassen Boden mit Mulch ab. So bleibt die Feuchtigkeit im Boden länger erhalten.

Jeder Gärtner oder Rosenliebhaber hat gegen Mehltau sein persönliches Erfolgsrezept. Die einen schwören auf ein Milch-Wasser-Gemisch. Andere hingegen mixen Rapsöl und Backpulver. Die Liste der Hausmittel zur Bekämpfung des Mehltaus ist lang. Am besten probieren Betroffene selbst, was an ihren Pflanzen erfolgreich wirkt.

Vorbeugung und Bekämpfung

Die beste Bekämpfung ist eine gute Vorbeugung. Im Handel sind mittlerweile viele mehltauresistente Gemüse- und Rosensorten sowie Gehölze erhältlich. Auch die Anfälligkeit nicht resistenter Sorten kann man beeinflussen. Ein optimaler Standort stärkt die Pflanze und ihre Abwehrkräfte gegenüber dem Pilz. Da Feuchtigkeit und Enge das Wachstum von Pilzen begünstigen, sollte man darauf achten, nicht zu dicht zu pflanzen und einen möglichst luftigen Standort wählen. Die Blätter empfindlicher Pflanzen sollten auch beim Gießen möglichst trocken gehalten werden. Tritt doch ein Befall auf, sollten die betroffenen Pflanzenteile direkt entfernt und über die Biotonne entsorgt oder verbrannt werden, um eine weitere Ausbreitung zu verhindern. Hausmittel wie Ackerschachtelhalm-Brühe oder Jauche haben eine pilzhemmende Wirkung und können vorbeugend oder bei leichtem Befall oft mit guten Erfolgen eingesetzt werden. Bei einem starken Befall sind im Handel auch entsprechende Pflanzenschutzmittel (Fungizide) erhältlich, die auf Grund des Umweltschutzes nur gezielt und nach Anweisung eingesetzt werden sollten.

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